Autor Thema: Aufschlußreicher Artikel über Omanfunde  (Gelesen 2603 mal)

Offline Mettmann

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Aufschlußreicher Artikel über Omanfunde
« am: September 03, 2007, 13:57:41 Nachmittag »
Salü,

Kuyken hat jenen sehr aufschlussreichen Artikel über die Gesamtmenge aller Omanfunde entdeckt:
http://kuerzer.de/Omanfunde

Na und der ist sehr interessant, weil es viele ja nicht glauben wollen, wie rar die Dinger sind, da er auch hilfreich ist, die Fundmengen und die Dunkelziffer der NWA-Länder abzuschätzen.
Im Oman fällt die komplette Vertriebs- und Zwischenhändlerebene weg. Dort werden keine Meteorite gehandelt, sondern sie müssen gefunden werden, was neben den Schweizern eben nur (kommerzielle) Profis betrieben, die die Koordinaten und die Fundgewichte nehmen und denen natürlich daran gelegen, daß ihre Funde benummert und klassifiziert werden (weilse sonst keinen Preis dafür bekommen).
Sowei ich weiß, fanden die ersten Suchen 1999 statt.

Also sind in diesen 8 Jahren seither 6,2t gefunden worden (und das meiste davon natürlich gewöhnliche Chondrite).
Und selbst wenn man großzügig noch ein paar Tonnen draufgäbe, die nicht oder noch nicht erfaßt,
Kinder, ich, der Meister der Visualisierung, sage Euch, man würde mit allen Omanmeteoriten nicht einmal diesen kleinen Laster vollbekommen:
http://kuerzer.de/Metload

Daran könnt ihr auch sehen, daß eben nicht aberhunderte oder -tausende okkulte Tonnen an Meteoriten im Mahgreb herumschwirren, wie Lieschen Müller sich das angesichts des Internetangebots vorstellt.
6komma2 Tonnen in 8 Jahren Oman (und der dicke Ghubara ist auch schon drin).

Huh, wenn man da an Sikhote, Campo, Gibeon denkt....

Gegenwärtig simmer im Oman bei Nummern um die 2200.  Bei NWA und die Sahara ist größer, wenn auch der überwiegende Teil nicht zur Suche geeignet ist, nähern wir uns NWA 5000 (wobei anders als beim Oman wesentlich mehr pairing-numbers vergeben werden, also Monika, wir etliches doppelt und zehnfach haben und abziehen müssen, bevor wirs in Schilling umrechnen).

Seid Ihr nun überzeugt?

 :prostbier:
Mettmann


PS: Der Artikel

Scientists find 400 meteorites in Oman
By our correspondent

3 September 2007

MUSCAT - Four hundred new meteorites have been found in Oman, scientists have announced. The discoveries were made by a joint Oman-Swiss team that was on a quest for meteorites in the Sultanate.

"The team has listed a total of 400 finds," the official Oman News Agency
(ONA) quoted Dr Ali bin Faraj Al Katheri, a geologist at the Minerals Department of the Directorate-General of Commerce and Industry in Dhofar Governorate, as saying.

The latest discoveries are the result of joint scientific co-operation between the Commerce and Industry Ministry's Directorate-General of Minerals, and the University of Berne of Switzerland.

Dr Al Katheri told ONA that the number of meteorites discovered around Oman now totalled 4,970, weighing a total of around 3,830kg. "Prior to the year 2000, meteorite finds were rarely known in the Sultanate, until the Meteors Society reported the discovery of 39 meteorites in its bulletin of August 2002," the agency said.

To date, meteorites discovered by other organisations total 1,805, weighing a combined 6,228kg. They represent 34 per cent of global discoveries of meteorites, with the exclusion of those found in the Antarctic. Meteorites found in the Sultanate have significant civilisational and historical value, Dr Katheri stressed, adding that Sultanate had emerged as one of the most important regions for meteorite discoveries.

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Offline FrankZ

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Re: Aufschlußreicher Artikel über Omanfunde
« Antwort #1 am: September 04, 2007, 09:51:11 Vormittag »
Hallo,
interessant, kann man eigentlich seriös abschätzen, wie viele Tonnen an Meteoritenmaterial bisher tatsächlich auf unerer guten alten Erde gefunden wurden (ich meine bekannte Funde, ohne ominöse unbekannte Mets)?

