Autor Thema: Shatter-Cones in Kersantit  (Gelesen 9059 mal)

Offline Norbertit

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Shatter-Cones in Kersantit
« am: August 27, 2011, 00:37:29 Vormittag »
Hallo zusammen,

ich möchte Euch mal ein Stück zeigen,das ich vor einiger Zeit erworben habe.
Einen Shatter-Cone,aber nicht als Strahlenkalk in karbonatischer Matrix,sonder in einem silikatischen Ganggestein,Kersantit.

Der Fundort ist laut Etikett Wengenhausen im Ries.Stufengröße 12 cm.
Ich würde nun ganz gern wissen,wie selten oder wie interessant   so ein Kersantit-Shatter-Cone überhaupt ist.


Gruß Norbertit :smile:

Mente et Malleo

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #1 am: August 27, 2011, 14:32:12 Nachmittag »
hallo norbertit,
wengenhausen ist die klassische lokalität für ries sc's (kleiner aufschluss hinter einem hügel)
ist aber vor einigen jahren "aufgeräumt" worden, nettes schild mit erklärungen hin,
geotop hinweis "finger weg" aufgestellt.
kann man also als erloschen betrachten

gruss olaf

Offline Thin Section

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #2 am: August 27, 2011, 15:42:13 Nachmittag »
... wengenhausen ist die klassische lokalität für ries sc's (kleiner aufschluss hinter einem hügel)...

Hallo Olaf, Norbert und Forum,

Wengenhausen, Shattercones und Kersantit finden kurz Erwähnung auf Seite 76 in Julius Kawasch (1985) Meteoritenkrater Ries, Ein Geologischer Führer, 89 pp.):

"Rechts der steilen Auffahrt nahe des südlichen Bruchendes ist gelegentlich Kersantit aufgeschlossen. Hier lassen sich mehr oder weniger schöne 'shatter-cones' auffinden."


Bernd  :hut:
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Offline Norbertit

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #3 am: August 28, 2011, 00:19:28 Vormittag »
Hallo Bernd und Olaf, :winke:

danke für die Infos.

Gruß Norbert :smile:
Mente et Malleo

Suevit

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #4 am: August 28, 2011, 15:57:13 Nachmittag »
Hallo Norbert,

Wengenhausen ist, wie hier schon gesagt, eine klassische Loaklität im Ries und die einzige shatter cone-Fundstelle dort. Wirklich selten waren sie nicht, es ging eher darum, erst mal einen Kersantitbrocken in dem Material der Trümmerbrekzie zu finden, wenn man einen hatte waren dann auch meistens Schockstrukturen vorhanden. Gleichzeitig kommt dort aber auch reichlich Granit und Gneis mit ganz gewöhnlichen tektonischen Harnischen vor, die oft deutlicher zu erkennen waren als die shatter cones und von weniger erfahrenen Personen bevorzugt gesammelt wurden  :einaugeblinzel:
Die von Dir gezeigte, eher planare Schockfläche ist meinen Erfahrungen nach der "Standard" bei den Wengenhausener shatter cones, in die Kategorie Seltenheiten gehören richtige Kegel und Kegelkalotten.
Der Status als Geotop, fortschreitendes Zuwachsen und der allmähliche Versturz der kersantithaltigen Bereiche machen die Fundstelle de facto erloschen. Sehr viel Material von dort dürfte sich aber - neben institutionellen und privaten Profisammlungen - auch bei Studenten der Geowissenschaften finden, da Wengenhausen ein häufiges Ziel Exkursionen verschiedener Universitäten war.

