Autor Thema: Sikhote oder Campo?  (Gelesen 2590 mal)

Offline DCOM

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Sikhote oder Campo?
« am: Dezember 12, 2017, 17:47:33 Nachmittag »
Hallo Forum,

immer wieder stolpere ich auf eBay über diese Sikhotes von Jack Lacroix:

https://www.ebay.com/itm/MUSEUM-GRADE-4050-GM-SIKHOTE-ALIN-METEORITE-FROM-RUSSIA-COLLECTION-PIECE/172952351710?hash=item2844c373de:g:hQkAAOSwFSxZ9I~N

Ihr könnt mich schlagen, wenn ich falsch liege, aber für mich sieht das mehr nach Campo als nach Sikhote aus.

Same here:

https://www.ebay.com/itm/MUSEUM-GRADE-3592-GM-SIKHOTE-ALIN-METEORITE-FROM-RUSSIA-COLLECTION-PIECE/382265523571?hash=item5900ccfd73:g:-1UAAOSwvfZZ9I7e

Was ist Eure geschätzte Meinung hierzu?

Grüße, D.U.  :weissefahne:

Offline Mettmann

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #1 am: Dezember 12, 2017, 18:51:55 Nachmittag »
Na wenn die Meinung geschätzt ist und weil ich nimmer aktiv bin:
Nix halte ich davon. Mondpreise aufzurufen, sie dann auf immer noch arg teure Preise zu reduzieren und frech zu behaupten, die lägen sodann enorm unter den Einzelhandelspreisen, was nicht der Fall ist,
ist nicht seriös.
Museumsqualität, mei, kommt halt immer aufs Museum an...
Unersetzlich - wohl kaum, denn, und damit komm ich zur Quintessenz, Darwin, Du bist doch auch schon halb so alt wie die Berge: Das da, war vor ein paar Jahren, zur Zeit der grossen Sikhote-Schwemme, die ihrerseits ein paar Jahre angedauert, absolut mittelmäßige Qualität, wie sie en masse und zentnerweis täglich von den Russkis im ebay zu sehen war, auch so runtergeputzt,
und wo der Standardsofortkaufpreis für alles nichtschrapnellige für alle Qualitäten, also auch wesentlich feiner skulpturierte als diese Bspe, für jedermann und immer und überall bei 300$/kg lag.

(Und ich sacht noch, käufet und hortet, selbst war ich zu arm dazu, aaaaber es hört ja keiner...)

Fazit: Für altmodische Leut wie mich sind das schon Sikhotes und zwar von der Kvalitait ca. knapp unter der Mittellinie und der Preis für mich jenseits von Wurst und Käse.

Aldasak  :prostbier:
Ma
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(S.Laurel 1890-1965)

Offline Wunderkammerad

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #2 am: Dezember 12, 2017, 23:48:18 Nachmittag »
Das sollten schon SAs sein, der zweite sicherlich. Man sieht aber mal wieder, wie sehr sich verschiedene Eisen gleichen, wenn man ihnen die Haut über die Ohren zieht vulgo sie auszieht bis aufs blanke Metall. In meinen Augen eine absolute Unart. Die aktuell geforderten Preise halte auch ich nicht für angemessen, die ursprünglich angesetzten noch sehr viel weniger. So weit völlig d'accord mit dem Kollegen @Mettmann - der sich allerdings eine gewisse Koketterie nicht verkneifen kann: einer der schönsten Sikhotes, der mir jemals qua Foto und Video unter die Augen gekommen ist und sich durch Größe, Gestalt, Regmaglypten, Orientierung, Patina und mutmaßlich auch Provenienz usw. usf. förmlich in die Netzhaut eingebrannt hat, ist mir durchaus aus der Mettmann'schen Sammlung erinnerlich.


Offline Gibeon2010

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #3 am: Dezember 13, 2017, 05:25:50 Vormittag »
... einer der schönsten Sikhotes, der mir jemals qua Foto und Video unter die Augen gekommen ist und sich durch Größe, Gestalt, Regmaglypten, Orientierung, Patina und mutmaßlich auch Provenienz usw. usf. förmlich in die Netzhaut eingebrannt hat, ist mir durchaus aus der Mettmann'schen Sammlung erinnerlich.

