Autor Thema: Pseudotachylit ? (tektonisch) - Geschiebe  (Gelesen 2176 mal)

Offline Sprotte

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Pseudotachylit ? (tektonisch) - Geschiebe
« am: September 26, 2012, 19:30:47 Nachmittag »
Guten Abend,

ich vermute, dass es sich bei diesem Geschiebe (Breite: 47 mm) um einen (tektonischen) Pseudotachylit handelt: In einem stark deformierten Granit (oder Gneis) befinden sich schmale Gänge/Adern aus einer dunklen glasartigen Masse. Risse und zerdrückte Bereiche sind nachträglich mit Epidot imprägniert worden.

Viele Grüße
Sprotte

Offline JFJ

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Re: Pseudotachylit ? (tektonisch) - Geschiebe
« Antwort #1 am: September 26, 2012, 21:13:51 Nachmittag »
Hallo Sprotte,

glaube ich eher nicht.
Bei einem durch Erdbeben generierten Pseudotachylit fehlen die geraden schmalen Schmelzadern im Gestein.
Sieht eher nach einem Gneis aus, evtl. durch Gebirgsneubildung verformtes Edukt.
Auch fehlen für einen Pseudotachylit die typischen, in ca. 40° - 45° abgehenden schmalen Risse,  von größeren ausgehend.
Da die Mafite weicher sind, sind diese deutlicher ausgewalzt im Gestein.

Glück Auf!
Jörg
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Offline Sprotte

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Re: Pseudotachylit ? (tektonisch) - Geschiebe
« Antwort #2 am: September 27, 2012, 10:02:34 Vormittag »
Hallo Jörg,

der Gestein enthält zwar durchaus Biotit, aber die violettschwarzen Gänge und Adern, die ich meine, sind fintartig hart und dicht (unten und in der Mitte sind zwei zu erkennen, die sich durch den gesamten Stein ziehen). Allerdings treten auch in der Länge begrenzte Adern, die von den Gängen abgehen und diese teilweise miteinander verbinden, auf.

Viele Grüße
Sprotte

PS: Ich denke, dass sich der Begriff "Pseudotachylit" auf ein infolge Reibungswärme lokal aufgeschmolzenes und wieder (meist glasartig) erstartes Gestein bezieht. Die Ursache der Reibungswärme ist dabei wohl zweitranging: schnelle Anhebung/Subduktion, Erdbeben, Impakte ...
« Letzte Änderung: September 27, 2012, 10:59:51 Vormittag von Sprotte »

Offline schwarzwaldmineraloge

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Re: Pseudotachylit ? (tektonisch) - Geschiebe
« Antwort #3 am: September 27, 2012, 11:59:59 Vormittag »
Hallo,

Tektonisch beansprucht definitiv ja, besonders im rechten Teil (man betrachte den oberen der schwarzen Gänge, der plötzlich um 90 ° nach unten abknickt und dabei ganz schmal wird). Das ist ein typisches Verhalten eines Ganges, der vor oder während der tektonischen Phase gebildet wird und an einer tektonischen Störung mitgeschleppt wird.

Pseudotachylit denke ich eher nicht. Sowas wie hier habe ich in dem Zusammenhang noch nicht gesehen.

Eher denke ich bei den Gängen an Hornstein, eine häufige Form des Quarzes in hydrothermalen Erzgängen, ähnlich dem Chert oder Flint. Die Farbe kann durch feinverteilte Sulfide (Pyrit z.B.) oder aber, wenn hier von violett die Rede ist, von schwarzviolettem Fluorit (durch die radioaktive Strahlung des Granits verfärbt) herrühren. Auch die Bildung von Rauchquarz ist in dem Falle nichts ungewöhnliches. Habe durchaus schon Hornstein- bzw. Quarzgänge in derartigen Granitgeschieben gefunden, sogar schon mit Pyrit, Fluorit (Stinkspat) und auch Bleimineralien (Galenit, Mimetesit, Wulfenit).

