Autor Thema: E.F.F.Chladnis Leserbrief zu Hammer Stones und Tod durch Meteorite  (Gelesen 136 mal)

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E.F.F.Chladnis Leserbrief zu Hammer Stones und Tod durch Meteorite
« am: August 22, 2019, 16:17:04 nachm. »
Salü,

auch recht interessant, weil nicht in Urvater Chladnis Bibliographie vermerkt -
Chladni sah sich veranlaßt, einen Leserbrief an die Dresdner Abendzeitung zu verfassen, abgedruckt in der Ausgabe vom 22.12.1822,
um einige Berichtigungen und Präzisierungen zu einem daselbst zuvor erschienenen Artikel vorzunehmen:

"Einige Bemerkungen zu dem in der Abendzeitung No.276 d.J. enthaltenen Aufsatze über "Tod, durch einen Meteorstein".
Von E.F.F.Chladni.

Wenn Herr Canonicus Bellani in seiner angeführten Schrift behauptet, es sei von diesem Ereignisse
(wo ungefähr um die Mitte des 17ten Jahrhunderts zu Mailand im Convento di S. Maria della Pace ein Franziskaner
durch einen etwa 1/2 Loth schweren Meteorstein ist getödtet worden) noch bis jetzt
in keinem darauf Beziehung habenden Verzeichnisse die Rede gewesen (!),
so ist daraus nichts weiter zu ersehen, als daß er von allen den Verzeichnissen der bekannt gewordenen Meteorsteinfälle,
welche ich geliefert habe, kein einziges nachgesehen hat; welches er wohl hätte thun sollen, eher er etwas dergleichen
behauptete, wodurch auf mich der Vorwurf einer Nachlässigkeit in der Aufsuchung der beobachteten Thatsachen,
oder einer Unkunde längst bekannter Begebenheiten dieser Art fallen würde.
Im Giornale di fisica e chimica di Brognatelli 1811, terzo bimestro, habe ich ein Verzeichniß der Meteorsteinfälle,
soweit sie mir damals bekannt waren, geliefert, wo ich S. 168 die Begebenheit erwähnt habe, mit Anführung
des lateinischen Textes des Museum Septalianum von Terzago (Tortona 1660, welches selten ist, und Herrn Bellani,
eben so wie die in den Opuscoli scelti da Carlo Amoretti, T. II, S. 65 mitgetheilten Nachrichten,
nicht scheint bekannt gewesen zu seyn), als auch des italiänischen Scarabelli (Tortona 1667).
Auch habe ich in dem Verzeichnisse, welches ich im Journal de Physique, t. 87 (Oct. 1818) gegeben habe,
diese Begebenheit S. 276 erwähnt, un in meinem Buche: Ueber Feuermeteore und mit denselben
herbagefallene Massen
(Wien 1819) S. 231 und 232 das nöthige darüber gesagt, wie auch früher in
Gilbert's Annalen der Physik, B. 50, St. 5 (1815 St. 7), S. 246 und 247, wo ich aber durch ein Versehen
die Zeit zu spät angegeben habe.
 Merkwürdig ist, daß die Herausgeber des Settalianischen Museums; Terzago und Scarabelli, schon damals
einen Ursprung aus Mondvulkanen vermuthet haben, wovon Olbers im Jahre 1795 und Laplace im Jahre 1802
die Möglichkeit gezeigt haben, wiewohl ein solcher Ursprung aus verschiedenen Gründen nicht wirklich
abzunehmen ist, womit auch die Herren Olbers und Laplace gegenwärtig einverstanden sind."
....

 
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

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Re: E.F.F.Chladnis Leserbrief zu Hammer Stones und Tod durch Meteorite
« Antwort #1 am: August 22, 2019, 16:35:16 nachm. »
...
"Die nach jetzigen Begriffen sehr unbedeutende Sammlung des Grafen Settála war
späterhin nach einem langwierigen Processe mit dessen Erben großentheils an die
Ambrosianische Bibliothek gekommen, wo ich im Jahre 1811 gemeinschaftlich mit
deren damaligem, ebenso gefälligen als verdienstvollen Director, Abbate Amoretti,
unter dem vielen durch einander geworfenen Wust von Steinen lange nach diesem
kleinen Meteorsteine gesucht habe, ohne irgend etwas zu finden, was nur im
mindesten einem Meteorsteine ähnlich, oder mit der gegebenen Beschreibung
übereinstimmend gewesen wäre.
Da gegen Ende des Aufsatzes die Bemerkung von Abel-Rémusat angeführt ist,
daß man weder in China, noch in Europa ein Beispiel wisse, daß ein Mensch
von Meteorsteinen getroffen sey, wie den auch dasselbe von vielen Andern ist
behauptet worden; so muß ich bemerken, daß dieses ungegründet ist, indem
schon mehrmals Menschen und Vieh sind dadurch getödtet und beschädigt,
un auch durch Feuerkugeln oder Stücke davon Häuser sind angezündet worden.
In meinem Buche: Ueber Feuermeteore ec. habe ich in der 2ten Abtheil.
§. 29 viele Begebenheiten dieser Art zusammengestellt, wobei ich doch eine
sehr merkwürdige (am 24.Jul. 1790) vergessen, aber in Gilbert's Annalen,
B. 69, S. 339 nachgetragen habe. Da diese Ereignisse nicht bekannt genug sind,
so halte ich nicht für überflüssig, hier nur einige der auffallendsten ganz kurz
zu erwähnen"
.....
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

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Re: E.F.F.Chladnis Leserbrief zu Hammer Stones und Tod durch Meteorite
« Antwort #2 am: August 22, 2019, 17:08:20 nachm. »
.....
"Im Jahre 1021, zwischen dem dem 24. Jul. und dem 24. August, sind in Afrika Menschen
durch Meteorsteine getödtet worden. Gilbert's Annalen, B. 50, S. 292.

