Autor Thema: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?  (Gelesen 5643 mal)

Offline Mettmann

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Das hört sich interessant an - mal sehen, was dabei herauskommt.

http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Noerdlingen/Lokalnachrichten/Artikel,-Der-Eisen-Meteorit-von-Steinheim-_arid,1703961_regid,2_puid,2_pageid,4504.html


"Der Eisen-Meteorit von Steinheim

Nördlingen/Steinheim (RN) - Er sei überzeugt, dass „die bisherige Geschichte über die Entstehung des Steinheimer Beckens in wesentlichen Teilen umgeschrieben werden muss“. Diese Äußerung des Steinheimer Bürgermeisters Rainer Schaller war so in der lokalen Zeitung kürzlich nachzulesen. Eine derart grundlegende Aussage musste einen wissenschaftlichen Hintergrund haben. Um diesen zu klären und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hatte der Förderverein des Rieskrater-Museums zu einem Vortrag geladen mit dem Thema: „Ries/Steinheim-Event, Mehrfachtreffer und Impactcluster in der Erdgeschichte“. Vom Institut für Planetologie der Universität Stuttgart wurde dazu Dr. Elmar Buchner begrüßt, der in Zusammenarbeit mit Dipl.-Geologen Martin Schmieder ins Zerin nach Nördlingen eingeladen wurde.

   
Aktueller Sachstand

Vor rund 40 Zuhörern, die vom Leiter des Rieskrater-Museums, Dr. Michael Schieber, begrüßt wurden, erläuterte der Referent zunächst den aktuellen wissenschaftlichen Sachstand. Er führte aus, dass nach bisheriger Meinung beide Meteoritenkrater, das 3,5 Kilometer große Steinheimer Becken und der 25 Kilometer weite Rieskrater, gleichzeitig entstanden sind und zwar durch den Aufschlag zweier unterschiedlich großer Steinmeteoriten. Was für das Nördlinger Ries allerdings nach wie vor gilt, muss im Fall des Steinheimer Beckens nach Meinung von Buchner revidiert werden.

Zugang zu Bohrkernen

Was war geschehen? Auf Vermittlung der stellvertretenden Leiterin des Rieskrater-Museums, Dipl.-Geologin Gisela Pösges, erhielten die beiden Stuttgarter Geologen Zugang zu Bohrkernen aus dem Steinheimer Becken, die im Keller des dortigen Meteorkrater-Museums im Ortsteil Sontheim lagerten. Ziel war es, mithilfe modernster Untersuchungsmethoden Fragen nach der Natur des Impaktkörpers und nach dem Zeitpunkt des Aufschlags zu stellen.

Dabei wurden die Bohrkerne, die in den Beckenbreccien (Trümmergesteine) gewonnen wurden, in Verfahrensweisen, die zum Zeitpunkt der Bohrungen noch gar nicht bekannt waren, wissenschaftlichen Untersuchungen unterzogen.

Erhöhter Nickelanteil

Dabei stellte sich heraus, dass in den Kernen Schmelzkügelchen und Eisensulfidkristalle auftraten, die erhöhte Gehalte an Nickel und Kobalt aufwiesen. Da in vielen Eisenmeteoriten ähnliche Erscheinungen zu beobachten sind, nehmen die Geologen an, dass es sich dabei um die geochemischen Spuren des Steinheimer Meteoriten handelt. Die Sensation war perfekt: Nicht ein Stein-, sondern ein Eisenmeteorit soll die Bildung des Steinheimer Beckens verursacht haben.

Das bedeutet aber nun, dass das Ries und der Steinheimer Krater nicht vom gleichen Meteoriten herausgesprengt werden konnten, und damit verbindet sich auch die Frage der Gleichzeitigkeit. Während das Ries nach neuesten Methoden 14, 3 bis 14,4 Millionen Jahre alt ist, liegen die Steinheimer Daten noch nicht vor.

Lebhafte Debatte

Es stellt sich dabei aber auch die Frage, ob ein etwa ein Kilometer großer Steinmeteorit (Ries) einen etwa 100 Meter großen Begleiter (Steinheim), den man auch als dessen Mond bezeichnen kann, sich als einen derart schweren Nachbarn suchen und einfangen konnte.

Eine lebhafte Debatte, die vom 1. Vorsitzenden des Fördervereins, Dipl.-Geologe Ralf Barfeld aus Nördlingen, geleitet wurde, schloss sich an den Vortrag an, bei der der Referent mit Fragen regelrecht eingedeckt wurde."


