Autor Thema: Tinguait?  (Gelesen 458 mal)

Offline Buchit

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Tinguait?
« am: März 22, 2018, 19:29:10 nachm. »
Hallo Freunde des nordischen Geschiebes,

das unten abgebildete Stück stammt vom Sylter Ellenbogen und wäre beinahe mit Elan in die Fluten geschleudert worden, weil ich im ersten Moment dachte, es sei nur ein Klumpen Klei, im dem sich ein paar Feuersteinchen verfangen hätten. Das habe ich dann aber doch nicht getan, und zu Hause fielen mir dann in der Matrix die kleinen, roten Kristalle auf, die allerdings nicht gleichmäßig im Gestein verteilt sind, sondern eher fleckig an manchen Stellen konzentriert, an anderen gar nicht zu finden sind - und da dachte ich, das könnte Cancrinit sein, und das Stück selbst ein Tinguait. Allerdings habe ich bisher im Netz kein Beispiel für einen Tinguait gefunden, bei dem die dunklen Minerale solche dichten und harten Einschlüsse bilden...

Was meinen denn unsere Geschiebe-Experten dazu?

Gruß,
Holger

Offline karlov

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Re: Tinguait?
« Antwort #1 am: März 22, 2018, 20:11:05 nachm. »
Moin Holger,
gibt es denn ein Bild von einem vergrösserten Detail des Gefüges? Und eine kleine Bruchfläche?  :gruebel:
Es müsste für einen Tinguait - zumindest um ihn makroskopisch anzusprechen - "tinguaitisches Gefüge", also grüne Grundmasse mit zahlreichen Ägirin-Nadeln zu erkennen sein. Tinguaite können auch dunkle Xenolithe führen, zumindest habe ich solche auf den kanarischen Inseln mal gefunden.
Sollen denn jetzt nur die Xenolithe tinguaitisch sein oder das ganze Gestein?
Der Cancrinit müsste auch im Bruch orange-rötlich gefärbt sein. Möglicherweise hilft ein Säuretest? (12 Std. 1 Tr. konzentrierte HCl einwirken lassen, abspülen. Bei pudrigen, gelben bis weißlichen Zersetzungsmassen liegt ein Foid vor; funktioniert zumindest bei Nephelin und wohl auch bei Hauyn).
Grüße  :hut:
karlov

Offline karlov

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Re: Tinguait?
« Antwort #2 am: März 22, 2018, 20:19:15 nachm. »
Hier zur Illustration das tinguaitähnliche Gestein mit dem Xenolith (Olivingabbro) von La Gomera. Sieht aus wie ein Tinguait, könnte aber auch ein trachytisches oder phonolithisches Gestein sein. Makroskopisch geht da nicht viel...  :nixweiss: Jedenfalls stammt es aus einem Gang.

Offline Buchit

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Re: Tinguait?
« Antwort #3 am: März 23, 2018, 07:07:53 vorm. »
Hallo Karlov,

ich dachte an das Gestein in toto. Aber mit dem Gefüge ist das so eine Sache - größere Ägirinaugitkristalle sind nämlich nicht zu sehen, die haben alle nur die Dimension der anderen Matrixmineralien (was in diesen schwarzen Einschlüssen drinsteckt, weiß ich noch nicht). Ich werde wohl über Ostern dazu kommen, den STein zu schneiden (draufhauen will ich nicht, dafür ist er zu klein :streichel:), und dann werde ich auch entsprechendes Bildmaterial liefern.

Gruß,
Holger

Offline Sprotte

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Re: Tinguait?
« Antwort #4 am: März 23, 2018, 11:07:17 vorm. »
Ja kleine Ägirin-Nadeln kann ich auch erkennen. Ich bin gespannt, wie's nach dem Schneiden aussieht ...

Viele Grüße
Sprotte

Offline Pinchacus

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Re: Tinguait?
« Antwort #5 am: März 23, 2018, 15:04:02 nachm. »
Ich bin auch gespannt, da ich das ganze (den Bildern nach) auf den ersten Blick für ein schwammnadelreiches, partiell verkieseltes Stück Kreidesandstein gehalten hätte. Leider sind in der vergrößerten Ansicht die Gefügemerkmale komplett von den jpg-Komprimierungsartefakten überlagert, so dass man nichts relevantes erkennen kann.