Gruß,
Rainer

Offline speul

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #5 am: August 28, 2011, 16:32:24 Nachmittag »
Zitat
Der Status als Geotop, fortschreitendes Zuwachsen und der allmähliche Versturz der kersantithaltigen Bereiche machen die Fundstelle de facto erloschen

Genau das ist das große Problem. Die beamteten Naturschützer glauben mit einem Kuckuck dran ist alles geschützt, aber ein Aufschluß muß halt auch gepflegt werden. Entweder man entnimmt regelmäßig Material (Sammler oder Steinbruchbetrieb) oder er wächst zu und wird dann durch 1-€-Jober wenn man Glück hat irgendwann freigelegt und das Material was sonst in den Sammlungen landen würde, kommt auf die Bauschuttdeponie.  :ehefrau:
Das nennt sich dann alles "Geotopschutz"
Kann man nur froh sein, wenn sich dann nicht noch ein Uhu dort niederläßt, dann ist es gleich total gesperrt und keiner darfs auch nur ansehen, weil der Uhu wahrscheinlich erschrickt wenn er mein Gesicht sieht.  :bid:
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Offline gsac

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #6 am: August 28, 2011, 16:57:27 Nachmittag »
Was mich mal grundsätzlich interessiert: warum ist Wengenhausen eigentlich
die einzige Fundstelle für shattercones aus dem Ries? Der Rieskessel ist doch
sehr groß und sollte man da nicht auch insgesamt mehr Fundstellen erwarten?
Da es die aber nicht gibt, wird es auch eine Erklärung geben, warum nicht.
Wer von den Impaktspezialisten weiß dazu Näheres?

Sehr schöne shattercones sind aus dem "Nachbarkrater" Steinheimer Becken
bekannt. Dort kann man mit etwas Glück wohl immer noch fündig werden, wenn
die Felder abgeerntet sind oder z. B. Strassenbauarbeiten mit Aushüben gemacht
werden.

PS: egal, ob man fündig wird oder nicht - beide Lokalitäten lohnen einen Besuch!
Im Ries gibt es zahlreiche geologisch interessante Orte und die Stadt Nördlingen
mit ihrem Türmer und dem Rieskratermuseum ist sowieso eine Art Pflichtprogramm.
Das Steinheimer Becken ist beschaulich, und dort hat man, auf dem Ringwall an
der südlichen Einfahrt stehend, einen sehr guten Eindruck vom Krater und dessen
Zentralerhebung und kann sich anschaulich machen, was da vor Mio von Jahren
passiert ist. Den Zentralhügel kann man zu Fuß erklimmen und zumindestens vor
ein paar Jahren, als ich einmal wieder dort war, konnte man sich, auf dem Gipfel
angekommen, für die Steigleistung noch mit einem Bier in einer urigen Gaststätte
mit dem Namen "Himmelsstoß" (?) belohnen...

Suevit

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #7 am: August 28, 2011, 17:09:30 Nachmittag »
Hallo Speul,

kann/muss Dir (leider) zustimmen: Die Unterschutzstellung als Geotop ist in manchen Fällen der Anfang vom Ende eines Geotops. Je nach Aufschlussart und Pflegemaßnahmen (falls überhaupt stattfindend) kann man Interessierten nach gewisser Zeit nur noch Buschwerk, Gras und Bäume zeigen. Und lässt sich dann der Uhu nieder, wird ein Naturschutzgebiet daraus, für das selbst institutionelle Geowissenschaftler oft keine Erlaubnis für Untersuchungen oder gar Grabungen mehr erhalten.

Und wenn in einem aktiv im Abbau befindlichen Steinbruch der örtliche Falke Tieffliegerattacken auf die legal anwesenden Sammler fliegt, fragt man sich, wer nun unter Naturschutz gestellt werden sollte...  :einaugeblinzel:

@gsac: M. W. ist der Kersantit das einzige vom Ries-Impakt betroffene Gestein, das sowohl die nötigen strukturellen Eigenschaften für die Ausbildung von shatter cones aufwies als auch im passenden Bereich der Druckwelle positioniert war. Zwar kämen unter dem strukturellen Aspekt auch die Oberjura-Kalke dafür in Frage, aber die wurden wohl bereits von der vorauseilenden Schockwelle vor dem eigentlichen Impakt bei zu geringen Drücken größtenteils einfach beiseite geschoben, der Rest brekziiert, also standard-bruchhaft deformiert. Kersantit ist ein Ganggestein, es ist also Zufall, dass genau an der richtigen Stelle ein Gang bzw. eine Gangschar im Grundgebirge verlief und Material davon auch noch kilometerhoch mit den Auswurfmassen nach oben befördert wurde.
Laut Hörensagen wurde ein einziger vermeintlicher shatter cone in Oberjurakalk am Riesrand gefunden, Fotos oder gar eine Publikation dazu sind mir aber noch nicht unter die Augen gekommen. Das sonstige Kristallin des Grundgebirges, das man in den Auswurfmassen ja reichlich findet, scheint nicht das passende Gefüge besessen zu haben. Bei anderen Impakten ist das anders.

Zitat
Sehr schöne shattercones sind aus dem "Nachbarkrater" Steinheimer Becken
bekannt. Dort kann man mit etwas Glück wohl immer noch fündig werden, wenn
die Felder abgeerntet sind oder z. B. Strassenbauarbeiten mit Aushüben gemacht
werden.
Man braucht dazu durchaus Glück. Neben den Oberjurakalken des Zentralbergs (NSG und ohnehin keine Aufschlüsse im fraglichen Material) kommen shatter cones in den Oberjurakalken des Kraterrands in einer eng begrenzten Zone und dort beileibe nicht an jeder Stelle vor. Bei umfangreichen Straßenbauarbeiten in der Randzone vor einigen Jahren lies sich das gut beobachten: Bestimmt hundert Meter Aufschluss mit ohne Ende anstehendem Kalk und Kalkbrekzie. Ohne shatter cones, ohne versetzte Belemniten, nur ungerichtete Bruchdeformation. Und dann an einer Stelle von nur wenigen Quadratmetern, traten shatter cones gehäuft in teilweise fantastischer Ausbildung in genau demselben Gestein (Mittleres Kimmeridgium/Malm delta) auf.

Gruß,
Rainer

Suevit

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #8 am: August 28, 2011, 17:38:46 Nachmittag »
Hallo nochmal,

weil es gerade so schön zum Thema passt möchte ich mal meinen Lieblings-cone aus Steinheim vorstellen. Beim Auffinden war er bis auf eine kleine Stelle total von zähem Kluftlehm verklebt, und ich erwartete nur einen Brocken mit einigen kleineren oder schmaleren Schockflächen. Nur weil ich damals noch keinerlei Belege aus Steinheim hatte, wanderte er überhaupt in den Kofferraum. Der Schock meinerseits kam dann zu Hause, als sich die Tatsachen unter dem Strahl der Duschbrause herausschälten...

Gruß,
Rainer

Offline gsac

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #9 am: August 28, 2011, 17:40:14 Nachmittag »
...Ohne shatter cones, ohne versetzte Belemniten, nur ungerichtete Bruchdeformation. Und dann an einer Stelle von nur wenigen Quadratmetern, traten shatter cones gehäuft in teilweise fantastischer Ausbildung in genau demselben Gestein (Mittleres Kimmeridgium/Malm delta) auf...

Offenbar also eine hochsensible Angelegenheit: Gesteinsart, Druck, Temperatur, Lage,
Ausrichtung und andere Paramter müssen für den Zeitpunkt des Ereignisses allesamt
in genau den wohl recht engen Bereichen sein, die eine shattercone-Bildung zulassen..?!
Da kann man ja eine regelrechte Ehrfurcht vor einem Sammlungsexemplar entwickeln!  :einaugeblinzel:

Alex

PS: superbes Sammlerstück, Rainer, danke fürs Zeigen!

