Autor Thema: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe  (Gelesen 907 mal)

Offline Steffen Gränitz

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Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« am: April 07, 2022, 20:23:29 Nachmittag »
Hallo alle zusammen

Ich möchte mich kurz vorstellen. Mein Name ist Steffen Gränitz und ich bin 49 Jahre alt. Geboren im schönen Erzgebirge, aber seit über 20 Jahren wohnhaft in München.

Euer Forum habe ich über Dr. Google gefunden. Im Forum habe ich mich schon umgeschaut und einiges interessantes gefunden bzw gelesen.

Ich habe 2 Funde und die würde ich gerne mal den anwesenden Fachleuten zeigen. Wie ich schon schrieb habe ich mich bereits hier intensiv umgschaut und glaube daher hier richtig zu sein.

Bei dem einen größerem Stück wird es sich um Schlacke handeln, da viele Post hier mit ähnlichen Anfragen und Bildmaterial erstellt wurden.Ich frage aber trotzdem die Fachleute hier im Forum.

Hier sind 2 Bilder davon

Fundort ist in München gewesen. Das Stück ist magnetisch und relativ schwer. Ich habe leider keine Waage um das genaue Gewicht anzugeben, habe aber ein Lineal mit fotografiert.

Der zweite Fund ist aus Ägypten und das Stück habe ich von meinen Bruder hinterlassen bekommen. Der genaue Fundort ist mir leider nicht bekannt. Nur das er das Stück irgendwo in der Wüste gefunden hat. Schiwa Oase oder Dakla Oase.

Das Stück ist nicht magnetisch,ist aber für seine Größe relativ schwer. Meine Bruder hatte das Stück auch schon stark vergrößert fotografieren lassen. Ich habe davon mal ein Bild gemacht, bzw von dem Blatt abfotografiert. Die original Aufnahmen sind leider nicht verfügbar.

 



   

 


Offline JaH073

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #1 am: April 07, 2022, 21:49:26 Nachmittag »
Hallo Steffen,

willkommen hier im Forum.

Auf dein kleines rundes dunkles Stück kann ich dir direkt eine Antwort geben.
In Ägypten gibt es mehrere Lokalitäten wo man so etwas finden kann.
Die größte Fundstelle davon ist aber die weiße Wüste - kannst du mal googeln.
Was du da hast ist ein Stück Pyrit, limonitisiert.
Davon findet man dort 1000 to und mehr.
Ich war mit einem Sammlerkollegen selber dort und hab mir auch ein bischen Belegmaterial mitgebracht.
Die Formen in welchen man dieses Material findet sind fast so zahlreich wie die Schneeflocken.

Beste Grüße

Hanno
Je mehr Ecken und Kanten ein Diamant hat, umso mehr funkelt und strahlt der Stein.

Offline Steffen Gränitz

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #2 am: April 08, 2022, 08:09:04 Vormittag »
Hallo Hanno

Erstmal vielen Dank für die schnelle Antwort. Pyrit als solches war mir schon bekannt, hatte als Kind ein schöne Stufe mit Katzengold. In meiner ürsprünglichen Heimat hatte ja der Bergbau eine lange Tradition und die ehemaligen Kumpels haben ja auch alles mögliche gefunden und mit nach Hause geschleppt.

Offline Met1998

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #3 am: April 09, 2022, 11:02:22 Vormittag »
Hallo @Steffen, @Eckard,
Magnet haftet am Stein und Stein ist magnetisch sind zwei verschiedene Schuhe! :belehr:
Zitat
Steffen: ...Das Stück ist nicht magnetisch...(ohne Anführungszeichen/Gänsefüßchen)

Zu Magnetismus wollte ich eigentlich nichts mehr schreiben, aber es ist ja möglich, dass Steine und Meteorite magnetisch sind.
Hat denn hier im Forum schon mal jemand einen Meteorit oder Stein gezeigt der magnetisch ist? :nixweiss:
Oder haften Hanno und Steffen Ihre Steine an Edelstahltöpfen, - besteck und Eisen-Bratpfannen? :gruebel:

Ich habe nur viele Gesteine in meiner (großen) Sammlung, an denen der Magnet haftet!
Die Spielerei mit den kleinen Kugelmagneten auf Schnittflächen mache ich nur, weil es Spaß macht!  :unfassbar:
Und weil man sieht, wo die entsprechenden Elemente (Eisen, Nickel, Kobalt, Magnetit...) liegen, an denen ein Magnet haftet.
Bestimmen könnten die Elemente doch die meisten hier - nur im Labor!
Gruß der „Steinfried“ :hut:
Der Mensch hat die Fähigkeit zur Vorahnung und er reift mit Geduld, wie Whisky, Käse und Wein!

Offline Suevit

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #4 am: April 09, 2022, 21:24:41 Nachmittag »
Hallo,

Magnet haftet am Stein und Stein ist magnetisch sind zwei verschiedene Schuhe! :belehr:
Außerhalb des universitären Labors dürfte die populäre Aussage, etwas sei magnetisch, durchaus im Kontext richtig zu verstehen sein. Ansonsten müssen wir nämlich auch gleich klären, ob es um Paramagnetismus, Diamagnetismus, Ferromagnetismus, Ferrimagnetismus oder Antiferromagnetismus geht. Wenn wir es ganz exakt nehmen wollen, so unter Wissenschaftlern.

Zitat
Und weil man sieht, wo die entsprechenden Elemente (Eisen, Nickel, Kobalt, Magnetit...) liegen, an denen ein Magnet haftet.

Beim kurzen Nachsehen konnte ich das Element Magnetit nicht im PSE finden. Dafür konnte ich auf dem Rückweg Mendelejew in seinem Grab (diamagnetisch) levitieren sehen.
Wir wollten uns ja in wissenschaftlich korrekter Ausdrucksweise üben. Dazu gehöre dann auch ein gleichbleibender Schreibfluss ohne ständiges Fetten (Internetäquivalent des lauten Rufens) und der Verwendung der Verwirrtheits- und "Nicht zu fassen"-Emojis. Mit ein wenig Ruhe lässt sich so einiges sehr gut fassen. Und dann wühlt uns die Welt um uns herum auch nicht ständig so sehr auf.

@Steffen, alles gut. Vielen Dank für deinen Beitrag, ich finde es immer interessant, wenn Pseudomets gezeigt und erklärt werden  :super:

Grüße,
Rainer

Offline Mettmann

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #5 am: April 09, 2022, 23:58:23 Nachmittag »
Quod superest, agere incipiam quo foedere fiat
   naturae, lapis hic ut ferrum ducere posit,
   quem Magneta vocant patrio de nomine Grai,
   Magnetum quia fit patriis in finibus ortus


schreibt Lukrez (94–55  v.Chr.) in seinem De rerum natura und nennt damit erstmals einen magnetischen Stein Magnet,
nach der mittelgriechischen Region Magnesia.

Dieweil Plinius die Benamung des Magneten als Magnet dem Nikander von Kolophon (3-2.Jhdt. v.Chr.) zuschreibt, welcher ihn nach einem Hirten namens "Magnes" aus dem Ida-Gebirge so benannt habe. Weitere Fundstellen für magnetische Steine sind nach Plinius:
Aethiopicum et a Magnesia Macedoniae contermina a Boebe Iolcum petenibus dextra,
   tertium in Hyetto Boeotiae, quartum circa Alexandriam Toradem,quantum in Magnesia Asiae
 
Nikander ist nimmer erhalten. Und "magnes" auf griechisch soll eine Art Talk bezeichnen.

