Autor Thema: Meteoritenfall in Frankreich?  (Gelesen 7506 mal)

Offline MarkV

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Meteoritenfall in Frankreich?
« am: Januar 27, 2008, 15:58:34 Nachmittag »
Hallo,
die französische Presse berichtet über eine Feuerkugel am Freitag 25.1.2008 um 18:15 Uhr. In der Gegend von Bourges wird der Fall eines Meteoriten vermutet.

http://afp.google.com/article/ALeqM5hpahuwTbYHXlUWzz-IeHjbcH2dcg

Die Sache ist mit Vorsicht zu geniessen: Der Meteorit soll laut Augenzeugen 100m über dem Boden explodiert sein und an der Stelle wurde mit Polizei und Dorfbewohnern gesucht. :lacher:

Grüsse,
Mark


Offline APE

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #1 am: Januar 28, 2008, 23:03:43 Nachmittag »
Hallo Mark!

die Feuerkugel soll ja von SO-Frankreich nach Zentral-Frankreich unterwegs gewesen sein ... :nixweiss:

Aber ist denn überhaupt ein Knall oder Donner gehört worden? Ich habe bis jetzt nicht´s davon gelesen!

Dann war es auch kein Met-Fall!!!

 :traurig2:
Thomas
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Offline APE

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #2 am: Januar 28, 2008, 23:10:34 Nachmittag »
Oder gar ein Fall in Dänemark ...  :dizzy:
http://jp.dk/indland/article1247127.ece
 :prostbier:
So kann es weiter gehen! Da fällt bald wieder was richtiges ...
 :user:
Thomas
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Offline gsac

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #3 am: Januar 28, 2008, 23:48:53 Nachmittag »
Met-Sucher und erst recht Met-Finder haben allerdings im Staate Dänemark
ganz schlechte Karten, jedenfalls wenn sie ein Eigeninteresse am Fundmaterial
haben. Soweit ich hörte, sind Funde auf dänischem Territorium grundsätzlich,
also "ohne wenn und aber", komplett nach Kopenhagen abzuliefern.

(PS: ...ob das auch so strikt in Grönland gilt, ist mir nicht bekannt)

Alex

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #4 am: Januar 29, 2008, 03:11:03 Vormittag »
Hallo Alex!

Die Eskimos haben das Cape-York-Eisen schon über viele Generationen zur Jagdwaffen-und Werkzeugherstellung genutzt. Dieser kulturhistorische Anspruch hat ihnen aber bislang nichts genutzt. Außer einem kleinen Teilbrocken im Heimatmuseum ist ihnen nichts geblieben. Die Museen in New York und Kopenhagen werden auch gewiss nichts mehr zurückgeben. Kann mir deshalb nicht vorstellen, dass die Dänen da einen Fuß in die Tür lassen.
Momentan beschäftige ich mich mit der literarischen Geschichte des Cape-York-Eisens. Mit welchen Schlichen man den naiven Eskimos ihre Kultstücke abgeluchst hat, ist wahrlich kein Ruhmesblatt für den weißen Mann. Vor hundert Jahren waren die Met-Hunter (in persona: Rober E. Peary) nicht zimperlichbei der Durchsetzung ihrer ehrgeizigen Ziele. Besonders auch das naturhistorische Museum in New York hatte sich dabei unschön in Szene gesetzt.

Grüße
Gerhard
 

 

Offline Aurum

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #5 am: Januar 29, 2008, 07:32:15 Vormittag »
Hallo Alex ,

Also das wundert mich so überhaupt nicht ,mehr Darf ich leider nicht schreiben , sonst muss Peter einschreiten   :einaugeblinzel:
Aber für alle die denken ich habe was gegen die USA , pustekuchen , ich mag die Menschen, das Land , nur mit den Politikern habe ich ein Problem , so wie die meisten Amerikaner auch  :lacher:

Bis dann Lutz  :winke:
Aller Anfang ist schwer !!

Offline Haschr Aswad

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #6 am: Januar 29, 2008, 13:08:31 Nachmittag »
Hallo Alex!

