Autor Thema: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten  (Gelesen 25598 mal)

Offline Met1998

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #135 am: November 09, 2018, 19:56:59 nachm. »
Noch zwei schöne, grobkörnige Granite, unbestimmter Herkunft?:
Bunte Geschiebe bringen etwas Farbe zwischen die „Blut- und Leberwursthälften“:fluester:

Nr. 49: 7 cm, bunter, grobkörniger Granit, (vmlt. Smaland)

Ehrfried  :hut:
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Offline karlov

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #136 am: November 10, 2018, 21:09:10 nachm. »
Moin Ehrfried,

zu den anderen Gesteinen kann ich nichts sagen, aber einen Granit wie Nr. 49 habe ich dieses Jahr in Schweden in Östergötland, südlich der Stadt Mjölby anstehend gefunden. Es ist eine farblich auffällige Variante, ob die nicht noch woanders vorkommt, ist natürlich offen. Ich habe zumindest im übrigen Smaland/Östergötland noch nichts dergleichen gesehen. Diese rötlich alterierten dunklen Minerale sind in der abgebildeten Probe nicht so dominant, in einer anderen Probe von dieser Stelle fehlt Plagioklas, aber die dunklen Minerale sind komplett in diese rötlich-violetten Produkte umgewandelt.
Du kannst an den Granit auf jeden Fall TIB-Granit schreiben, sogar Granit aus dem westlichen Östergötland. Letzteres aber mit Fragezeichen ;)

Marc

Offline Met1998

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #137 am: November 11, 2018, 11:36:26 vorm. »
Moin Mac,
endlich zeigt hier auch mal wieder jemand ein schönes Gestein.  :super:
Bleibt der so, oder folgt noch Schnitt und Politur?

Diese farblich auffällige Variante aus Südschweden (TIB) findet man aber ab und zu an unserer Ostsee-Küste. Ich habe jedenfalls schon welche abgelichtet, mit diesen rötlich-violetten, umgewandelten Mineralien:

https://www.jgr-apolda.eu/index.php?topic=9689.msg144526#msg144526
Antwort #73, Bild 39e (liegt noch dort). Der hat jedenfalls große Ähnlichkeit mit deinem Stück?

Ehrfried  :winke:
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Offline karlov

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #138 am: November 11, 2018, 14:14:05 nachm. »
Moin Ehrfried,
39e geht auch in die Richtung dieses Granittyps. Schwach porphyrische, häufig quarzarme Granitoide (in etwa Quarz-Monzonite) mit rotem Alkalifeldspat, der gerne etwas augenförmig ausgebildet ist, und grünem Plagioklas habe ich zumindest als Nahgeschiebe in Schweden vereinzelt immer wieder im nordwestlichen Smaland gefunden, nicht aber andernorts. Wenn etwas rot pigmentierter Plagioklas vorhanden ist, ist dies nach Smed ein Charakteristikum bestimmter Östergötland-Granite.
 :winke: Marc

Offline Met1998

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #139 am: November 16, 2018, 10:39:12 vorm. »
Nr 51: 15 cm!, Schöner Ignimbrit Dalarne.

Dunkelbraune Grundmasse und reichlich hellbraune, schlierenartige Fiamme.
Diese flachgedrückten, ehemaligen Bimsfladen schmiegen sich um die rötlichen Feldspat-Einsprenglinge. (rötlich-fleischfarbene und blass-weißliche)
Quarz ist ohne Mikroskop nicht zu sehen, nur schmale Streifen von dunklen Mineralien.

Kann man diese Älvdalen Porphyre (Foto-Stücke) überhaupt unterscheiden?
Rotstreifiger Rännås-Porphyr, oder
Brauner Loka-Risberg-Porphyr:nixweiss:

Hier mal die Netz-Beispiele: Rännas und Loka-Risberg:
https://skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/porphyre/dalarne/ignimbrite/raennas/geschiebe/l/l_tr98.JPG
und
https://skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/porphyre/dalarne/ignimbrite/lokarisberg/l/l_loka_sgu23.JPG

Mit nur Ignimbrit Dalarne kann ich aber auch leben, zumal er ja noch am Strand liegt.

