Autor Thema: Benennung von Geschieben, Beschreibung in ganzen Sätzen:  (Gelesen 178 mal)

Offline Met1998

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Benennung von Geschieben, Beschreibung in ganzen Sätzen:
« am: April 22, 2021, 17:15:39 Nachmittag »
Schönen Nachmittag,  :hut:
Zitat: Nur weil der Begriff handlicher erscheint, ist er damit nicht richtiger.( pyterlitisch)
https://www.jgr-apolda.eu/index.php?topic=13031.msg155553#msg155553

karlov,
wie würde denn ein Dateiname = Bildunterschrift bei dir, für einen „nicht Geologen“ aussehen müssen?  :gruebel:
Sollen wir ernsthaft die Steine jetzt auch noch in ganzen Sätzen beschreiben?
Bei solch Dateinamen/Benennungen vergeht einem ja das Fotografieren.  :weissefahne:

Du willst mir doch nicht erzählen, dass ein Foto von einem Rapakiwi mit bisher pytelitischen Gefüge jetzt so heist:
"porphyrischer Rapakiwi mit idiomorphen Quarzen_gruppiert um die großen Alkalifeldspäte".  :wow:
Da brauche ich ja bald einen neuen Rechner, Text in Bildunterschriften frisst Speicher!

Da sich hierzu wegen :streit: niemand weiter zu Wort meldet, nehme ich mal an,
dass dieser „Euphorie“ im Geschiebeverein schon beschlossene Sache ist.  :nixweiss:

Sind dann Vinx und Smed ihre Geschiebenamen, über den langen Beschreibungen, hinfällig?
Volkstümliche Bezeichnungen für Geschiebe (was jeder Kleingeist versteht  :einaugeblinzel:) hat sich doch bisher sehr gut bewährt!
Hier sind ja schließlich auch „normale“ Sammler, Mitleser und Gäste vertreten.
Einige Sammler schreiben nur Fundort und Nr., Ende/Aus und nicht mehr!  :unfassbar:

Auch die „Met-Boys“ benennen ihre Meteoriten-Klassen im MetBull in gängigen Abkürzungen und dann darunter die genaue Beschreibung: petrologische Struktur, chemische und teilweise isotopische Zusammensetzung, usw.  :super:

In wissenschaftlichen Publikationen ist das o.k., aber das hier ist nur ein hobbymäßiges Forum.
Vielleicht habe ich Deine und M. Bräunlich‘s Ansinnen auch nur falsch verstanden,
aber mit solche Beschreibungen lockst du keinen „Jung-Steinsammler“ hinterm Ofen hervor.  :fluester:

Nur mal so meine Meinung!
:imsorry: Was sagt eigentlich der zuständige Moderator = JFJ dazu?  :gruebel:

Gruß der „Steinfried“
Der Mensch hat die Fähigkeit zur Vorahnung und er reift mit Geduld, wie Whisky, Käse und Wein!

Offline Nordnugget

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Re: Benennung von Geschieben, Beschreibung in ganzen Sätzen:
« Antwort #1 am: April 22, 2021, 18:44:01 Nachmittag »
Hallo Steinfried,
ich habe die Diskussion in den letzten Tagen verfolgt und mir ist der durchaus harsche Ton durchaus negativ aufgefallen.
"Meinung"
Ich persönlich bin in diesem Forum wegen Kultur des Lernens und des Fördernd.  Das hat zu einem sehr guten Klima beigetragen und ermöglicht einen Austausch auf Augenhöhe.

Ein geologischer Hintergrund ist in meiner Bildung zwar vorhanden, aber bei der sehr breiten Diversität dieses Faches kann nicht jeder ein Experte in der Ansprache plutonischer Gesteine sein.

In diesem Forum wurden schon immer Diskussionen geführt, zuweilen auch sehr emotional, dennoch sollte die Kameradschaft und der freundliche Umgangston immer erhalten bleiben. Zumal wenn man das gleiche Interessengebiet teilt.
Ist man bei gewissen Themen anderer Meinung (was in der Geologie nicht unüblich ist), dann man dies gern mitteilen und mit z.B. Literatur, chemischen Analysen oder Bildern belegen, aber auch hier macht der Ton die Musik.

Wir sind alle hier um etwas zu lernen. Sollte jemand mehr wissen als andere, sollte es derjenige als Privileg betrachten sein Wissen mit anderen zu teilen.... nicht umgekehrt.
"Meinung Ende"
In diesem Sinne, euch allen einen schönen Abend
Jens

Offline karlov

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Re: Benennung von Geschieben, Beschreibung in ganzen Sätzen:
« Antwort #2 am: April 23, 2021, 08:48:29 Vormittag »
Moin,
also wer einen "harschen Ton" bemerkt haben sollte, wollte diesen vielleicht vernehmen, um mit moralischem Unterton auf den vielgenannten "Ton in der Musik" zu verweisen. Mich nervt es es einfach, dass bestimmte Begrifflichkeiten mehrfach und (meiner Meinung nach hinreichend) kommentiert wurden und dann immer noch damit hantiert wird. Das sind Begriffe. Wenn die nichts taugen, können die weg. Schließlich geht es darum, einen Konsenz zu finden mit Begriffen, die von den meisten anerkannt werden.

