Autor Thema: Eisen sägen  (Gelesen 18458 mal)

Speci-Man

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Eisen sägen
« am: November 03, 2006, 22:47:39 Nachmittag »
Hallo Leute!
Mein Novizentum ist nunmehr in die nächste Phase getreten. Habe mir als Erstlingsstück ein kompaktes Sikhote-Shrapnell zum Experimentieren (Sägen und Ätzen) zugelegt.
Nach meinen Beobachtungen wird in der Met-Szene meist zur Kreissäge gegriffen. Was aber spricht gegen eine Bandsäge? Habe mal willkürlich ein Beispiel ausgewählt:

 http://cgi.ebay.de/Metallbandsaege-Metallsaege-Bandsaege-m-schwenkb-Buegel_W0QQitemZ230045202907QQihZ013QQcategoryZ74195QQrdZ1QQcmdZViewItem

Das Band ist hier mit einer Breite von nur 0,65mm angegeben. Das sollte doch hinsichtlich des Verlusts ein starkes Argument sein. Überdies werden für diese Modellklasse auch diamantierte Bänder von 0,40mm angeboten. Die sind mit einem Preis von ca.100€ aber auch empfindlich teuer.
Die Zusatzfrage: Sind Diamant–Bänder/Blätter generell fürs Eisenschneiden geeignet und ist eine Flüssigkeitskühlung dabei obligatorisch?
Grüße.........Speci-Man

Offline MetGold

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Re: Eisen sägen
« Antwort #1 am: November 03, 2006, 23:14:30 Nachmittag »
Hallo Speci-Men,

es ist tatsächlich so, daß wir meist mit der Kreissäge arbeiten, allerdings mit Diamantblättern oder Titancarbidblättern, die sich für Eisen noch besser eigenen. Ich selbst habe nur Diamantblätter mit einer Dicke von 0,4 .. 0,8 und 1,2mm je nach Blattdurchmesser. Habe damit schon etwa 10cm große Eisenmeteorite (3kg Campo...) geschnitten. (Wasser-)Kühlung ist zwingend notwendig nicht zuletzt um die Lebensdauer der Sägeblätter zu erhöhen.

Bandsäge ? Weiß nicht, ob du da Kühlen kannst und einen exakten Schnitt erzeugen, ansonsten hast du danach furchtbar viel Schleif- und Polierarbeit bis du eine ebene Fläche hast.

 :winke:  MetGold   :alter:

P.S. Du hast z.Z. etwas Pech, da die anderen Meteoritenspezies wohl alle in München sind.
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Speci-Man

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Re: Eisen sägen
« Antwort #2 am: November 03, 2006, 23:54:57 Nachmittag »
Hi MetGold!
Im Bildbeispiel sieht's schon recht knifflig aus, das Werkstück mit Hand zu führen! Die Kreissägemethode hat wohl den Vorteil, daß die Richtung maßgeblich durch das Sägeblatt definiert ist. Bei einem Band ist sicher - insbesondere bei großen Stücken - ein wellenförmiges Profil zu befürchten. Das steht oder fällt gewiss mit der Beschaffenheit einer mechanischen Werkstückaufnahme. Bei hydraulischer Vorschubregelung incl. Kühlung wird's dann aber schon wirklich teuer bei den Bandsägen:
 
http://cgi.ebay.de/Metallbandsaege-Bandsaege-Saege-NEU-TOP_W0QQitemZ160047806779QQihZ006QQcategoryZ74195QQrdZ1QQcmdZViewItem

In diesem Beispiel dürfte allerdings ein 3-Kilo-Campo schon im Grenzbereich des Erfassbaren liegen. Auch liegt die Band-Dicke hier schon bei 0,9mm. Da muß anscheinend der Dimensionierung der Maschine und den auftretenden Kräften Rechnung getragen werden!
Grüße....Gerhard

Offline MetGold

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Re: Eisen sägen
« Antwort #3 am: November 04, 2006, 06:32:36 Vormittag »
Guten Morgen Gerhard,

ich habe meine Maschine bei Krantz gekauft. Sie ist französische Produktion (glaube ich):

http://www.krantz-online.de/sid/1d721438c3ed37c6c115d396d2cdfade/de/produktinfo.php?pid=419&sorter=56&start=0

Bei dem Angebot fehlt noch der Motor für 221,- €
und die Sägeblätter:  50,- ... 200,- €

JaH073 kennt da noch andere wohl günstigere/bessere Anbieter und Produkte !!!  - Wurde hier im Forum an anderer Stelle schonmal beschrieben !

