Autor Thema: Der richtige Schnitt  (Gelesen 1871 mal)

H5P6

  • Gast
Der richtige Schnitt
« am: November 17, 2007, 11:22:49 Vormittag »
Hallo, :winke:

in den vergangenen Tagen habe ich mehrmals Material in der Hand gehabt und mich theoretisch mit dem richtigen Schnitt auseinandergesetzt.Ich kam aber zu keinem überzeugenden Entschluß über die richtige Schnittstelle.
Das Forum sollte einmal einen Leitfaden zum richtigen Schneiden erarbeiten ,worin berücksichtigt wird der Unterschied zum objektschonenden Erkundungsschnitt und der Schnitt,der geeignet, ist noch weitere Schnitte an der gleichen Stelle zu führen.Welche Maße sollte der Anschnitt oder folgende Schnitte haben? Bei welchen Objekt sollten andere Entnahmeverfahren als sägen angewandt werden?

Gruß Jürgen :smile:

ironmet

  • Gast
Re: Der richtige Schnitt
« Antwort #1 am: November 17, 2007, 12:55:43 Nachmittag »
Hallo Jürgen,

das ist leider kaum machbar!
Weil es für jedes einzelne Stück individuell sein würde und man
dann jedes einzelne Stück besprechen müsste!

Aber ich denke,für Dein Gestein wäre das nicht ganz so wichtig,wie
für z.B. Meteorite!
Da muss man dann schon gut überlegen,wo man den schneidet!

Wenn Du bei Deinen Stücken irgenwie falsch geschnitten hast,holst
Dir halt wieder einen neuen Stein und probierst es erneut!

Viele Grüße Mirko

Offline Mettmann

  • Foren-Guru
  • *
  • Beiträge: 4808
Re: Der richtige Schnitt
« Antwort #2 am: November 17, 2007, 13:27:25 Nachmittag »
Salü,

es gibt keinen goldenen Schnitt, Jürgen.
Zunächst einmal hängts davon ab, wasde mit dem Stein vorhast. Wennst mehrere Scheiben draus schneiden magst,
gibt Dir der Stein den Schnitt insofern vor, wiede ihn am besten einspannen/fixieren kannst,
denn die Scheiben sollten in einem Arbeitsgang gesägt werden. Bei jedem Absetzen und erneutem Einspannen würdest nie genau die vorherige Schnittebene treffen und die nächste, erste Scheibe hätte keine parallelen Schnittflächen, sondern würde mehr oder weniger keilförmig ausfallen.
Die Sammler sind extrem verwöhnt, seit sie sichs aussuchen können. Für nicht planparallele Scheiben werden sie weniger zahlen.

Wie Du nun ja aus dem Forum gelernt hast, besteht der eigentlich Wert eines Meteoriten nicht darin, daß einige wenige Menschen auf Erden erkannt haben, daß man sie sammeln und Geld dafür ausgeben kann, sondern sein eigentlicher Wert besteht in der wissenschaftlichen Information, die dem Stein innewohnen.
An die kommt man aber nur ran, wenn man Teile des Materials im Labor verwursten kann.
Die Ästhetik eines ganzen Stückes im Auge der wenigen Sammler und anderer geschulten Augen und der Umstand, daß ein besonders geformtes Stück von einem Sammler höher bezahlt werden würde (wir erinnern uns, ohne die Sammler oder die Institute, die Meteorite ankaufen, hätte ein Meteorit überhaupt keinen monetären Wert bzw. scheinen die immensen Kosten, die aufgewendet werden, das Material aufzufinden, erinnere ich and die Raumfahrt, erinnere ich an die Antarktissuchen, seltsamerweise nur ein schwaches Argument für den monetären Wert eines Meteoriten darzustellen - andernfalls wären wir permanent ausverkauft, hihi)  tritt hinter der Notwendigkeit des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns zurück.

Wie Du mittlerweile auch gelernt hast aus dem Forum, gewinnt ein Meteorit, so er untersucht und anerkannt wird, überhaupt erst seinen Sammlerwert.
Dankenswerterweise sind das Prozedere der Untersuchung standardisiert und das Anerkennungsverfahren weltweit zentralisiert (man muß sich also nicht wie in anderen Gebieten auf die Befähigung und Ausbildung einzelner Gutachter verlassen).
Und da ist die Vorschrift, daß man für die Klassifiz, für spätere Forschung und als Referenz 20 Gramm oder, falls der Stein weniger als 100g wiegt, 20% des Steins zur Verfügung stellen muß.
D.h. Du mußt sowieso ein Eckerl Deiner Funde (wenns denn meteoritisch sind) absäbeln, wenn Du willst, daß Dein Steine einen Wert bekommen sollen.
Dieses Eckerl muß nicht besonders schön oder bearbeitet sein, das machen die schon selber. In der Regel werden Dünnschliffe angefertigt, d.h. aus dem Eckerl sollte man schonnoch minimale Flächen gewinnen können, sagmer zwo Quadratcm sollten auf jeden Fall drin sein.
Und das lohnt sich ja auch für Dich. Also wennde Bspw. jetzt einen grünen Klotz findest und glaubst, er ist vom Mond, dann kann der eine so schöne Form haben, wie er grad lustig ist und vollkommen unabhängig, ob er echt ist oder nicht, wird niemand auch nur einen Pfifferling dafür ausgeben, wenn er nicht ordnungsgemäß anerkannt wurde, sondern nur ein Mond sein soll, weil es der Herr Jürgen so sagt.