Gibt's davon irgendwo ein Bild?
Viele Grüße
Jens

Offline Wunderkammerad

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #4 am: Dezember 13, 2017, 18:21:04 Nachmittag »
Den würde ich schon gern auch mal wieder sehen und mich ein Weilchen vor Neid ich meine natürlich Mitfreude verzehren.

Offline DCOM

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #5 am: Dezember 13, 2017, 18:22:02 Nachmittag »
Das sollten schon SAs sein, der zweite sicherlich. Man sieht aber mal wieder, wie sehr sich verschiedene Eisen gleichen, wenn man ihnen die Haut über die Ohren zieht vulgo sie auszieht bis aufs blanke Metall. In meinen Augen eine absolute Unart.

So sehe ich das auch. Wirklich gruselig. Irgendwo hat er auch einen nackten Henbury im Angebot, wo ich mich schon gefragt habe, was das soll. Als ob die rot-braune Patina nicht zum Stück gehören würde!  :platt:

Die aktuell geforderten Preise halte auch ich nicht für angemessen, die ursprünglich angesetzten noch sehr viel weniger. So weit völlig d'accord mit dem Kollegen @Mettmann - der sich allerdings eine gewisse Koketterie nicht verkneifen kann: einer der schönsten Sikhotes, der mir jemals qua Foto und Video unter die Augen gekommen ist und sich durch Größe, Gestalt, Regmaglypten, Orientierung, Patina und mutmaßlich auch Provenienz usw. usf. förmlich in die Netzhaut eingebrannt hat, ist mir durchaus aus der Mettmann'schen Sammlung erinnerlich.

Mir auch. Du meinst vermutlich denselben: ein 5-6 kg schweres Individual, über und über mit Regs bedeckt und im Fundzustand, habe ich Recht? Mir ging der auch nimmer ausm Kopp (finde das Bild hier aber nicht mehr auf Anhieb). Und ich gäbe was drum, wenn ich nur ein halb so schweres Stück in solcher Qualität für einen leistbaren Preis auftreibn tät.

Nein, nein, das ist völlig illusorisch. Die Sikhote-Zeiten sind rum  :crying: :crying: :crying:

Grüße, D.U.  :prostbier:

Offline DCOM

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #6 am: Dezember 13, 2017, 18:27:35 Nachmittag »
Unersetzlich - wohl kaum, denn, und damit komm ich zur Quintessenz, Darwin, Du bist doch auch schon halb so alt wie die Berge

Aber höchstens so alt wie der Twannberg! xold

Gell, Andi? x-02

Zum Rest: Full ACK!  :w-ge:

Offline Sikhote

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #7 am: Dezember 13, 2017, 22:47:12 Nachmittag »
Hallo Freunde,

das sieht schon nach Sikhote aus, auch wenn die Exemplare viel zu gründlich  "gereinigt" wurden. Leider war bei vielen Nachfunden unter der Rostschicht kaum noch  Kruste zu vorhanden. Viele Sikhotes wurden dermaßen rabiat abgeschrubbt, dass die Oberfläche der der Campos ähnelte. Ich habe selbst mal einen rostigen gekauft, um ihn selbst vorsichtig zu reinigen, leider hatte der auch nur wenig Kruste.

Na ja, die Peise waren mal sehr niedrig, aber damals haben viele Sammler lieber die ersten Mondscheiben gekauft, die gerade günstig für 5000$/g auf den Markt kamen.  x-01  x-06.

Auf der Ensisheimer Börse 2003  hatte Ivan Koutyrev superschöne, orientierte Sikhotes, alles ausgewählte Stücke zu dem schon erwähnten Hammerpreis von 0,3$/g angeboten, weil er sich auf dem Rückweg einen weiteren Lorenz Detektor in Hannover kaufen wollte. Er hatte viele nicht verkauft und wieder mitnehmen müssen und die 5000 € für den Detektor nicht zusammen bekommen. Ich musste ihm noch 2000 € leihen und die Sikhotes gingen in die Staaten.  :traurig: Und das waren keine von den abgeschrubbten Dingern.

Grüße
Sigrid


Offline Wunderkammerad

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #8 am: Dezember 13, 2017, 23:43:57 Nachmittag »
Das ist ja wunderbar, Sigrid, aber warum hast Du ihm nicht für den genannten Betrag Sikhotes abgekauft (wenn ich indiskreterweise so fragen darf) ?