Die Eskimos haben das Cape-York-Eisen schon über viele Generationen zur Jagdwaffen-und Werkzeugherstellung genutzt. Dieser kulturhistorische Anspruch hat ihnen aber bislang nichts genutzt. Außer einem kleinen Teilbrocken im Heimatmuseum ist ihnen nichts geblieben. Die Museen in New York und Kopenhagen werden auch gewiss nichts mehr zurückgeben. Kann mir deshalb nicht vorstellen, dass die Dänen da einen Fuß in die Tür lassen.
Momentan beschäftige ich mich mit der literarischen Geschichte des Cape-York-Eisens. Mit welchen Schlichen man den naiven Eskimos ihre Kultstücke abgeluchst hat, ist wahrlich kein Ruhmesblatt für den weißen Mann. Vor hundert Jahren waren die Met-Hunter (in persona: Rober E. Peary) nicht zimperlichbei der Durchsetzung ihrer ehrgeizigen Ziele. Besonders auch das naturhistorische Museum in New York hatte sich dabei unschön in Szene gesetzt.

Grüße
Gerhard
 

Rein objektiv kann man bei der Nutzung der Cape York Meteoriten als Rohstoffquelle keinen "kulturhistorischen" sondern, wenn überhaupt, eher einen lokalen Ressourcenanspruch ableiten. Das Interesse der Inuit erscheint mir rückblickend auch eher pragmatischer Natur gewesen zu sein, was sich ja auch in der sukzessiven Zerstörung des Meteoriten durch die Praxis der Materialgewinnung widerspiegelt. Ein Kultobjekt oder ein Heiligtum wird in der Regel auch von den Naturvölkern anders behandelt. Man muss also fairerweise in diesem Zusammenhang festhalten, dass erst Pearys Intervention die Meteoriten der Nachwelt zugänglich gemacht und diese vor weiterer Zerstörung bewahrt hat. Von der beispiellosen Leistung der Bergung und den hohen persönlichen Risiken und Verlusten, die Peary in Kauf nahm, einmal ganz abgesehen.

Dann muss man wissen, dass die Inuit per se ein sehr eigenes Verhältnis zu persönlichem Besitz hatten und vereinzelt auch heute noch haben. Außer Messer, Harpune und Boot kennt der Eskimo des 19. Jhs. kein Eigentum. Auch Landbesitz oder der Besitz auf dem Land befindlicher Güter oder Ressourcen war ihnen fremd.

Als ethnische Gruppe auf Dänischem Territorium (seit 1814) werden auch die Inuit durch die Dänischen Institutionen vertreten. Demnach ist das geologische Museum in Kopenhagen auch der adäquate Aufbewahrungsort für die dortigen Cape York Meteoriten. Daran ist meiner Ansicht nach nichts auszusetzen.

Was die Cape-York Meteoriten im Museum of Natural History in New York angeht, so besteht auch hier meines Erachtens kein ernster Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Besitzes. Peary hat die Meteoriten seinerzeit auf eigene Kosten geborgen und für 40.000 $ an das MNH verkauft. Zwar gehörte Grönland seit dem Frieden von Kiel 1814 zu Dänemark, eine Gesetzgebung, welche die Ausfuhr von Meteoriten o.ä. geregelt hätte, war meines Wissens jedoch nicht in Kraft. Nach damals geltendem Recht hat Peary sich, das scheint aktueller Konsens zu sein, keines Verstoßes schuldig gemacht. Widerspruch der Dänischen Regierung gegen die von Peary weltweit rasch bekannt gemachte Verbringung der Meteoriten ist mir nicht bekannt, an diesem Punkt lasse ich mich aber gerne belehren.

Die Polarfahrten Pearys waren eine zu großen Teilen privat, bzw. selbstfinanzierte Aktion, die unter dem Strich gewaltige finanzielle Verluste für Peary und seine Frau mit sich brachten. So kann man ihm auch keine persönliche Bereicherung unterstellen. Auch hat Peary seinerzeit Proben der Meteoriten international an alle damals maßgeblichen Institute verschickt.

Zur Rolle der Inuit bei der Bergung und Verschiffung ist anzumerken, dass die Verbringung der Meteoriten ohne die aktive Mithilfe ganzer Inuit-Dörfer (Peary spricht streckenweise von mehreren hundert einheimischen Helfern) gar nicht denkbar gewesen wäre. Gegen einen Widerstand der Inuit wäre die Einschiffung jedenfalls nicht durchsetzbar gewesen. Im zweiten Band von "Northwards over the Great Ice" bemerkt Peary, dass während der ganzen, mehr als drei Jahre dauernden Aktion, seitens der Inuit nicht ein Wort der Kritik oder des Bedauerns, sondern Zustimmung zur Einschiffung der Massen geäußert worden sei. Kritisch sehe ich allerdings den Repatriierungsgedanken, der deutlich in Pearys Bericht mitschwingt ("Bringing home of the Saviksue" etc.) und der jeglicher Grundlage entbehrt.