Wenn schon nicht automatischer Vortrieb, sollte mindestens eine mechanische Führung und Spannvorrichtung vorhanden sein, denn große Eisen schneidet man nicht in 5 Minuten !

 :winke:  MetGold   :alter:
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Speci-Man

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Re: Eisen sägen
« Antwort #4 am: November 05, 2006, 20:35:33 Nachmittag »
Hi MetGold!
Danke für den Hinweis! Werde zu gegebener Zeit darüber nachdenken. Krantz ist übrigens eine deutsche Firma aus Bonn.
Mich beschäftigt aber noch eine weiter Frage: Kann die Widmannstätten-Struktur zerstört werden, wenn beim Schneiden zu hohe Temperaturen auftreten, etwa durch ein verbrauchtes Blatt oder zu ungestümen Vorschub?
Speci-Man

Offline MetGold

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Re: Eisen sägen
« Antwort #5 am: November 05, 2006, 22:03:21 Nachmittag »
Hallo Spezi-Man,

das Krantz aus Bonn ist weiß ich, aber die Säge hat er wohl importiert !

Man sagt, wenn man den Oktaedriten lange erhitzt oder glüht, dann geht es den Widmanstätten an den Kragen. Habe es aber noch nie ausprobiert - wozu auch. Wenn das Diamantblatt im Wasserbad läuft kann eh nix passieren mit Temperatur und so.

 :winke:  MetGold   :alter:
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Speci-Man

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Re: Eisen sägen
« Antwort #6 am: November 05, 2006, 22:50:23 Nachmittag »
Hi MetGold,
hab den ganzen Abend mal in alten Beiträgen gestöbert. Kann man als Newbie viel bei lernen. Die von Dir erwähnten älteren Beiträge über's Sägen hab ich nun auch gelesen. Über das Schleifen und Polieren hätte ich allerdings auch noch viele Fragen, aber das ein andermal....
Danke......Speci-Man

Offline MetGold

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Re: Eisen sägen
« Antwort #7 am: November 06, 2006, 06:00:28 Vormittag »
Hallo Spezi-Man,

ich poliere meine geschnittenen Steinmeteorite überhaupt nicht und bei Eisenmeteoriten sehe ich zu, daß der Schnitt schon so exakt ist, daß man nur noch etwas feinpolieren muß.

JaH073 müßte jetzt von München zurück sein und wenn er dann in den nächsten Tagen wieder etwas Luft hat, sollte er sicher hier auch auf deine noch kommenden Polierfragen antworten können und wollen.

 :winke:  MetGold   :alter:
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Speci-Man

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Re: Eisen sägen
« Antwort #8 am: November 06, 2006, 22:45:12 Nachmittag »
Hallo MetGold!
Hatte für's Schleifen und Polieren eigentlich mit einem "Flachvibrator" geliebäugelt.
http://www.hamag-maschinenbau.de/shop/
Nach Deiner Schilderung ist es aber womöglich sinnvoller, das Geld in eine entsprechend bessere Säge zu investieren. Werde jedenfalls darüber nachdenken.
Gruß....Speci-Man

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Re: Eisen sägen
« Antwort #9 am: November 09, 2006, 21:57:40 Nachmittag »
hallo zusammen,
flächenschleifer dieser art sind für meteorite ungeeignet!
sind für steinscheiben zb achat ausgelegt. loses schleifkorn wird mit wasser aufgetragen und muss dann ca 1 woche pro körnung laufen. stell dir mal einen meteoriten vor, der 5 wochen nass gelegen hat. autsch.
gruss olaf