Neugierige Grüße
Frank

Offline Mettmann

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Re: Aufschlußreicher Artikel über Omanfunde
« Antwort #2 am: September 04, 2007, 14:53:16 Nachmittag »
Ei freilicht Frank,

guxx:     http://tin.er.usgs.gov/meteor/metbull.php


Die Meteorite werden ja, sobald sie klassifiziert wurden, zentral von der Meteoritical Society erfaßt (und anerkannt).
Ich hab jetzt nur die Zahlen von Anfang letzten Jahres parat.
Die lauten:

Meteorite gesamt:     581 Tonnen

Davon
Eisen/Steineisen    521 Tonnen

Gewöhnliche Chondrite   52 Tonnen

Kohlige Chondrite   3 Tonnen

Vesta-Gruppe, HED, also Howardite, Eukrite, Diogenite    1 Tonne

Aubrite 1 Tonne

Unklassifizierte  1 Tonne

Provisorisch Klassifizierte  1 Tonne

fügmer schnell hinzu

Mars  94 kg

Mond 40kg


Funde/Fälle/Nummern gesamt 44.500

Müssen wir nun genauer ergänzen und interpretieren.

Wenn man allein die 20 größten Eisenfunde und den Sikhotefall hernimmt,
Also Hoba, Cape York, Canyon Diablo, Campo del Cielo....
hat man bereits 90% der bekannten Gesamtmasse aller 44,000 bekannter Meteorite.

Wart ich hatte sie ja mal extra für Euch zusammengeschrieben....

Zitat
60t Hoba. Ein Monolith, ob da ein bisserl abgebröckelte Shale gesammelt, fällt buchstäblich nicht ins Gewicht.
58.2t Cape York - wohlbekannte einzelne Massen und in Grönland hüppen keene Hunter rum
50t Campo + man weiß es nicht
30t Canyon Diablo + man weiß es nicht
28t Armanty - ein Solitär in China, wennst da was absäbelst, kommst inn Knast.
26t Gibeon + man weiß es nicht
24.3t Chupaderos - das sind nur 2 Massen.
24t Mundrabilla - im wesentlichen auch nur 2,3 große Batzen. Sicherlich findst auf den zwo, drei großen Messen ab und zu ne kleine Steige kleiner Stücke, aber das ist vernachlässigbar. Ne brauchbare große Scheibe Mundrabill zu bekommen, da mußte schon sehr lang suchen und die sind gut bezahlt.
23t Sikhote-Alin + viel mehr
22t Bacubirito ebenfalls ein Einzelfund
16t Mbosi  ein einziger Klotz (Naturdenkmal)
15.5t Willamette - hochberühmter Klotz, was man sammeln konnt, sind Rostbrösel am Fundort
10.1t Morito eine einzige Masse
9.5t Nantan + irgendwas + tonnenweise Fakes
8.6t Cranbourne  mehrere große Massen, aber sonst auch nix, sonst wärs nu im ebay für lau
7t Santa Catharina   waren wohl mal 20t mehr, wurden aber in England eingeschmolzen wegen em Nickel. Ja da hats auch nochn bissi was in neuerer Zeit gegeben, aber nurn paar Kilöchen (und durchgewittert)
5.4t  Bendego  ist auch ein Einzelknödel, wurd auch gesucht in letzterer Zeit, findt sich aber nur Shale-Bröckerl
3.8t Youndegin schönest Stück, kannste in Wien im Museum anschaun
3t Toluca - da ist sicherlich mehr gefunden über die Jahrhunderte, aber kein Vgl zu Sikhote oder Campo
3t Yingde  ??? Hasse den mal zu kaufen gefunden?
2.75t  Old Woman zwotgrößter Amerikaner, eine Einzelmasse
2.55t  Wabar - Zungenschnalz, hammer im Programm. Da gibts auch keene Neufunde oder Hönter.
2.18t  Navajo  2 Stücke
2.1t Coahuila etliche Massen, aber auch keine geheime Inflation, siehste ja am Netz und dessen Preise.
2t Henbury - ja schätzt man, daß über die Jahrzehnte 1t mehr gefunden - siehst ja selbst, Kilostücke sind einigermaßen rar.

Weiter ins Detail:
52 Tonnen gewöhnliche Chondrite
- da ist dabei 4,3 Tonnen Jilin;  2 t NWA 869, 1.3 t Tsarev, 1.1 Tonnen Kunya-Urgench 
müßt schaun, ob Pultusk mit 2t oder mit den erhaltenen 250kg gelistet sind - das sind schon alle gewöhnlichen Chondrite >1t. Überleben den Atmosphärenflug eben schlechter als das feste und dichte Eisen.