 :prostbier:
Martin


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Offline karmaka

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #2 am: Dezember 17, 2020, 11:33:46 Vormittag »
Neues von heute:

New discovery of two seismite horizons challenges the Ries–Steinheim double-impact theory

Elmar Buchner, Volker J. Sach & Martin Schmieder

Scientific Reports 10 , 1–14
Published: 17 December 2020

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Offline OrgaMet

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #3 am: Dezember 17, 2020, 16:41:58 Nachmittag »

Whouahou ! Change of paradigm !  :super:  x-09

Offline Gibeon2010

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #4 am: Dezember 17, 2020, 18:13:03 Nachmittag »
Sehr interessant.  :super:
Viele Grüße
Jens

Offline Mettmann

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #5 am: Dezember 18, 2020, 01:23:32 Vormittag »
Ehm, wär das jetzt bös, wenn ich anmerkte, daß Buchner und Schmieder die Autoren der Saarland-Impakt-Theorie sind?

menno...ich kann doch auch nix dafür...    :aua:
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Offline Met1998

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #6 am: Dezember 18, 2020, 08:40:50 Vormittag »
Der Mensch hat die Fähigkeit zur Vorahnung und er reift mit Geduld, wie Whisky, Käse und Wein!

Offline hugojun

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #7 am: Dezember 18, 2020, 13:58:56 Nachmittag »
Ich musste erst mal zwei neue Begriffe lernen:

„Seismites“  und „liquefaction“ , keine Ahnung , wie man den zweiten Begriff aussprechen soll.

Der Beitrag ist erst einmal sehr schlüssig und interessant, setzt man alle Annahmen als Fakten voraus.
Die Hauptargumente verbergen sich hinter den beiden obigen Begriffen.
Nach einigen Recherchen habe ich folgende Aussage dazu gefunden:

“. Many triggering mechanisms can lead to a state of liquefaction (Fig. 16). At present, there are no unique criteria to distinguish
 liquefaction induced by earthquake from liquefaction induced by meteorite impact or sediment loading, or other triggers (Fig. 16).
Although researchers have acknowledged this trigger-related problem (Moretti, 2000; Owen, 1987; Owen et al., 2011),
 the continued application of the seismite nomenclature by researchers, emphasizing the earthquake as the sole trigger,
is rather disturbing (see articles in this issue)
. In nature, dish structures formed by liquefaction associated with earthquakes
will look the same as dish structures associated with sediment loading. Unlike primary sedimentary structures that can be used
to infer depositional processes, such as traction and suspension (Sanders, 1963), SSDS cannot be used to distinguish one trigger from the other.
However, there are claims of recognizing triggers (Moretti and Sabato,”

Den Volltext gibt es hier:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2095383616300530

Jeder möge sich seine Meinung bilden, vorurteilslos.

LG
Jürgen


Offline karmaka

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #8 am: Dezember 18, 2020, 14:44:23 Nachmittag »
keine Ahnung , wie man den zweiten Begriff aussprechen soll.

[ˌlɪkwəˈfækʃən]

liqui aus liquid und faction aus satisfaction  :einaugeblinzel:

Das Wort für eine Schmelze oder ein Schmelzen gab es im Englischen schon um 1400.

Offline hugojun

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #9 am: Dezember 18, 2020, 17:10:23 Nachmittag »
Dann hoffen wir mal,
 dass die Theorie sich nicht airfactioned ,
also in Luft auflöst. :weissefahne:
LG
Jürgen

Offline OrgaMet

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #10 am: Dezember 18, 2020, 18:01:34 Nachmittag »

"Liqui-faction" am Freitag vor dem 4. Advent ist schon mal ein gutes Weihnachtsbier !  x-09

Offline Mettmann

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #11 am: Dezember 18, 2020, 20:34:37 Nachmittag »
Tach Met1998,
ich wollte nicht verlinken, bis das unlängst entdeckte tschechische Impaktkraterfeld von Buchner, Schmieder et al. ebenso hieb- und stichfest bewiesen sein wird, wie der von Hesiod besungene Chiemgau-Impakt.
Zumal ich meine mehrstündigen - ach man kann sagen im Grunde meine Lebensaufgabe - Forschungen zu dem Komplex noch nicht preisgeben wollt, aber… weil Weihnacht ist, es sei!

