Autor Thema: Steinbach: IVA-an?  (Gelesen 1700 mal)

Offline aknoefel

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Steinbach: IVA-an?
« am: September 05, 2008, 23:43:48 nachm. »
Momentan bin ich etwas am grübeln... Der Meteorit Steinbach wird als IVA-an beschrieben - wenn ich mir aber die verfügbaren Bilder anschaue, z.B.:

http://www.encyclopedia-of-meteorites.com/test/STEINBACHGR.1.2_matteo2.JPG
http://www.encyclopedia-of-meteorites.com/test/Steinbach2_marmet.jpg

würde ich den doch glatt als Pallasit durchgehen lassen. Kennt jemand den Grund dieser Eingruppierung zu den Eisenmeteoriten?

Gruß
  André

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Offline Odessa

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Re: Steinbach: IVA-an?
« Antwort #1 am: September 06, 2008, 00:17:31 vorm. »
Salü Andrè,

ich denke das ist so, weil der Steinbach ein Unikat ist in der zusammensetzung von Pyroxenen und der IVA-Nickeleisenmatrix ist.

Ich glaube aber auch, das die Meteoritenklassifikation noch keine wirkliche Antwort hat wo den nun die Trennlinie zwischen silikatreichen Eisen und den eigentlichen Steineisen zu ziehen ist.

Gruss Sandro



Offline aknoefel

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Re: Steinbach: IVA-an?
« Antwort #2 am: September 06, 2008, 00:31:13 vorm. »
Hallo Sandro,

vielen Dank für Deine Gedanken. Das kann natürlich sein.

Jetzt taucht eine neue Frage auf...  In der Meteoritical Bulletin Database taucht als Funddatum von Steinbach (Rittersgrün) Meteoriten das Jahr 1724 auf. Eigentlich kenne ich da nur das Jahr 1833. Fehler in der Datenbank?

Wie dem auch sei - ich fahre morgen (uuups, schon heute) mal dahin... Bin ja 'gleich um die Ecke' im Urlaub.

Gruß
  André
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Offline Dirk

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Re: Steinbach: IVA-an?
« Antwort #3 am: September 06, 2008, 00:45:23 vorm. »
Hallo Andre  :winke: ,

die silikatischen Eisen (IAB/IIICD, IVA,IIE) haben eine andere Entstehungsgeschichte als die Pallasite. Silikatische Eisen kommen nicht aus dem Kern eines differenzierten Asteroiden, sondern es wird u.a. angenommen, dass sie durch Impakt-Ereignisse chondritischer Körper entstanden sind, also aus der daraus resultierenden Schmelze. Pallasite hingegen entstammen ja differenzierter Asteroiden und kommen aus dem Grenzbereich zwischen metallischen Kern und olivinreichen Mantel.
Das Silikat im Steinbach besteht außerdem aus Pyroxene und Trydimit (eine hochtemperaturform vom Quarz) und unterscheidet sich damit auch von den olivinreichen Pallasiten.

 :user:
Dirk

Offline aknoefel

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Re: Steinbach: IVA-an?
« Antwort #4 am: September 06, 2008, 08:51:38 vorm. »
Hallo Dirk,

danke, sehr aufschlußreich. Ja, das kommt davon wenn man nur nach dem Augenschein geht  :smile:

Die Frage nach der Jahreszahl hat sich auch beantwortet: Der Steinbach (Rittergrün) wurde 1833 gefunden, der Meteorit Breitenbach bei Johanngeorgenstadt 1861 und der von Johanngeorgenstadt-Steinbach bereits 1751 - und die wurden zu einem Meteoriten zusammengefasst.
Gut, 1724 ist nicht 1751 - aber doch näher dran  :einaugeblinzel:

Gruß
  André
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Offline Dirk

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Re: Steinbach: IVA-an?
« Antwort #5 am: September 06, 2008, 09:05:29 vorm. »
Wie dem auch sei - ich fahre morgen (uuups, schon heute) mal dahin... Bin ja 'gleich um die Ecke' im Urlaub.

Guten Morgen Andrè,

super, das Du mal zum Fallort fährst - mach mal ein paar Fotos. Würde mich interessieren .....

 :winke:
Dirk

Offline aknoefel

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Re: Steinbach: IVA-an?
« Antwort #6 am: September 06, 2008, 09:44:04 vorm. »
super, das Du mal zum Fallort fährst - mach mal ein paar Fotos. Würde mich interessieren .....

Na was denkst Du denn?  :laughing: Logisch werde ich Euch mit Fotos nerven - mal sehen was ich da überhaupt finde. Zumindest habe ich gelernt, das ich ins Schmalspurbahnmuseum (!) muss um wenigstens einen Abguss zu sehen. Na, schaun wir mal...

Bin jetzt gut gestärkt direkt auf dem Abflug.

Gruß
  André
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Offline JaH073

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Re: Steinbach: IVA-an?
« Antwort #7 am: September 06, 2008, 16:33:47 nachm. »
Hallo,

hier mal ein größeres Stück des Steinbach Meteoriten.
Ein tolles Material.
Wenn man dann noch das Metall anätzt ist das Stück einfach spitze.
Allerdings ist Steinbach nicht gerade als stabil zu bezeichnen.
Immer schön vor Rost, bzw Feuchtigkeit schützen.

Gruß

Hanno
Es tut mir leid wenn ich deine Erwartungen nicht erfülle, aber meine sind mir wichtiger.

Offline APE

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Re: Steinbach: IVA-an?
« Antwort #8 am: September 08, 2008, 16:03:39 nachm. »
Hallo André,

also nach meinem Verständnis, kann ein silikatreiches Eisen das widmanschättensche Strukturen hat, nicht bei einem Impakt entstanden sein, sondern nur tief im Inneren eines planetaren Körpers. Ich will sagen, entstanden im Kern oder Mantel, denn nur dort können diese Strukturen entstehen.
Wenn ich hier meine Miles-Scheibchen ansehe, dann sehe ich zwar Kristallgrenzen, aber tatsächlich keine Widmanstätten-Strukturen.
Wenn ich aber einen geätzten Steinbach ansehe, dann sehe ich diese schon.

Ja hallo auch Dirk, wenn der Steinbach also bei einem Impakt entstanden sein soll, dann müßte ja ein eher kalter aber eben gesamter chond. Mutterkörper aufgeschmolzen worden sein. Und dieser neue entstandene Körper, vereint aus den zwei Präimpaktkörpern, kann kein kleiner Asteroid von ein paar km Durchmesser gewesen sein, damit sich auch die widmanstättenschen Strukturen bilden können. Klar, und dieses Gesamtobjekt muß ja nochmals zerschossen werden, damit wir eine Probe bekommen können. Aber der Schritt zuvor, den kann ich mir jetzt nicht so recht vorstellen.
 :gruebel:
Wo allerdings die exakten Grenzen zwischen den silikatreichen Eisen oder Pallasit sowie Mesosiderit usw. zu suchen sind, dies weiß ich auch nicht genau. Ab wann wird ein silikatreiches Eisen eigentlich zum eisenreichen Silikatgestein?
Für mich ist Steinbachmaterial jedenfalls eine Probe aus den obersten Mantelmaterial eines mehr als nur 100km großen Kleinplaneten und es ist durch Konvektion entstanden und nicht durch einen Impakt ...
Aber wissen tu ichs auch nicht, denn ich war ja nicht dabei ...  :einaugeblinzel:
 :user:
Thomas
Grau ist alle Theorie ...

 

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