Autor Thema: Einschlüsse in Goldkörnern  (Gelesen 12582 mal)

Offline Lithophil

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Einschlüsse in Goldkörnern
« am: Juni 03, 2012, 14:44:47 Nachmittag »
Hallo

Heute wende ich mich an die Mineralienfreunde unter den Goldwäschern, die Ihre Erfahrungen gerne mitteilen mögen.

Grund ist ein kleiner Flitter von ca. 1 mm Größe, der mir gestern in die Pfanne kam. Bei näherer Betrachtung unter der Lupe zeigten sich zwei Löcher, wobei das größere eigentlich auch ehemals zwei Minerale enthielt, die Goldbrücke dazwischen aber schon zerstört ist. Aufgrund der Form könnte man Rückschlüsse auf die ehemals enthaltenen Minerale ziehen. (Foto: Flitter_rechts_88)

Zum Vergleich zwei andere Exemplare, welche noch sichtbare Quarzeinschlüsse enthalten links daneben (Foto: Quarz-Nuggets_hell).
Ob es tatsächlich Quarz ist, weiß ich nicht, ich vermute es nur, rein vom Aussehen. Das linke Korn enthält noch zusätzlich ein rötliches Mineral, das man für Orthoklas halten könnte. Leider habe ich kein Mikroskop zur Verfügung und weiß im Moment nicht, ob UV-Licht oder Polarisation weiterhelfen würden, eine zerstörungsfreie Analyse zu ermöglichen. Wer hat da schon Erfahrungen mit oder kann weiterhelfen?

Der gestrige, rechte Flitter stammt aus dem Gebiet des Schwarzburger Sattels von der Südseite des Rennsteigs, und zwar mit Ordovizium im Einzugsgebiet des Baches.

Die beiden Körner mit den Einschlüssen stammen von der Nordostseite des SBA mit Zuflüssen aus den Katzhütter Schichten. Deutlich sichtbar ist das hellgelbe, also silberhaltigere Gold im Gegensatz zum dunkleren, reineren Gold des Ordoviziums.
Meine Vermutung über die Herkunft wären Granite, die in kleinen Lagergängen die Flanken des SBA säumen. In Blumenau, bei Achim Sommer, habe ich auch schon ein kleines Korn mit Quarz gefunden, das jedoch zu klein für meine Fototechnik ist.

Wer kann meine Vermutung mit eigenen Beispielen untermauern, mich interessieren eher die Herkunft und die Bildungsbedingungen der Flitter, als das Gold als Geldanlage.
Natürlich bietet sich auch die PM für Insider Infos an, aber warum soll man nicht allgemeine Infos auch im Forum diskutieren?

Ein weiteres Foto mit dunklem Hintergrund in der Fortsetzung.

Gruß Holm.

Offline Lithophil

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #1 am: Juni 03, 2012, 14:51:03 Nachmittag »
hier das Bild auf dunklem Hintergrund:

FlyingTim

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #2 am: Juni 03, 2012, 15:32:40 Nachmittag »
Hallo Holm!

Ja, da liegst du eigentlich vollkommen richtig!

Die Verwachsungen sind fast immer Quarz, manchmal auch Hämatit, seltener schwarze Gesteinsrückstände oder andere Mineralien.

Das mit dem Silbergehalt kann ich dir auch bestätigen. Hatte da sogar schon Proben zur Analyse und es hat die Vermutung durch die Farbgebung nur bestätigt.

Meine persönliche Theorie ist da: Das Gold aus dem Ordovizium ist vielleicht letztenendes schon einmal umgelagert worden und so seines Silbers beraubt ?
Vielleicht stammt ja das Ordovizische Gold auch aus nicht mehr vorhandenen Cambrischen Gebirgen und ist schonmal als Seifengold umhergewandert und hat so sein Silber verloren??


