Autor Thema: Wüstenglas durch Kometeneinschlag entstanden?  (Gelesen 3779 mal)

Offline SigurRosFan

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Wüstenglas durch Kometeneinschlag entstanden?
« am: Oktober 10, 2013, 16:50:22 Nachmittag »
Hallo Impaktglas-Freunde,

ein kleiner 30-Gramm-Kiesel wirft neues Licht auf die Impaktor-Frage.

- Wüstenglas durch Kometeneinschlag entstanden?
Viele Grüße - Nico

Mein Blog: Zauber der Sterne

Offline JFJ

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Re: Wüstenglas durch Kometeneinschlag entstanden?
« Antwort #1 am: Oktober 10, 2013, 18:25:13 Nachmittag »
Hallo,

sehr ich durchaus skeptisch!

Eine Modifikation von Kohlenstoff stellen auch die sog. Fullerene dar, kleine schwarze Kristalle als Polyeder ausgebildet.
Fullerene finden sich typischerweise in Meteoritenkratern (unabhängig vom Impaktor); in der K/T Boudary; in Kerzenruß (ohne Impakt :-); und in Fulguriten.
Und in der Wüste liegt ja eine Menge Sand rum  :einaugeblinzel:
Durch hohen Druck und Schockwellen ist das Vorhandensein von Kohlenstoff (sehr verbindungsfreudig) in Meteoritenkratern nichts ungewöhnliches; es reichen zur Entstehung ja auch Blitzeinschläge aus.
Im Artikel, zumindest im Abstract, steht nichts über die Modifikation.
Sehe "Hyperica" eher als Zufallsprodukt, bzw. sekundäres Impaktprodukt an.

 :hut: Jörg



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Offline pallasit

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Re: Wüstenglas durch Kometeneinschlag entstanden?
« Antwort #2 am: Oktober 10, 2013, 18:42:29 Nachmittag »
Hallo Impaktglas-Freunde und Meteoriten-Freunde,

Das ist dann wohl der erste "kometäre" Meteorit, oder muss man dann "Kometit" sagen?
Sind die entsprechenden Kandidaten schon auf der Suche?


Im Artikel, zumindest im Abstract, steht nichts über die Modifikation.
Sehe "Hyperica" eher als Zufallsprodukt, bzw. sekundäres Impaktprodukt an.
Wie erklärst du dir dann die Isotopendaten?
zB: "δ13C values (ca. 0‰) exclude an origin from shocked terrestrial coal or any variety of terrestrial diamond."

direkt Link zu "Unique chemistry of a diamond-bearing pebble from the Libyan Desert Glass strewnfield, SW Egypt: Evidence for a shocked comet fragment:"
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0012821X13004998

Grüße Willi  :prostbier:

Offline JFJ

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Re: Wüstenglas durch Kometeneinschlag entstanden?
« Antwort #3 am: Oktober 10, 2013, 19:54:00 Nachmittag »
Hallo,

also ich zweifle keinesfalls am Inhalt der Darstellungen.
Was die gefunden haben, haben sie halt gefunden.

Doch was mich an einem Kometen stört ist halt die Tatsache, dass es aufgrund derer Größe, zu einem sehr großen Krater geführt haben müsste.
Doch der größte Krater in der Gegend ist der Kebira-Krater mit einem Durchmesser von nur 31 km.
Da stimmt m.E. die Relation von Komet und Krater nicht zusammen.

Und falls es das Fragment eines Kometen gewesen sein soll, müsste es ebenfalls riesig gewesen sein, da dem Artikel zufolge Material aus dem Kern gefunden wurde. Ein kleineres Bruchstück des Kometen (was mit einem der lokalen Krater zusammen passen würde) hätte folglich kein Kernmaterial beinhalten dürfen.

Oder sehe ich das falsch - dann klärt mich auf.

 :prostbier: Jörg

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Offline Aurum

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Re: Wüstenglas durch Kometeneinschlag entstanden?
« Antwort #4 am: Oktober 11, 2013, 06:42:22 Vormittag »
Hallo,

Hier mischt sich dann mal der Laie ein lol

Soweit ich weiss sind Kometen doch mehr oder weniger Schmutzige Schneebälle , heist also Gesteins oder sonstige Brocken vermischt mit gefroren Gasen und Wasser .
Müsste sich ein solche Gemisch, beim Durchgang durch die Atmosphäre  nicht anders verhalten als ein Kompakter Gesteinsbrocken ?
Sprich löst er sich nicht viel schneller auf als Gestein da seine Schmelz Temperatur deutlich niedriger liegt und auch Verdampfung deutlich eher beginnen dürfte ?
Auch würde er meiner Meinung nach wesentlich eher in der Atmosphäre zerbrechen und so ein deutlich grösseres Streufeld erzeugen .

