Autor Thema: UHP-Metamorphite des Seve Nappe-Komplexes  (Gelesen 1884 mal)

Offline Sprotte

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UHP-Metamorphite des Seve Nappe-Komplexes
« am: September 09, 2015, 20:09:06 Nachmittag »
Ein herzliches Hallo besonders an die Geschiebesammler,

in den schwedischen Kaledoniden, speziell dem Seve Nappe-Komplex (aus dem durchaus bereits nordische Geschiebe bekannt sind, siehe [1]), sind kürzlich pelitische Gneise gefunden worden, in denen Anzeichen von (ehemaligem) Coesit [2] bzw. Mikrodiamanten [3] gefunden wurden und die damit eine (eklogitfazielle) UHP-Metamorphose (UHP – ultra-high pressure) durchlaufen haben müssen. Die zugrunde liegenden Edukte wurden während des Zusammenstoßes von Laurentia und Baltica tief versenkt und anschließend wieder exhumiert.

Außerhalb der Kaledoniden sind derartige UHP-Gesteine in Regionen, die nordische Geschiebe geliefert haben, bisher nicht bekannt, obwohl z.B. die südwestfinnischen S-Granite (wie Perniö-Granit u.ä.) auf genau solche Kontinent-Kontinent-Kollisionen hinweisen. S-Granite werden als Aufschmelzungsprodukte von Sedimenten in tiefen Krustenbereichen während derartiger geologischer Ereignisse gedeutet. Auch die insgesamt drei shoshonitischen Ringkomplexe (Åva, Seglinge, Mosshaga) und weitere shoshonitische Intrusionen (z.B. Lemland) in diesem Gebiet weisen in dieselbe Richtung.

Viele Grüße
Sprotte (Ralf)

[1] J. Langendoen, H.L.M. van Roermund: An investigation into the genesis of an erratic (retro) eclogite block from Haren, Groningen, the Netherlands. Netherlands Journal of Geosciences 86 (2007) 145-157.
[2] I. Klonowska, J. Majka, M. Janak, D.G. Gee, A. Ladenberger: Pressure-temperature evolution of a kyanite-garnet politic gneiss from Åreskutan: evidence of ultra-high-pressure metamorphism of the Seve Nappe Complex, west-central Jämtland, Swedish Caledonides. Geological Society Special Publication 390 (2014) 321-336.
[3] Å. Rosen: Metamorphic Evolution of the Middle Seve Nappe in the Snasahögarna area, Scandinavian Caledonides. Examensarbeit. Uppsala University, Uppsala (2014).

Offline Sprotte

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Re: UHP-Metamorphite des Seve Nappe-Komplexes
« Antwort #1 am: September 17, 2015, 13:59:05 Nachmittag »
Hallo,

als Nachtrag möchte ich noch zwei Dinge hinzufügen:

(1) Vor Kurzem wurde in Südwestfinnland ein neues Karbonatit-Vorkommen festgestellt [4, 5], das als Produkt der Dehnungstektonik während der Krustenverdünnung nach Abtrag eines Faltengebirges interpretiert wird und zeitlich mit den südwestfinnischen S-Graniten und shoshonitischen Gesteine (Graniten und Lamprophyren) in Verbindung steht.

(2) Alle diese spät- bis post-orogenen Gesteine sind +/- frei von späteren tektonischen Überprägungen, sodass auch mögliche UHP-Metamorphite im Zustand nach ihrer Exhumierung überliefert sein sollten.

Viele Grüße
Ralf (Sprotte)

[4] J. Woodard, C.J. Hetherington: Carbonatite in a post-collisional tectonic setting: Geochronology and emplacement conditions at Naantali, SW Finland. Precambrian Research 240 (2014) 94-107.
[5] J. Woodard, P. Hölttä: The Naantali alvikite vein-dykes: A new carbonatite in southwestern Finland. In: S. Autio (Hrsg.): Geological Survey of Finland, Current Research 2003-2004. Special Paper 38 (2005) 5-10.

Offline JFJ

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Re: UHP-Metamorphite des Seve Nappe-Komplexes
« Antwort #2 am: September 17, 2015, 21:00:35 Nachmittag »
Hallo Ralf,

sehr interessant - vielen Dank für die Info.

Beste Grüße
Jörg
Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

Offline schwarzwaldmineraloge

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Re: UHP-Metamorphite des Seve Nappe-Komplexes
« Antwort #3 am: September 22, 2015, 10:03:15 Vormittag »
Hallo,

Kontinent-Kontinent-Kollisionen werden zwar für das svekofennische Grundgebirge immer noch postuliert, doch sprechen moderne Interpretationen gegen das Vorhandensein von größeren Subduktionszonen zwischen einzelnen Platten, vielmehr für Dehnung und Beckenbildung, wobei die Ausdünnung der Lithosphäre zu erhöhtem Wärmefluss und damit zu dem starken Magmatismus und der Metamorphose führte. Karbonatite halte ich auch für Schmelzen in extrensionaler Umgebung (Grabenbildung). Subduktion gab es aber unzweifelhaft im südwestlichen Schweden (Ullared), derartige Gesteine hab ich letztens unterm Mikroskop gehabt, da gibt es Hochdruckrelikte, welche aber dann später granulit- und Amphibolitfaziell überprägt sind. So könnten derartige Gesteine ohne Dünnschliff leicht für Gneise gehalten werden.

Glück Auf!
Sebastian
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Offline Sprotte

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Re: UHP-Metamorphite des Seve Nappe-Komplexes
« Antwort #4 am: September 28, 2015, 14:50:06 Nachmittag »
Hallo Sebastian,

um welche Hochdruckrelikte handelt es sich bei den retrograd eklogitfaziellen "Gneisen" aus Südwestschweden und wären diese Relikte auch auflichtmikroskopisch anhand von (polierten) Gesteinsanschliffen identifizierbar?

Viele Grüße
Ralf

Offline schwarzwaldmineraloge

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Re: UHP-Metamorphite des Seve Nappe-Komplexes
« Antwort #5 am: November 01, 2015, 10:36:45 Vormittag »
Hallo,

Im Anschliff ist da meist nicht viel zu machen, die Gesteine sind überhaupt recht unscheinbar. Ich meine, es war Granat, der von Säumen von Symplektiten (ähnlich wie Kelyphit) umgeben war. Omphazit o.ä. ist nicht mehr vorhanden gewesen, dafür Minerale wie Skapolith und neu gebildeter Plagioklas als Folge der Überprägung. Spinell und Korund sind Produkte einer HT-Überprägung (Granulitfazies).

Glück Auf!
Sebastian
Diplom-Mineraloge

 

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