Bevor man jetzt leichtfertig von Kulturraub und Rückgabe spricht, gebe ich zu bedenken, dass in deutschen und europäischen Museen abertausende Artefakte und auch Meteoriten aufbewahrt werden, die über die Jahrhunderte nach geltendem Recht in anderen Ländern gesammelt, getauscht und gekauft worden sind. Stellt man diese Inventare in Frage, bedeutet das das Ende des musealen Betriebs weltweit. Die entsprechenden Häuser wären von nun an mit der Abwicklung von Rückführungen beschäftigt. Schaut man sich beispielsweise die Wiener Sammlung an, müssten ca. 98% aller Meteoriten an ihre Ursprungsländer zurückgegeben werden, inkl. Cabin Creek. Für die privaten Sammlungen gilt natürlich dasselbe.

Unter dem Gesichtspunkt des internationalen Wissenstransfers und auch unter dem Aspekt der sicheren Bewahrung von kulturhistorischen bedeutsamen Gegenständen ist eine liberale, multinationale und dezentrale Herangehensweise das einzig Wahre.

Meine 2 Cent,
Haschr Aswad

Kurze Darstellung der Quelle: http://www.niger-meteorite-recon.de/de/Meteorite%20literature%20collection_4.htm






Offline Mettmann

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #7 am: Januar 29, 2008, 14:24:40 Nachmittag »
...wie auch von den Inuit (ich glaub die sibirischen Inuit und die aus Alaska darf man mittlerweile wieder Eskimo heißen)
auch heutzutage, wo es ja modern und günstig  ist - man denke an das Willamette-Eisen, nie ein Anspruch auf Rückgabe formuliert worden ist, weil die Cape York-Stücke eben nie eine kultische Bedeutung für die Inuit besessen haben, anders als bspw. bei amerikanischen Indianerstämmen,
sondern rein zur Werkstoffgewinnung gedient haben. Die Klingen und spitzen wurden ja auch die Jahrhunderte vorher getauscht, mit Walfängern z.B.
Und ich glaub, jeder Inuk hätt liebend gern einen Batzen von den Klötzen gegen fertige Messer und Werkzeuge getauscht, wenn man an die Plackerei denkt - um manche der Stücke wurden ja Halden von zerbrochenen Steinen gefunden, mit denen die Inuit mühsam Stücke von dem Eisen abgemeißelt haben.
Daher denke ich, kulturhistorisch argumentiert, wärs in etwa so, wie wenn man sich gegen die Verfüllung der Gruben aus dem Braunkohletagebau hierzulande wehren würd.
Die 40.000$ zu denen Pearys Frau den Klotz 1904 ans Museum verkauft hat, entspricht in etwa einer heutigen Million,
was hint und vorn nicht ausgereicht hätt, die Fahrten bis zur letztendlichen Bergung bezahlen zu können.
Aber bemerkenswert - damals haben die Museen noch ordentlich was springen lassen für Meteorite, sollten sich die heutigen mal ein Beispiel nehmen...

 :prostbier:
Mettmann
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(S.Laurel 1890-1965)

Offline gsac

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #8 am: Januar 29, 2008, 19:47:37 Nachmittag »
Aber bemerkenswert - damals haben die Museen noch ordentlich was springen lassen für Meteorite, sollten sich die heutigen mal ein Beispiel nehmen...

Viele der heutigen Museen müssen sich eigenfinanzieren oder mit äußerst geringen Zuschüssen
arbeiten. Zum Beispiel gilt das für das Wiener Naturhistorische Museum, wie Herbert schrieb,
und so kommt z. B. auch das Berliner Naturkundemuseum nur mit Mühe und Not überhaupt über die
Runden, wobei in letzter Zeit viel renoviert wurde, aber dennoch zahlreiche Wünsche offen blieben.
Deshalb gibt es hier ja solche Aktionen wie die privatfinanzierten "Patenschaften", die man für
die Pflege und den Erhalt bestimmter Präparate beantragen kann. Freie Mittel für Ankäufe von
Meteoriten? Da frag mal den Dr. A. Greshake, der klagt Dir schon sein Leid. Und übrigens: daß
speziell die Berliner nach Jahren auch des devisenbringenden Verkaufs zu DDR-Zeiten (bzw auch
nur regen Tauschhandels) ihrer Meteorite inzwischen die Hand auf ihre Schätze halten und nichts
mehr davon abgeben, kann ich durchaus nachvollziehen. Wer heutzutage ein Meteoritenexemplar
mit echtem alten Humboldt-Uni-Label in der Privatsammlung hat, kann sich glücklich schätzen,
denn er besitzt eine Rarität. Wer sowas möchte, muß lange suchen und/oder entsprechend horrende
Preise dafür am privaten Markt zahlen. Vom berliner HUB-Sammlungskurator selbst wird er es gewiß
nicht bekommen, "...und das ist auch gut so!", um mal eine in einem ganz anderen Zusammenhang
berühmt gewordene Satzpassage unseres Bürgermeisters zu zitieren...