Schweinchen Schlau sagt
 :prostbier:


PS: Plutarch sagt, man könne dem Magnetstein seinen Magnetismus austreiben, wenn man ihn mit Knoblauch einreibt.
Ein putziger Abschriftfehler aus Plinius, wo das "alio" in "ferrum  ad  se  trahente magnete lapide et alio rursus adigente a sese" als "allio" kopiert wurde


https://books.openedition.org/ksp/docannexe/image/3150/img-3.jpg
« Letzte Änderung: April 10, 2022, 00:33:55 Vormittag von Mettmann »
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I'll never speak to you again."
(S.Laurel 1890-1965)

Offline Wunderkammerad

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #6 am: April 10, 2022, 01:57:53 Vormittag »

PS: Plutarch sagt, man könne dem Magnetstein seinen Magnetismus austreiben, wenn man ihn mit Knoblauch einreibt.
Ein putziger Abschriftfehler aus Plinius, wo das "alio" in "ferrum  ad  se  trahente magnete lapide et alio rursus adigente a sese" als "allio" kopiert wurde


https://books.openedition.org/ksp/docannexe/image/3150/img-3.jpg
Da muss dem Plutarch aber eine gehörige Portion Aglio e Olio im Magen gelegen haben, wenn er den Magnetstein als Vampir traktiert sehen möchte.

Überhaupt ist die Sache mit dem Magneten ganz einfach. Es ist ein Berg, der sich am Nordpol erhebt und an dem einzig & allein die Eisennägel der vorbeischippernden Schiffe haften, die sich daraufhin folgsam in ihre Einzelteile zerlegen und, richtig, scheitern. Hier, bitte sehr: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/98/Rupes_Nigra.jpg  (Die Causa mit den Pygmäen lassen wir mal vorläufig beiseite).

So ist's, beim Barte des Sindbad (oder war es beim Bade des Sindbarts? - ich zögere)

Offline stollentroll

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #7 am: April 10, 2022, 09:13:20 Vormittag »
Hallo Steffen,
nicht wundern, die Diskussionen gehen hier zuweilen unvorhersehbare Wege  :einaugeblinzel:

Zu deinem ersten Stück: es kann Schlacke sein, aber man sieht zuwenig von dem eigentlichen Material, um es beurteilen zu können. Man müsste hier schon das Innere sehen. Mal mit dem Hammer draufhauen kann sehr hilfreich sein (aber Vorsicht, Schlacken können sehr scharfkantig splittern dabei).

Offline Steffen Gränitz

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #8 am: April 10, 2022, 11:14:41 Vormittag »
Nein wundern tue ich mich nicht, ich schweige als Laie und lerne etwas dazu. Das ist auf jeden Fall sehr interessantes Thema . Ich wollte das Stück ja erstmal den hier anwesenden Experten zeigen wie es gefunden wurde.
Daher wollte ich nicht gleich mit der Flex ran und schauen wie es im inneren ausschaut.
 

Offline metnet

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #9 am: April 10, 2022, 11:54:03 Vormittag »
Nein wundern tue ich mich nicht, ich schweige als Laie und lerne etwas dazu. Das ist auf jeden Fall sehr interessantes Thema . Ich wollte das Stück ja erstmal den hier anwesenden Experten zeigen wie es gefunden wurde.
Daher wollte ich nicht gleich mit der Flex ran und schauen wie es im inneren ausschaut.

Hallo Steffen,

zu den metallhaltigen Funden im Allgemeinen wie im Besonderen will ich ebenfalls noch mal meinen Senf dazugeben. Ich bin auch in einem archäologischen Verein aktiv, mache gelegentlich "Feldgebehungen", meistens ohne Metalldetektor, machmal mit. Bei der Suche wird relativ schnell klar, dass die obersten Bodenschichten mancherorts wirklich voll mit Schlacken und anderen Verhüttungsprodukten sind. Alleine in der Umgebung von Hannover hat es wohl eine fünfstellige Zahl von Rennöfen gegeben, mit denen unsere Vorfahren über die Zeitalter hinweg Metalle geschmolzen haben. Hinzu kommen natürlich noch Steine, die "von Natur aus" metallhaltig sind. Je mehr man buddelt, desto öfter findet man sowas.