Ich meine (die mir eigene Bescheidenheit verbietet mir Sensationsheische), dieses neuentdeckte Kraterfeld philologisch datieren zu können
und darüber hinaus kann dieser Fund eine der rätselhaftesten ethnographischen Fragestellung lösen,
nämlich die oft verworfene Hypothese, daß der Ursprung der Bajuwaren/Bojer in Böhmen zu suchen wäre,
abschließend bestätigen!

Ebenso wie die Kelten, insbesondere die Chiemgau-Kelten, verfügten die Bajuwaren über keine schriftliche Überlieferung
(weswegen Hesiod ja auch Augenzeuge des Chiemgau-Impakts gewesen sein muß), sondern über eine rein orale Tradierung ihrer Mythen und Genealogie.
Dennoch bin ich auf diese, in der heimischen Impaktologie bislang unbemerkt gebliebene, uralte bairische Volksweise gestoßen:

Es war ein Schütz in seinen schönsten Jahren,
der wurd hinweggeputzt von dieser Erd;
man fand ihn erst am neunten Tage
bei Tegernsee am Peißenberg.


Wir können die volkskundlichen Interpretationen der Neuzeit beiseite schieben, getriggert durch das Verb „hinwegputzen“; da dieses im Gesamtbestand des alpenländischen Liedgutes völlig singulär ist.
Betrachtet man nun diesen uralten Sang der autochthonen Oberbaiern unter dem Aspekt des neuentdeckten Kraterfeldes in Tschechien,
gibt es einen erstaunlich präzisen Ablauf aus der frühen Südostmitteleuropäischen Völkerwanderung wieder,
der seinesgleichen sucht.
Es ergibt sich folgender Befund:

Nach der verheerenden Verwüstung durch das multiplen (kometaren s.u.) Impaktereignis,
führt der Kriegerkönig *Hindu-bin (->Jennerwein) die in Böhmen ansässigen Bajuwaren in ihr heutiges Stammesgebiet.
Sie finden dort die wohlbekannten Terrainformen der entgangenen Katastrophe wieder in den Impaktfeldern des Chiemgaus, das in den wenigen Generationen danach und durch den Kohlenstoffeintrag durch die Kometentrümmer mittlerweile üppig überwuchert, ihnen für den Ackerbau und die Viehzucht als besonders fruchtbar erscheint.
Da ihnen ersichtlich, daß diese Gegend auf völlig gleiche und gleich vernichtende Weise wie ihre böhmische Heimat durch den Zorn ihrer Götter bereits einmal heimgesucht worden sein muß, verspricht dieser Ort Sicherheit. (Anm. Das Diktum, der Teufel scheiße stets auf den gleichen Haufen, entstammt der urchristlichen Eschatologie - ist für den Endpunkt des Bajuwarenzug also unerheblich).
An den von dem Chiemseetsunami entvölkerten und von den heimischen überlebenden Kelten gemiedenen Gestaden des fischreichen Chiemsees lassen sie sich nieder.

In nur wenigen Generationen bilden die Bajuwaren über die Nachfahren der durch den Chiemgauimpakt zahlenmäßig dezimierten Restkelten das Superstrat.
Von diesen erlernen sie die Nutzung der Chiemitvorkommen zur Waffenherstellung.
Kurzer Rückgriff: das CIRT konnte ja nachweisen, daß dieses Chiemit von den Chiemgaukelten alsbald zur Herstellung eines besonders widerstandfähigen Stahls für den Gladius, das römische Kurzschwert, verwendet wurde und daß erst dieser waffentechnologische Fortschritt Rom in die Lage versetzte, sein Weltreich zu erobern.

Damit gelang es den Bajuwaren schließlich in rel. kurzer Zeit ihr neu besiedeltes Stammesgebiet beträchtlich zu erweitern und bspw. gegen die Gotenzüge zu halten.  (s.a. E.A.Quitzmann, 1873, der das bairische Schimpfwort „Gloiff“, „Gluife“ = Volldepp, auf die abgewehrten Agilolfinger zurückführen kann).

So bezeugt auch Venantius Fortunatus schon im Jahre 565 in seiner Vita Martini diese überlegene Wehrhaftigkeit der Baiern und die Ausweitung ihres Siedlungsbereiches auf die cislechischen Gebiete.
(IV, Vers 642-646):“… pergis ad Augustam, qua Virdo et Licca fluentant. Illic ossa sacrae venerabere martyris Afrae. Si vacat ire viam neque te Baiovarius obstat, qua vicina sedent Breonum loca, perge per Alpem, ingrediens rapido qua gurgite volvitur Aenus.“

"...wanderst du weiter nach Augsburg, wo Wertach und Lech fließen. Dort kannst du demütig die Gebeine der hl. Märtyrerin Afra verehren. Wenn der Weg frei zugänglich ist und sich dir kein Bajuware entgegenstellt, wandere über die Alpen weiter, wo sich das Gebiet der Brenoner anschließt und wo sich reißend und gurgelnd der Inn herabwälzt."