Alex ("Bischtübe"-Pate)

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #9 am: Januar 30, 2008, 00:44:27 Vormittag »
Hallo Haschr Aswad und Mettmann!
Wie ich schon andeutete, lese ich noch am Peary-Thema. Was ich vor mir liegen habe, schildert die Vorgänge eher aus Sicht der Eskimos. Wenn ich damit durch bin, schreib ich demnächst mal etwas unter "Literaturhinweise" dazu. Dort ist das Thema besser aufgehoben.
Grüße  :smile:
Gerhard

Offline paragraf

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #10 am: Januar 30, 2008, 02:15:34 Vormittag »
Hallo, Haschr Aswad, Mettman und gsac,

das gefällt mir gar nicht, was Ihr aus Eurer Händler- und Sammlersicht zum Cape York geschrieben habt!

Haschr Aswad: Was sind das denn für Überlegungen? Er hat viel investiert, der arme Peary, und nur einen Bruchteil gewonnen... und dann die Argumentation, es hätten ja alle (dummen???) Inuits dabei geholfen... gelinde gesagt, bin ich entsetzt über Deine Ansichten!

Beste - verärgerte - Grüße

Bernd


Offline Mettmann

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #11 am: Januar 30, 2008, 05:03:15 Vormittag »
Juhu Bernd,

das ist keine besondere Sammler- oder Händlersicht. Ich wollte nur nochmal unterstreichen, bevor politisch oberkorrekte Ruchungen losgelassen werden, daß Peary sicher nicht aus niedriger Geldgier sichs angetan hat, die Knödel nach USA zu verschleppen. Eine andere Sache wärs gewesen, wenn das Eisen irgend eine geartete kulturelle oder kultische Bedeutung für die Inuit besessen hätt. Aber sie hams halt als Rohstoffquelle genommen. Hättens bspw. wie die Kanadischen Inuit Kupferquellen und die Technik gehabt, hättens die Batzen garantiert links liegen gelassen.

Wie Du ganz generell die Bedeutung, die die Meteorite in heutiger Zeit haben, nicht auf die damalige Jahrhundertwende übertragen kannst. Da ham sich nämlich noch viel weniger dafür interessiert - und in USA fingen die großen Sammlungen eigentlich erst an. Guxx die Engländer hatten das Santa Caterina-Eisen z.B. verschifft, ums einzuschmelzen, des Nickels wegen, dito viel später noch Wagonladungen an Canyon Diablo zu solcherlei Behuf abtransportiert. Weil man mit dem Glump nix Bessers anzufangen wußt.
Nimm Gibeon Theutsch-Südwest. Die wurden zwar dann eingesammelt, heute liegens aber teilweis immer noch in der Alten Veste dort herum oder verrotten aufs schauderlichste als Monument in der Poststraß.
Odaoda die Sammlung vom Ward, als er verunglückt. Das Museum in New York,wo sie als Leihgabe ausgestellt, wollte sie partout jahrelang nicht kaufen, bis Chicago sich erbarmt.
Und bis in die Neuzeit hat sich soviel auch nicht daran geändert, frag mal das Forumsmitglied Walter Zeitschel, was er seinerzeit für seine weltgewaltige Sammlung bekommen hat.

Und auch heutzutage haben die Inuit keinerlei Ansprüche auf das Eisen angemeldet,
dyttis ihnen schnurz,
folglich kann man auch nicht sonderlich empört sein.

Und irgendwie käms auch gar nicht gut, wenn man die berühmten Sammlungen in London, Wien, Berlin nun auflösen müßt...
da solltest vorher lieber mir bayrischem Aborigine eine Entschädung zahlen, daß Ihr Preißen für ein paar Glasperlen dem depperten Kini seinerzeit das Bayernland herausgeleiert habt.

Man kanns ja auch übertreiben...