Mal sehen wie das ganze nach dem Schneiden aussieht.
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Offline Buchit

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Re: Tinguait?
« Antwort #6 am: März 23, 2018, 20:43:08 nachm. »
Nun, Schwammnadeln sind das sicher nicht :laughing: (Ein gutes Bild ist das zwar auch nicht, aber es gibt wenigstens eine ungefähre Vorstellung, wie die Matrix bei starker Vergrößerung aussieht - fragt mich aber bloß nicht nach dem Maßstab... :gruebel:)

Gruß,
Holger

Offline Pinchacus

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Re: Tinguait?
« Antwort #7 am: März 23, 2018, 21:22:59 nachm. »
Hallo Holger,

hast recht. Bin gespannt auf den Schliff...
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Offline Buchit

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Re: Tinguait?
« Antwort #8 am: April 07, 2018, 10:31:39 vorm. »
So, jetzt habe ich eine Scheibe abgeschnitten und zum Dünnschleifen vorbereitet (die lange Kante im ersten Bild ist 2,3 cm lang) - das sich dabei ergebende Bild ist aber sonderbar, und ein klassischer Tinguait ist das sicher nicht (wo ist der Ägirin?)...
Das zweite Bild ist nur eine Ausschnittvergrößerung.

Offline Buchit

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Re: Tinguait?
« Antwort #9 am: April 07, 2018, 10:35:16 vorm. »
Hier noch das Bild einer anderen Scheibe desselben Stücks, stärker vergrößert. Was sind bloß diese dunklen Flecken, die im Schnitt z.T. fast ausschließlich aus hellen Mineralen bestehen?

Gruß,
Holger

Offline Buchit

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Re: Tinguait?
« Antwort #10 am: April 07, 2018, 21:02:36 nachm. »
Hier jetzt ein Dünnschliffbild. Es ist leider kein Tinguait :os03:, aber - was ist es dann? Erkennt es jemand?

Offline karlov

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Re: Tinguait?
« Antwort #11 am: April 07, 2018, 23:53:31 nachm. »
Hallo Holger,
den Dünnschliff vermag ich nicht zu deuten. Meine erste Assoziation zum ersten von Dir eingestelltem Bild war: Dolerit mit feinkörnigem Diabas als Xenolith (glaube da auch dunkle Reaktionsränder zu erkennen). Das Gestein dürfte dann kräftig alteriert sein, dabei entstanden auch rote, z.B. hämatitimprägnierte Folgeprodukte. Aber das wäre zu einfach! Sind die leistenförmigen Aggregate denn Plagioklas? Was ist das graubläuliche Mineral oben links auf Ting_3? Quarz? Ist Magnetit enthalten? Sind die Farben einigermaßen echt (das leuchtende Grün)?
Ein schönes Geschiebe-Osterei!  :os00:
Ins Blaue geraten: Alkaligestein aus dem Oslograben?? (dann aber eher ohne Quarz... :confused:). Das einzige, was mir einfiele, wäre ein Ganggestein Richtung Sölvsbergit (trachytische Matrix, kleine Einsprenglinge von Ägirin, Hornblende oder Glimmer, kein Nephelin).
http://www.skan-kristallin.de/norwegen/gesteine/ganggesteine/soelvsbergit/soelvsbergit_text.html
Grüße  :winke:
karlov

Offline Buchit

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Re: Tinguait?
« Antwort #12 am: April 08, 2018, 16:07:41 nachm. »
Hallo Karlov,

Du hast ins Schwarze getroffen: Das ist einfach ein Grünstein! Man erkennt aus dem Originalbestand noch die Plagioklasleisten, Olivin ist nur noch stellenweise anhand des äußeren Umrisses identifizierbar, aber ansonsten vollständig durch Chlorit ersetzt (das leuchtend grüne Zeug...). Rot sind Eisenoxide, und die dunklen Flecken...ich stelle nur Vermutungen an, aber das könnten ehemalige Blasenhohlräume eines Basalts gewesen sein, die im Zuge der Metamorphose und Metasomatose mit Quarz und Chlorit gefüllt wurden. Kein Alkaligestein, leider! :os06:

Gruß,
Holger

Offline karlov

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Re: Tinguait?
« Antwort #13 am: April 08, 2018, 19:51:25 nachm. »
 :unfassbar: