Autor Thema: Suevit? --- Geschiebe  (Gelesen 235 mal)

Offline Sprotte

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Suevit? --- Geschiebe
« am: April 29, 2021, 19:40:34 Nachmittag »
Ich wünsche allen einen Guten Abend.

Bei diesem Geschiebe (Breite: etwa 13,5 cm) aus einer Kiesgrube in Ostholstein dachte ich zuerst an einen ganz herkömmlichen Porphyr, wie sie in unterschiedlicher Ausbildung und mit unterschiedlichen Herkunft sehr oft im Geschiebe zu finden sind (viele davon sind gute Leitgeschiebe). Bei genauer Betrachtung stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei den vermeintlichen Einsprenglingen von hellen und ziegelroten Feldspäten und untergeordnet Quarz um Klasten handelt, die allseitig von schwarzem Glas umgeben sind. Meist ist nur ein Klast von Glas umgeben, manchmal liegen auch mehrere gemeinsam in einer Glashülle. In dem Glas findet sich weiterhin hellere Entmischungen und winziger Feldspatgrus. Auch sind Glasteilchen ohne größere Klasten vorhanden. Weiterhin existieren weiße Kristalle, die lichtmikroskopisch bis zu drei nicht senkrecht aufeinander stehende eng gescharte planare Brüche (oder pdfs?) erkennen lassen. Die Matrix des Gesteins besteht aus einem feinkörnigen Zement, d.h. aus Mikrometer bis sub-Millimeter teiligem Feldspat/Quarz-Grus.

Viele Grüße
Sprotte (Ralf)

Offline Buchit

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Re: Suevit? --- Geschiebe
« Antwort #1 am: April 30, 2021, 06:54:20 Vormittag »
Guten Morgen,

hm, soweit ich mich erinnere, sind Suevite als Impaktbreccien mit Glasanteil definiert. So weit, so gut.  Mir fehlt hier aber bereits der brecciöse Charakter des Gesteins (der eine Quarzeinschluss genügt nicht - sowas gibt es ja auch in diversen Porphyren; das ist eher ein Xenolith als ein Klast in einer Breccie). Und ich hätte auch noch nie davon gehört, dass das Glas im Suevit als Überzug anderer Bestandteile vorliegen würde - es bildet vielmehr selbst ganz klassisch einzelne Klasten in der Breccie.

Ich wäre auch ehrlich gesagt sehr skeptisch, die dunklen Ränder ohne weiteres als Glas zu bezeichnen (wobei ich das Stück nicht selbst gesehen habe und nur nach den Fotos urteilen kann); mich erinnert das eher an Magnetit. Und derartige Säume um kristalline Bestandteile eines Porphyrs erinnern mich eher an Reaktionsränder, wenn ich mir auch derzeit nicht unbedingt erklären könnte, wie diese zustande gekommen sein sollen (aber das lässt sich ohne Dünnschliffuntersuchung kaum näher beurteilen).

Aber "Suevit" - spontan ein klares Nein von mir.

Gruß,
Holger

Offline Sprotte

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Re: Suevit? --- Geschiebe
« Antwort #2 am: April 30, 2021, 09:50:05 Vormittag »
Hallo Holger,

bei den schwarzen Rändern handelt es sich sehr wahrscheinlich um Glas --- das zeigen die lichtmikroskopischen Untersuchungen. Die erkennbaren Felspäte und Quarze sind Klasten (der pseudoporpyrische Charakter ist meines Erachtens nur auf die Kleinheit der Klasten zurückzuführen). Dass ich Magnetit nicht von Glas unterscheiden kann, ist eigentlich eine böse Unterstellung (das ganze Gestein ist volkommen unmagnetisch). Reaktionränder kenne ich auch zur Genüge (das war auch mein ersten Ansatz). Glas gibt es auch ohne Klasten in der "Matrix". Insbesondere die Feldspäte sind mikroskopisch erkennbar teils scharfkantig, teil leicht angeschmolzen (nicht, wie sonst, magmatisch korrodiert).

Das Glas bildet keinen "Überzug" über die auf den Bildern erkennbaren Klasten - vielmehr liegen fast alle Klasten im Glas, meist einzeln, selten mehrere zusammen (außerdem gibt es zusätzlich winzige Feldspatbruchstücke im Glas).

Die Matrix besteht aus kleinen bis winzigen scharfkantigen nichtidiomorphem Stücken von Feldspat und Quarz.

Wie bereits gesagt, ich habe bereits so viele "Porphyre" in der Hand gehabt --- dies Stück weicht defintiv von allen ab. Aber natürlich hast du recht, dass erst eine Dünnschliffuntersuchung endgültige Klarheit bringen kann.

Viele Grüße
Sprotte (Ralf)


Offline Buchit

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Re: Suevit? --- Geschiebe
« Antwort #3 am: April 30, 2021, 14:10:39 Nachmittag »
Hallo Sprotte,

nun, ich gebe Dir sofort recht, wenn Du sagst, dass dies kein typischer Porphyr ist - aber das habe ich meines Wissens nach auch nicht behauptet... :hut:

Weiterhin: Nehmen wir einmal an, die dunklen Einschlüsse wären tatsächlich Glas - woher weißt Du, dass es sich nicht um vulkanisches Glas handelt? Gerade die Prophyre sind oft genug das Produkt eines explosiven Vulkanismus, der gerne einmal glashaltige Gesteine produziert (Bimsstein oder auch manche Ignimbrite als typische Beispiele). Immer noch wäre die Verteilung im Gestein höchst ungewöhnlich - aber warum muss es unbedingt ein Suevit sein?

Ich darf vielleicht am Rande hinzufügen, dass mich Gesteinsglas seit Jahren fasziniert, und dass ich mich bemüht habe, alle möglichen glashaltigen Gesteine zusammenzutragen - inklusive der dazugehörigen Dünnschliffe. Und daher weiß ich auch, dass einen die Betrachtung im Stereomikroskop böse täuschen kann, was die Natur einer bestimmten Phase angeht... Glas ist de facto in Gesteinen selten, und oft genug ist eine hinreichend dichte, dunkle Phase einfach mikrokristalliner Quarz (gerne auch mit Magnetiteinschlüssen, ohne dass deshalb sofort das ganze Gestein magnetisch ist...)

Aber ich werde mich hierzu nicht weiter äußern.

Gruß,
Holger

Offline Met1998

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Re: Suevit? --- Geschiebe
« Antwort #4 am: April 30, 2021, 16:10:40 Nachmittag »
Hallo Holger,
 :imsorry: bevor du dich zu dem Thema Vulkanisches Glas oder Suevit nicht mehr äußerst,
hätte ich (ebenfalls ein Freund von Gesteinsglas) nur noch eine Frage an den Geologen.
Gibt es denn im Norden (Schweden, Finnland, Norwegen, usw.) Gänge mit kleinen Gesteinsglas-Vorkommen  :gruebel:,
so wie bei uns in Sachsen:
Altenburg/Colditz, Leisnig, Meißen, Freital, Tharand, Flöha/Frankenberg, Karl-Marx-Stadt, Zwickau, usw.?

Gruß Ehrfried  :hut:
Der Mensch hat die Fähigkeit zur Vorahnung und er reift mit Geduld, wie Whisky, Käse und Wein!

 

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