Speci-Man

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Re: Eisen sägen
« Antwort #10 am: November 11, 2006, 23:12:14 Nachmittag »
Hallo Olaf!
Wie ich schon bemerkte, bin ich Neuling. Meine "Met_Mania" ist erst zwei Monate alt. Deshalb will ich mich zunächst auf Eisen spezialisieren. Bei Stein und Steineisen kann ich ja Deine Besorgnis nachvollziehen, aber bei Eisen? Meine - vielleicht ja laienhafte - Vorstellung ist, daß die Nässe bei Eisen nur oberflächlichen Schaden anrichten kann. Eisen sollte sich doch wohl nicht vollsaugen. Allenfalls könnte ich mir denken, daß beim Zerfetzen in der Atmosphäre und auch beim Aufprall Haarrisse entstehen. Womöglich zieht das Wasser ja in diese Capillaren ein. Weiß ich aber nicht! Wäre für Aufklärung dankbar.
Wie würdest Du denn die Schnittfläche bearbeiten? Mit dem Schwingschleifer etwa? MetGold meint ja. daß es kaum was zu schleifen gibt. Andererseits hab ich bei meinem Fotostudium im Web häufig Anschnitte gesehen, die deutliche halbkreisförmige Sägeriefen aufweisen. Die sehen einfach unschön aus. Die müssen doch irgendwie zu nivellieren sein!
Gruß....Gerhard
« Letzte Änderung: November 11, 2006, 23:43:00 Nachmittag von Speci-Man »

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Re: Eisen sägen
« Antwort #11 am: November 11, 2006, 23:34:28 Nachmittag »
Hallo alle

Auf die folgenden Antworten bin ich aúch sehr gespannt  :gruebel:
Den irgendwann kommt auch die Zeit da werde ich auch Sägen.

Bis dann Lutz  :winke:

Aller Anfang ist schwer !!

astro112233

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Re: Eisen sägen
« Antwort #12 am: November 12, 2006, 11:49:53 Vormittag »
Hallo Leute!
Mein Novizentum ist nunmehr in die nächste Phase getreten. Habe mir als Erstlingsstück ein kompaktes Sikhote-Shrapnell zum Experimentieren (Sägen und Ätzen) zugelegt.
Nach meinen Beobachtungen wird in der Met-Szene meist zur Kreissäge gegriffen. Was aber spricht gegen eine Bandsäge? Habe mal willkürlich ein Beispiel ausgewählt:

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Das Band ist hier mit einer Breite von nur 0,65mm angegeben. Das sollte doch hinsichtlich des Verlusts ein starkes Argument sein. Überdies werden für diese Modellklasse auch diamantierte Bänder von 0,40mm angeboten. Die sind mit einem Preis von ca.100€ aber auch empfindlich teuer.
Die Zusatzfrage: Sind Diamant–Bänder/Blätter generell fürs Eisenschneiden geeignet und ist eine Flüssigkeitskühlung dabei obligatorisch?
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Hallo Speci-Man,

zum Thema Sägen kann ich leider keinen positiven Beitrag leisten. Zum schleifen und polieren hingegen hier einige Erfahrungen. Die klassische Sägefläche einer Bandsäge verlangt auf jeden Fall eine Nachbehandlung. Während meiner Ausbildung war ich einige Wochen im metellurgischen Labor bei Georg Fischer in Singen. Dort wurden die Proben mit einer Bandsäge aus den entsprechenden Gussteilen ausgesägt. Dannach folgte im Labor auf einem elekt. betriebenen Drehteller die Schleifarbeit mit immer feinerer Körnung des Schleifpapieres. Nach dem Abschluß der Schleifarbeit folgte die Politur auf einen zweiten Drehteller. Dieser war mit einer "fauschiger" Oberfläche versehen und mit Schlämmkreide versehen. Nach kurzer Zeit war ein perfektes  Politurergebnis erreicht. Als letzter Schritt folgte das Ätzen der Probe. So also machten es die Profis, jedenfalls vor zwanzig Jahren. Vielleicht wird heute Diamantpaste oder änliches verwendet.