Gruß Tim




Offline Lithophil

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #3 am: Juni 03, 2012, 16:19:52 Nachmittag »
Hallo Tim  :hut:

zu den Quarzeinschlüssen könnte man verschiedene Theorien entwerfen:

1. das Gold stammt tatsächlich aus den Granitintrusionen. Saure Granite enthalten aber selten Gold, basische Intrusiva dagegen meistens. Dann wären neben Quarz und Feldspat auch noch Glimmer zu finden, dieser wird aber als erstes zersetzt und findet sich nicht mehr im Gold. Der Feldspat wäre dann aber ein Fingerprint für die genaue Herkunft, denn den könnte man in der selben Zusammensetzung auch im goldfreien Granit finden und somit zuordnen.

2. die alten Katzhütter Schichten bestehen oftmals aus Wechsellagerungen von groben Quarzsanden, Arkosen und Tonschiefern. Diese sind dann schwach metamorph überprägt worden, so dass man am Handstück eigentliche keine Arkose (grobe Feldspatkörner) mehr erkennen kann, aber weiße Bänder kristallinen Feldspates als Produkt. Wenn diese ehemaligen Sedimente nun Gold enthalten haben, könnte es doch sein, dass diese bei der schwachen metamorphen Überprägung, die hier noch die Sedimentabfolge erhalten hat, die Goldkörner mit dem Quarz oder Feldspat verbacken hat. Es gab ja mindestens 2 verschiedene Überprägungen, die kadomische und die variszische.

3. auch der effussive Vulkanismus der präkambrischen Schichten könnte ja Gold mit hohem Silbergehalt freigesetzt haben. Dieses wurden dann mitsamt den vulkanischen Sedimenten relativ ungeordnet verbacken und dann im Verbund verbogen und geschiefert. Im Handstück würde man auch nichts sehen, erst wenn die Verwitterung das Gold freisetzt.

Jedenfalls sind die Quarzkörner nicht scharfkantig oder gar kristallin, sondern rund. Ob sie durch fluvatile Kräfte geformt oder durch unreife Kristallisation quasi als Keime erhalten wurden, könnte man diskutieren.

Hast Du vielleicht fotos von Deinen Exemplaren?  :prostbier:

Gruß Holm!

Offline Hungriger Wolf

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #4 am: Juni 03, 2012, 19:46:14 Nachmittag »
Hallo Holm!

Zitat
die Herkunft und die Bildungsbedingungen der Flitter

Die Goldkörner mit erhöhtem Silbergehalt, also mit hellerer Goldfarbe, entstanden durch die Zersetzung von silberhaltigem Pyrit der auch Gold in Spuren enthält (siehe Photo).

Grüsse
Achim  
« Letzte Änderung: Juni 03, 2012, 20:42:06 Nachmittag von Hungriger Wolf »

Offline Hungriger Wolf

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #5 am: Juni 03, 2012, 20:02:07 Nachmittag »
Die Goldkörner mit Anhaftungen von schwarzem Gestein, Quarz, also mit dunklerer Goldfarbe, die grünliche bis rötliche Goldtöne haben können, haben höhere Kupfer- und andere Spurenelementanteile bzw. entstanden bzw. stammen von Schwarzschieferschichtungen bzw. wurden sekundär gebildeten in hydrothermalen Spalten/Quarzfüllungen (siehe Photo).  

Grüsse  :hut:
Achim
« Letzte Änderung: Juni 03, 2012, 20:42:34 Nachmittag von Hungriger Wolf »

Offline Hungriger Wolf

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #6 am: Juni 03, 2012, 20:39:41 Nachmittag »
Die Goldlegierungen und Ihre resultierende Farbe:

http://homepage.hispeed.ch/hallmarks.info/Aurum-Metallurgie-II.pdf

Mischungsdreieck der Legierungsbestandteile Silber/Kupfer/Gold auf Seite 7 Abb. 10.


Grüsse  :hut:
Achim

Offline Lithophil

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #7 am: Juni 04, 2012, 21:14:34 Nachmittag »
Hallo Achim,  :hut:

ich finde aus deinen Beiträgen leider nicht den konkreten Bezug zu den Körnern auf dem Foto. Schwarzschiefer ist eine andere Geschichte.