3 Tonnen Kohlige Chondrite - davon sind 2 t allein schon Allende

1 t Aubrite - das ist praktisch alles Norton County.

Wohlgemerkt, das sind die erfaßten Zahlen in den Referenzwerken der Meteoritical Society.
Das sind alle erfaßten Fälle und Funde aller Zeiten und der Welt.

Wie ist nun diese Zahl 44.500 Meteorite zu genießen?

Die setzt sich zusammen aus:  
32.000 Funden aus der Antarktis
  1.206 beobachteten Fällen
  4.000+ NWA-Nummern
  2.100 aussem Oman
  1.460 aus Libyen
    ein paar Hundert Wüstenfunde in Australien
    300 Sahara-Nummern
    wohl einigen Wüstenfunden USA
    200 historischen Pseudos

Soderla, das sind nun bei weitem nicht jeder für sich ein eigener Meteorit bzw. ein eigener ursprünglicher Fall.

In der Antarktis wird fast jeder Stein einzeln benummert. Sind also viele Pairings dabei. Welche Nummern zusammengehören, muß man sich aus den Datenbanken der ANSMET und des Polar Research bzw. aus den Bulletins zusammensuchen, zumindest bei den rareren Klassen stehts immer dabei.
Da schnurrt die Gesamtzahl an Meteoriten doch gewaltig zusammen.

Weiters ist natürlich die NWA-Nummernzahl in dieser Hinsicht unbrauchbar. Die Funde werden zerissen, noch in Marokko; verschiedene Händler kaufen jeder vom selben Material und lassens eigens klassifizieren; die MetSoc verlangt teilweise, auch wenn es bekannt ist, daß Steine zusammengehören, daß diese getrennt benummert (und Material abgegeben wird), bei bekannten Streufeldern rarer Klassen wird nachgesucht, sodaß später noch neues Material hinzukommt... usw.usf.

Kurz - es gibt praktisch bei den raren und semiraren Klassen aus NWA-country keinen Fund, der nicht unter 3-20 oder noch mehr NWA-Nummern kursiert,
und diese Nummerninflation läßt eben den unaufmerksamen Sammler glauben, daß es selbst von den raren Klassen riesige Mengen und diese für alle Zeit nach Belieben und für ein paar Mückjes im Gramm gäbe. Doch die Statistik zeigt ein vollkommen anderes Bild.
Und jeder kann es selbst nachvollziehen, daß wenn bspw in 30 Jahren Antarktissuche, wo jeder Stein auffem Blaueis eingesammelt wird, 4 oder 5 Acapulcoite gefunden worden sind, in 300 Jahren noch 4-5 andere, im Oman zweie, daß die 30 Sahara und NWA-Nummern natürlich nicht jeder für sich ein eigener Acapulcoit ist.

Besser siehts im Oman aus, da es dort eben keine Händlerebene gibt, sondern Wissenschaftler und Profijäger selber suchen und dokumentieren.
Dort gibt's hptsl multiple Nummern nur für die allerwichtigsten Steinchen, also Mond und Mars, weil dort eben auch die Streufelder derselben auf vielen Dutzend Quadratkilometern zu unterschiedlichen Zeiten von unterschiedlichen Teams praktisch quadratzentimeterweis abgesucht werden.
Da sind aber auch die pairings wohlbekannt - ebenso wie bei den NWA-Monden und -Märsen, eben weil die Dinger besonders signifikant und wissenschaftl. wichtig sind.

Kommen wir also nun letztendlich zur Dunkelziffer.
Wir haben nun gelernt, daß vom Gewicht her, fast alles Eisenmeteorit ist.
Was bedeutet das nun für die Dunkelziffer in NWA?  In der Sahara und im Oman findet man praktisch überhaupt keine Eisen.
Höchstwahrscheinlich deswegen, weil sie vor langer Zeit als Rohstoffquelle genutzt wurden. Anders z.B. in Australien, wo man viel mehr Eisen findet, weil die Aborigines es eben nie zur Eisenverarbeitung gebracht haben.
NWA-Eisen haben wir im Moment nur 10 Nummern (pairings weiß ich nicht, von ein paar mehr Eisen, noch nicht benummert weiß ich und ein Campo hat sich auch dort eingeschlichen) - also praktisch überhaupt nix. Taza eben, etwas Ziz noch...
Von den Eisen sind also keine hunderte und tausende Dunkeltonnen aussem Mahgreb zu erwarten.