Von solchen Konditionen kann ich freilich nur träumen, da zu spät zur Meteoriterei gelangt. Aber was heißt zu spät? Heute gibts dafür schönsten Mond für ein Bruchteil des damaligen Preises. Times they're a'changing ...

Offline gsac

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #9 am: Dezember 14, 2017, 12:34:34 Nachmittag »
Mein geschätzter nephew schrub:

"Und ich sacht noch, käufet und hortet, selbst war ich zu arm dazu, aaaaber es hört ja keiner..." (Zit. Mettmann)

Und er hat recht behalten (..oder schreibt man recht hier mit grossem "R")? Sikhote-Alin-Stücke im qualitativ hochwertigen Sektor gibt es inzwischen zum Verkauf oder Verhandeln kaum noch, oder wenn mal, dann machen das die highroller unter sich aus, oder es schwimmt hochpreisig gelegentlich auch noch mal in der Bucht (...aber man beachte dann dort die Qualitätsstufe!!!), oder man hat und kennt die guten Kontakte (...ein weites Feld), oder es wird anderswo auktioniert. C´est la vie, "Wunderkammerad" hat es sinngemäß kurz und gut oben auf den Punkt gebracht.

Das eine oder andere nette SA-Individual habe ich mir auch noch besorgen können, aber das größte bringt dann eben auch "nur" 444 g auf die Waage, auch wenn es ein echtes Schätzchen ist. Das weiter oben erwähnte Stück, nach dessem Bild jetzt gefragt wird, habe ich damals, ist vielleicht so gefühlte 8 oder 9 Jahre (?) her, auch angeboten gesehen und leider nicht zugeschlagen. Ich nehme an und hoffe für den sehr freundlichen Besitzer, dass es immer noch bei ihm weilt. Freilich wäre ich an seiner Stelle jetzt auch eher vorsichtig, mich damit zu outen. Das muss man verstehen.

:hut: Alex
 
PS: finanziell, auch hinsichtlich des damaligen Stückes, über das hier diskutiert wird, kann ich im Nachhinein nur sagen - Du hast keine Chance, aber ergreif sie!!! :-)

Offline ironsforever

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #10 am: Dezember 14, 2017, 14:26:31 Nachmittag »
Hallo,

ja, man fragt sich wirklich, wo alle diese schönen Sikhotes aus der "Schwemme 2004" nun gelandet sind. Gibt es wirklich so viele Sammlungen? :unfassbar:

Auch wenn man nicht Äpfel (frische Individuale) mit Birnen (verwitterte Schrapnelle) vergleichen kann, prophezeihe ich eine recht ähnliche Entwicklung beim bislang völlig unterbewerteten Gebel Kamil. Gebel Kamils sind mit ihrer verwitterungsbedingten Lederkruste unverwechselbar und nach meinem Empfinden auch höchst ästhetisch: Der Moment des Impakts ist gewissermaßen eingefroren in Scherflächen und scharfkantigen Formen.

Außerdem stammen alle Stücke vom "crater-maker" "himself". Wie viele "crater-maker" gibt es denn überhaupt, wo auch Material verfügbar ist? Jedenfalls recht wenige. Die GK Schrapnelle sind zu 100% stabil und es handelt sich auch noch um ein ungruppiertes Eisen. Auch die Dokumentation des Fundes und des Kraters ist fantastisch. Was will man mehr?

Dazu ist das Material recht begrenzt. Ein TKW von 1,6 t bzw. inoffiziell 2,5 t klingt vielleicht viel, ist aber bei den Eisen massemäßig eher bescheiden. Zum Vergleich: Vom Sikhote gibts offiziell ein TKW von 23 t, inoffiziell hörte ich auch schon von Schätzungen bis zu 50 t.

Nach wie vor ist der Gebel Kamil noch zu günstigen Konditionen erhältlich, wenngleich die Qualität der Stücke spürbar nachlässt und der Preis schon leicht anzieht.

Merke: Zu einem schönen Sikhote-Individual gesellt sich gern auch ein Gebel Kamil-Schrapnell! :belehr:

Gruß,
Andi


Offline Chondrit 83

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #11 am: Dezember 14, 2017, 20:34:52 Nachmittag »
Hallo Andi,

ich kann dir, obwohl ich mich ja nicht wirklich zu den Eisensammlern zähle  :weissefahne:, nur voll zustimmen.   :super: :super: :super:

Gebel Kamil mit seiner „Reptilienhaut“ und den bizarren Schrapnellformen ist wunderschön und extrem interessant.

