Autor Thema: Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?  (Gelesen 8802 mal)

Offline aknoefel

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Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?
« am: Januar 06, 2009, 12:26:38 Nachmittag »
Hallo allerseits,

ich möchte mich mal an Dünnschliffen versuchen... Habe schon im Web Angebote für die Objektträger gesehen - die Frage , die bei mir nun auftaucht ist die. sollte man klares Glas nehmen oder mattiertes?

Gruß
  André
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Offline lithoraptor

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Re: Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?
« Antwort #1 am: Januar 06, 2009, 13:21:24 Nachmittag »
Moin!

Ich kenne Dünnschliffe nur auf klaren Objektträgern. Warum mattiertes Glas benutzen; bricht bzw. streut das denn nicht das polarisierte Licht wieder (da die angerauhte Oberfläche wie unzählige Prismen wirkt)? :gruebel: :gruebel:

Gruß

Ingo
« Letzte Änderung: Januar 06, 2009, 14:12:49 Nachmittag von lithoraptor »

ironmet

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Re: Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?
« Antwort #2 am: Januar 06, 2009, 13:50:14 Nachmittag »
Hallo André und Ingo,

ich habe ja vor einiger Zeit selbst mal mit Dünnschliffen experimentiert.
Das ganze ist wieder etwas eingeschlafen,weil ich einfach zu wenig Zeit habe.

Grundlegend finde ich die Idee von André super!
Aber es ist alles andere als einfach.

Die Sammler von Dünnschliffen bevorzugen natürlich klare Gläser und auch auf gerundete Ecken wird da Wert
gelegt.(Alex,Dein Einsatz bitte!!)
Das man da Top-Schliffe hinbekommt,beweist ja auch der Dünnschliff-Meister immer wieder.
Aber dieser arbeitet ja auch nicht von Hand.
Sondern hat perfekte Maschinen zur Verfügung!
Mattierte Gläser werden im Normalfall nur für die Schliffe verwendet!
Danach werden diese nochmals auf klares Glas umgesetzt!
Das aber nur für Sammler.
Rein für die Wissenschaft ist es Schnuppe,ob man ein klares Glas oder ein mattiertes hat.
Durch den Kleber,der den optimalen Brechungsindex besitzt,werden die feinen Kratzer wieder
ausgeglichen und das Glas erscheint absolut klar,in dem Bereich,wo sich eben auch nur der Kleber
befindet.
Der Rest des Glases bleibt matt!
Das geht für Untersuchungen absolut in Ordnung.
Nur der Sammler mag einen perfekten Schliff auf einem perfekten Glas!
Und das ist eben die Schwierigkeit dabei!
Das Umsetzen des Schliffs,von einem "gefrosteten" absolut plan geschliffenen Träger-
glases ist für den Laien nicht einfach!
Daher versucht man sich an einem klaren Glas.
Dieses verspricht wahrscheinlich keinen optimalen Schliff,da das Glas nicht absolut plan ist
und auch das abkleben mit Tesa ist kompliziert.
Jedenfalls zum Ende der Herstellung eines Schliffs,per Hand, wird es immer schwierig!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Der Schliff haftet durch die feine Körnung wie festgesaugt auf der Unterlage,dadurch kann sich der
Schliff lösen!
Bei klarem Trägerglas doppelt so schwierig,weil es eben nicht angeschliffen ist!
Und die nächste und größere Schwierigkeit ist,das wenn man das Klebeband,welches zum Schutz des Glases
dient,schon fast mit weggeschliffen hat,der Schliff an sich immer noch zu dick ist!
Manches Klebeband ist ja schon dicker als der Schliff im Endeffekt werden sollte.
Und das sind nunmal optimalerweise 0,03mm Dicke!!
Ist er zu dick,sieht man nix!
Ist er zu dünn,sind die Farben wieder weg!!
Und als Highlight ist auch das Kleben des Deckglases anzusehen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Damit kann man schnell resignieren!
Da hat man nun endlich einen halbwegs guten Schliff hinbekommen und dann versaut man den auch
noch beim Kleben des Deckglases!!
Die richtige Menge Kleber,das ganze Blasenfrei und gleichmäßig,das auch nichts weiter von
dem Kleber über den Rand des Deckglases läuft.
Das ist echt schwierig!!

Ist jedenfalls ein echter Spaß!
Nur wer dies mal selber ausprobiert hat,wird verstehen,das ein Preis von 100 Euro oder
200 Euro absolut kein Geld für solch einen Schliff ist!!!!
Weil eben der Aufwand so hoch ist und man viel,viel Zeit braucht,die man sich auch nehmen muß,
sonst wird es eh nix mit dem Schliff!!

Aber André,die Idee finde ich super!
Falls irgendwann mal einer fertig ist,zeige bitte Ergebnisse!

Viele Grüße Mirko


Offline lithoraptor

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Re: Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?
« Antwort #3 am: Januar 06, 2009, 14:21:43 Nachmittag »
Moin!

Durch den Kleber,der den optimalen Brechungsindex besitzt,werden die feinen Kratzer wieder
ausgeglichen und das Glas erscheint absolut klar,in dem Bereich,wo sich eben auch nur der Kleber
befindet. Der Rest des Glases bleibt matt!