Prosit!
Mettmann


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Offline Haschr Aswad

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #12 am: Januar 30, 2008, 11:22:41 Vormittag »
Hallo, Haschr Aswad, Mettman und gsac,

das gefällt mir gar nicht, was Ihr aus Eurer Händler- und Sammlersicht zum Cape York geschrieben habt!

Haschr Aswad: Was sind das denn für Überlegungen? Er hat viel investiert, der arme Peary, und nur einen Bruchteil gewonnen... und dann die Argumentation, es hätten ja alle (dummen???) Inuits dabei geholfen... gelinde gesagt, bin ich entsetzt über Deine Ansichten!

Beste - verärgerte - Grüße

Bernd


Ein Naturvolk ist nicht „dumm“, wenn es in einem eisernen Berg keinen kultischen, sondern einen praktischen Nutzwert sieht. Das Leben nördlich des Polarkreises im 19. Jh. spielte sich in Kategorien ab, die offenbar von der sicheren Warte des deutschen Sofas heute schwer zu verstehen sind. Was für die Inuit zählte, waren Überlebensfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit gegen die Naturgewalten. Alles andere hatte nachgeordnete Priorität. Eine solche Haltung ist keineswegs ein Zeichen von „Dummheit“ sondern eher von Intelligenz und hoher Anpassungsfähigkeit.

Peary und seine Männer kamen aus einem Kulturkreis mit gänzlich anderen Normen und Wertevorstellungen. Sein Ziel war nicht die Bergung der Cape York Meteoriten, sondern die Erforschung des Nordpolarregion. Peary verwendete darauf den größten Teil seines Lebens. Die Auffindung und Bergung der Meteoriten ist eine im Gesamtzusammenhang unbedeutende Episode. Was wir heute über die Kunstfertigkeiten, Traditionen und Lebensumstände der Inuit im 19. Jh. wissen, ist zu einem großen Teil Peary zu verdanken. Er sah in Ihnen nicht die „primitiven Wilden“, die seine Zeitgenossen in ihnen erblickten, sondern ein an Wissen und Fertigkeiten ungemein reiches Volk, dass sich über Jahrtausende seine Autarkie und Überlebensfähigkeit in einem Teil der Welt bewahrt hatte, in dem zahllose europäische Expeditionen, nicht erst seit Franklin, katastrophal an den Naturgewalten gescheitert waren.

Es ist immer leicht den moralischen Zeigefinger zu heben und sich aus der bequemen Position der Political Correctness über die Taten unserer Vorfahren zu empören. Dass damals gänzlich andere Wertevorstellungen herrschten, vergisst man dabei allzu leicht.

Du fragst, was das für „Überlegungen“ sind. Es sind keine „Überlegungen“ sondern es sind die Schilderungen Pearys jener Vorgänge, die sich seinerzeit abgespielt haben. Dazu gehört nun eben einmal die Mitwirkung der Inuit, daran ändert auch Dein „Entsetzen“ nichts.



astro112233

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #13 am: Januar 30, 2008, 12:36:05 Nachmittag »
Es ist doch eigentlich gleichgültig, wäre es nicht Peary gewesen der die Teile abstaubte, so hätte eben ein anderer Erdenbürger über kurz oder lang diese exorbitante Tat vollbracht.   

Bedauerlicherweise zieht sich dieses „beschämende“ Verhalten wie ein roter Faden durch die unrühmliche Geschichte der Menschheit. Da nimmt Peary keine exponierte Sonderstellung ein, sonder fügt sich in das stereotype Muster bestens ein.

Man denke an den liebevollen Umgang :streichel: der spanischen und portugiesischen Land-Eroberer mit der südamerikanischen Urbevölkerung. Kommt ein Schifflein gesegelt, im Namen des Königs und so weiter und so fort. Du bekomme bunte Glasmurmel, ich bekomme gelbes Metall. Und beide „Partner“ sind zufrieden. Allerdings weiss der Eine nicht, was er gibt, noch was er „wertvolles“ dafür bekommt. Das ist der springende Punkt. Geriet der Eroberer dummerweise an einen intellektuellen Ureinwohner und der Glasperlentrick führte widererwartend nicht zum gewünschten Erfolg, dann gibt’s eben mal eben kräftig auf die ...  :aua:   Weil diese Methode so klasse funktionierte, wurde diese Variante gleich generell so durchgezogen und die Glasmurmel waren logischerweise auch noch eingespart. Das nennt man heute wohl elegante Gewinnmaximierung mit Kollateralschaden.  :gruebel:   

Eines steht felsenfest. Peary sicherte die legendären Meteoriten für die Nachwelt. Wie und mit welcher Raffinesse er die kindlich leichtgläubigen Inuit um den Finger wickelte wird uns Gerhard demnächst lebhaft schildern. Ob dieses Verhalten im Dienste der Wissenschaft moralisch Gerechtfertigt ist? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. 

