Autor Thema: Antarktis  (Gelesen 3940 mal)

Offline speul

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Antarktis
« am: Dezember 30, 2008, 18:43:43 Nachmittag »
Hallo zusammen,
in meiner Sammlung befindet sich seit langen ein außergewöhnliches Stück, welches ich hier zur Diskussion stellen möchte.
Es stammt aus der Sicrmacherosae in der Antarktis und kam durch einen Nicht-geologen, der an der letzten DDR Antarktisexpedition teilgenommen hat in meine Sammlung.
Es besteht nach meinem Dafürhalten aus: 1. dunkelhoniggelbes Glimmermineral, im Verbund schwarz erscheinend, ca. 40 %, 2. Quarz, milchigweiß, ca. 20 % und einem rosa bis amethhystfarbenem Mineral H>7 (Granat?) ca. 40 % sic!

"Die Schirmacher Oase wird vorwiegend von metamorphen und magmatischen
Gesteinsserien aus dem jüngere Archaikum bis zum jüngere Proterozoikum aufgebaut.
Das polymetamorphe Kristallin setzt sich aus verschiedenen Gneisvarietäten (Amphibol-
Biotit-Gneis; Biotit-Amphibol-Gneis; Biotit-Granat-Gneis; Granatgneis; Quarz-Feldspat-
Gneis und Augengneis), Kalksilikaten sowie Tektoniten zusammen"
zit. nach: Markus Julius Schwab
Ber. Polarforsch. 293 (I 998)
ISSN 01 76 - 5027

was meint Ihr dazu?  :gruebel:
Lächle einfach - denn du kannst sie nicht alle töten

Offline lithoraptor

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Re: Antarktis
« Antwort #1 am: Dezember 30, 2008, 18:57:54 Nachmittag »
Moin speul!

Ich würde das Gestein als Biotit-Gneis ansprechen. Das rötliche Mineral ist Kalifeldspat. Man kann sehr schon sehen, wie sich der Biotit in Lagen anordnet bzw. sich teilweise im Druckschatten der großen Feldspäte sammelt (quasi Nester bildet). Mag sein, dass ich es mir einbilde, aber es könnten zwei rote bzw. rötliche Minerale vorliegen. Ein eher blasrötliches (nicht bzw. kaum durchsichtig) das ist dann der Feldspat und ein stärker rötliches durchsichtiges (sehe ich gerade auf den zweiten Blick auf Bild 2 oben), dies könnte Granat sein... dann würde man das Gestein als Biotit-Granat-Gneis, wie oben erwähnt, bezeichnen.

Gruß

Ingo

P.S. Die Existenz von Amphibol in dem Gestein würde ich nicht ausschliessen; sehe auf den Bildern jedoch nix in diese Richtung (evtl. mit der Lupe...?).

Peter5

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Re: Antarktis
« Antwort #2 am: Dezember 31, 2008, 14:39:45 Nachmittag »
Hallo speul,

ja, das ist ein typischer Gneis mit rosa Kalifelspat, dunkelgrauem Biotit-Glimmer und das Rötliche, das sich etwas von dem Rosafarbenen abhebt, könnte in der Tat Granat sein.
Amphibol-Gehalte will ich auch nicht ausschließen. Ich gehe also ziemlich konform mit der Meinung von Ingo. :si04:

Gruß Peter5 .. :si05:

Offline speul

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Re: Antarktis
« Antwort #3 am: Dezember 31, 2008, 16:33:47 Nachmittag »
DANKE Euch beiden,
manchmal kann die Welt so einfach sein, hätte ich aber nie so angesprochen. Man sollte eben doch die alte Regel beherzigen und alle unbekannten Gesteine mit Gneis ansprechen, da liegt man ja wenigstens zu 50 % richtig
Lächle einfach - denn du kannst sie nicht alle töten

Peter5

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Re: Antarktis
« Antwort #4 am: Dezember 31, 2008, 20:17:42 Nachmittag »
Hallo speul,

Zitat
manchmal kann die Welt so einfach sein,..

ja, gern geschehen .. :si03:.. und die "Welt" täte zumindest hier noch besser aussehen, wenn manche Mitglieder hier auch eine Anrede benutzen würden wie "Hallo .." (Grundlagen der Netiquette) aber nein, entweder sind sich diese Herrschaften dafür zu fein oder sie können einen einfach nicht leiden oder meinen vielleicht, Sie bekämen dann "Gicht in die Finger". :eek:.. ist ja auch so eine Überanstrengung.... :unfassbar:.. keine Ahnung!.. :weissefahne:

In diesem Sinne .. :si03:

guten Rutsch!

Gruß Peter5 .. :si05:

Offline schwarzwaldmineraloge

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Re: Antarktis
« Antwort #5 am: Januar 20, 2009, 18:21:50 Nachmittag »
Hallo,

Eher ein Kinzigitgneis, wobei das rosa Granat ist. Pyrop-Almandin.Granate mit über 30 % Pyrop sehen nun mal rosa aus. Kenne ähnliche Stücke von Schenkenzell im Schwarzwald (Kleine Kinzig, daher der Name des Gesteins) und aus Süditalien (Serre, Kalabrien) und von der Ostsee. Da sind dann meist noch Biotit, Kalifeldspat und Plagioklas sowie manchmal Biotit, Sillimanit und Cordierit, teilweise auch Graphit. Passt zu der angegebenen Geologie.

