Autor Thema: Sericho Farbätzung und Magnetismus I  (Gelesen 132 mal)

Offline hugojun

  • Rat
  • ****
  • Beiträge: 233
Sericho Farbätzung und Magnetismus I
« am: Januar 06, 2021, 19:04:55 Nachmittag »
Hallo liebe Foristen ,
als Mario neulich diese wunderschönen Farbätzungen von kleinen Sericho-Scheibchen angefertigt hat, habe ich mir
die verbleibenden 1,3 g und 1,32 g gesichert.
Wie schon an anderer Stelle mal erwähnt, ist die Farbätzung nicht nur eine ästhetisch schöne Anwendung dieses Ätzverfahrens,
 sondern, es liefert auch Informationen über die Chemie und die Phasen des geätzten Metalls.
Die Konzentration von Nickel in den Fe-Ni-Phasen sind namengebend, so mit steigendem Nickelgehalt Kamacit,
Taenit und Tetrataenit.  Hinzu kommen noch die Misch-Phasen Plessit, die „cloudy zone“ und Martensit.

https://vacaero.com/information-resources/metallography-with-george-vander-voort/153771-metallography-of-iron-nickel-meteorites.html


Wenn die Farbätzung mit gleicher Konzentration und über die Fläche verteilt, gleichmäßig und mit gleicher Dauer eingewirkt hat,
kommen Farbtöne über blau, gelb bis braun zustande. Diese Farbabstufungen sind kein Zufall, zeigen sie doch die Eisenkonzentrationen an der Schlifffläche an.
Wenn z.B. an einem Oktaedrit die Balkenstruktur durch die Farbätzung mal braun mal blau mal gelb erscheint,
bedeutet dies nicht eine unterschiedliche Konzentration des Eisens im chemischen Sinne. Die Konzentration des Eisens in der jeweiligen Schnittlage
des kubischen Kristallgitters
verändert durch die Schnittlage die Dichte der Kugelpackung der aneinander liegenden Fe-Atome. Damit ändert sich auch die Zugänglichkeit des
 Ätzmittels und die daraus entstehende Farbreaktion.
Aber andere Bereiche sind völlig unberührt von der Farbätzung. Es zeigen sich lediglich metallisch-weiße und graue Bereiche. Dies sind die Bereiche mit der
 höchsten Nickelkonzentration und/ oder, wie im Fall der grauen Bereiche,
eine andere Kristallformation (aber nur sichtbar nach einer leichten Ätzung). Am Übergang vom blau gefärbten Kamacit zum ungefärbten Tetrataenit
 entwickelt sich die sogenannt „cloudy Zone“. Sie wird auch erst, wie der Martensit, durch eine Ätzung sichtbar, ist aber nicht auf Anhieb von diesem zu unterscheiden.




In den Jahren zu Beginn der ersten Untersuchungen mit der Mikrosonde, wurde diese Fe-Ni-Phase nicht erkannt. Lediglich eine hohe Nickelkonzentration wurde konstatiert.
Diese Phase mit dem Namen Tetrataenit ist nach ihrer Entdeckung Gegenstand zahlreicher Untersuchungen geworden, da sie mit der angrenzenden Schicht der „cloudy zone“
ihrer Fähigkeit, Magnetismus zu speichern, den Fähigkeiten von den heute stärksten Neodym Magneten gleichkommt, ohne auf die im wahrsten Sinne „seltenen Erden „
angewiesen zu sein.
Die synthetische Erzeugung dieser Phase ist im Moment noch ein technischer Kraftakt.
Für die Erforschung des Paläomagnetismus ist der Tetrataenit – „cloudy zone“ Übergang wichtiger Träger von magnetischen Informationen zu den Themen Kernbildung
und Magnetismus  in den Mutterkörpern.
Zu den magnetischen Eigenschaften des Tetrataenit- „cloudy zone“ komme ich in einem zweiten Beitrag.

… geht gleich weiter


LG
Jürgen

 

   Impressum --- Datenschutzerklärung