Von den raren Klassen hast oben die Zahlen, das ist strenggenommen fast nix, ein kleiner Pickup-Tröck würd volumenmäßig nicht voll damit.
Zudem sind die raren Klassen aus NWA stark überrepräsentiert.
NWA wird ausser vereinzelten Ferien- und Hobbjägern ausschließlich von kommerziellen Händlern beackert, also die ganze lokale Händlerschicht und die ausländischen Händler, die sie dann der Klassifiz zuführen und an die Sammler verkaufen.
Und da sind zurzeit eben nur noch die raren Klassen attraktiv und zudem müssen sie klassifiziert und damit erfaßt werden, weil sie sonst eben keinen Sammlerwert haben bzw- die Händler nix dran verdienen, weils nicht bezahlt würd sonst.
Das Gros der Steine, die dort gefunden werden, sind aber gewöhnliche Chondrite und noch dazu typischerweis verwitterte W3 und schlechter.

Um es abschätzen zu können, wie die wahren Proportionen der raren Klassen zu den gewöhnlichen Chondriten sindt, schaust Dir am besten die beobachteten Fälle an, da die unverdächtig sind und es fällt, wie's grad kommt.
Oder Du nimmst die Antarktis her. Dort sammeln und reichern sich die Meteorite auf den Blaueisfeldern an, dort wächst nix und dort liegen keine anderen Steine herum und alles wird akribisch erfaßt und eingesammelt. Wobei man aber die Pairings zusammensuchen muß.
Mit Einschränkungen geht auch Oman, wobei die gewöhnlichen Chondrite nicht eben Priorität haben bei der Klassifiz, aber es auch eher die Ausnahme ist, daß Nachfunde gemacht und nicht angezeigt werden, also bspw. Dho 007 und 700 oder Ghubara sind schon Sonderfälle.

Und so kommst eben zu dem Ergebnis, daß der bei weitem überwiegende Teil des nicht erfaßten Materials aus der Sahara gewöhnliche Chondrite sein müssen. Die tauchen auch auf dem Markt nicht auf, weil sich der Handel mit ihnen beim gegenwärtigen Preisniveau nicht lohnt, sodaß die Händler davon die Finger lassen bzw. lohnt sich nur klassifizieren zu lassen, was verspricht ein unäquilibrierter 3er zu werden oder ne Impakt-Schmelze oder wenns besonders schöne Schockadern hat. Was sonst noch bezahlt wird sind eben frische Schwarzkruster - also die besten 3% des Materials dort und orientierte.
Orientierte würden aber leiden, schnitte man ein Stück ab und selbst bei den Schwarzkrustern ist eine Klassifikation ökonomisch zurzeit nicht zu rechtfertigen.
Das kommt alles später nach, wenns nun zu End ist mit der Wüste.

Also können wirs doch ganz gut eingrenzen: 
- das Verhältnis Achondrite zu andern Klassen einschätzen anhand der Fälle, Antarktis, Oman - und den erfaßten NWA-Achondriten.
- die Gesamtfundmenge aus dem Oman  6.2t + bissi was.
- NWA 869

Muß ich noch erklären. NWA 869 ist mit 2t im Catalogue erfaßt, man muß aber eher von 4 Tonnen ausgehen, also so ziemlich der größte Steinfund der Geschichte.
Und da war es sehr interessant zu beobachten vor 3 oder 4 Jahren, als NWA 869 herauskam. NWA 869 sieht ja sehr charakterisch aus, man kann ihn gut von anderen Chondriten unterscheiden. Vor 3-4 Jahren war der Gipfelpunkt des Sahara-Rausches erreicht, auf den größten Messen hatte wirklich jeder Haifischzahnverklopper aus Marokko mehrere Kisten an unklassifizierten Chondriten rumstehen (hatte damals in Munich, der zwotgrößten Messe der Welt, knapp 30 marokkanische Stände mit Wühlkisten gezählt)
und da war höchst auffällig, das drei Viertel allen unklassifizierten Materials NWA 869 war.
(Mittlerweile sind die 4 Tonnen fast vollständig schon absorbiert, der 869-Micha wird Euch ein Lied davon singen).

