Autor Thema: Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"  (Gelesen 1871 mal)

Carsten

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Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"
« am: Februar 20, 2014, 22:40:13 nachm. »
Hallo,
ich war im August letzten Jahres mal ein Wochenende zum Spaß ein bisschen Unterwegs in der Gegend Salzdahlum zum Suchen.
Habe dabei natürlich etliches Meteoritenverdächtiges aufgehoben(Schlacke etc  :einaugeblinzel: so alles was schöne Wrongs im Gelände darstellen)
So nach und nach hab ich mir mal mein aufgehobenes Material durchgesehen und bin auf diesen Stein gestoßen den ich nicht klar einordnen kann.
Wollte ihn daher hier erstmal optisch vorstellen und um Meinungen bitten.
Weitere Angaben und Bilder kommen noch am Wochenende,

Offline speul

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Offline JFJ

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Re: Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"
« Antwort #2 am: Februar 21, 2014, 09:28:05 vorm. »
Schließe mich Speul an.

 :hut: Jörg
Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

Offline DCOM

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Re: Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"
« Antwort #3 am: Februar 21, 2014, 11:00:10 vorm. »
Jepp. Wenn je ein Fall eindeutig war, dann dieser - danke, Speul, für die Vergleichsbilder!

Grüße, D.U.  :hut:

Carsten

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Re: Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"
« Antwort #4 am: Februar 22, 2014, 12:09:51 nachm. »
Danke Speul,
mit nur den Bildern eine geeignete Einschätzung.
Diese Geschiebebilder habe ich im Übrigen auch schon vorher angesehen und eine gewisse Ähnlichkeit entdeckt, aber für mich ergeben sich da einige Unklarheiten.
Ich habe ja geschrieben ich gebe noch weitere Informationen,
insofern erstmal zu den Daten die ich habe.

->478g Fundgewicht

Als ich das Gestein aufgehoben habe dachte ich eigentlich es könnte sich um einen Basaltoid mit dicker Verwitterungsrinde und Sandanhaftungen handeln, als alternative hatte ich ne Schlacke im Hinterkopf.

->460,8g alle Reste nach dem Schnitt
->eine genaue Dichtebestimmung fällt leider aus, da ich keinen geeigneten Meßbecher mit ml Einteilung habe, grob berechnet liegt sie auf jeden Fall über 3g/cm3(ist somit natürlich absolut keine genaue Aussage)
->magnetisch d.h. Neodym haftet gut, lässt sich aber auch einfach lösen, schon in der Art wie ein angewitterter L-Chondrit
->größte Schnittfläche 6,2cm *3,6cm( habe das in einem Bild mal als Maßstab an die Seiten gesetzt)
->Auffällige Oxydader und Oxydeinschluss, möglicherweise mit Resten von freiem Eisen, es zeigt sich etwas metallischer Glanz in dem Rostfleck
->es gibt einige wenige reflektierende Einschlüsse mit blendendem Metallglanz(auch in den Bildern sichtbar, bekomm das aber auch nach x Versuchen nicht besser hin), optisch wie Metall in nem OC, weiter sind in der Teilscheibe weniger glänzende, gleichmäßig verteilte, dunkelgraue Einschlusse vorhanden(angewittertes Eisen wird docheher mattgrau und der Glanz verschwindet etwas oder nicht?)...
->die Farben meiner Bilder sind nicht optimal Farbecht, es geht insgesamt mehr ins dunklere Gelb/Braun/Grau
->bei 40-Fach Vergrößerung lassen sich schwarze Schockvenen? erkennen

Meine persöhnlichen allgemeinen Annahmen bzw Unsicherheiten:  :gruebel:

1.Das theoretische Streugebiet war ja mehrmals in den Monaten über längeren Zeitraum sehr nass, insofern sollte man bei der Nachsuche ja davon ausgehen das es sich wenn überhaupt um schon etwas verwittertes Material handeln wird. Aber könnte der wirklich schon so weit durchgewittert sein?
2. Thema Schockvenen und Eisenoxyde... ich gehe natürlich davon aus, das es sich mit großter Warscheinlichkeit eher um durch Transport entstandene Risse handelt die nachträglich mit Oxyden verfüllt wurden... aber sicher bin ich mir dabei nicht, da ich es nicht klar als Geschiebe abtuen kann... Ein Nwa Scheibchen L6 S2 W2 was ich habe sieht dem ganzen auch ähnlich, ist lediglich heller in der Färbung und scheint weniger "zerfetzt" im Innenleben.
Wenn man es vom M-Standpunkt betrachtet würde die Oxydader, links im größten Schnitt, mit Übergang zur "Kruste", auf die Typische Art der Fragmentierung eines Geschockten, mit Rissen und Venen durchzogenen, OCs deuten.
3. Thema Eisen... das ist die absolute Unsicherheit für mich,
ich kann nicht sagen ob die schön metallisch Glänzenden Einschlüsse wirklich freies Eisen sind oder ob es sich um Minerale mit Metallglanz handelt, sollte es sich um Magnetit handeln wäre mir die Optik irgendwie neu. Wenn nicht müsste Magnetit recht fein verteilt im Gestein sein(kann eigentlich kein Magnetit finden) um die Reaktion des Magneten zu erklären... was ja eigentlich auch warscheinlicher als freies Eisen wäre.

Allgemein erstmal Entschuldigung für meine schlechten Bilder(alle Bilder sind unter Kaltweiß-Led-Beleuchtung gemacht und meine Kamera gibt leider nicht mehr her) und den noch nicht fertigen Anschliff(da ist noch einiges Nötig).

Im Anschluss noch ein paar Bilder:
1. Maßstab und Markierung Oxydfleck+Oxydader
2. der Versuch die Teilscheibe etwas besser und Farbechter auszuleuchten mit gut reflektierendem angenommenem Eiseneinschluss
3. 2 Bruchflächen der Teilscheibe (Die Färbung des Bildes ist etwas zu sehr im Blaubereich)

Soo... damit erschöpfen sich meine Möglichkeiten der spontanen Angaben. Ich kann gerne noch versuchen mit anderer Beleuchtung Bilder zu machen, wenn den gewünscht, bzw mit Vorschlägen weitere Bestimmungsversuche durchführen.
Das es ein Meteorit wäre könnt ich eigentlich auch nicht wirklich glauben, aber als Diabas sehe ich den Fund noch nicht wirklich, ich sammel schon seit über 6 Jahren Gesteine und die Grobe Einordnung schaff ich auch eigentlich... wenn es um selbstgesammelte Gesteine geht habe ich da mit Sächsischen Feldfunden schon einiges an Erfahrung gemacht, zum Beispiel im Meißner Massiv lassen sich 1a Anstehende Gesteine von Geschieben trennen... da findet sich vor allem hochgradig Metamorphes Gestein, Hydrothermale Gangstücken, nette Mineralstufen etc.. Die optische Einordnung in Sachsen war einfacher für mich durch das Grundwissen über die individuelle Geologie meiner Suchregionen und natürlich auch dem Blick in Steinbrüche. In Niedersachsen sammel ich erst seit 2 Jahren, insofern habe ich da noch nicht ganz so viele Erscheinungsformen und Variationen der Gesteine/Geschiebe gesehen.
Möglicherweise hat ja jemand ein paar Eigenfunde von Geschiebediabas mit Bildern die er zum Vergleich einstellen könnte (wäre echt toll).

Vielen Dank für euer Interesse und die Hilfe,
LG


 


Offline Greg

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Re: Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"
« Antwort #5 am: Februar 22, 2014, 15:32:25 nachm. »
Hallo Carsten,

zu der Gesteinskunde kann ich keine Aussage treffen. Aber zu optischen Kriterien im Vergleich zu Fundstücken des Braunschweig Meteoriten: Dein Fundstück hat meines Erachtens leider überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem Braunschweig Meteoriten. Auch nicht, wenn ich mir diesen verwittert vorstelle.
Die Verwitterungsrinde auf deinem vorletzten Foto passt u.a. auch nicht zu dem Meteoriten.

Ich gehe davon aus, dass es sich bei deinem Fund leider um einen irdischen Stein handelt.

