Autor Thema: Was kann das für eine Klasse sein ?  (Gelesen 473 mal)

Offline phil

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Was kann das für eine Klasse sein ?
« am: Februar 23, 2019, 17:33:39 nachm. »
Hallo liebes Forum,

Ich habe diese Endscheibe vor einigen Monaten in der Bucht erworben.
Der Verkäufer aus Colorado/USA konnte leider gar nichts über den Met sagen … :-(

Habe schon in der EoM Meteorite Database gesucht... irgendwie erinnert er an Page City (feine Linien).. oder so?

Habt Ihr eine Idee?

Gruß Philipp

Offline DAG648

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Re: Was kann das für eine Klasse sein ?
« Antwort #1 am: Februar 23, 2019, 18:19:23 nachm. »
Hallo Philipp,

für mich ein feiner Oktaedrit...die rohe Seite wäre ungewöhnlich für Gibeon, möglicherweise ein Fund aus feuchteren Gefilden. Hier wäre dann, orientiert man sich an der Marktverfügbarkeit bzw. Häufigkeit im Handel, Muonionalusta ein heißer Kandidat.

Beste Grüße,
Alex

Offline Thin Section

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Re: Was kann das für eine Klasse sein ?
« Antwort #2 am: Februar 23, 2019, 18:34:45 nachm. »
Hallo Philipp, Alex, Forum,

Miss doch einfach mal die Lamellen auf den Millimeter genau. Wenn es ein feiner Oktaedrit ist, dann sollten die Lamellen eine Breite von 0.5 - 0.2 mm haben.
Im Falle eines sehr feinen Oktaedriten wäre es < 0.2 mm.

(siehe Chemical classification of iron meteorites , p. 331 in Robert Hutchison, Meteorites, A Petrologic, Chemical and isotopic Synthesis)

Bernd  :winke:

P.S.: Bei Muonionalusta sind es 0.29 ± 0.05 mm
« Letzte Änderung: Februar 23, 2019, 18:56:45 nachm. von Thin Section »
(247553) Berndpauli = 2002 RV234

Das Ärgerlichste in dieser Welt ist, dass die Dummen todsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind. (Bertrand Russell, britischer Philosoph und Mathematiker).

Offline Gibeon2010

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Re: Was kann das für eine Klasse sein ?
« Antwort #3 am: Februar 23, 2019, 19:18:20 nachm. »
Page City hat breitere Lamellen. Für mich sieht es auch wie Muonionalusta aus.
Viele Grüße
Jens

Offline phil

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Re: Was kann das für eine Klasse sein ?
« Antwort #4 am: Februar 23, 2019, 19:40:19 nachm. »
Danke für Eure Hilfe !

Muonionalusta  hätte ich auch vermutet.

Noch ein paar Bilder.

Rechts ein Muonionalusta .
...und mit Lineal.

Philipp

Offline Mettmann

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Re: Was kann das für eine Klasse sein ?
« Antwort #5 am: Februar 28, 2019, 21:19:51 nachm. »
Oweh, Waisenkinder sind immer arm,
weil man zwangsläufig, wenn der Verkäufer nicht weiß, wo er ihn her hat, oder Geschichten erzählt von älterem Erbbesitz,
immer das Häufigste, das Billigste annehmen muß
und damit als Sammler im Grunde auch nix richtiges, anzufangen weiß.

Ja mei, ein IVA halt,
Gibeon oder Muonionalusta ist bei dem besonders schwer zu beurteilen, weil die Rückseite so schwer misshandelt wurde.
Jeglich Rinde/Patina/Schlonz brutal weggeätzt.
Trotzdem Gibeon hat mehrheitlich flachere und nicht so verhutzelete Außenseiten.
Der Nervenstarke würde sagen,
warts ab: Gibeon rostet mehr in der Fläche, Muonionalusta gern vom Rande her.
Nur wird dieses Stück ev. in der Hinsicht auch nicht zuverlässig sein,
weil so unsachgemäß behandelt wie es aussieht, könnts, wenns bled lafft, sein, daß nach dem Ätzen die Säure nicht anständig neutralisiert und ausgwaschen wurd.
Muniona aus dem feuchten Wald hat oft eine recht greisligere Oberfläche als Gibeon, der nicht bröselt
und vielleicht hat das den Ätzenden so gestört, daß er gleich alles weggeätzt hat,
und es ist deshalb ein Mouniona.

Bernd, Frage:
Ich hatt immer Schwierigkeiten mit der Lamellenbreitenbestimmung,
eigentlich bei jedem Okatedriten find man im Schnittbild Lamellen/bereiche, die weit dicker sind als jene, die bei den Daten angegebenen werden
Meine Überlegungen warn dahingehend immer einfach so:  wenn ich einen geraden Balken oder Stock genau rechtwinklig oder aber längs genau mittig durchschneid, hab ich die genaue Breite.
Schneid ich ihn aber schräg durch, wird der Schnitt breiter als die Lamelle.
Schneid ich ihn längs durch nicht in der Mitten und zu den Ecken versetzt, so erhalte ich einen schmaleren Balken im Schnittbild.
Müßt ich eigentlich dann bei einer Schnittfläche anhand der Winkel der Balken zueinander, erst einmal herausfinden, in welchem Schnittwinkel der Oktaeder getroffen wurd
und daraus dann berechnen, anhand des Ausmessens von für die Rechnung geeignet erwischter Balken,
wie die eigentliche Lamellenbreite ist? Ich kann ja nicht immer hoffen, den Anschnitt parallel zu einer Oktaederfläche zu treffen.
(Bei Hexaedern wärs wohl einfacher....)
Oder ist das ein geometrisch falscher Dampfer?

Wenn ja und wenn nein,
wie ermittel ich mathedementer nun ganz praktisch mit meinem Geodreieck auf einer geätzten Fläche die Lamellenbreite?
Was für ein Verfahren gibts da?

 :gruebel:
Mettmann


"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

Offline DCOM

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Re: Was kann das für eine Klasse sein ?
« Antwort #6 am: März 01, 2019, 15:36:45 nachm. »
Wenn ja und wenn nein,
wie ermittel ich mathedementer nun ganz praktisch mit meinem Geodreieck auf einer geätzten Fläche die Lamellenbreite?
Was für ein Verfahren gibts da?

 :gruebel:
Mettmann

Ohne Skalenlupe wird's nicht vernünftig gehen.

Grüße, DCOM :prostbier:

Offline DCOM

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Re: Was kann das für eine Klasse sein ?
« Antwort #7 am: März 01, 2019, 15:56:15 nachm. »
Bernd, Frage:
Ich hatt immer Schwierigkeiten mit der Lamellenbreitenbestimmung,
eigentlich bei jedem Okatedriten find man im Schnittbild Lamellen/bereiche, die weit dicker sind als jene, die bei den Daten angegebenen werden
Meine Überlegungen warn dahingehend immer einfach so:  wenn ich einen geraden Balken oder Stock genau rechtwinklig oder aber längs genau mittig durchschneid, hab ich die genaue Breite.
Schneid ich ihn aber schräg durch, wird der Schnitt breiter als die Lamelle.
Schneid ich ihn längs durch nicht in der Mitten und zu den Ecken versetzt, so erhalte ich einen schmaleren Balken im Schnittbild.
Müßt ich eigentlich dann bei einer Schnittfläche anhand der Winkel der Balken zueinander, erst einmal herausfinden, in welchem Schnittwinkel der Oktaeder getroffen wurd
und daraus dann berechnen, anhand des Ausmessens von für die Rechnung geeignet erwischter Balken,
wie die eigentliche Lamellenbreite ist? Ich kann ja nicht immer hoffen, den Anschnitt parallel zu einer Oktaederfläche zu treffen.
(Bei Hexaedern wärs wohl einfacher....)
Oder ist das ein geometrisch falscher Dampfer?

Welchen Anschnittwinkel des Oktaeders Du erwischt hast, lässt sich aus den Winkeln der Kamacit-Balken zueinander ermitteln. Schneidest Du den Oktaeder z. B. genau parallel zur Grundfläche an, orientieren sich die Balken im rechten Winkel zueinander:

https://www.mikroskopie-forum.de/pictures008/640Widmannst.jpg

Wegen der geringen Schöpfungshöhe der Grafik getraue ich mich mal, den Deeplink zu präsentieren. (Quelle: F. Heide: Kleine Meteoritenkunde. 3. Aufl., Springer, 1988.)

a) parallel zur Oktaederfläche
b) parallel zur Würfelfläche
c) parallel zum Rhombendodekaeder
d) allgemeine Schnittlage



Grüße, DCOM  :prostbier:

Offline hugojun

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Re: Was kann das für eine Klasse sein ?
« Antwort #8 am: März 01, 2019, 17:34:06 nachm. »
Hallo Philipp ,

habe die mal den "Kamacite plate width estimation in octahedrites
By M. J. FROST, B.Sc., Ph.D., F.G.S." per PN geschickt.


Gruß
Jürgen

Offline Mettmann

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Re: Was kann das für eine Klasse sein ?
« Antwort #9 am: März 01, 2019, 21:18:55 nachm. »
(mein Stabdenkversuch war etwas ungünstig gewählt, es sind Platten deren Querschnitt die Lamellen in der Schnittfläche darstellen).


Hmmm, hmmmmmm ... DCOM....ja, so  berechne ich daraus, wie meine Schnittebene durch den Oktaeder verläuft.....
und dann :traurig2: ..grübel....
Haaa!   :wow: und dann berechne ich daraus den Winkel der nächsten Schnittebene,  mit der ich die Lamellen so erwisch,
daß ich ihre wahre Breite direkt messen kann!

oder?
 :prostbier:

PS: Naja, mit dem Geodreieck mißt man dann eben sehr breite Oktaedriten, eine Sikhote-Scheibe groooß wie ein Klodeckel!

Masterarbeit für den Mineralogiestudierenden:  Entwickle eine App, die nach Auflegen der Eisenscheibe aufs Phone/Scanner die Lamellenbreite des Mets ausspuckt.
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

Offline hugojun

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Re: Was kann das für eine Klasse sein ?
« Antwort #10 am: März 02, 2019, 10:25:18 vorm. »
Hallo Philipp ,

das Free-Ware Programm Image J berechnet die die Anzahl der Linien und Winkel. Damit kannst du dann in der Tabelle nachsehen.
1.   Programm installieren
2.   Bild hochladen
3.   Bild in 8 bit umwandeln ( Image > Type > 8 bit )
4.   Plug in > Orientation J > Orientation J Distribution > Run
5.   Ausgabe von Diagramm mit Richtungen : jeder Peak eine Linie!
Tabelle auswerten.









Gruß
Jürgen

 

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