Offline speul

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #10 am: August 28, 2011, 18:09:14 Nachmittag »
Hallo nochmal,

weil es gerade so schön zum Thema passt möchte ich mal meinen Lieblings-cone aus Steinheim vorstellen. Beim Auffinden war er bis auf eine kleine Stelle total von zähem Kluftlehm verklebt, und ich erwartete nur einen Brocken mit einigen kleineren oder schmaleren Schockflächen. Nur weil ich damals noch keinerlei Belege aus Steinheim hatte, wanderte er überhaupt in den Kofferraum. Der Schock meinerseits kam dann zu Hause, als sich die Tatsachen unter dem Strahl der Duschbrause herausschälten...

Gruß,
Rainer

wahnsinn!
 :lechz:
ich glaube den Kommentar zu dem Stück hast Du auch als Bilderrätsel im ersten Bild versteckt:
"ober-Hammer"
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Offline Thin Section

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #11 am: August 28, 2011, 18:40:56 Nachmittag »
... möchte ich mal meinen Lieblings-cone aus Steinheim vorstellen

Hallo Rainer und Forum,

Ein edles Stück! Vielleicht hat dieser zähe Kluftlehm sogar dazu beigetragen, daß die "Strahlen" so feinsäuberlich erhalten sind!

In dem Thread "Gibt es gefundene Meteoritenteile des Nördlinger Ries-Kraters?" (Antwort #7, November 18, 2008) findet sich eine Aufnahme meines 5 kg wiegenden Shattercones aus dem Steinheimer Becken – ein Prachtstück, das ich natürlich nicht selbst gefunden habe sondern seinerzeit auf einer Astrobörse (Laupheim)  ergattert habe.

Bernd  :hut:
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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #12 am: August 28, 2011, 19:11:58 Nachmittag »
Zitat
In dem Thread "Gibt es gefundene Meteoritenteile des Nördlinger Ries-Kraters?" (Antwort #7, November 18, 2008) findet sich eine Aufnahme meines 5 kg wiegenden Shattercones aus dem Steinheimer Becken – ein Prachtstück, das ich natürlich nicht selbst gefunden habe sondern seinerzeit auf einer Astrobörse (Laupheim)  ergattert habe.


Hallo Bernd,
ist der auch richtig kegelförmig oder eher flach, kann man auf dem Bild nicht so erkennen.
Aber egal wie, macht schon mächtig was her.
speul
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Suevit

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #13 am: August 28, 2011, 19:32:51 Nachmittag »
Hallo Bernd,

ein sehr feines Stück!  :super:
Das meiste was rauskam waren eben doch nur Kegelkalotten, zwei weitere komplette Kegel, aber deutlich kleiner, konnte ich noch finden. Einen davon habe ich weggeben, der andere steht hier bei mir in der Vitrine, als Platzhalter für den großen, den der Glasboden nicht aushalten würde  :einaugeblinzel:

Gruß,
Rainer

Suevit

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Re: Shatter-Cones in Kersantit
« Antwort #14 am: August 28, 2011, 19:41:07 Nachmittag »
Nachtrag:

Vielleicht hat dieser zähe Kluftlehm sogar dazu beigetragen, daß die "Strahlen" so feinsäuberlich erhalten sind!

Im Allgemeinen ist Kluftlehm eher aggressiv gegen Kalkstein. Er ist durch die enthaltenen Tonminerale basisch und ätzt den Kalk langfristig an. Gut sehen konnte man das bei shatter cone-Fragmenten, die im Lehm einer größeren Kluft "schwammen". Auch Sammler von z. B. Calcit sind in der Regel vorausgreifend frustriert, wenn sie einen Kristallrasen mit Kluftlehm bedeckt vorfinden, da die Kristalle darunter meist stark angeätzt zum Vorschein kommen.
Ich denke hier eher, dass der shatter cone erst im Zuge der Baumaßnahmen mit dem Lehm zugeschmiert wurde, was ihn natürlich im weiteren Verlauf vor mechanischen Beschädigungen durch die Baumaschinen geschützt hat. OK, das war jetzt Haarspalterei...

Gruß,
Rainer

 

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