Eine Beschreibung von Gesteinen in ganzen Sätzen ist absolut empfehlenswert. Es ist Grundvoraussetzung für die anschließende Benennung von Steinen und schult das Beobachtungsvermögen. Eine Gesteinsbestimmung beginnt mit der Bestimmung des Mineralbestands, zweckmäßigerweise in Sätzen oder Halbsätzen. Das fragliche Gestein heißt dann übrigens schlicht "porphyrischer Rapakiwigranit", und das mit den idiomorphen Quarzen gehört - evtl. zusammen mit der Farbe und der Größe der Alkalifeldspäte, des Plagioklas, dem Aufkommen dunkler Minerale oder dem Vorhandensein von Akzessorien usw. - in die Gesteinsbeschreibung und nicht in den Dateinamen. 

Ja, Funde sollten möglichst in "ganzen Sätzen" beschrieben werden, oder wie will man sich sonst darüber unterhalten? Wie oft werden hier im Forum Funde präsentiert, mit schlechten Fotos und ohne Beschreibung? Was soll dann ein Leser dazu sagen? Und der Laie/Anfänger etc. muss realisieren, dass zur Bestimmung der beobachtbare Mineralbestand/Gefüge gehört und diese nicht ausschließlich nach Vergleich mit Bildern in Büchern erfolgt. Wer das nicht will, mag "hinterm Ofen bleiben", sich der Schönheit der Steine erfreuen, aber sollte vorsichtig bei der Verwendung von Begrifflichkeiten sein. Die Reduktion auf einen Namen, die man an den Fund pappt ist eine eigenartige Motivation, die der Sache nicht gerecht wird und eher in den Bereich der Mystik zu verorten ist. Je exotischer der Name klingt, desto besser: "sphärolithischer Ragunda-Quarzporphyr". Im übrigen steckt hinter vielen Gesteinen eine spannende Entstehungsgeschichte, und mit der Gesteinsbeschreibung als Grundlage lässt sich das "Drehbuch" dieser Geschichte in Teilen nachvollziehen.

Was hat das jetzt mit den Geschiebenamen und von Vinx und Smed zu tun? Mir erschließt sich der Zusammenhang nicht. Die Bestimmung dieser Leitgeschiebe erfolgt nach Abgleich der dort genannten Merkmale. Vor allem Smed ist da sehr sorgfältig, weil die essentiellen Merkmale in seinem Buch kursiv gedruckt sind. Diese Merkmale müssen vorhanden sein. Ansonsten wird jeder rot-gelbe Granit als Siljan-Granit und jeder rote Alkalifeldspat-Granit als Uthammar-Granit bezeichnet. Eine Reihe von Leitgeschieben ist leicht erkennbar, andere erfordern genaueste Beobachtungen, und der größte Teil der "Leitgeschiebe" in Hesemann 1975 ist als problematisch anzusehen, wenn man sich auf makroskopische Beobachtungen stützt. Auch dies wurde an anderer Stelle ausführlich beleuchtet:

https://www.kristallin.de/Geschiebekunde/Leitgeschiebe.html
https://www.kristallin.de/aktuell.htm Eintrag 16. Oktober 2017.

 :winke:
karlov

Offline steinefieber

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Re: Benennung von Geschieben, Beschreibung in ganzen Sätzen:
« Antwort #3 am: April 23, 2021, 12:04:36 Nachmittag »
Tach zusammen,

Was mache ich jetzt? Schütte ich jetzt Öl auf die Wogen oder ins Feuer?

Diese Art Diskussion ist so alt wie die Menschheit. Die hat es schon in vatikanischen Konzilen gegeben. Liebgewonnes-Präzises-Bewährtes-Pragmatisches-Korinthenkackerisches-Revolutionäres. Wir wollen es aber nicht zu einem Schisma kommen lassen.

Aber um jetzt nicht philosophisch zu werden meine ganz unmaßgebliche Meinung, da hier anklang, es würde sich niemand zu Wort melden und alles wäre schon beschlossen. Wobei ich nicht weiß, ob hier überhaupt etwas beschlossen werden kann.

Geologie ist eine Wissenschaft. Wissenschaft arbeitet mit anerkannten Begriffen. Daß man Geologie auch hobbymäßig (Stichwort: Sammler, Künstler, Esoteriker) angehen kann, ist unbestritten. Es bleibt aber Geologie. Man kann auch Begriffe wählen, die einem klangvoller, vertrauter oder verständlicher erscheinen. Das tut dem Spaß keinen Abbruch. Der Handel macht ausgiebig Gebrauch davon. Alles kein Problem. Wenn man sich aber einem anderen verständlich machen will, muß man mit Termini arbeiten, die allgemein anerkannt sind, sich auch weiter entwickeln oder präzisiert werden. Dies ist conditio sine qua non. So anstrengend oder auch manchmal ärgerlich es ist, sich mit neuen Bezeichnungen vertraut machen zu müssen. Zum Glück kann Wissenschaft –sehr im Gegensatz zu anderen Disziplinen– Irrtümer zugeben! Da haben Wissenschaftler kein Problem mit.

Ein sicher nicht ganz zutreffendes Beispiel: Schreiben-wie-man-möchte ist in der Pädagogik sehr umstritten, den spätestens mit Eintritt ins Berufsleben wird jeder feststellen müssen, daß man zwar schreiben kann was man will; um verstanden zu werden aber nicht schreiben kann wie man will. Technik und Wissenschaft sind weitgehend davon verschont geblieben.

Allen ein steinreiches Wochenende
Bert
Wer Steine reden hört weiß, es werden nur Steine bleiben -
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