Autor Thema: Meteoritenfund / Streufeld: Steckt hinter einem Einzelfund ein Streufeld?  (Gelesen 2501 mal)

Offline eb577

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Hallo Forum,

Leider gibt es in Deutschland keine bekannten großen Streufelder wo es noch etwas zu finden gibt. Neulich kam mir der Gedanke ob nicht vielleicht hinter einem bekannten Zufallsfund ein Streufeld stecken könnte.

Um eine Chance zu haben dort noch etwas zu finden müsste es sich um einen Eisenmeteoriten handeln der tief im Boden verborgen lag und sich mit einer PI Großschleife gut orten lässt. Auf folgende Meteoritenfunde in D könnte das gut passen:

Emsland  (Oktaedrit ), gefunden 2m tief im Moor
http://www.strufe.net/images/munich2014-14.jpg
http://www.strufe.net/images/munich2014-15.jpg

Obernkirchen (Oktaedrit (IVA)) (gefunden in 2-3m tief)
http://www.frank-ackemann.de/fa/meteorit.htm

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit das zu einem solchem Individum ein kleines Streufeld stecken könnte?

Ist es eher selten das Eisenmeteorite beim Eintritt zerbrechen?

Im weiteren käme der Meteoritenfall von Untermässing, Steinbach und Bitburg ebenfalls in Frage

Offline Greg

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Re: Meteoritenfund / Streufeld: Steckt hinter einem Einzelfund ein Streufeld?
« Antwort #1 am: November 24, 2015, 14:39:56 nachm. »
Hallo,

2011 haben einige Personen im Rahmen des 2. Deutschen Meteoriten Kolloquiums nach weiteren Stücken des Eisenmeteoriten Dermbach gesucht.
http://www.jgr-apolda.eu/index.php?topic=6756.msg88935#msg88935
Die Suche hat viel Spaß gemacht, war aber leider erfolglos.

Generell mag es nicht auszuschließen sein, dass von diversen Meteoriten noch weitere Stücke im Boden verborgen sind. Nur, auf welche Größe will man ein mögliches Streufeld eingrenzen? Selbst 1-2 Kilometer sind ein riesiges Gebiet, wenn man etwas in der Erde vermutet.

Hier im Forum wurden z.B. auch aus dem Bereich Emsland unbekannte, meteoritenverdächtige Stücke gezeigt, auch wenn es wohl "wrongs" waren (wie bisher alle meteoritenverdächtige Stücke).

Dermbach war bei mir das erste und einzige Mal, dass ich mit einem Detektor durch die Gegend gezogen bin. Es war sehr spannend. Aber letztlich bin ich für mich zum Schluss gekommen, dass man hier in Deutschland alles mögliche aus Eisen im Boden finden kann, aber die Chance auf Meteoriten gegen null tendiert. Und mal eben ein 1x1m (oder tieferes) Loch zu buddeln, nur weil der Detektor wieder ausschlägt, kostet Energie und Zeit... Die Bedingungen hier scheinen deutlich schwieriger als z.B. in Schweden beim Muonionalusta-Meteoriten zu sein.

Greg   :hut:

Offline MetGold

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Re: Meteoritenfund / Streufeld: Steckt hinter einem Einzelfund ein Streufeld?
« Antwort #2 am: November 24, 2015, 15:30:50 nachm. »
Hallo Forum,
Leider gibt es in Deutschland keine bekannten großen Streufelder wo es noch etwas zu finden gibt.

Das findet sicherlich unsere ganze Meteoritengemeinschaft sehr bedauernswert, sonst könnte man ja öfters mal ohne großes Reisegepäckzu packen eine Wochenendsuche starten.