Jetzt, wo Du es sagst Mirko, ich kann mich doch auch an mattiertes Glas erinnern; gab es bei uns in den Kursen aber recht wenig, meine ich.  :weissefahne:

Das "von Hand Schleifen" eines solchen Schliffes ist echt aufwengig. Ich kann aber sagen, dass dies bei quarzhaltigen Gesteinen noch wesentlich anstrengender ist. Ihr könnt euch also freuen, dass es  :auslach: nur :auslachl: Meteoriten sind.

Gruß

Ingo

Thin Section

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Re: Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?
« Antwort #4 am: Januar 06, 2009, 14:55:49 Nachmittag »
Hallo Mirko, Ingo, André  :winke:

 :super: Mirko, absolute Spitze, Dein "Vortrag" über die Anfertigung von DS!  :super:

Ich sammle zwar DS aber werde nie welche selber anfertigen wollen. Zu wenig Zeit!
Als mir Twink Monrad die Gold Basin Dünnschliffe schenkte, die einst mal Jim Kriegh
gehörten, waren auch zwei matte Glasträger dabei, die ich bislang aufgehoben habe.
Man weiß ja nie ...  :laughing:

Bernd  :hut:

Offline pallasit

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Re: Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?
« Antwort #5 am: Januar 06, 2009, 17:45:38 Nachmittag »
Hallo André,

Im Forum wurden Dünnschliffe auch schon behandelt:
http://www.jgr-apolda.eu/index.php?topic=624.0

Wenn du Dünnschliffe herstellen möchtest musst du zuerst einmal üben! Da bietet es sich an, dass du deine Objektträger selbst mattierst. Aber bitte nur eine Fläche anschleifen. Dabei wird der Objektträger auf eine einheitliche Dicke gebracht. Am besten mit der Mikrometerschraube nachmessen (+/- 1/1000 mm!!!). Die ecken und Kanten werden gerundet. Auf die mattierte ("frosted") Fläche wird das Gesteinsklötzchen geklebt. Wenn das Glas aufgeraut ist hält der Kleber und das Gesteinsklötzchen auch besser.

Da Meteorite im Gegensatz zu vielen irdischen Gesteinen recht weich sind, ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Wenn du eine Säge zur Verfügung hast, hält sich der Zeitaufwand jedoch in Grenzen.

Grüsse Willi  :prostbier:

Offline aknoefel

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Re: Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?
« Antwort #6 am: Januar 06, 2009, 19:44:55 Nachmittag »
Hallo allerseits,

vielen Dank für Eure Hinweise, Tipps und Links. Eine Frage ergibt sich jetzt noch daraus - woher kenne ich den Brechungsindex des Klebers (so wie ich das gelesen habe ja vermutlich Epoxid-Laminierharz). Bis jetzt habe ich keinen Anbieter gefunden, der irgendwas zur Brechzahl der Harze sagt... Gibt es viellecht den Harz für Dünnschliffe?

Gruß
  André
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Offline pallasit

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Re: Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?
« Antwort #7 am: Januar 06, 2009, 22:06:15 Nachmittag »
Hallo André,

Schau mal:
http://www.ottozeus.de/produkte/data/produktinformation-1050.pdf

Dieser Kleber wird oft verwendet. Langsames Aushärten ist wichtig um Spannungen zu vermeiden.

Grüsse Willi  :prostbier:

Offline aknoefel

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Re: Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?
« Antwort #8 am: Januar 06, 2009, 23:35:59 Nachmittag »
Hallo Willi,

besten Dank. Puh, das ist ja nicht wirklich günstig in der Großpackung, zumal ich ja garnicht so viel brauche... Na, mal sehen.

Gruß
  André
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Offline lithoraptor

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Re: Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?
« Antwort #9 am: Januar 06, 2009, 23:56:41 Nachmittag »
Moin!

Das Deckglas wird häufig mit Canadabalsam (auch Kanadabalsam) fixiert. Hier noch ein evtl. hilfreicher Link zur Dünnschliffmikroskopie bzw. zum Gebrauch und Verständnis entspr. Mikroskope:

 http://www.geographie.uni-wuerzburg.de/fileadmin/09010000/_temp_/Polmik_Vorlesung.pdf

Gruß

Ingo

ironmet

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Re: Dünnschliffe: Objekträger - klar oder matt?
« Antwort #10 am: Januar 07, 2009, 01:24:15 Vormittag »
Hallo André,

kleiner Tip noch von mir.
Ich habe mir folgendes Buch zu diesem Thema gekauft.

http://www.amazon.de/Methoden-D%C3%BCnnschliffherstellung-Derek-W-Humphries/dp/3432260911/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1231287591&sr=8-1

Dieses Buch ist absolut genial geschrieben!
Leicht verständlich und jeder Arbeitsschritt ausführlich!
Bei amazon ist es gerade nicht mehr verfügbar.
Aber vielleicht kannst Du es Dir ja mit der ISBN Nummer irgendwo bestellen.
Es lohnt sich wirklich!
Soviele Info´s ,leicht verständlich,bekommt man sonst nirgends.
Und preislich war das Buch auch sehr günstig,glaub ich.

Viele Grüße Mirko

 

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