Allerdings sind auch in unserer Zeit deutliche Parallelen und Verhaltensmuster zu erkennen. Zum Beispiel: Aktueller Carancas Fall. Es macht plumps. Diverse Meteoritenhunter fliegen ein. Statt Glasmurmeln gibt’s für die „meteoritisch“ unwissende peruanische Hochlandbevölkerung die moderne Variante, verlockende US Dollars und für die lieben Kleinen bunte Gummibärchen. Selbsterklärend nur einen verschwindend kleinen Bruchteil des später erzielbaren Verkaufspreises. Logo, die Risiko- und Unkostendeckung muss abgesichert sein. Jedoch bleibt ein rechter Batzen für den Profi hängen. Schätze aus dem Stehgreif, Faktor 20. Jedoch ohne Hunter hätte auch ich nicht ein bescheidenes Fragment abbekommen, folglich bezeichne ich mich als unmoralischer „Mittäter“.     

Und wir Deutschen brauchen aus archäologischer Sicht betrachtet gar nicht den Unschuldsknaben mimen. Schlagwort Nofretete.

Nofretete "Die schöne Berlinerin", Publikumsliebling aller Berlin-Besucher und eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt

Dieses vielbewunderte ägyptische Highlight befindet sich im Ägyptischen Museum in Berlin. In dieser Angelegenheit nutzten doch die Deutschen ihren damaligen intellektuellen Vorsprung ebenfalls rücksichtslos zu ihrem Vorteil aus. Die Deutschen griffen die Sahnestückchen und der eigentliche Besitzer, sprich der Staat Ägypten, wurde wohlwollend und gnädigerweise mit der zweiten Wahl abgespeist. In diesem Falle bat Ägypten über Jahrzehnte hinweg um die Rückgabe ihres historischen Besitzes, jedoch ohne Erfolg. Selbst zu einer großen nationalen Sonderausstellung wurde die Nofretete nicht an Ägypten ausgeliehen. Begründung. Die Hübsche könnte einen irreparablen Schaden erleiden. Deutsche Arroganz in Reinkultur. Für wie „Blöd“ halten die deutschen Verantwortlichen die ägyptischen Bittsteller eigentlich? Der reale Grund liegt glasklar auf der Hand. Es ist das festgefressene Trauma, dass Ägyptische Museum würde ihr „Eisbärchen Knut“ wohl nicht mehr von Ägypten zurück bekommen. Dieses Verhalten empfinde ich persönlich als überaus beschämend.     

Gruß Konrad.  :hut: 

Offline Haschr Aswad

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Re: Meteoritenfall in Frankreich?
« Antwort #14 am: Januar 30, 2008, 12:57:06 Nachmittag »
@ Konrad,

wie der peruanische Staat das Carancas Material und den Krater für die Nachwelt zu bewahren im Stande sind, ist ja hier schon dargelegt worden. Fakt ist auch hier, dass erst die "hunter" die internationalen Institute, die nun über den Fall publizieren, mit Forschungsmaterial versorgt haben, und zwar unentgeltlich.

Zur Nofretete. Es handelte sich beim Erwerb der Nofretete vor 95 Jahren nicht um einen kolonialen Raub sondern ganz klar um einen rechtmäßigen Erwerb.
1911 hatte der Berliner Kunstmäzen James Simon Ausgrabungen in Ägypten finanziert. Die ägyptische Regierung hatte ihm dazu eine Grabungslizenz ausgestellt und darin alle Funde als Simons rechtmäßiges Eigentum erklärt. Auf alle späteren Ansprüche ist darin verzichtet worden. 1920 schenkte Simon die Büste dem Vorderasiatischen Museum in Berlin.

Deshalb gibt es auch keinen offiziellen Rückgabeanspruch der Ägyptischen Regierung. Auch die ägyptische Seite geht nämlich davon aus, dass keine rechtlichen Ansprüche bestehen. Ein offizielles Rückgabeersuchen des ägyptischen Staates hat es daher auch nie gegeben.

Von deutscher Seite sind darüber hinaus erhebliche Hilfen für den Erhalt von Tempelanlagen und archäologische Fundstätten in Ägypten geleistet worden. ich erinnere nur an die Rettung der Anlage von Abu Simbel.

 

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