Autor Thema: Strukturen im Dünnschliff entdeckt  (Gelesen 3136 mal)

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Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« am: Oktober 07, 2009, 18:19:02 Nachmittag »
Hallo Forum!
Oder sollte ich besser sagen - Hallo Alex und Bernd!
 :winke:

Also, da habe ich für mich ein paar interessante Objekte in einer CM2 Probe entdeckt. Die will ich Euch jetzt mal vorstellen.
Leider sind diese Strukturen schon recht klein und meine Fotos schon ein bißchen undeutlich. Die Blider stellen ca. 4mm² Dünnschliff dar, im polarisierten Durchlicht.
Besser kann ich es jetzt nicht beschreiben, denn so richtig viel Ahnung habe ich davon ja nicht ...

Nun weiß ich gar nicht, ob das noch Chondren sind oder nur Kristalle ... ach schaut mal selber!
Sagt mir mal bitte, was man da sehen kann. Diskussion erwünscht, denn es muß nicht unbedingt ein Dialog zwischen Alex und Bernd sein.
 :danke:
hier Probe01!
 :user:
Thomas
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Offline APE

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #1 am: Oktober 07, 2009, 18:20:14 Nachmittag »
Moment, hier kommt Probe02

 :user:
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Offline APE

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #2 am: Oktober 07, 2009, 18:21:35 Nachmittag »
Entschuldigung!
Ich muß noch Probe03 zeigen!

 :user:
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Offline APE

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #3 am: Oktober 07, 2009, 18:22:28 Nachmittag »
Ach ja die Probe04 auch noch - bitte sehr!
 :user:
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Offline APE

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #4 am: Oktober 07, 2009, 18:34:07 Nachmittag »
Und die letzte ...
Probe05!

Hier geht es mir um den dunkelgrauen Zwischenraum. Natürlich habe ich mit einer "Unscharften Maske" nachgeholfen, um die Strukturen besser zeigen zu können. Ich denke nicht, daß dies Artefakte der Bildbearbeitung sind. Also für mich sieht es ja so aus, als wenn es da eine echte Struktur gibt. Weiß einer wie man diese Matrix deuten sollte? Klar ist nur es ist ein CM2 Material. Sind es einzelne Körner und Kristalle? Oder eine andere wer weiß armorphe Struktur. Sind die dunkelsten Bereiche gar Löcher oder Metall? Oder sind etwa die hellgrauen Bereiche Löcher ...?
Ich habe keine Ahnung!
 :nixweiss:
Thomas
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Offline gsac

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #5 am: Oktober 07, 2009, 18:46:16 Nachmittag »
Sind die dunkelsten Bereiche gar Löcher oder Metall?

Bernd ist viel berufener als ich, das zu beantworten, aber die dunklen Bereiche
sind sicher weder Löcher noch Metall. Das letzte Bild ist übrigens sehr typisch
für einen CM - es gab da gerade ein veröffentliches Bild des chladnischen CM2
namens NWA 5797 auf der RSPOD-Webseite von Michael Johnson. Finde gerade
den Link nicht von der US-Liste, bin noch im Arbeitsstress, aber das erledigt sicher
kompetent einer der Mitleser, vielleicht Bernd selber. Der dort fotografierte DS
stammt von unserem Forumsmitglied Peter Marmet aus der Schweiz, der hier
vielleicht auch was dazu sagen kann...

Ansonsten könnte ich heute Abend mal im Lauretta-Killgore-DS-Buch bei den CMs
nachschlagen, aber Bernd ist da sicher schneller als ich, zumal ich noch im Arbeits-
prozess stehe und nur nach Feierabend zu solchen Quellen greifen kann. Oder
"Allende" sagt rasch was dazu, falls er von der täglichen Arbeit wieder daheim ist
und dies liest...

Ein wenig in Eile,
Alex

PS-1: doch hier rasch noch gefunden http://www.rocksfromspace.org/October_3_2009.html
PS-2: stammen die obigen Aufnahmen, was ich vermute, vom Maribo-Meteoriten?

Offline APE

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #6 am: Oktober 07, 2009, 18:59:42 Nachmittag »
Vielleicht macht ja auch der Kleber solche Strukturen ...  :nixweiss:

Okay Alex, ich warte mal auf den Link.
Und was meinst Du zu den anderen Blidern ...
 :fluester:
Thomas
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Offline gsac

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #7 am: Oktober 07, 2009, 19:06:22 Nachmittag »
Okay Alex, ich warte mal auf den Link.
Und was meinst Du zu den anderen Blidern ...

Link habe ich oben noch als PS-1 nachgetragen, ansonsten gerade sorry, no time,
ich schriebs doch, aber vielleicht liest es einer der anderen DS-Sammler, und kann
da mehr ins rasche Detail gehen...

Alex

Thin Section

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #8 am: Oktober 07, 2009, 20:15:48 Nachmittag »
Hallo Thomas, Alex und Forum,

Leider sind die Bilder ja alle stark überbelichtet, zu kontrastreich und etwas verschwommen aber ich will mal mein Glück versuchen:

Probe_CM01: sieht mir nach einem Pyroxenchondrenfragment aus und wenn die fast weiße bis weißgraue Färbung der Kristalle stimmt, dürften das Orthopyroxenkristalle (Enstatit) sein. Um sie herum scheint sich ein Saum von kleinen Klinopyroxenen gelegt zu haben.