Kurzum - aus der Sahara dürfen wir allerhöchstens mit einigen einzelnen Dutzend Tonnen Material insgesamt rechnen und zwar praktisch alles verwitterte gewöhnliche Chondrite vom Typ "Gleisschotter".

Die eigentliche Dunkelziffer ist woanders zu suchen, nämlich bei den ganz wenigen bekannten Riesenmasseneisenfunden.
Die sind zwangsläufig nicht richtig im "Catalogue" erfaßt, die Angaben dort beziehen sich auf historische Literaturangaben.
Und die sind ja schnell durchgegangen.

Sikhote-Alin
hammer, steht mit 27t (wohl Krinovs Zahl) im Catalogue. Da schätzt man eher 100 t.
Sikhote ist jetzt allerdings durch, das Streufeld ist erschöpft und der ganze Zauber ist bereits nach wenigen Jahren vorüber, kosten schon ein Vielfaches von dem, wasse noch vor 2-3 Jahren gebracht haben.

Campo del Cielo
Steht mit 50 Tonnen drin. Aber da wird ja seit 5 Jahren geackert und verkloppt, daß die Schwarte kracht. Tu etlich Dutzend Tonnen dazu,
der Hauptcampoman übrigens erzählt, daß die Fundmengen rückläufig sind.

Canyon Diablo
Ist mit 30 Tonnen verbucht, soweit ich weiß, eine alte Nininger-Schätzung aus allem, was er so in Sammlungen vorgefunden.
Auch da völlig unbekannt, wieviel. Wurde sogar früher mit der Bahn abtransportiert und eingeschmolzen.
Wiede aber sehen kannst, wird bei weitem nicht so häufig angeboten wie Campo und Sikkhote und wenn man dort heute noch sucht, läßt einen der Sheriff eine Nacht im Knast absitzen.

Gibeon
Seit 170 Jahren beackert, da weiß man natürlich auch nix mehr. War für 165 Jahre das, was Campo heute ist.
Seit 2000 Exportverbot, und obwohls eine solche große Menge gab, ist er schon verschwunden und kost das 3-4 fache seit 2 Jahren.

Nantan
Ist schwer einzuschätzen, da fast alles was heute so verkauft wird, kein Nantan sondern dieses Mekong-River-Eisenoxid ist, vulgo irdisch Schrott.
Aber sicher auch noch ein paar Tönnchen mehr, wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie die obigen.

So und das wars dann im Wesentlichen.

Und wiede ja auch siehst, sind diese 5 Eisen, die Hauptsache, die bspw. in den Ebays vertickt werden und die Billigheimer unter den Meteoriten,
weswegen sich auch die allermeisten hier im Forum hptsl auf diese 5 Eisen kaprizieren und sich wundern, daß die restlichen 40.000 Meteoriten in der Regel mehr als 0.1-0.3Euro im Gramm kosten.

Was wär sonst noch erwähnenswert,
also Muonionalusta dürften ca. 3t jetzt die Jahre noch gefunden sein,
Brenham wohl mit der dicken neuen Hauptmasse nochne Tonne,
Seymchan 1t
Brahin sicher auch etlich hundert kilo.
Ja und hier und da bei den andern Eisen werden gelegentlich noch bisserl größere Einzelfunde im Zentnerbereich getan, Uruacu, Morasko.
Bei Steinen fällt mir nur Gao-Guenie ein mit etlich Hundert kilo.

Andere Eisen a la Mundrabilla, Odessa, Toluca, Henbury - da ist über die Jahrzehnte auch gesammelt worden, aber sicherlich nicht in den Dimensionen wie bei den 5 Masseneisen oben.
Fallen also sprichwörtl. bei den Eisen nicht ins Gewicht,
wohl aber, wenn mans gegen die Wüste hält.

Also großes Resumee.

Die Dunkelziffer liegt fast ausschließlich bei den Eisen und da bei den 5 Massenfunden.

Aus der Wüste können wir bestenfalls mit einer sehr diskreten, kleinen zwostelligen Tonnage rechnen
und zwar fast alles olle verwitterte Chondriten.

Und woher solls denn auch kommen, wenn in 1200 Jahren Steinfällen, in 200 Jahren Meteoriterei, in 30 Jahren Antarktissuche, in 8 Jahren Oman
bislang nur 50-60 Tonnen an Chondriten rausgesprungen sind?

