Autor Thema: gefundene Kugeln  (Gelesen 4120 mal)

Gunzi

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gefundene Kugeln
« am: Oktober 03, 2013, 07:11:57 Vormittag »
Hallo ihr lieben Helfer,
erst mal zu meiner Person: ich arbeite in einem Altersheim, bin 62 Jahre alt und helfe meinen Leuten wo ich nur kann. Die beiden Kugeln wurden von einem älteren Herrn vor ca. 30 Jahren in Israel auf einem Markt erstanden. Der Verkäufer deklarierte sie als Meteoriten, gefunden in der Wüste, genauer im Gaza-Streifen. Viel mehr weiß ich nicht.
Beide Kugeln haben einen Durchmesser von ca. 4cm und wiegen ca. 55g. Ich hoffe, dass die Fotos gut genug sind und bin gespannt auf Eure Expertenmeinungen.

Vorab schon mal vielen Dank!

Offline lithoraptor

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Re: gefundene Kugeln
« Antwort #1 am: Oktober 03, 2013, 07:40:05 Vormittag »
Moin Gunzi!

Es handelt sich dabei um Sandstein-Eisenkonkretionen sog. "Moqui-Marbles". Schau mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Moqui-Marble oder hier http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Moqui-Marble
Es gibt diese Konkretionen allerdings nicht nur in Utah - nur die Bezeichnung "Moqui-Marble" stammt von dort.

Gruß

Ingo

Offline Hungriger Wolf

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Re: gefundene Kugeln
« Antwort #2 am: Oktober 03, 2013, 08:09:22 Vormittag »
Hallo Gunzi!

Bin ebenfalls der Meinung, es handelt sich um Sandstein-Eisenkonkretionen!

Grüsse  :hut:
Achim
« Letzte Änderung: Oktober 03, 2013, 08:44:54 Vormittag von Hungriger Wolf »

Gunzi

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Re: gefundene Kugeln
« Antwort #3 am: Oktober 03, 2013, 10:29:28 Vormittag »
Hallo Ingo und Achim,  :super:
da wird ja jemand sehr traurig sein über dieses unspektakuläre Ergebnis! :crying:

Ich danke Euch für die so schnellen Antworten und wünsche noch einen schönen, sonnigen Feiertag!

Lieben Gruß - Gunzi  :danke:

Falls jemand so ganz anderer Ansicht sein sollte, würde ich mich riesig freuen!

Suevit

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Re: gefundene Kugeln
« Antwort #4 am: Oktober 03, 2013, 10:42:04 Vormittag »
Hallo Gunzi,

Falls jemand so ganz anderer Ansicht sein sollte, würde ich mich riesig freuen!
Ich schließe mich den Fakten (nicht: Ansichten) meiner beiden Vorschreiber an, an denen gibt es nichts zu rütteln.

Für den Besitzer, der jahrzehntelang meinte, im Besitz zweier Meteoriten zu sein, tut es mir leid, aber so spielt das Leben nun mal, es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Wenn es ihm sehr nachgehen sollte, wäre ja vielleicht ein echter Meteorit eine Geschenkidee für seine Angehörigen zu seinem nächsten Geburtstag oder zu Weihnachten? Wie man in diesem Forum lesen kann, muss man dazu kein Millionär sein, und die Mitglieder hier sind sicherlich gerne mit Empfehlungen behilflich.

Gruß,
Rainer

Offline MetGold

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Re: gefundene Kugeln
« Antwort #5 am: Oktober 03, 2013, 11:30:31 Vormittag »
Hallo Gunzi,

Willkommen bei uns im Forum!

Zu Meteoriten kann ich diese  Moqui-Marbles  leider auch nicht machen!   :einaugeblinzel:


 :winken:   MetGold
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Offline Pinchacus

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Re: gefundene Kugeln
« Antwort #6 am: Oktober 04, 2013, 09:28:37 Vormittag »
Hallo,

Moqui-Marbles sind es nicht, das ist eine Lokalbezeichnung für solche Bildungen von der anderen Seite des großen Teichs. Aus dem angegebenen Fundgebiet gibt es häufig Flintkonkretionen (in Sandsteinen) und limonitisierte Pyritkonkretionen (die dann allerdings komplett aus Eisenoxiden/hydroxiden ohne nennenswerten Sandanteil bestehen) und schöne Pseudomorphosen aus letztgenanntem Material.