Glück Auf!
Sebastian
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Offline Buchit

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Re: Pseudotachylit ? (tektonisch) - Geschiebe
« Antwort #4 am: September 27, 2012, 18:28:26 Nachmittag »
Hallo Sprotte und Mitdiskutanden,

ich würde nicht ausschließen wollen, dass es sich um Pseudotachylit handelt - Härte und Charakter (flintartig) sprechen nicht dagegen. Allerdings ist das wohl (wieder mal) ein Bestimmungsfall, bei dem man für die positive Feststellung "Ja, das ist ein Pseudotachylit!" einen Dünnschliff bräuchte. Insofern in ich mit einer derartigen Aussage eher vorsichtig.

Gruß,
Holger

Offline JFJ

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Re: Pseudotachylit ? (tektonisch) - Geschiebe
« Antwort #5 am: September 27, 2012, 19:54:02 Nachmittag »
Hallo,

das Problem mit der Bestimmung anhand eines Dünnschliffes liegt bei Pseudotachyliten darin begründet, dass bei Pseudotachyliten keine Fremdschmelze in die Klüfte eingedrungen ist, sondern dass diese aus dem aufgeschmolzenen Edukt selbst bestehen.
Selbst wenn in einem Dünschliff Kristallisationskeime (welche früher als beweisend angesehen wurden) in den Klüften sichtbar sind, bedeutet dieses nicht, dass es sich auch um das Edukt handelt.
Diese bittere Pille musste ich auch schon schlucken.
Wenn allerdings Reaktionssäume an den feinen Klüften im Dünnschliff zu sehen sind, spricht vieles dafür, da diese bei aufgestiegenem Magma meistens fehlen.
Mich würde mal interessieren, ob es noch weitere sichere Bestimmungsmerkmale im Dünnschliff gibt, außer den Reaktionssäumen.

Glück Auf!
Jörg
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Offline Buchit

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Re: Pseudotachylit ? (tektonisch) - Geschiebe
« Antwort #6 am: September 28, 2012, 09:30:11 Vormittag »
Hallo Jörg,

wenn ich Deien Einwand richtig verstehe, kann der Unterschied zwischen eingedrungenem Magma und in situ aufgeschmolzenem Gestein auch im Dünnschliff nicht sicher getroffen werden (abgesehen von Reaktionssäumen). Hierzu fallen mir folgende Überlegungen ein:

Eine magmatische Spaltenfüllung könnte (muß nicht!) sich in der Zusammensetzung soweit vom Muttergestein unterscheiden, dass man sie positiv als solche bestimmen könnte. Im vorgiegenden Fall erscheint das Muttergestein recht "sauer" (Verzeihung für den veralteten Ausdruck, aber er bringt das, was ich sagen will, am prägnantesten zur Sprache). Wenn nun die Spaltenfüllung basaltischen Charakter hat, ist ein Pseudotachylit ausgeschlossen - würdest Du dem zustimmen?

Umgekehrt enthält ein Pseudotachylit meiner Kenntnis nach oft Bruchstücke des Muttergesteins in einem Umfang, wie das bei einer magmatischen Spaltenfüllung nicht der Fall ist. Zerriebene Quarze und Feldspäte in der dunklen Masse würden daher für einen Pseudotachylit sprechen.

Ein letzter "Beweis" ist allerdings ohne die Kenntnis des Anstehenden wohl schwierig.

Gruß,
Holger

Offline JFJ

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Re: Pseudotachylit ? (tektonisch) - Geschiebe
« Antwort #7 am: September 28, 2012, 19:36:34 Nachmittag »
Hallo Holger,

Zitat
Wenn nun die Spaltenfüllung basaltischen Charakter hat, ist ein Pseudotachylit ausgeschlossen - würdest Du dem zustimmen?

Ja genau, das meinte ich.
In solch prägnanten Fällen wird ein Dünnschliff ausreichen.
Ich hatte letztens einen vermuteten Pseudotachylit zur Begutachtung eingeschickt, bei dem war der Unterschied zwischen Muttergestein und Kluftfüllung so minimal, dass man ihn nur anhand eines Dünnschliffs nicht erkennen konnte. Erst im ERM wurden die minimalen Unterschiede sichtbar.
Ist leider halt ein problematisches Gestein.

Und Deine Überlegungen, dass in der Spaltenfüllung kleine Fragmente des Muttergesteins zu finden sind - das ist ein gutes Argument zur Bestimmung.
Da hatte ich gar nicht dran gedacht, ist aber logisch.

Glück Auf! (und danke)
Jörg
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