Gruß
Ehrfried  :hut:
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Offline karlov

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #140 am: November 18, 2018, 20:07:08 nachm. »
Hallo Ehrfried,

bitte die Beschreibung eines Ignimbritgefüges (bei Bräunlich) GANZ lesen!
Das sind in deinem Stück dunkle Minerale, die mehr oder weniger durch tektonische Einwirkung abgerundete Feldspäte "umfliessen". Manche sind zerbrochen.
In einem Ignimbrit umfliesst eine Bimsflamme einen intakten Feldspat. Das Gefüge muss undeformiert sein, damit man von Hand überhaupt die Ansprache als Ignimbrit wagen kann. Lass doch bitte diese exotischen Bezeichnungen der Dala-Porphyre beiseite (gleiche Gesteine in verschiedenen Steinbrüchen vorkommend und umgekehrt...), Dala-Ignimbrit oder Älvdalen-Ignimbrit würde völlig reichen. Da es aber kein Dala-Ignimbrit ist, würde ich auch nicht Högsrum-Porphyr dranschreiben ;-) Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit mit quarzfreien, deformierten Porphyren mit solchem Gefüge, die in SE-Smaland vorkommen. Der Wert als Leitgeschiebe ist aber umstritten.
Deformierter, quarzfreier Porphyr, reicht doch. Hübsches Stück ist es allemal.

 :hut:
karlov
 

Offline Met1998

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #141 am: November 23, 2018, 09:42:38 vorm. »
Nr. 52: 13 cm, Grobkörniger, roter Småland-Granit. Typ Järeda
Als Mariannelund Granit sollte er nicht mehr bezeichnet werden! (s.u.) 

Das glänzende, sehenswerte Gestein fiel mir durch die trüben, bläulichem Quarze schon von weitem auf.
Die großen, rot- bis beigebraunen  Kalifeldspäte sind teilweise durch Druck gebrochen.
Die umschlossenen dunklen Minerale (Hornblende) sind dann in die Risse nadelförmig eingedrungen.

Wer das Strandgestein nicht rund gelutscht, sondern mal aus dem Anstehenden, zentralen Småland,
oder aus dem Lausitzer Tagebau sehen will, kann ja mal hier gucken.
Da steht dann auch, warum er nicht mehr Mariannelund Granit heißen sollte.

(8) Järeda-Granit
http://kanalmusik.de/wordpress%202/?p=7500

oder hier:
Järeda-Granit, Nr. 116, Steinitz Lausitz
http://kanalmusik.de/wordpress%202/?p=7967

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Offline Pinchacus

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #142 am: November 26, 2018, 13:04:05 nachm. »
Zur Vor-Adventszeit auch mal wieder ein kristallines Geschiebe-Schmankerl von mir (stammt von der Stolteraa bei Rostock)...
So lange Fiktionsapparaturen latente Illusionen nicht manifestieren können, ist eine Realisation des Illusionären latent Fiktiv!

Be more specific! http://www.youtube.com/watch?v=PusCpQIbmCw

Offline karlov

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #143 am: November 26, 2018, 14:17:12 nachm. »
Ein Träumchen eines Sphärolithporphyrs!  :wow:

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #144 am: November 26, 2018, 15:40:48 nachm. »
Hallo karlov,
danke für die Aufklärung.
Aber warum hast du nicht den Link gesetzt?:

http://kanalmusik.de/wordpress%202/?p=6029#more-6029

Da sieht man wenigstens mal die Oberfläche!  :super:
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Offline JFJ

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #145 am: November 26, 2018, 18:15:58 nachm. »
Zur Vor-Adventszeit auch mal wieder ein kristallines Geschiebe-Schmankerl von mir (stammt von der Stolteraa bei Rostock)...

In der Ausprägung - nicht alltäglich  :super:

Hier mein Ragunda-Sphärolithporphyr
Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

Offline karlov

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #146 am: November 26, 2018, 19:31:36 nachm. »
Hallo Jörg,
"Ragunda", das hast du aus purer Lust an der Provokation dazu geschrieben, gell?  :wow:
Ich würde einiges darauf wetten (z.B. einen Kasten Bier), dass diese Granitporphyre nicht aus Ragunda kommen. Dafür sind sie zu häufig, bei gleichzeitigen kompletten Fehlen von erkennbaren Gesteinen aus Ragunda. Ich vermute was ganz Gewöhnliches, z.B. Smaland oder ein Unterwasser-Vorkommen. Man könnte diesen sphärolithischen Granitporphyr ebenso Smaland-Sphärolithporphyr nennen, es wäre einem genau so weitergeholfen wie mit der Bezeichnung Ragunda. Nämlich gar nicht.
Grüße  :winke:
karlov

Offline Met1998

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #147 am: November 26, 2018, 21:03:34 nachm. »
Moin Jörg,
1. Dein Sphärolith-Porphyr in Antwort #146 ist der Hammer!!!  :nd:  :unfassbar:

2. Sicherlich hast du („alter Hase“) den vor einigen Jahren so beschriftet, denn viele Andere im Netz bezeichnen ihre Stücke auch als Spärolithe aus Ragunda.