Eisenschüssige Sandsteinkonkretionen in der angegebenen Größe sind mir bei meinen mehrfachen Geländearbeiten in dem Gebiet bisher noch nicht aufgefallen.

Glück Auf!

J.
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Gunzi

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Re: gefundene Kugeln
« Antwort #7 am: Oktober 04, 2013, 09:58:34 Vormittag »
Ich danke allen, die sich hier Mühe gegeben, sich Zeit genommen und mir geantwortet haben.

Zitat
......Flintkonkretionen (in Sandsteinen) und limonitisierte Pyritkonkretionen (die dann allerdings komplett aus Eisenoxiden/hydroxiden ohne nennenswerten Sandanteil bestehen)....
Ist die Entstehung der Konkretionen ähnlich der der Moqui Marbles?

Allen eine schöne Woche
Gunzi

Offline lithoraptor

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Re: gefundene Kugeln
« Antwort #8 am: Oktober 04, 2013, 10:28:20 Vormittag »
Moin!

Der Esoterik haben wir es zu verdanken, dass man die Moquis überall auf der Welt kaufen kann - selbst in Deutschland, Finnland, China und bestimmt auch in Israel - wo es sicher auch brasilianische Amethyste zu kaufen gibt. Auszuschließen, dass es tatsächlich "echte" Moquis sind ist daher vom Bild nicht möglich. Wie auch immer: Die Bezeichnung an sich ist - gänzlich ab von der ursprünglichen indianischen Abstammung des Begriffes - inzwischen zu einer Handelsbezeichnung für Konkretionen dieser und ähnlicher Art geworden und das unabhängig von genauer Genese und Sandanteil (ist ja kein wissenschaftlicher Fachterminus, den wir hier diskutieren), weswegen die Begrifflichkeit auch hier in jedem Falle treffend ist. Dass der Fundort korrekt ist bezweifle ich nicht unbedingt weniger stark, als die Aussage, dass es sich dabei um Meteoriten handelt. Warum sollte der Händler hier die Wahrheit gesagt haben (auch wenn es derartige Dinge in diesem Gebiet ohne Zweifel gibt)?
Mal ab von der Begrifflichkeit und der Verbreitung echter Moquis: Aus den Bildern geht auch hervor, dass ein gewisser grobkörniger Anteil in den Konkretionen vorhanden ist. Die Tatsache, dass man diese Anteile auf den Bildern überhaupt sieht lässt darauf schließen, dass die Korngröße 0,063 mm übersteigt - sonst wäre das kaum möglich. Sie liegt auch klar unter 2 mm. --> So ein Zeug nenne ich dann Sand. Ich würde auch meine Hand dafür ins Feuer legen, dass das keine Flintkonkretionen sind. Ich bin aber völlig mit Dir, Pinchacus, wenn Du sagst, dass man die genaue Zusammensetzung ohne zumindest einen Schliff nicht ermitteln wird können.

Gruß

Ingo

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Re: gefundene Kugeln
« Antwort #9 am: Oktober 04, 2013, 12:56:28 Nachmittag »
Hallo Ingo,