Glück Auf!
Sebastian
Diplom-Mineraloge

Offline pallasit

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Re: Antarktis
« Antwort #6 am: Januar 20, 2009, 19:44:50 Nachmittag »
Hallo,

Es besteht nach meinem Dafürhalten aus: 1. dunkelhoniggelbes Glimmermineral, im Verbund schwarz erscheinend, ca. 40 %, 2. Quarz, milchigweiß, ca. 20 % und einem rosa bis amethhystfarbenem Mineral H>7 (Granat?) ca. 40 % sic!

Versuche mal das Mineral das du als "Quarz, milchigweiß" angesprochen hast mit einem guten Stahl (muss nicht deine beste Messerspitze sein) zu ritzen. Es könnte Cordierit sein. Er ist makroskopisch oft nur über die Härte von Quarz zu unterscheiden. Diese Art von "Hochdruckgesteinen" habe ich in Südnorwegen in großen Mengen angetroffen (Bamble-Region).

Grüsse Willi  :prostbier:

Peter5

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Re: Antarktis
« Antwort #7 am: Januar 21, 2009, 17:52:36 Nachmittag »
Hallo ..

sollte es sich um Cordierit handeln, wie Willi (pallasit) vermutet, dann kann es aber eigentlich nur um die mehr rosafarbenen Partien gehen, d.h. nichts Farbloses auf den Fotos ..*skeptisch guck*..Cordierit kommt aber auch nur eher blassblau bis blau, graulila oder grünlichbraun vor. Rosa wäre schon eher ungewöhnlich...

.. hier habe ich mal die Bamble Region aufgerufen .. Cordierit ist zwar aufgeführt aber leider konnte ich kein passendes Foto für diesen Fundort dazu finden ..

http://www.mindat.org/loc-6398.html

und bei einer Mohshärte von 7-7,5 beim Cordierit und 7 bei Quarz halte ich einen Härtestet zwischen den beiden Mineralen schon für sehr gewagt bzw. ungenaue Resultate sind dann eigentlich vorprogrammiert, da ja die Härte bei beiden Mineralen fast identisch ist.. Ich plädiere daher eher für eine qualitative Schnellanalyse der vermuteten Kationen und Anionen (d.h. chemische Tests auf genügend Magnesium- und Aluminiumgehalte) - Lektüre --> A. Pflugmacher .. nach G. Charlot.

@Sebastian

Zitat
.. Pyrop-Almandin.Granate mit über 30 % Pyrop sehen nun mal rosa aus ..

Muss nochmal nachschauen, ab wieviel % wir eigentlich beim Almandin-Pyrop-Mischkristall von "Rhodolith" sprechen dürfen, der ja auch typisch rosa auftritt, wie ich ihn damals ja auch recht zahlreich in Sri Lankas Westküste aufgesammelt habe ..(siehe ferner meinen Beitrag - auch "mit Rhodolith" - hier und im "MA" unter Sri Lanka  - Erlebnisbericht) ..

Gruß Peter5 .. :winke:

Offline pallasit

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Re: Antarktis
« Antwort #8 am: Januar 21, 2009, 21:29:02 Nachmittag »
Hallo Speul,
Hallo Peter,

In der Natur geht es nicht immer nach Lehrbuch zu. Cordierit ist in diesen granulitfaziellen Gesteinen der Bamble-Region (Südnorwegen) nur selten noch in Topform. Fast immer ist Cordierit weislich, teilweise auch weis-grünlich zersetzt, manchmal nur randlich. Sehr selten ist er noch durchgängig frisch und klar. In relativ frischem Zustand ist er im Gesteinsverband mit bloßem Auge fast nicht von Quarz zu unterscheiden (muscheliger Bruch, Fettglanz). Zumal das typische „Cordieritblau“  in diesen Gesteinen nur sehr selten zu sehen ist.

Im Gelände konnten wir Cordierit und Quarz jedoch über die Härte leicht unterscheiden. Dies wurde später durch viele Dünnschliffe und EDS usw. bestätigt.

Cordierit konnte mit dem Messer gerade noch geritzt werden! Wie das?  :neenee:
Quarz = Härte 7, Cordierit Härte 7 bis 7,5!?!

Zersetzter Cordierit hat eine Härte unter 7. Selbst sehr frisch aussehender Cordierite konnte man mit dem Messer ritzen.   :unfassbar:

2. Quarz, milchigweiß, ca. 20 %
In einem solchen Gestein milchigweißer Quarz? Da habe ich meine Zweifel. Randlich getrübter Cordierit würde mir besser passen.

Ein einfacher Ritztest wird entscheiden ob es Quarz ist oder nicht.

Grüsse Willi  :prostbier:

 

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