Ich weiß: der vorurteilsfreie Forumler wird diese lückenlosen Bestätigung und die Datierung des neuen böhmischen Kraterfeldes aus dieser ganz unerwarteten Richtung begeistert mit mir teilen;
allein gibt es solch notorischen Skeptiker wie den Orgamet,
der einwenden wird, es handele sich lediglich um eine Indizienkette, die die Qualität der Beweisführung in den Veröffentlichungen der CIRTnahen Wissenschaftler zur Enthüllung des Chiemgau-Impaktes als Wahren Kern und Initialfunke für die Phaeton-Sage nicht übertrifft,

aber warte Orga, bevor Du Dir die Konkursmasse der Glühweinstände einverleibst, gleich folgt der zweite Streich, der Dich restlos überzeugen wird!

« Letzte Änderung: Dezember 18, 2020, 21:03:10 Nachmittag von Mettmann »
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Offline ironsforever

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #12 am: Dezember 18, 2020, 21:54:47 Nachmittag »
Zitat
neque te Baiovarius obstat

Mettmann, an Dir kommt einfach keiner vorbei! :lacher: :super:

Sei gegrüßt von einem Mitbayern!  :prostbier:, nein ,wart, wir müssen unsrem Ruf gerecht werden :aua:


Offline Mettmann

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #13 am: Dezember 19, 2020, 00:17:54 Vormittag »
Andi, es kommt noch dicker, ja der Glühwein.....

Nun,
nach dem wir orale Tradierung und die externen Schriftzeugen abgehandelt haben,
werde ich mich des Handwerkzeugs eines jeden guten Völkerkundlers bedienen,
dem bei rein mündlichen Stammeskulturen eben die Bildwerke, der vestimentäre Code, die Ritualgegenstände, die Gebräuche zur interpretierenden Taxonomie zur Verfügung stehen.

Im folgenden werde ich nicht nur das tschechische Impaktfeld manifestieren, sondern in einen historischen Zeithorizont mit dem Chiemgauereignis und dem Saarlandimpaktfeld einordnen können und darüber hinaus sogar die genaue Natur der ursächlichen Meteroiden ableiten.

Mit erstaunlicher Konstanz wird in dem heutigen Oberbayern und insbesondere in der Chiemgau-Region noch heute ein ritueller Tanz
gepflegt und von Generation zu Generation überliefert:
Das sog. Plattln.

(platteln -> einebnen, gewaltsam plattmachen, zerstören).

Hartnäckig hält sich die Auslegung der fehlgehenden preußischen Expeditionen der 2.Hälfte des 19.Jhd, dieser Spezialtanz imitiere das Balzverhalten des einheimischen Auerhahns, doch betrachten wir uns den genauen Ablauf dieses Tanzes einmal näher:

Auf einer weitläufigen Kreisbahn schreitet das mannbare Mädchen, das „Dearndel“, in permanentem schnellsten Wirbel um die eigene Achse begriffen, langsam und stetig voran.
Zu Beginn verharrt der geschlechtsreife Knabe, der sog. „Bor“, zunächst an einem exzentrischen Punkt innerhalb dieses Kreises ruhend.

Langsam setzt er sich in Bewegung. Seine Tanzbahn wird eine Klothoide sein, mit der er schließlich das auf der äußeren Kreisbahn beständig vorrückende „Deandl“ erreicht – was einige Vorausberechnung impliziert.
Sobald er sich in Bewegung setzt, wird seine Drehung dergestalt sein, daß er dem Zielpunkt seines Bemühens stets das Gesicht zuwendet: Es handelt sich also um eine gebundene Rotation.
Den Beginn seiner Bewegung kündet er durch das Aufstampfen des Fußes, seine zerstörerische virile Kraft bekundend.
Nun tanzt er die Klothoide ab, dabei stampft er abwechselnd mit dem linken und rechten Standbein auf und klatscht im Wechsel mit der flachen Hand kräftig auf Oberschenkel und Absatz des freien Beines, um Knallgeräusche zu erzeugen.
Bezeiten beginnt der Bor zusätzlich schneidende Juchzlaute auszustoßen.