Da ich persönlich natürlich nicht über solch eine Ausrüstung verfüge, hatte ich vor einiger Zeit mal die Sache auf einem Bandschleifer ausprobiert. Um eine wirklich ebene Fläche zu erhalten sollte die Meteoritenprobe abwechselnd gedreht werden ( Kreuzstrich ). Die Abstufung der verwendeten Schleifbänder sollte sein Ende bei einer Körnung von 1200 finden. Nun folgte die Politur von Hand auf einem flauschigen Tuch mit einem Poliermittel aus der Dentalbrance, dies wird dort für das Polieren von Zahnkronen aus Gold verwendet. Wenn die Schleifarbeit ordentlich durchgeführt wurde ist die Politur auch bald mit einem guten Ergebnis erreicht. Solltest du jedoch öfters Proben polieren, müsste hierfür auch ein rotierender Drehteller angeschafft werden, denn auf Dauer von Hand polieren bring es auch nicht. Aber für einen ersten Versuch funktioniert es auf jeden Fall.

Wie die erzielte Schnittfäche mit den angesprochenen diamantbesetzten Sägescheiben aussieht kann ich nicht objektiv beurteilen. Nur meiner bescheidenen Auffassung nach sollten auf der polierten Oberfläche keinerlei Schleifspuren mehr zu sehen sein. Du willst ja keine auf künstlichem Weg erzeugte Neumannsche Linien produzieren.       

Unterdem Motto: Probieren geht über studieren wünsche ich dir viel Erfog bei deinen ersten Versuchen.

Gruß Konrad.








 

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Re: Eisen sägen
« Antwort #13 am: November 12, 2006, 12:35:20 Nachmittag »
Hallo Konrad ,

Danke für deinen Beitrag aus deiner Ausbildung , deine Erfahrungen decken sich mit meinen , ich muste mal eine Marmorplatte von der Grösse einer Tischplatte polieren,.
Damals, 1978 ich war 17 habe ich das mit einem Excenterschleifer gemacht, meine Erfahrungen hatte ich nur aus dem Poliern von Mineralien , angefangen habe ich mit grobem Schleifpapier bis ich dann Schleifmittel aus Idar Oberstein genommen habe .
Zum Schluss habe ich ein Staubtuch genommen und das Poliermittel als Paste auf den Tisch gegeben und mit dem Schleifer Stundenlang über die Platte immer wieder etwas Wasser dazu.
Das Ergebnis war recht ansehlich ,obwohl immer noch kleine Kratzer zusehen sind , die Platte steht als Tisch bei meiner Mutter im Wohnzimmer ,er war wärend eines Umzug stark verkratzt worden und die Akrylschicht war mit abgeplatzt .
Um das alles wieder hinzubekommen hatte ich nur anderhalb Tage Zeit und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden .
Heute wüde ich aber einen Bandschleifer nehmen und nur zum Poliern den Schwabbel , und mehr Zeit würde ich mir auch nehmen .

Das wars von mir , bis dann Lutz  :winke:
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Re: Eisen sägen
« Antwort #14 am: November 12, 2006, 17:23:14 Nachmittag »
hallo zusammen,
@ speci man
ich habe eisen bisher mit einer diamant sinter scheibe (nass) oder mit der bandsäge geschnitten.
die bandsäge hat auf den ersten blick weniger schnittverlust, macht aber eine unebenere fläche
als die diamantsäge. also mit schleifen tut sich da nicht viel. vorraussetzung ist aber ein gutes dünnes diamantblatt,
nicht so ein 3-5mm dickes baumarkt ding.
zum schleifen im low cost bereich ist ein kombinierter teller/bandschleifer ok, kostet so 80-100 eur.
hast dann ein 10cm breites grobes band zum plan schleifen und einen 15cm teller nach und nach mit feinerem korn.
wichtig: das übliche schleifpapier im handel ist für holz ausgelegt und nicht der bringer.
beim tellerschleifer unbedingt die klebe variante wählen, bei klett schleift du die kanten rund, weil das stück einsinkt.
eisen schleife ich trocken, ohne handschuhe, wenn mir zu heiss wird kriegt das stück eine pause.
widm. strukturen beginnen sich bei ca 400 grad aufzulösen!
stein schleif ich grob auf der maschine, rest von hand. dicke glasplatte, schwarzes korundpapier drauf, etwas isopropanol damit es nicht staubt.

gruss olaf

 

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