Probe_CM02: scheint eine porphyritische Chondre oder ein porphyritisches Chondrenfragment zu sein. Es ist eine PP Chondre (porphyritic pyroxene), falls dies allesamt Pyroxene sind. Falls die lilafarbenen Kristalle oben und unten Olivine sind, dann handelt es sich um eine POP Chondre (porphyritic olivine pyroxene). Falls das alles Olivinkörnchen sind, dann haben wir eine PO Chondre (porphyritic olivine). Allerdings sind bei CM Chondriten PO Chondren wahrscheinlicher als PP Chondren. Hilfe könnte hierbei das Vorhandensein oder auch Nichtvorhandensein von sg. cleavages sein (siehe bei #3).

Probe_CM03: dies scheinen isoliert in der Matrix liegende Kristallkörner zu sein. Bei den beiden unteren tippe ich mal auf Olivine, das gräuliche oben eventuell Pyroxen*. Leider reicht halt die Bildschärfe nicht aus. Bei besserer Bildqualität könnte man eventuell sg. cleavages erkennen. Falls solche Spaltrisse zu sehen sind, die sich in einem Winkel von etwa 90° schneiden, dann sind es Pyroxene, andernfalls vermutlich Olivine. Wie bereits gesagt, sind bei CM Chondriten PO Chondren wahrscheinlicher.

Probe_CM04: siehe Probe #02. Das sind eindeutig zwei porphyritische Chondren. Ob PP, POP oder PO vermag ich anhand der Bilder nicht zu sagen – also wieder schauen, ob Spaltrisse (90°) vorhanden sind. Sehr intensives lila / rot-violett deutet wieder auf Olivin hin, muß aber nicht so sein, denn auch Pyroxen kann eine solch intensive Interferenzfarbe zeigen.

Probe_CM05: die Matrix besteht schlicht und einfach aus kleinsten Partikeln aus Olivin, Pyroxen, Serpentinit [Mg3S2O5(OH)4] und hydrierten Phyllosilikaten. Das graue Aggregat bei Probe #03 rechts oben sieht auch sehr verdächtig nach Serpentinit* aus. Serpentinit ist ein Schichtsilikat, daß bei Wassereinfluß (aqueous alteration) entsteht.


Herzliche Grüße,

Bernd  :winke:

P.S.: Ein weiteres Hilfsmittel bei der Diagnostik ist der sg. Pleochroismus: Dreht man den DS (bzw. den "Mikroskop-Tisch") im planpolarisierten (!) Licht ein wenig, bemerkt man bei den Kristallen einen mehr oder weniger wahrnehmbaren Farbwechsel (oder die Farbintensität schwankt). Nehmen die Kristalle bei Drehung im planpolarisierten Licht z.B. eine bläuliche Farbe an, dann handelt es sich auf keinen Fall um Olivin.
« Letzte Änderung: Oktober 07, 2009, 21:19:12 Nachmittag von Thin Section »

Offline gsac

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #9 am: Oktober 07, 2009, 20:37:47 Nachmittag »
Könnte das nicht besser beschreiben, als Bernd es gerade ganz hervorragend getan hat :super:,
aber möchte an dieser Stelle noch ergänzen, was auf den Seiten 156-157 von Laurettas
und Killgores sehr schönem Buch "A Color Atlas of Meteorites in Thin Section" als Text zu
den dort abgebildeten, auch sehr klassentypischen Fotos des Murchison-Meteoriten (CM2)
steht:

"CM chondrites contain about 12 vol % chondrules set in abundant fine-grained black
matrix. The chondrules have experienced varying degree of aqueous alteration, resulting
in a mixture of phyllosilicates. The matrix occurs as fine-grained rims surrounding
chondrules, which contain abundant serpentine.

Opaque minerals in CM chondrites have suffered extensive aqueous alteration. Metal
and troilite grains are replaced by tochilinite and cronstedtite. Sulfides that are presend
include troilite, pyrrhotite, pentlandite, and amorphous P-rich sulfides. Magnetite is also
common"


Paßt doch gut zu Bernds kenntnisreicher Beschreibung der geposteten Einzelfotos...

Alex

[Quelle: "A Color Atlas of Meteorites in Thin Section", Dante S. Lauretta, Marvin Killgore,
301 pages, 429 illustrations, 17x25 cm, ISBN 0-9720472-1-2, (c) and published 2005,
Golden Retriever Publications and Southwest Meteorite Press]

Offline Hungriger Wolf

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #10 am: Oktober 07, 2009, 22:45:46 Nachmittag »
Hallo Thomas!

Um welchen CM2-Meteoriten handelt es sich bei Deinem Dünnschliff? :gruebel:

schöne Grüsse von :prostbier:
Achim

PS: Deine Photos sind leider total unscharf..... :crying:

Offline APE

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #11 am: Oktober 08, 2009, 14:59:19 Nachmittag »
PS-2: stammen die obigen Aufnahmen, was ich vermute, vom Maribo-Meteoriten?

JA!
 :super:
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Offline APE

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Re: Strukturen im Dünnschliff entdeckt
« Antwort #12 am: Oktober 08, 2009, 15:09:37 Nachmittag »
Leider sind die Bilder ja alle stark überbelichtet, zu kontrastreich und etwas verschwommen aber ich will mal mein Glück versuchen:

Da ich nur ein Foto und nicht einen originalen DS habe, müssen wir mit dem Vorlieb nehmen, was ich hier zur Diskussion online gestellt habe.
Ich würde auch gerne mal die Probe drehen ... oder bestimmte Bereiche Vergrößern wollen. Geht aber nicht.

Ich danke Dir und auch Alex für die schnellen Antworten.
 :danke:
Thomas
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