Autor Thema: Frage zur Ätzung und anschließenden Reinigung von Meteoriten  (Gelesen 3008 mal)

Offline DCOM

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Frage zur Ätzung und anschließenden Reinigung von Meteoriten
« am: September 28, 2012, 12:14:10 nachm. »
Liebe Leute,

ich habe gelesen, dass zum Ätzen von Meteoriten bevorzugt Lösungen von Eisen(III)-chlorid eingesetzt werden, weil das Ätzbild im Vergleich zu Nital deutlich kontrastreicher sein soll. Ich würde das gerne mal ausprobieren, habe aber erhebliche Bedenken wegen des hohen Eintrags an Chlorid, das ja bekanntlich die Korrosion stark fördert. Im ungünstigen Fall diffundiert das Chlorid in alle Poren und lässt sich anschließend kaum mehr entfernen.

Hat jemand von Euch Erfahrungen mit der Ätzmethode des Eisen(III)-chlorids oder kennt jemand alternative Ätzmethoden, die auch kontrastreiche Ätzbilder liefern? Und wie wird der Meteorit anschließend gereinigt um Korrosion zu unterbinden? Eine galvanische Reinigung kommt ja leider nicht infrage, weil das Ätzbild darunter leidet. Wäre daher für Tipps dankbar!

Grüße, D.U.  :hut:

Blaze

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Re: Frage zur Ätzung und anschließenden Reinigung von Meteoriten
« Antwort #1 am: September 28, 2012, 12:50:48 nachm. »
Lieber D.U.

deine Frage ist sicher sehr neutral und ehrlich anzusehen.
Ich bezweifle aber daß ein Fachmann der sich mit diesem Thema wirklich lange auseinandergesetzt gesetzt hat, evtl damit sein Einkommen verdient, Stunden lang an diversen Proben getestet hat, nun endlich weis wie man mit den einzelnen Säuren am besten umgeht, sowie auch von welchen man besser die Finger lässt, der wird hier nicht so einfach sein Wissen preisgeben.
Respekt, falls doch.

LG

Blaze

Offline DCOM

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Re: Frage zur Ätzung und anschließenden Reinigung von Meteoriten
« Antwort #2 am: September 28, 2012, 13:32:06 nachm. »
Mein Interesse ist natürlich rein wissenschaftlich. Und ich denke, es entsteht keine Konkurrenzsituation, wenn man sich über geeignete Ätztechniken mit einem Fachmann austauscht (die Basics findet man ja auch in einschlägigen Fachzeitschriften) - der Meteorit wird ja trotz allem beim Händler gekauft, zugeschnitten und geätzt.

Ggf. aber müssen spiegelpolierte oder korrodierte Stücke immer wieder mal nachgeätzt werden. Daher meine ich, dass ein Forum wie dieses ist auch dazu da sein sollte, sich über solche Dinge auszutauschen. Falls dies andere anders sehen und mit ihrem Wissen hinter dem Berg halten, fände ich das schade aber respektiere es natürlich.

Grüße, D.U.  :prostbier:

Offline speul

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Re: Frage zur Ätzung und anschließenden Reinigung von Meteoriten
« Antwort #3 am: September 28, 2012, 14:05:59 nachm. »
Mein Interesse ist natürlich rein wissenschaftlich. Und ich denke, es entsteht keine Konkurrenzsituation, wenn man sich über geeignete Ätztechniken mit einem Fachmann austauscht (die Basics findet man ja auch in einschlägigen Fachzeitschriften) - der Meteorit wird ja trotz allem beim Händler gekauft, zugeschnitten und geätzt.

Ggf. aber müssen spiegelpolierte oder korrodierte Stücke immer wieder mal nachgeätzt werden. Daher meine ich, dass ein Forum wie dieses ist auch dazu da sein sollte, sich über solche Dinge auszutauschen. Falls dies andere anders sehen und mit ihrem Wissen hinter dem Berg halten, fände ich das schade aber respektiere es natürlich.

Grüße, D.U.  :prostbier:

Ja D.U., so dachte ich auch schon mal, und habe vor Jahren fast die gleichlautende Frage gestellt mit ähnlich geringer Resonnanz. Habe dann vorgezogen keine technischen Fragen mehr zu stellen. Man kanns verstehen oder auch nicht. DAs Ergebnis ist das selbe, also habe ich mich damit abgefunden.
Grüße
speul
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Offline Haschr Aswad

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Re: Frage zur Ätzung und anschließenden Reinigung von Meteoriten
« Antwort #4 am: September 28, 2012, 15:09:40 nachm. »
Der Grund ist wahrscheinlich schlicht, dass hierzulande kaum jemand regelmäßig mit Eisen(III)-chlorid arbeitet. Ich kenne jedenfalls niemanden. Davon abgesehen gilt hier vermutlich generell das gleiche wie beim herkömmlichen Verfahren: Säureauftrag durch Pinsel und nicht im Tauchbad, Expositionszeiten auf ein Minimum reduzieren, sorgfältige & wiederholte Neutralisierung z.B. mit Natriumhydroxid, evtl. mit dazwischengeschaltetem Trocknungsvorgang. Bin jedenfalls auf Deine Ergebnisse gespannt ...