Insofern ist die Antwort "Schlacke" immer ein natürlicher Reflex auf jemanden, der hoffte, einen Meteoriten gefunden zu haben. Die Kunst besteht natürlich darin, trotz des Reflexes die (geringe) Chance auf einen tatsächlichen Meteoritenfund zu akzeptieren und eventuell zu verfolgen. Da aber die menschengemachten eisenhaltigen Produkte so zahlreich sind, schauen die "Experten" darauf, ob es weitere Merkmale gibt, die auf etwas Extraterrestrisches hindeuten. Obwohl ich hier sicherlich nicht den größten Experten zähle, würde ich mir anmaßen zu behaupten, dass bei deinem Fund diese besonderen Merkmale fehlen. Das soll dich absolut nicht davon abhalten, das Teil durchzusägen, sondern soll dir nur zur Einordnung helfen.

Viel Erfolg!
Jürgen

Offline stollentroll

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #10 am: April 11, 2022, 07:24:48 Vormittag »
Nicht Flex, sondern Hammer. Ist auch weniger Aufwand. Und da es kein Meteorit ist, kann man auch bedenkenlos draufhauen. Tip für schlackeverdächtiges Material wegen den scharfkantigenen Splittern: Stück in eine kleine durchsichtige Plastetüte stecken oder mit etwas Haushaltsfolie umwickeln, dann draufhauen.
Eine Bruchfläche kann durchaus mehr Informationen bieten als eine gesägte Fläche. Die Information, wie ein Material bricht, geht beim sägen verloren. Für Schlacken ist z.B. ein muscheliger Bruch sehr charakteristisch. Mit der Flex bekommt man eine so unebene Fläche, da geht der Informationsgewinn oft gegen Null.

Offline Steffen Gränitz

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #11 am: April 11, 2022, 17:04:54 Nachmittag »
Hallo Stollentroll

Ok. Ich versuche mal die Methode mit dem Hammer und werde das Ergebnis mal hochladen. Was ich nicht ganz verstehe ist, wie man beim schneiden mit einer Flex unebenen Flächen hinbekommt. Ich habe einige Jahre im Stahlbau/ Schlosserei hinter mir und da ist die Flex das Werkzeug der Wahl. Beim Stahl bearbeiten kriegt man höchsten mit einer Bandsäge einen schiefen Schnitt wenn man zu viel Druck ausübt. Die feinen Trennscheiben schneiden vieles ohne Probleme und lösen sich nur in alle Bestandteile auf wenn man die Flex verkanntet.

Offline stollentroll

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #12 am: April 12, 2022, 07:47:47 Vormittag »
Hallo Steffen,
das beruht auf Erfahrungen. Wenn ich Anfragen bekomme, was ein Stück den sei bzw. ob es ein Meteorit ist, und es schon erkennbar ist, dass es keiner ist, aber man auch noch nicht genau sagen kann, was es denn sonst ist, dann empfehle ich meist, mal mit dem Hammer drauf zu hauen und ein scharfes Foto der Bruchfläche zu schicken. Was ich in den meisten Fällen statt dessen bekomme, ist ein (gerne unscharfes) Bild von einem freihandgeflexten Schnitt mit lauter Riefen und verschiedenen Schnittansätzen. Das hilft bei der Identifizierung kein Stück weiter. Natürlich gibt es auch bei einer Bruchfläche keine Garantie, aber meist kann man dann doch schon mehr sagen. Wie ein Material bricht, ist eine wichtige Information.

Offline locastan

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #13 am: April 12, 2022, 11:13:48 Vormittag »
"Unebene Fläche" ist relativ. Gemeint ist der Unterschied zwischen dem riefigen Rohschnitt und einer feinen plangeschliffenen Fläche mit Spiegelglanz für eine etwaige Ätzung bei Eisenmeteoriten, bzw. auf hochglanz polierter Fläche bei Exponaten diverser Mineralien.

Gruß Mario.

Offline Steffen Gränitz

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Re: Neuling mit 2 Funden bittet um Hilfe
« Antwort #14 am: April 12, 2022, 11:19:12 Vormittag »
So Operation mit dem Hammer durchgeführt. Am Anfang ist nicht viel passiert, aber nach einem wuchtigen Schlag kam das heraus.

 

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