Unser Steinbach hat ja auch ein kleines Streufeld:

Steinbach, Stein-Eisen, Siderophyr IA anom.
Fund 1724, bei Chemnitz, Erzgebirge, Deutschland
Gesamtfund 98 kg

In dieser Gegend wurden nacheinander mehrere große Massen gefunden, die dann unter dem Namen "Steinbach" zusammengefasst wurden:

- 0,9 kg Grimma, vor 1724 bekannt
- Steinbach 1751 beschrieben
- 87 kg Rittersgrün, 1833 oder 1847 gefunden
- 10,5 kg Breitenbach, 1861 gefunden

Quelle: F.Heide "Kleine Meteoritenkunde"

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Offline eb577

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Re: Meteoritenfund / Streufeld: Steckt hinter einem Einzelfund ein Streufeld?
« Antwort #3 am: November 24, 2015, 16:54:14 nachm. »

Generell mag es nicht auszuschließen sein, dass von diversen Meteoriten noch weitere Stücke im Boden verborgen sind. Nur, auf welche Größe will man ein mögliches Streufeld eingrenzen? Selbst 1-2 Kilometer sind ein riesiges Gebiet, wenn man etwas in der Erde vermutet.

Hier im Forum wurden z.B. auch aus dem Bereich Emsland unbekannte, meteoritenverdächtige Stücke gezeigt, auch wenn es wohl "wrongs" waren (wie bisher alle meteoritenverdächtige Stücke).

Dermbach war bei mir das erste und einzige Mal, dass ich mit einem Detektor durch die Gegend gezogen bin. Es war sehr spannend. Aber letztlich bin ich für mich zum Schluss gekommen, dass man hier in Deutschland alles mögliche aus Eisen im Boden finden kann, aber die Chance auf Meteoriten gegen null tendiert. Und mal eben ein 1x1m (oder tieferes) Loch zu buddeln, nur weil der Detektor wieder ausschlägt, kostet Energie und Zeit... Die Bedingungen hier scheinen deutlich schwieriger als z.B. in Schweden beim Muonionalusta-Meteoriten zu sein.

Greg   :hut:

Ich dachte daran die Fläche größflächig mit einem Magnetometer abzulaufen. Eine Fläche von zumindest 1x1km ist damit realistisch an eingen Wochenende zuschaffen. Im Anschluß daran am PC alle Funde die flacher als 1m liegen aussortieren, da dürfte die Anzahl der Signale deutlich reduzieren. Je nachdem wie stark die Fläche verschrottet ist hätte man so eine Chance ein weiteres Emsland Exemplar zufinden... Nur wie groß ist überhaupt die Chance das noch mehr runtergekommen ist?

Wenn z.b. 90% aller Eisenmeteorite nur als Einzelstück auf die Erde fallen stehen die Chancen natürlich schlecht. Wenn es häufiger vorkommt könnte man es mal auf einen Versuch ankommen lassen.


Hallo Forum,
Leider gibt es in Deutschland keine bekannten großen Streufelder wo es noch etwas zu finden gibt.

Das findet sicherlich unsere ganze Meteoritengemeinschaft sehr bedauernswert, sonst könnte man ja öfters mal ohne großes Reisegepäckzu packen eine Wochenendsuche starten.

Unser Steinbach hat ja auch ein kleines Streufeld:

Steinbach, Stein-Eisen, Siderophyr IA anom.
Fund 1724, bei Chemnitz, Erzgebirge, Deutschland
Gesamtfund 98 kg

In dieser Gegend wurden nacheinander mehrere große Massen gefunden, die dann unter dem Namen "Steinbach" zusammengefasst wurden:

- 0,9 kg Grimma, vor 1724 bekannt
- Steinbach 1751 beschrieben
- 87 kg Rittersgrün, 1833 oder 1847 gefunden
- 10,5 kg Breitenbach, 1861 gefunden

Quelle: F.Heide "Kleine Meteoritenkunde"

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Das Steinbach ein Streufeld hatte wusste ich gar nicht. Da sollte es ja noch am ehesten die theoretische Möglichkeit geben da noch etwas zu finden. Weißt du genaures? Es finden sich zu dem Fundumständen / Fundorten recht wenig Infos (außer das Exemplar aus Rittersgrün)

