Autor Thema: Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)  (Gelesen 2321 mal)

Offline Allende

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Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)
« am: Juli 02, 2015, 18:04:31 nachm. »
Name: Bohumilitz
F.O.: Jihocesky, Vimperk, Tschechien
Klasse: Eisen, IAB-MG, Og (1.9 mm), Ni ca.7.2-7.3% (unterschiedliche Angaben ja nach Quelle)
Fund: 1829
Gesamtgewicht: Ca. 59 kg (3 Fundstücke, 52 kg, 962g und 5850g)

Vollscheibe, ehemals 2377g, jetzt noch 1146g, Tausch mit Nationalmuseum Prag (1996-97)

Kurze aber vielleicht interessante Randinformation zum Tausch der Eisenscheibe mit dem Nationalmuseum Prag:
Nach wochenlanger Verhandlung (konventioneller Briefwechsel…) und zwei persönlichen Besuchen vor Ort in Prag wurden sich beide Seiten für den Tausch irgendwie einig. Zur Komplettierung musste aber von der grossen Bohumilitz-Hauptmasse zuerst eine grossflächige Scheibe in Prag abgesägt werden, so war die Abmachung. Meine Museumskontakte sicherten mir zu: „das machen wir schon“. Womit aber niemand gerechnet hatte, war, dass das Kultusministerium (!) ein Veto betreffend der Bohumilitz-Scheibe eingelegt hatte... Um die Geschichte kurz zu machen wurden einige Monate später zwei parallele Scheiben statt einer Scheibe von der Hauptmasse abgesägt und die Frontscheibe plus die verkleinerte Hauptmasse mussten im Museum verbleiben, da die Schnittfläche der Bohumilitz-Hauptmasse mit ihren unverkennbaren Einschlüssen im Sammlungskatalog von 1965 abgebildet ist (im alten Katalog falsch abgeschrieben mit „Tepla“, dafür ist im Katalog Tepla mit Bohumilitz falsch angeschrieben) und damit fix im Museumsbestand verbleiben musste = Nationales Kulturgut!

Als der Deal inklusive der offiziell gestempelten Dokumente nach langen Monaten der Wartezeit endlich durch war, wurde eine gute Flasche Wein geöffnet. Heutzutage wäre ein Tausch in den Dimensionen nicht mehr vorstellbar. Es gilt aber weiterhin, dass die besten Deals mit Museums- und Universitätssammlungen meist mit langer Vorbereitungs- und Wartezeit verbunden sind.

Jahre später wurde die eingetauschte 2377g Vollscheibe mit einer grossen Drahtsäge in zwei flache Vollscheiben aufgespalten. Die noch heute bei jnmczurich befindliche dünne Restscheibe mit 1146g (292 x 159 x 5-5.5 mm) ist auf den angehängten Bildern zu sehen.

Gruss, Allende  :hut:

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Re: Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)
« Antwort #1 am: Juli 02, 2015, 18:06:32 nachm. »
Und jetzt die 1146g Vollscheibe aus zwei leicht verschiedenen Winkeln fotografiert. Die Lichtrefektionen lassen unterschiedliche Balken der groben Struktur aufleuchten.

Offline Allende

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Re: Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)
« Antwort #2 am: Juli 02, 2015, 18:07:21 nachm. »
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Offline Allende

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Re: Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)
« Antwort #3 am: Juli 02, 2015, 18:11:30 nachm. »
Jetzt Bilder zur Struktur und den Einschlüssen

Offline Allende

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Re: Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)
« Antwort #4 am: Juli 02, 2015, 18:13:51 nachm. »
Die Einschlüsse sind silikatisch, Graphit, Schreibersit und Troilit.

Hier der Silikateinschluss, Bildausschnitt ca. 8x6.5 mm.

Offline Allende

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Re: Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)
« Antwort #5 am: Juli 02, 2015, 18:16:02 nachm. »
Zwei Nahaufnahmen von der Struktur des groben Oktahedriten mit einer Balkenbreite von 1.9 mm. Recht gut erkennbar sind die Neumannschen Linien in den einzelnen Kamazitbalken.

Offline Allende

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Re: Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)
« Antwort #6 am: Juli 02, 2015, 18:16:51 nachm. »
Hier die zweite Nahaufnahme

Offline Allende

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Re: Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)
« Antwort #7 am: Juli 02, 2015, 18:19:28 nachm. »
Und jetzt noch eine Nahaufnahme von "langen Arm" des grossen Einschlusses. Gut zu erkennen die Aufteilung in Troilit und Graphit, aussen herum etwas Schreibersit und ein kleiner rundlicher Silikateinschluss.

Offline Allende

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Re: Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)
« Antwort #8 am: Juli 02, 2015, 18:24:39 nachm. »
Falls die Frage zur Stabilität des Eisens kommt, hier vorweg meine Antwort:

Stabiles Eisen!  :super: Über die Jahre hinweg nur minimalste Anrostung (Rückseite). Das hat allerdings sicher auch etwas mit den ausgezeichneten Lagerbedingungen bei mir zu tun.

Gruss, Allende
 :winke:

Offline gsac

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Re: Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)
« Antwort #9 am: Juli 02, 2015, 21:45:32 nachm. »
Vorbildliche Darstellung dieses berühmten Eisens!  :super:

Zudem immer schön zu lesen, wie sich so ein privater
Deal entwickelt hat. Dieses Wissen, wenn man es nicht
aufschreibt, geht über die Jahre verloren. Die Stücke
bleiben, solange man nicht Raubbau an ihnen betreibt,
die Geschichten dazu gehören aufgeschrieben und auch
aufbewahrt... Zumal sich die Zeiten ändern und derartige
Deals heutzutage sicher nicht mehr möglich wären wie
damals noch. Erst recht nicht mit dem Nationalmuseum in
Praha, wie auch mit vielen bzw. wohl den allermeisten
anderen Museen nicht mehr.

:hut: Alex


Offline ironsforever

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Re: Bohumilitz, Tschechien (Fund: 1829)
« Antwort #10 am: Juli 02, 2015, 22:09:26 nachm. »
Hallo Allende,

einfach F - A - N - T - A - S - T - I - S - C - H  das Eisen und auch die zugehörige Erwerbshistorie.

 :super:

Danke fürs Einstellen!

Gruß,
Andi
Es ist sehr einfach, prinzipiell gegen jede Norm zu sein. Das wirklich Geniale ist hingegen nicht so einfach, wie manch Einfacher denkt.  :einaugeblinzel: (Bekannt)

 

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