1511, am 4. Sept, sind durch einen ungeheueren Meteorsteinfall in der Gegend von Crema
Vögel in der Luft, Fische im Wasser und Schafe auf den Feldern getödtet worden.

1551, am 19. Mai, ist bei Schleusingen durch Meteorsteine der Leibhengst des Fürsten von
Schwarzburg getödtet, der Leibarzt des Fürsten, Doctor Mitthobius, von einem Meteorsteine
so am Fuß gestreift worden, daß er blaue Flecke davon bekommen hat, ungeachtet er
steife Stiefeln anhatte. Spangenberg, der mit ihm in demselben Wagen saß, beschreibt die
Begebenheit als Augenzeuge in seiner Mansfeldischen Chronik.

Zwischen 1647 und 1654 sollen auf einem Schiffe im ostinidischen Meere durch eine aus der
Luft kommende achtpfündige Kugel ( welches wohl eine meteorische Eisenmasse wird gewesen
seyn ) zwei Menschen seyn getödtet worden, nach der Reisebeschreibung von Ol. Erichson Willmann.

1761, am 12. Nov., ist durch ein Stück eines ungeheueren Feuermeteors zu Chamblan, in der
Gegend von Dijon, ein Haus angezündet worden. Mém. de l`Acad. de Dijon, t. I. 1769, und
Hist. p. XLII.

1790, am 24. Jul., hat bei dem bekannten Meteorsteinfalle in der Gegend von Barbotan, Juliac ec.
ein 15 Zoll langes Stück eines Meteorsteins in eine Hütte geschlagen und den Maier und ein Stück
Vieh getödtet, und ein 5 Fuß tiefes keilförmiges Loch in die Erde geschlagen. Gilb. Annal. B. 18, S. 284.

1801, am 18. Oct., ist in der Gegend von Colchester bei Edmundsburg das Haus eines Müllers durch
ein Stück eines Feuermeteors angezündet worden. Voigt`s Mag. für Naturkunde, B. 4, S. 203.

1803, am 4. Jul., hat zu East-Norton in England ein Meteorsteinfall in dem Gasthofe
zum weißen Ochsen viele Zerstörungen angerichtet. Bibl. britann. r. 26, p. 385.
Philos. mag. Jul. 1803.

1810, ungefähr in der Mitte des Juli, hat in Ostindien jenseit des Ganges, nicht weit von Shabad,
eine Feuerkugel fünf Dörfer angezündet, und dadurch die Erndte vernichtet, und hat auch
Manns- und Frauenspersonen beschädigt, und es ist ein Meteorstein gefallen. Tilloch`s phil. mag.
t. 37, p.236"
.....
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

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Re: E.F.F.Chladnis Leserbrief zu Hammer Stones und Tod durch Meteorite
« Antwort #3 am: August 22, 2019, 17:23:54 nachm. »
...
"Das neueste Beispiel von Schaden, der durch ein Feuermeteor ist angerichtet
worden, ist wohl das in der Nacht vom 19. bis 20. Junius d.J. (1822), wo zu
Allermöhe auf Hamburgischem Gebiete durch Feuer vom Himmel einem
reichen Bauern sein ganzes Gehöfte abgebrannt ist. In Gilbert`s Annalen B. 71,
S. 383 habe ich einigen Zweifel gegen die kurz gegebene Zeitungsnachricht
geäußert, weil nichts weiter von einem gesehenen Feuermeteor gemeldet
worden ist. Aber ganz vor kurzem hat mir ein sehr gefälliger, wissenschaftlicher
Freund, Herr Doctor Julius, ausübender Arzt in Hamburg, gemeldet, daß in
derselben Nacht, zwischen 11 und 12 Uhr, 2 Meilen östlich von Hamburg,
ein von Süden ( etwas östlich ) gegen Norden ( etwas westlich ) am Himmel
hinfahrendes sehr großes leuchtendes Meteor bemerkt worden ist,  und daß
zu derselben Stunde eine halbe Meile südlich vom Beobachtungsorte, zu
Allermöhe der Brand sich ereignet hat. Es soll keine Spur von Unvorsichtigkeit
aufzufinden, und an Brandstiftung nicht zu denken seyn, und nach der
Meinung aller dortigen verständigen Landleute soll der Brand durch nichts
anders, als durch vom Himmel gefallenes Feuer verursacht worden seyn.
Da schon mehr Beispiele der Art auch außer den hier angeführten vorhanden
sind, ist dieses um desto glaublicher."


Ende
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