Was den Pyrit betrifft, meinst Du so etwas wie hier im Bild? Ich habe leider keine Analyse davon, die Flitter sind aber in HNO3 löslich. Auch wenn da vielleicht noch Gold und Silber mit im Spiel sind, es sieht immer noch nach Pyrit aus.

Ansonsten meine ich, wenn Pyrit verwittert und Gold freisetzt, so ist das zunächst kolloidal fein verteilt. Es hängt dann von den konkreten chemischen Bedingungen (Thiosulfat oder Cyanide als Komplexbildner) ab, was daraus wird. Da können schon ansehnliche Flitter wachsen, die sind dann meines Erachtens hoch rein, da sich hier die unedleren Sachen wie Silber verabschieden.

Der verwitterte Pyrit sieht vom Gestein her so ähnlich aus wie Deine Quarztaschen der Goldisthaler Schichten. Ich habe leider keinen Fundort, da als Straßenbelag vom Waldweg im Kurautal aufgelesen. Stammt vielleicht von der ICE-Halde.

Hat denn keiner von Euch Quarzeinschlüsse in seinen (Mikro-) Nuggets, die man vergleichen kann???

Gruß Holm  :winke:



Offline Hungriger Wolf

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #8 am: Juni 04, 2012, 22:35:36 Nachmittag »
Gold mit Quarzeinschluss (Photo).

Grüsse  :hut:
Achim


Offline Hungriger Wolf

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #9 am: Juni 04, 2012, 23:11:02 Nachmittag »
Zitat
Ich habe leider keine Analyse davon, die Flitter sind aber in HNO3 löslich.

In Pyrit sind die Edelmetalle nur in Spuren vorhanden, bei der Umlagerung bilden sich aus sehr sehr großen Mengen davon, nur sehr geringe Mengen an Edelmetallflitter/Abscheidungen (Legierung/unrein).
Jedes einzelne noch so kleines Goldstückchen davon, ist ein kleines Geschenk der Natur an uns.  :laughing:

Gold ist in HNO3 nicht löslich.

Ausführliche chemische Analysen wurden bereits 1966 von Herrn Karl Wilhelm Fischer/Weimar durchgeführt.

Grüsse  :hut:
Achim  

FlyingTim

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #10 am: Juni 04, 2012, 23:20:08 Nachmittag »
Hast Du da Literatur drüber ?

Bin ja selber n bisl am Forschen mit den Silbergehalten.


Gruß Tim

Offline Hungriger Wolf

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #11 am: Juni 04, 2012, 23:27:32 Nachmittag »
Hallo Tim!

Ja klar:

Sonderdruck
Fischer, Karl Wilhelm
Edelmetalle in der Saale und ihrem Einzugsgebiet
Akademie-Verlag Berlin, Geologie, Heft 4/5, S.: 550 - 561 - Jahr 1966


Gruss  :hut:
Achim


FlyingTim

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #12 am: Juni 04, 2012, 23:31:18 Nachmittag »
Also ich hab genug Material mit Quarzeinschlüssen.

Meißt schimmert der Quarz leicht rosa, keine Ahnung warum. Und ich konnte bis jetzt so gut wie nie beobachten daß der Quarz nachträglich eingedrückt wurde. Es handelt sich praktisch zu 100% immer um Reste von Gangquarz.


Gruß Tim

FlyingTim

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #13 am: Juni 04, 2012, 23:36:26 Nachmittag »
Gottogott Achim, wie soll ich denn da rankommen  :gruebel:


Gruß Tim

Offline Hungriger Wolf

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Re: Einschlüsse in Goldkörnern
« Antwort #14 am: Juni 04, 2012, 23:51:03 Nachmittag »
Hallo Tim!

Den Sonderdruck könnte ich ja mal mitbringen...... :einaugeblinzel:

Grüsse  :hut:
Achim

 

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