Wie geschrieben sind das nur meine Vorstellungen, doch würden die dann passsen Kleiner Hauptkrater und viele kleine im Streufeld , wobei die bestimmt in der langen Zeit die seit dem vergangen sind , verschwunden sein dürften.

Bis dann Lutz   
Aller Anfang ist schwer !!

Offline JFJ

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Re: Wüstenglas durch Kometeneinschlag entstanden?
« Antwort #5 am: Oktober 11, 2013, 09:05:37 Vormittag »
Hallo,

... Auch würde er meiner Meinung nach wesentlich eher in der Atmosphäre zerbrechen und so ein deutlich grösseres Streufeld erzeugen ...
Wie geschrieben sind das nur meine Vorstellungen, doch würden die dann passsen Kleiner Hauptkrater und viele kleine im Streufeld , wobei die bestimmt in der langen Zeit die seit dem vergangen sind , verschwunden sein dürften.

Das kann ich jetzt nachvollziehen  :super:

 :prostbier: Jörg (vom Saulus zum Paulus)
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Offline Norbert

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Re: Wüstenglas durch Kometeneinschlag entstanden?
« Antwort #6 am: Dezember 21, 2013, 23:32:46 Nachmittag »
In dieser Doku meint Prof. Christian Köberl aus Wien, die Entstehung des LDG wäre ähnlich wie in Tunguska 1908 abgelaufen, nur viel größer und heißer. Der in Folge dieser Explosion entstandene Feuerball soll mit einer Temperatur über 2.000 Grad Celsius auf die Erde niedergegangen sein und auf dem Boden zu Glasbildung geführt haben. Nach der Untersuchung eines ähnlichen Phänomens in Südostasien und dem eingehenden Studium der Tunguska-Explosion kamen die beiden Wissenschaftler zu dem Schluss, dass eine solche Explosion etwa einmal in hundert Jahren möglich ist. Ihre Sprengkraft entspräche der gleichzeitigen Zündung mehrerer Atombomben.

Geheimnisvolles Glas des Tutanchamun (Doku)
48 min.

http://www.youtube.com/watch?v=RUH9-Ne_9Fs

 


Offline karmaka

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Re: Wüstenglas durch Kometeneinschlag entstanden?
« Antwort #7 am: Oktober 23, 2015, 12:04:24 Nachmittag »
Neues zu Hypatia:

A comprehensive study of noble gases and nitrogen in Hypatia, a diamond-rich pebble from SW Egypt

Guillaume Avice, Matthias M. M. Meier, Bernard Marty, Rainer Wieler, Jan D. Kramers, Falko Langenhorst, Pierre Cartigny, Colin Maden, Laurent Zimmermann, Marco A. G. Andreoli

Earth and Planetary Science Letters (2015) pp. 243-253

PDF (Volltext)

Zitat
"This is a follow-up study of a work by Kramers et al. (2013)[LINK] on an unusual diamond-rich rock found in the SW side of the Libyan Desert Glass strewn field. This pebble, called Hypatia, is composed of almost pure carbon. Transmission Electron Microscopy and X-ray diffraction results reveal that Hypatia is made of defect-rich diamond containing lonsdaleite and deformation bands. These characteristics are compatible with an impact origin on Earth and/or in space. We analyzed concentrations and isotopic compositions of all five noble gases and nitrogen in several mg sized Hypatia samples. These data confirm that Hypatia is extra-terrestrial. The sample is rich in trapped noble gases with an isotopic composition close to the meteoritic Q component. 40Ar/36Ar ratios in individual steps are as low as 0.4. Concentrations of cosmic-ray produced 21Ne correspond to a nominal cosmic-ray exposure age of ca. 0.1 Myr if produced in a typical m-sized meteoroid. Such an atypically low nominal exposure age suggests high shielding in a considerably larger body. In addition to the Xe-Q composition, an excess of radiogenic 129Xe (from the decay of extinct 129I) is observed (129Xe/132Xe = 1.18 +/- 0.03). Two N components are present, an isotopically heavy component ({\delta}15N = +20 permil) released at low temp. and a major light component ({\delta}15N = -110 permil) at higher temp. This disequilibrium in N suggests that the diamonds in Hypatia were formed in space. Our data are broadly consistent with concentrations and isotopic compositions of noble gases in at least three different types of carbon-rich meteoritic materials. However, Hypatia does not seem to be related to any of these materials, but may have sampled a similar cosmochemical reservoir. Our study does not confirm the presence of exotic noble gases that led Kramers et al. to propose that Hypatia is a remnant of a comet that impacted the Earth. "

 

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