Nun zum Erhalt besonders ästhetischer Stücke.
Nun ein Meteorit fällt eher selten allein. Sind weitere Stücke eines Meteoriten gefunden, dann stellt sich die Frage des Schneidens nicht, da genügend Material bereits untersucht worden ist bzw. falls noch nicht, wählt man dazu eben ein unansehnlicheres Exemplar aus.
Also kein Schnitter käme niemals in die Bredullje, einen exorbitant orientierten Sikhote, Millbillillie oder jetzt einen Mali schneiden zu müssen.

Und auf der anderen Seite - erinnere Dich an den Thread: "Wieviel orientierte Meteorite kennt ihr" - sind wirklich ausgezeichnet orientierte Stücke, die durch einen Schnitt leiden würden allerextremst selten.
Kommt einem ein solches aus der Wüste unter - und es wird praktisch immer ein gewöhnlicher Chondrit sein - so läßt man es ganz und läßt es auch nicht klassifizieren. Gewöhnliche Chondrite aus der Wüste ham die Foaschas mehr als ihnen momentan lieb ist (was nicht an einer etwaig großen Zahl der Chondrite liegt, sondern daran, daß es welteit nurne handvoll von Stellen gibt, die sich überhaupt mit der Klassifiz von Meteoriten beschäftigen)
und bei den momentan noch absurd niedrigen Preisen selbst für klassifizierte Chondrite würde eine Coupierung eines ausgezeichnet orientierten Wüstling tatsächlich eine finanzielle Einbuße bedeuten.

Bleiben ganz wenige Einzelfälle, wo man wirklich vor einem Dilemma steht:  Neue Fälle, die nur ein einziges, aber hervorragendes Exemplar gezeigtigt haben
und frische 100%-Schmölzkruster und zugleich/oder flugorientierte Exotenklassen aus der Wüste, wo ebenfalls nur ein einziges Stück des Fundes erhältlich ist.

Natürlich ists da auch abhängig von der Größe. Wenns nur ein Ei von 100g odaso ist, da kann man nicht viel machen mit Bohrung und Wiederverschluß.
Ansonsten kann man eben eine Stück vermöge einer Bohrung usse Heazen entnehmen, oder man schaut sich das Stück genau an
und schneid dann eben an der unauffäligsten Stelle etwas ab, wenns denn gar nicht anders geht.

Behelfen kann man sich zumindestens auch indirekt dadurch, in dem man ein Abbild der unversehrten Form erhält, dadurch daß man zuvor Abgußmodelle des Steins herstellt.

Über Neuschwanstein konnte man sich empören, weil es vollkommen überflüssig war, den zweiten und schönsten Stein zu zerstören, da zuvor genügend Material vom ersten Stein entnommen und untersucht worden war und kein weiterer Erkenntnisgewinn zu erwarten war von der Verstümmelung des orientierten Stückes - bzw. man eben, wenn man das schon nicht begreifen konnte, zumindestens schonender eine Probe hätte entnehmen können.
Das war der Skandal, Jürgen, das kein Schnitt notwendig gewesen, da alles mit dem ersten Stein erledigt war.
Aber Du mußt Dich nicht sorgen, ein solcher Dilettantismus und eine solche brutale Barbarei sind Ausnahmefälle, an anderen Stellen sind die Entscheidungsträger nicht so doof wie hier in Bayern, hihi.

Sonderfall noch zum richtigen Schnitt:  Solltest Du in der glücklichen Situation einen größeren Eisenmeteoriten zu besitzen und wölltest Scheiben daraus produzieren, kann man vermöge eines kleinen Testschnitt schauen, welche Schnittebene man getroffen (und falls man ein kristallurgisch-geometrisch-mathematisches Genie ist), daraus berechnen, wie man die Schnittebene für die Scheiben wählen sollt.
Das Erscheinungsbild der Widmannstätterschen Figuren variiert nämlich erheblich, je nachdem, wie man die Schnittebene erwischt
bzw. sollte es bei einem Hexaedriten vermieden werden, daß die Neumannschen Linien dann praktisch alle nur auf der Kante der Scheiben sichtbar werden.

So denk ich, is dyss. Bei Deinen Funden, denk ich, mußt Dir keine größeren Gedanken machen, abgesehen davon, daß es eher unwahrscheinlich ist, daß sich ein Meteorit unter ihnen finden wird, sind das ja alles schmelzkrustenlose, verwitterte Steine - bei denen die Ästhetik eher im Auge des Finders liegt bzw. nach den allgemeinen Schönheitsidealen der Meteoritensammler sie keine Charakteristika wie Regmaglpte, Orientiertheit ect. aufweisen, sodaß da keine Bedenken bestünden, sie nach Herzenslust zu säbeln, um reinzuschaun, was drinne ist.

 :prostbier:
Mettmann




"If any of you cry at my funeral,
I'll never speak to you again."
(S.Laurel 1890-1965)

Pittiplatsch

  • Gast
Re: Der richtige Schnitt
« Antwort #3 am: November 17, 2007, 13:42:34 Nachmittag »
Hallo Jürgen,

was sollten denn das für weltbewegende Gesteine sein, bei denen sich so ein Aufwand lohnt, nach alternativen Entnahmemethoden zu suchen? Bei normalen Meteoriten muss man halt von Fall zu Fall entscheiden und überlegen, was man mit dem Material vor hat. Wenn man das Material untersuchen will, wird man wohl um einen Schnitt mit der Säge nicht herum kommen. Dann sucht man sich halt eine Ecke aus, die nicht ganz so schön ist (z.B. Bruchfläche falls vorhanden). Aber man sollte seinen Schnitt auch so wählen, dass man später bei Bedarf noch bequem weitere Scheiben abschneiden kann. Und bei Breccien sollte man auch darauf achten, dass man alle vorhandenen Lithologien mit seinen Schnitten erfasst. Weiter unten habe ich mal ein Bild von einem nahezu perfekten Schnitt durch einen Impact Melt mit einer gröbkörnigen und einer feinkörnigen Lithologie. Die beiden Lithologien waren von aussen vage zu erkennen und ich konnte den Schnitt daraufhin planen. Aber natürlich ist es auch immer Glückssache.



Übrigens, von der Idee mit den Bohrkernen halte ich überhaupt nichts, selbst bei schön orientierten Stücken. Ich mag nunmal keine hohlen Meteoriten. :fingerzeig:

Gruss,
Stefan

Offline herbraab

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1923
Re: Der richtige Schnitt
« Antwort #4 am: November 17, 2007, 13:48:25 Nachmittag »
Übrigens, von der Idee mit den Bohrkernen halte ich überhaupt nichts, selbst bei schön orientierten Stücken. Ich mag nunmal keine hohlen Meteoriten. :fingerzeig:

Bei Prambachkirchen haben sie auch einen Bohrkern hezogen. So konnte die Form des orientierten Stücks (und es gibt nur dieses eine Stück von dem Fall) weitgehend erhalten bleiben, und trotzdem hatte man damit genügend Material, um den Meteoriten zu klassifizieren. Siehe hier: http://www.austromet.com/Prambachkirchen.htm

Ich denke, dass war eine gute Entscheidung damals.

Grüße, Herbert
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

H5P6

  • Gast
Re: Der richtige Schnitt
« Antwort #5 am: November 19, 2007, 14:59:23 Nachmittag »
Hallo an Alle, :winke:

na das war doch schon die halbe Miete.
Aber Martin,was hast Du denn gegen das Kernbohren? So,wie das Herbert gemacht hat ist es doch gut.Bei einem allseitig unbeschädigten Orientierten dürfte das doch die erste Wahl sein.
Herbert vielleicht kannst Du uns einmal das Werkzeug und die Werkzeugmaschine zeigen,mit der Du das Kernloch vollbracht hast? :super:

Gruß Jürgen :smile:

Offline herbraab

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1923
Re: Der richtige Schnitt
« Antwort #6 am: November 19, 2007, 15:24:54 Nachmittag »
So,wie das Herbert gemacht hat ist es doch gut.

Halt, Missverständnis!
Prambachkirchen ist 1932 gefallen, und 1935 gab es eine ausführliche Publikation darüber, da hatte er das Loch schon. Der Bohrkern ist also igrendwann dazwischen (wahrscheinlich ziemlich bald nach dem Fall) gezogen worden. Damals bin ich noch "mit den Muckerl g'flogen", wie man bei uns sagt. :smile:

Grüße, Herbert der offenbar etwas älter aussieht, als er ist...
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

H5P6

  • Gast
Re: Der richtige Schnitt
« Antwort #7 am: November 19, 2007, 16:13:23 Nachmittag »
Hallo Herbert, :winke:

ich dachte die Bohrung ist jetzt erst eingebracht worden. :platt: :hut:
Naja,macht auch nichts. :peinlich:

Gruß Jürgen :smile:

 

   Impressum --- Datenschutzerklärung