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Re: Meteoritenfund / Streufeld: Steckt hinter einem Einzelfund ein Streufeld?
« Antwort #4 am: November 24, 2015, 17:39:01 nachm. »
Das Steinbach ein Streufeld hatte wusste ich gar nicht. Da sollte es ja noch am ehesten die theoretische Möglichkeit geben da noch etwas zu finden. Weißt du genaures? Es finden sich zu dem Fundumständen / Fundorten recht wenig Infos (außer das Exemplar aus Rittersgrün)

Nun, das Hauptproblem ist wohl, dass diese Funde fast 300 bzw. 200 Jahre in der Vergangenheit liegen. Ich selbst habe da nichts genaueres darüber.  :crying:


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Offline eb577

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Re: Meteoritenfund / Streufeld: Steckt hinter einem Einzelfund ein Streufeld?
« Antwort #5 am: November 24, 2015, 18:39:27 nachm. »
Das Steinbach ein Streufeld hatte wusste ich gar nicht. Da sollte es ja noch am ehesten die theoretische Möglichkeit geben da noch etwas zu finden. Weißt du genaures? Es finden sich zu dem Fundumständen / Fundorten recht wenig Infos (außer das Exemplar aus Rittersgrün)

Nun, das Hauptproblem ist wohl, dass diese Funde fast 300 bzw. 200 Jahre in der Vergangenheit liegen. Ich selbst habe da nichts genaueres darüber.  :crying:


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Ich habe mal spaßeshalber die bekannten Steinbachmeteoriten bei Google Earth eingetragen. Keine Schönheit, und eigentlich nur für mich gedacht. Dachte aber ich teile es hier trotzdem mal:



- 0,9 kg Grimma, vor 1724 bekannt (kein passender Ort zu finden)
- Steinbach 1751 beschrieben (1kg, kleiner roter Punkt)
- 87 kg Rittersgrün, 1833 oder 1847 gefunden (großer roter Punkt)
- 10,5 kg Breitenbach, 1861 gefunden (mittlerer) Punkt

Offline MetGold

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Re: Meteoritenfund / Streufeld: Steckt hinter einem Einzelfund ein Streufeld?
« Antwort #6 am: November 24, 2015, 21:51:02 nachm. »
- 0,9 kg Grimma, vor 1724 bekannt (kein passender Ort zu finden)

Liegt ca. 100 km nördlich von Rittersgrün!
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Offline lithoraptor

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Re: Meteoritenfund / Streufeld: Steckt hinter einem Einzelfund ein Streufeld?
« Antwort #7 am: November 24, 2015, 22:03:21 nachm. »
Moin!

Im Hinblick auf die Existenz bisher nicht bekannter Großstreufelder mag auch der Artikel: CZEGKA, W.: Das holozäne Meteoritenkraterfeld von Morasko bei Posen (Polen), in "Der Aufschluss", Jhg. 47, Heft 07/08 1996, S. 165-185 interessant sein. Hier wird u.a. die Existenz eines IAB-Eisen-Großstreufeldes (Morasko, Burglavi und Seeläsgen) diskutiert.

Gruß

Ingo

Offline DAG648

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Re: Meteoritenfund / Streufeld: Steckt hinter einem Einzelfund ein Streufeld?
« Antwort #8 am: November 24, 2015, 23:00:22 nachm. »
Hallo Zusammen,

der Fundort Grimma für die "Gothaer Masse" von Steinbach (aus der Sammlung Abraham von Schönberg) ist meiner Ansicht nach mehr als fraglich und wohl dem Stück hinzugedichtet worden, da in der dortigen Gegend (Naunhof bei Grimma) zwischen 1540 und 1550 eine Eisenmasse gefunden worden sein soll.

Am Gothaer Stück hat sich aber wohl nie eine Fundortangabe befunden, wie z.B. bei Chladni (1819) nachzulesen ist:

"...und es war weiter keine Notiz beigefügt, als: "ein kurioses Stück Gediegeneisen, so auf dem Felde gefunden worden."..."

Daher liegt die Vermutung doch nahe, dass auch dieses in der näheren Umgebung der drei anderen Massen gefunden wurde.

Grüße,
Alex


 

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