Blaze

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Re: Frage zur Ätzung und anschließenden Reinigung von Meteoriten
« Antwort #5 am: September 28, 2012, 16:34:12 nachm. »
Da ich früher mit der Elektronik zu tun hatte weis ich, daß EisenIIIchlorid zum ätzen von Platinen verwendet wurde.
Das Zeug ergibt tatsächlich eine andere Oberflächeoptik beim ätzen die sogar ins leicht bläuliche schimmert.
Zumindest an einem Sikhote Endstück konnte ich das so erzielen.
Ich persönlich rate von diesem Ätzmittel ab da es bei Meteoriten in die allerfeinsten Risse kriecht und sich auch schwer neutralisieren lässt, zumindest in den Rissen.
Nach geraumer Zeit entstehen dort trotz Neutralisation feine orangefarbene Ausblühungen welche von vielen Sammlern unwissender Weise vorschnell als Rost definiert werden.
Wie überall im Leben hat alles seine Vor- und Nachteile.

LG

Blaze

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Re: Frage zur Ätzung und anschließenden Reinigung von Meteoriten
« Antwort #6 am: September 28, 2012, 17:06:49 nachm. »
Ich persönlich rate von diesem Ätzmittel ab da es bei Meteoriten in die allerfeinsten Risse kriecht und sich auch schwer neutralisieren lässt, zumindest in den Rissen. Nach geraumer Zeit entstehen dort trotz Neutralisation feine orangefarbene Ausblühungen welche von vielen Sammlern unwissender Weise vorschnell als Rost definiert werden.

Das dachte ich auch, aber die Amerikaner scheinen großteils andere Erfahrungen gemacht zu haben (geschätzt wird FeCl3 dort vor allem wegen der teils eindrucksvollen 3D-Effekte):

"In meteorite circles we have all grown up to believe in nitric acid as the favored (and presumably only) choice. As early as 1915, Farrington, and later Nininger, (1936) taught us how to etch an iron meteorite using nitric acid. Perry, (1944), in discussing etching reagents cites the usefulness of ferric chloride in etching meteorites as “minor”.

While it need to be stated that techniques for obtaining fine detail in micro etching for research purposes can be done efficiently using nitric acid, there are alternatives that are attractive to collectors who want a simple but efficient method to etch meteorites for display use.

A number of years ago, my son, Jim, began experimenting with a commercial product ... It was a mixture of ferric chloride and hydrochloric acid. ... Jim worked with techniques to apply its use to iron meteorites. Today, after many years of experimenting, we are finding that our early test specimens are not rusting or otherwise deteriorating. In fact, they are holding up much better than those we have etched with nitric acid."


Hartman, R. (2002) Etching iron meteorites (or: 'The myth of nitric acid').

http://www.meteorite-times.com/articles/etching-iron-meteorites/

Grüße, D.U.

Offline Andyr

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Re: Frage zur Ätzung und anschließenden Reinigung von Meteoriten
« Antwort #7 am: September 28, 2012, 20:33:39 nachm. »
FeCl3 kann zumindest teilweise oxidieren (zu Hämatit, bzw. bei der bei uns gegenwärtigen Luftfeuchtigkeit eher zu Limonit o.ä).
Dabei wird Chlor freigesetzt der mit dem Eisen reagiert und neues FeCl3 bildet. D.h. man hat ein Kreislaufprozess, der nur zu stoppen ist, wenn das Chlorid aufwändig entfernt ist. Vor einigen Jahren war darüber mal ein interessanter Artikel im Meteorite Magazine.

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Re: Frage zur Ätzung und anschließenden Reinigung von Meteoriten
« Antwort #8 am: September 28, 2012, 21:33:15 nachm. »
Nach einer Nital-Ätzung dürften sich analoge Redoxprozesse abspielen: Eisennitrat wandelt sich an feuchter Luft unter Bildung von NOx in Limonit um, das NOx oxidiert wiederum elementares Eisen unter Bildung von Eisennitrat, und so fort. Zudem liegt in praktisch jedem Meteoriten Eisen(III)-chlorid vor, sobald dieser anfängt zu verwittern. Deshalb ist es ja so wichtig, Meteoriten möglichst gründlich zu entsalzen. Aber ich kenne mich in praxi nicht hinreichend damit aus - deshalb meine Frage, ob jemand schon Erfahrungen gesammelt hat.

Grüße, D.U.  :prostbier:

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Re: Frage zur Ätzung und anschließenden Reinigung von Meteoriten
« Antwort #9 am: September 28, 2012, 22:00:17 nachm. »
@ Andyr: Ich hab's kurz nachgerechnet - der von mir vorgeschlagene Redoxprozess nach einer Nital-Ätzung wird, im Gegensatz zur Chlorbildung nach einer Ätzung mit Eisen(III)-chlorid, thermodynamisch nicht begünstigt, weil dabei elementarer Sauerstoff entstehen müsste. Du hast also vollkommen Recht! :super:

 

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