ich kenne diese lokalen Stände/Märkte in der Gegend, dass dort nicht-lokales Material angeboten wird ist eher (sehr sehr) unwahrscheinlich. Die Beduinen sind dort den ganzen Tag unterwegs und heben alles was interessant erscheint auf (und verscherbeln es an den nächsten der "vorbei kommt")
Die Bezeichnung "M-M" ist eine Bezeichnung für lokales Material. Und ich weigere mich aktiv (deshalb auch mein "Gemeckere" hier) das generell zu verwenden. Dann könnte man jeden Sikhote auch als Diablo bezeichnen, ist ja eh das gleiche Material und so mancher esoterisch-kommerzielle "Fach"trödler "macht das ja schließlich so". Wer das also hier macht, sollte sich dann auch nicht darüber aufregen, wenn man absofort hier jedes Eisen als Diablo bezeichnet.
Zur Form und der "Körnigkeit" der Konkretionen: Die Flintkonkretionen dort entstehen durch Verdrängungsmechanismen (genauso wie die von Pyrit nach Limonit umgewandelten Konkretionen). Bei ersteren hast Du dann die Sandkörner als Eindrücke auf der Oberfläche (aber keine im Inneren), bei zweiteren ist die Oberfläche durch abgrubbelte Minikriställchen sowieso unregelmäßig. Bei zementierten Konkretionen hättest Du natürlich vollkommen recht. Man müßte halt mal drauf hauen.  :einaugeblinzel:

Und das mit dem Feuer machen wir mal, wenn ich wieder mal in der Gegend gewesen bin.  :auslachl:

Nebenbei: Kommst Du zur Geschiebetagung nach Berlin?

Glück Auf!

J.
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Offline lithoraptor

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Re: gefundene Kugeln
« Antwort #10 am: Oktober 04, 2013, 19:22:21 Nachmittag »
Moin Pinchacus!

Dann könnte man jeden Sikhote auch als Diablo bezeichnen, ist ja eh das gleiche Material und so mancher esoterisch-kommerzielle "Fach"trödler "macht das ja schließlich so". Wer das also hier macht, sollte sich dann auch nicht darüber aufregen, wenn man absofort hier jedes Eisen als Diablo bezeichnet.
Genau in diesem Punkt irrst Du und das gleich doppelt: Sikhote-Alin ist ein IIAB-Eisen, Canyon Diablo ist ein IAB - also beide in ihrer chemischen Zusammensetzung grundlegend verschieden. Schau mal hier: http://www.psrd.hawaii.edu/WebImg/ironMetGroups.gif
Weiterhin sind die Bezeichnungen "Sikhote-Alin" und "Canyon Diablo" offiziell von der MetSoc (deren Nom Com nun mal die einzige Instanz dafür ist) vergebene und damit wissenschaftlich definierte Meteoriten-Namen. Bei den Moquis ist das völlig anders. Hier wurde eine lokale Bezeichnung in den Fachhandel aufgenommen. Das ist letztlich nichts anderes, als wenn ich den Begriff "Klotgranit" (welcher für einen schwedischen Kugeldiorit gebräuchlich ist) im Baumarkt verwende. Die Bezeichnung "Klotgranit" ist nicht wissenschaftlich definiert.
Verstehe schon, dass Du bemüht bist solche Lokalbezeichnungen auch lokal zu lassen um das sprachliche Kuddelmuddel nicht noch zu vergrößern - wo ich Dir schon beipflichten muss. Es macht meiner Meinung aber mehr Sinn, wenn ich einem Laien auch Begrifflichkeiten an die Hand gebe, die er schnell und leicht versteht bzw. recherchieren kann. Meinst Du nicht?!

Nebenbei: Kommst Du zur Geschiebetagung nach Berlin?
Schaffe ich leider nicht. Bleibt uns noch ggf. Hamburg zum Schnacken und :prostbier: , wenn nichts dazwischen kommt.

Gruß

Ingo

Offline Pinchacus

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Re: gefundene Kugeln
« Antwort #11 am: Oktober 04, 2013, 20:14:08 Nachmittag »
Hi Ingo,


Genau in diesem Punkt irrst Du und das gleich doppelt: Sikhote-Alin ist ein IIAB-Eisen, Canyon Diablo ist ein IAB - also beide in ihrer chemischen Zusammensetzung grundlegend verschieden. Schau mal hier: http://www.psrd.hawaii.edu/WebImg/ironMetGroups.gif

ich weiß, dass das zwei verschiedene Eisentypen sind. Aber es freut mich, dass das was ich sagen wollte, angekommen ist (bzw. genau diese Reaktion darauf von Dir kam).  :einaugeblinzel:

Bis Hamburg dann...

J.
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