Greg  :hut:

Offline KarlW

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Re: Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"
« Antwort #6 am: Februar 22, 2014, 15:43:44 nachm. »
Hallo Carsten,

schön, dass noch gesucht wird. Alle Nachrechnungen bestätigen recht gut die seinerzeit hier gezeigte Streufeldzentrallinie. Auch wenn die Landwirtschaft schon viel geackert hat, sind die Fundchancen noch nicht bei Null.
Nachdem im vorliegenden Fall nichts für einen inhomogen zusammengesetzten Meteoroiden spricht, sollte ein gefundener Meteorit innen so hellgrau aussehen wie der Erstfund, vgl. Bild.

Zu Deinen Geschiebefunden haben die Experten das Wesentliche schon aufgezeigt.

Grüße und viel Erfolg bei weiteren Aktionen!  :super:
Karl

Offline KarlW

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Re: Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"
« Antwort #7 am: Februar 22, 2014, 15:46:48 nachm. »
Hallo Greg,  :winke:

zwei Fans, ein Gedanke.
Da haben sich unsere Antworten überschnitten.

Viele Grüße  :hut:
Karl

Carsten

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Re: Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"
« Antwort #8 am: Februar 22, 2014, 17:03:16 nachm. »
Ich gehe halt im Prinzip auch von einem Irdischen Gestein aus, habe aber auch kein Diabas geschnitten als Vergleich hier.
Mich wundert auch etwas das der soviel Eisenoxyd eingelagert hat der Abrieb beim schleifen so rotbräunlich ist.
Hab mal noch 2 Bilder im Sonnenlicht, ich find es aber im Prinzip auch nicht schlimm wenn ich jetzt keine 100%tige Gewissheit bekomme ob es denn nun so ein Geschiebediabas ist.
Von mir wird er vorerst als solcher aufgehoben.
Wenn jemand von euch den besagten Diabas als kleines Handstück besitzt und abgeben möchte würde ich mich über eine PM freuen.
Danke Euch

Offline Hungriger Wolf

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Re: Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"
« Antwort #9 am: Februar 22, 2014, 17:37:09 nachm. »
Hallo Carsten/Forum!

Original-Beispiel/Photo des frischen Fund Braunschweig:

http://www.lpi.usra.edu/meteor/get_original_photo.php?recno=5663857

Durch die Luffeuchtigkeit/Wassereinwirkung + Luftsauerstoff in Deutschland tritt eine rasche Rostung/Meteorit/Eisenanteil ein!

Aktuell dürfte (wenn noch was gefunden wird) der Rostungsgrad deutlich höher sein, als die Beispiel-Photos!
Ob da dann ev. L6 W1 oder L6 W2 vorliegen wird?

Beispiel:
http://www.lpi.usra.edu/meteor/get_original_photo.php?recno=5628867

Was meint Ihr dazu?

Grüsse
Achim

Carsten

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Re: Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"
« Antwort #10 am: Februar 22, 2014, 19:15:07 nachm. »
Ja Achim, das ist halt auch die grundlegende These die ich da im Hinterkopf habe.
Ich denke halt auch, das wenn man etwas finden kann, eher nicht davon auszugehen ist das der dann noch annähernd W0 ist, auch W1 halte ich mit nem Feld als Fallplatz nach der Zeit für unrealistisch.
Jeder Stein der da liegt hat doch im letzten Jahr etliche Liter Wasser abbekommen, laut Wetter.com-Statistik 97Liter pro m2 zwischen dem 1.6.13 und dem 17.8.13 für Braunschweig selbst, für die Monate davor ist da nichtsmehr verfügbar.
LG

Offline speul

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Re: Unbekanntes Gestein aus dem theoretischen Steufeld "Braunschweig"
« Antwort #11 am: Februar 22, 2014, 19:35:35 nachm. »
Hallo HW und Carsten,
egal welchen Verwitterungsgrad ihr für Nachfunde in BS annehmt, aus dem gezeigte Stück wird weder ein Chondrit mit W1 noch einer mit W3, sondern halt gar kein Meteorit!   :fluester:

Zitat
Möglicherweise hat ja jemand ein paar Eigenfunde von Geschiebediabas mit Bildern die er zum Vergleich einstellen könnte
ja, und die sehen halt so aus wie schon verlinkt.  :einaugeblinzel:
speul
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