3. Nur R. Vinx stellt die Sache jetzt so dar:
Zitat
- Die Spärolithrhyolithe gibt es in verschiedenen Herkunftsgebieten von Lappland über Dalarna bis Smaland.

- ...ist von unbekannten, verdeckten Ursprungsvorkommen entsprechender Geschiebe auszugehen.

-  es sind in der Regel keine Porphyre, sondern Vulkanite also Vitrophyre...deren Einsprenglinge in Glas statt in kristalliner Grundmasse eingebettet sind.

Dann wäre das schwarze um die Einsprenglinge also Glas?  :gruebel:

Der „Steinfried“
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Offline JFJ

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #148 am: November 27, 2018, 17:18:54 nachm. »
Moin zusammen,

die Bezeichnung für das gezeigte Gestein ist nicht auf meinem Mist gewachsen.
Seht mal im "Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten" von J.G. Zandstra, 1999 auf Seite 153 nach.
Nr. 92. Sferolietporphyr van Nord-Zweden (Ragundasferolietporphyr).
Auf der vorherigen Seite wird das Gestein ausführlich beschrieben.
Der radialstrahlige Kranz besteht aus der Hornblendevarietät Riebeckit.
Hat nichts mit Gläsern zu tun, wie in der großen Masse der Pseudosphärolithe.
Mein Geschiebe wurde seinerzeit in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, vom ehemaligen Leiter des Bundesamtes persönlich untersucht und als das oben beschriebene Gestein bestätigt. Die Petrographie passt 100%.

Zandstra schreibt, dass das Geschiebe „vermutlich“ aus Ragunda stammt. Aufgrund der Beschreibung und der Petrographie hat das Gestein seinen Namen von ihm erhalten. Wenn also explizit vom „Ragunda Sphärolithporphyr“ gesprochen wird, ist das von Zandstra beschriebene Geschiebe gemeint. Die Namensgebung, die bis auf weiteres dem Erstbeschreiber zusteht, ist in diesem Fall kein Formationsname, sondern nur ein vermuteter.
Es mag durchaus zutreffen, dass das Gestein auch (oder überhaupt) an anderer Lokalität ansteht. Sehe ich genauso.

Die  angesprochenen  Sphärolithrhyolithe stammen zum Teil (so meine Meinung und unter Beachtung der Geschiebefächer) wahrscheinlich auch z.T. aus dem Oslorift.

Gruß
Jörg
« Letzte Änderung: November 27, 2018, 18:37:27 nachm. von JFJ »
Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

Offline karlov

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Re: 1001 Gestein - Geschiebe von den norddeutschen Küsten
« Antwort #149 am: November 28, 2018, 00:51:49 vorm. »
Moin Jörg,
Ja, ich kenne die Beschreibungen Zandstras zu den Sphärolithporphyren. Zandstra schreibt übrigens oft "vielleicht" und "möglicherweise". Das wird viel zu selten betont. Leider übernimmt er seine Vermutung in die Benennung des Gesteins und zementiert (für andere) die Herkunftsangabe als Tatsache. Im Laufe der Zeit kommen dann z.B. so Dinge heraus wie "Stockholm-Fleckenquarzit" und wahrscheinlich noch einiges anderes. Auch seine Rödö-Gesteine sowie einige Rapakiwigesteine scheinen mir einer näheren Prüfung nicht standzuhalten. Weil er eben häufig Geschiebefunde als Referenz zeigt. Durch diese Lokalbezeichnungen aus Vermutungen heraus wird ein Wissensstand suggeriert, der gar nicht besteht.

Den Riebeckit, hat man den damals in Hannover auch mittels Dünnschliff festgestellt? Schwarze oder dunkelgraue Spärolithe können auch einfach nur aus Feldspat und Quarz bestehen. Makroskopisch geht da, denke ich, gar nichts.

Ja, Sphärolithe dürften in allen Vulkanitgebieten vorkommen, auch in Smaland und wahrscheinlich auch in Dalarna. Aus dem Oslograben kennt man immerhin einige Typen aus dem Anstehenden.

Grüße  :hut:
karlov

 

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