Daher mögen wir auch den Wiedergängerthread abschließen, der dauernd nach der Gesetzgebung zu den Meteoriten fragt.
Meteorite sind so extrem selten und wirtschaftlich unbedeutend, daß selbst in den Wüstenländern, wo das Gros der Meteorite gefunden wird (der rechtliche Status der Antarktismeteorite ist noch nicht abschließend geklärt), niemand auf die Idee gekommen ist, extra Gesetze für Meteorite zu erlassen.
Daß das nun leider nach und nach nachgeholt (Binnenreim?) wird, ist leider der unsäglichen Propaganda zu verdanken, die eifrige Journalisten, einige wenige Wissenschaftler und ähem "Patrioten" angezettelt haben.
Rechnen wir mit einer mehr als überaus großzügig geschätzten Menge von 30 Tonnen üblicher Chondrite, um allen Eventualitäten und den kommenden Jahren vorzugreifen, auf alle Saharaländer verteilt und zwar über 10 Jahre, und setzen wir den normalen Endpreis für den Sammler für kleinere Portionen von 50$ im Kilo an, dann sind das 1,5 Millionen USD. Fürs rarere Zeug vom CV3 bis zum Mond, völlig wurscht, lassmer uns nicht lumpen, sagen wir 10 Millionen und fertig!  Das dürfen sich dann teilen:  Marokko, Algerien, Oman, Libyen, Mauretanien, Westsahara, Niger, Mali, Ägypten...
Kriegt jedes Land 125,000 Euro im Jahr. Damit kann man keine bulgarischen Krankenschwestern auslösen, da kriegt man nicht viele Raketen dafür und der König nen neuen Benz - da lohnt sich kein eigen Gesetz.
Man kann es also nicht vergleichen mit Bodenschätzen wie Öl, Kupfer, Bauxit, Edelsteine - noch mit Artefakten, die Teil der Kultur, noch Fossilien, wo der Fundzusammenhang wichtig ist.
Dies muß man im Hinterkopf haben, wenn sich ein paar verirrte Wissenschaftler beklagen, daß sie mit dem privaten Metsektor nicht mithalten könnten - zum Vergleich, ein einziger Spaceshuttle-Start kostet 600 - 800 Millionen USD - und wir reden hier von 12 Millionen für sämtliche Meteorite aller Zeiten aus Sahara und Oman. Aus Algerien berichtete Franco, der einzige Jäger mit Lizenz dort, daß der Militärpolizei eingetrichtert wurde, daß die internationale Delaer- und Wissenschaftsmafia das Land ausplündere und das Gramm (nicht kg, Gramm!) Meteorit mit 20.000 - 70.000 USD gehandelt würde.
So brauch man sich auch nicht wundern, wenn mit Meteoriten auch in der Forschung aus der Wüste bald nix mehr geht, denn bis auf Oman mit seiner Zusammenarbeit mit den Schweizer Unis haben all diese Länder keinerlei Einrichtungen, die ausgestattet sind, sinnvoll an den Dingern zu forschen.

So ist das also mit den Meteoriten, Frank.

Allseits beliebt der Vergleich mit den Epitomen der Selten- und Wertigkeit:

581 Tonnen Meteorite. (+ s.o.)

Schleifwürdige Diamanten wurden bisher gefördert:  700 Tonnen - und jeds Jahr kommen 12 - 15 t dazu.
Goldforum - die Ziffern allen geförderten Goldes bislang, liegen immer so bei 150 000 Tonnen, Jahresproduktion 2500 Tonnen.

Also Frank, das kleine Scheiberl, wasde Dir neulich aus dem Ebay gezogen hast, fürn Zehner oder was es gekostet haben mag,
ist so selten wie ein 20-karätiger Diamant.

Ehrfürchtiger Schauder, Trommelwirbel, Tusch.

Mettmann

PS: Dieser Beitrag erhält das Prädikat: Besonders ?

PPS:  Hausaufgabe.
        Berechne das Volumen aller erfaßten Meteorite.
        Nimm 521 Tonnen Eisen und Steineisen. Gegebene Dichte 7.3g/ccm.  (weil n paar Steineisen und Pallasite dabei).
        Nimm für die 60 Tonnen Steinmeteorite 3.3g/ccm.
        Forme aus dem ganzen Schlamassel einen Würfel
        und gebe hier im Forum die Kantenlänge desselben an.