Ein absolutes MUSS in jeder Sammlung  :wow:

Liebe Grüße

Marco




Mit einem Gibeon hat’s begonnen....

Offline Allende

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #12 am: Dezember 14, 2017, 21:59:41 Nachmittag »
Die beiden Ebay-Stücke sehe ich auch als unterdurchschnittliche, wenn auch formschöne Sikhote-Alin-Stücke an.

Ja, Sikhote-Alin, das war schon was. Ganz leicht korrigierend oder besser weit zurück erinnernd möchte ich anmerken, dass die erste S-A-"Schwemme" schon Mitte der 90er Jahre durch oder über den Markt lief. Davor war S-A eher selten anzutreffen. Habe unseren osteuropäischen Händlerfreunden damals (eben Mitte der 90er Jahre) weit mehr als 100 Rotationsdrahtbürsten in mitteldrahtig, feindrahtig und sehr fein in Schweizer Qualität besorgt und bei einigen Besuchen vor Ort kräftig mit gebürstet bis nahe zum Umfallen. Immerhin schmeckte damals wie heute das osteuropäische Bier hervorragend und hat die zerschundenen Hände vom S-A-Drahtbürstelen wieder besser von innen heraus heilen lassen. Seit etwa Ende der 90er Jahre hatte ich dann nach hunderten drahtgebürsteten S-A-Stücken begriffen, dass das Drahtbürstelen mehr kaputt macht, als es dem Ansehen der Stücke hilft. Der frühere amerikanische Markt verlangte aber viele Jahre kg um kg gebürsteter Stücke. Das war damals einfach so. Was man aber auch heute noch darf, ist, verdrecke und angerostete S-A-Stücke unter fliessend Wasser mit einer weichen Kunststoffhandbürste zart reinigen. Eine Wasserreinigung schadet den Stücken nicht, denn sie lagen vorher Jahrzehnte lang im nassen Erdreich, wurden Winter für Winter ordentlich beschneit und sumpfig ist es dort auch.

Die von Andi erwähnte S-A-„Schwemme von 2004“ erinnere ich ehrlich gesagt nicht. Vielleicht weil ich immer = über viele Jahre den Eindruck hatte, das mehr als genug S-A nahezu auf jeder europäischen Börse zu bekommen war. Klar, jetzt sind die tollen Stücke alle längst verteilt und die 2. und 3. Qualität findet langsam zu erhöhten Preisen Zugang zum Markt. So muss man auch die beiden Ebay-Angebote einordnen. Als ich im Mai 1995 selber dort im S-A-Streufeld eine Woche gesucht hatte, hatten wir in Sumpfnähe auch einige z.T. stark angewitterte Stücke gefunden. Wenn halt nichts Neues in guter Qualität mehr von dort nachkommt, dann werden eben die nicht so tollen Stücke jetzt via Ebay angeboten.

Campo del Cielo hab ich nichts in den eigenen Beständen. Ist mir einfach zu rostig, zu heikel. In stillen, dunklen Räumlichkeiten hört man die Campo Individuals, wenn sie sich unbeobachtet fühlen – pssssst - leise vor sich hin rosten. So kann man sie von den S-A-Stücken der zweiten und dritten Qualitätsstücke unterscheiden. Denn die S-A-Stücke sind still…

Gruss, Allende  x-09

Offline Allende

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #13 am: Dezember 14, 2017, 22:09:01 Nachmittag »
Gebel Kamil finde ich auch toll. Hab mir vor einigen Jahren ein paar nette Stücke zwischen 2- und 3-stelligen Grammzahlen gesichert. Ist wirklich empfehlenswertes Material  :super:

Allende  :hut:

Offline ironsforever

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Re: Sikhote oder Campo?
« Antwort #14 am: Dezember 14, 2017, 22:55:39 Nachmittag »
Hallo,

ich weiche das Thema nun völlig auf und kredenze nach all der grauen Theorie auch mal etwas für die Sinne: Ein perfektes GK-Fleischpflanzl mit knuspriger Kruste, ca. 5.000 Jahre durchgebraten, angerichtet an Sauce Caliche...

Gruß,
Andi :prostbier:

 

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