« Letzte Änderung: September 04, 2007, 15:39:08 Nachmittag von Mettmann »
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Offline Schönedingesammler

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Re: Aufschlußreicher Artikel über Omanfunde
« Antwort #3 am: September 04, 2007, 16:11:50 Nachmittag »
Hallo Martin,
WOW !!! :laola: Darauf habe ich gewartet: The best of Mettmann - Directors cut.  :applaus: :applaus: :applaus:
Diesen Beitrag werde ich mir sogleich ausdrucken, als schnellstes Nachschlagewerk. Wieso schreibst Du nicht mal nen Buch a la Kitschinka, Die Kunst Meteorite zu sammeln oder so ähnlich. Es gibt doch in Deutschland sehr wenig Literatur über Mets.  :user:, cu Uwe :pro:
Dsds

Offline Mettmann

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Re: Aufschlußreicher Artikel über Omanfunde
« Antwort #4 am: September 04, 2007, 16:13:50 Nachmittag »
Weil ich keine Zeit hab....müssen Meteorite ranschaffen, solangs noch geht!   :wow:
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Offline pallasit

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Re: Aufschlußreicher Artikel über Omanfunde
« Antwort #5 am: September 04, 2007, 18:45:26 Nachmittag »
Das ist immer wieder erstaunlich! Die Kantenlänge des Würfels ist ca. 4 Meter 47 Zentimeter!!!

( Zum Vergleich: Beim Ausbruch des Mount St. Helens 1980, ein recht kleiner Ausbruch, wurden ca. 1,3 km3 vulkanisches Gestein gefördert.)

Willi  :prostbier:
« Letzte Änderung: September 04, 2007, 19:03:03 Nachmittag von pallasit »

Offline gsac

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Re: Aufschlußreicher Artikel über Omanfunde
« Antwort #6 am: September 04, 2007, 19:24:33 Nachmittag »
Ehrfürchtiger Schauder, Trommelwirbel, Tusch.
PS: Dieser Beitrag erhält das Prädikat: Besonders ?

...lang,  ick gloob det is Rekord (...oder, Peter?)! Aber sehr interessant und nicht
nur einmalig zu studieren (... denn so nach und nach muß man es erst sacken lassen!),
lehr- und kenntnisreich, blumig geschildert und kurzweilig lesbar, gerade so und nicht
anders, wie ich es vom Neffen Mettmann erwartet habe und wie er es dann auch
abgeliefert hat.

Also schon souverän, würd ich mal sagen wa?!  :super:  ....weil "wertvoll" ein Filmprädikat
ist, das schon zu oft vergeben wird - und dieses Wort somit irgendwie verbrannt und eine
Hülse ist.

Dann zieht mal schön daraus eure Konsequenzen.....  :baetsch:

Alex

PS: nicht beim nächsten berliner Stammtisch zugegen, denn ich packe meine Koffer und
fliege, wenn auch nur für vier Tage, ein bißchen dem gerade enteilenden Sommer hinterher...

Offline FrankZ

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Re: Aufschlußreicher Artikel über Omanfunde
« Antwort #7 am: September 04, 2007, 22:37:11 Nachmittag »
Hallo Martin,
:wow: da haste Dir aber ne Arbeit gemacht, suuuuuuuuuuuper  :super: :super: :super: - und vielen Dank für die klasse Erläuterung :danke:, erinnere mich daran, dass ich Dir ein Bier ausgebe, falls wir uns mal über den Weg laufen sollten  :prostbier:.

Ich wollte mich übrigens in keinster Weise beschweren, dass das Scheiberl von eBay nich inordnung war (der Anbieter hatte die Scheibe ja auch völlig korrekt beschrieben und abgebildet), der Heul-Smiley war ohne Hintergedanken nur geblödelt (ich liebe halt diese kleinen Burschen). Wenn das mißverständlich war, dann bitte ich um Entschuldigung   :peinlich::imsorry:. Zwar habe ich von Mets keine Ahnung, aber im Internetz kann man sich ja ne Menge Informationen zusammensuchen (wer das nich macht ist dann selbst schuld, wenn er bei eBay ungünsig kauft - allerdings muss es auch solche Leut geben, da sonst sicher auch die Schnäppchen nicht auftauchen würden) - da ist mir schon klar, dass die Scheibe schon fast unanständig billig war und ich als Schnäppchenjäger vom Preisverfall bei den Mets profitiere, aber was soll man machen  :nixweiss: die Welt is halt so.

Also nochmals vielen Dank  :danke: und nix für ungut 
Frank 

 

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