Je näher er dem Dearndel – und sie ist die fruchtbare Tochter- und Heimatgöttin *Zen-Zi  -  je enger die Spirale wird, desto höher wird die Klatsch- und Stampffrequenz, bis es sich zu einem infernalischem Getöse steigert.
Unschwer ist zu begreifen, daß es sich um die Imitation der unheilvollen Überschnallknälle, der Fragmentationen des Meteroiden und der grauenhaften Impaktexplosionen handelt.

Klimax der Darbietung ist das Erreichen des Ziels:
Der Bor fängt das Dearndel ein.  Der Todbringer *Zepyl plättet buchstäblich die *Zen-Zi ,
die Götterdämmerung der Heimat, das Verdorren allen Lebens. Die Katastrophe, deren Zeugnis nun nicht länger nur durch den Tanz auf uns gekommen ist, sondern dessen Spuren wir in dem böhmischen Kraterfeld offen vor uns liegen haben.

Er packt es, umwirbelt es, löst sich und schleudert sich selbst wieder fort ins Innere des Kreises.
Mit zunehmender Entfernung vom Dearndelgäum reduziert der Bor seine Geschwindigkeit konstant, der hölische Lärm ebbt ab, bis er wieder an seinem Ausgangspunkt zum Stillstand kommt. – Nun beginnt der Tanz von Neuem. Ad libitum.

Dem Dearndel werden von den verheirateten Stammesfrauen, die Bajuwaren pflegen die Einehe, Drogen verabreicht, um es in Trance zu versetzen
(„es darf sich nicht schpeim“), damit es seine schnellen Drehungen erträgt;
die Stammesältesten flößen dem Bor ein Sud aus vergorenem Getreide ein, ferner berauscht er sich durch seine Lautäußerungen während des Stammestanz.

Längst erkannt haben es die Forenastronomen:
Das Mädchen in seinem stetigen Umschwunge ist die Erde;
Die exzentrische, tempovariierende, sich wiederholende Darbietung des Jüngling ist die unzweifelhafte Imitation eines Kometen,
und zwar eines kurzperiodischen Erdbahnkreuzers.

Für die astronomisch weniger Bewandten sei noch ausdrücklich auf die rituelle Kopfhaube des Tänzers aufmerksam gemacht:
Je nach Region ist diese topf- oder radförmig, prominent an ihr ist immer ein besonderer Putz angebracht: Ein kegelförmig abgebundenes, dichtes Büschel bestehend aus den Genickhaaren der männlichen Gemse (Rupicapra rupicapra).

Ich stimme zu, in diese besondern Manneszier das Abbild eines Shatter Cone hineinlesen zu wollen, insbesondere da solche in den Kraterfeldern Tschechiens, dem Saarland und dem Chiemgau gänzlich absent sind, wäre hergeholt;
noch mag es plausibel erscheinen, der Haarbausch verbildliche die Leuchterscheinung des Meteors, schließlich ist das Phänomen des Nachleuchtens und der Rauchfahne äußerst dünn und langgestreckt und konnte von den Bajuwaren am Fallort perspektivisch gar nicht wahrgenommen werden,
nein,
dieses konische Haarbüschel ist letztlich von frappierender Ähnlichkeit mit der Form des Kometen am Nachthimmel in den Wochen vor dem Einschlag, wie sie sich dem unbewaffneten Auge darbietet.
Man denke an lat: Comes – das Haupthaar -> cometa: der Haarstern.

(dazu auch: Schimmelpech, Serensdottir, v. Finniken : The Orbit of Sirius B in the vestimental Habitus of the Dogon tribe; Pausback&Vortex-Verlag, Los Angeles, Sindelfingen 1978).

Wie konstant, ja nahezu hermetisch und damit für unsere Fragestellung im besonderen Maße zuverlässig die Tradierung dieses Tanzes ist, läßt sich an der vehementen Weigerung der zahllosen volkstanzpflegenden Vereine in den anderen Gauen, der heutigen Regierungsbezirke Bayerns ablesen, den Plattl-Tanz zu kanonisieren oder Wettbewerbe (sog. „Preisplattln“) abzuhalten.
Die Franken und die translechischen Sueben/Schwaben lehnen das Plattln rundheraus als bei ihnen nicht althergebracht ab; die Niederbayern verweisen darauf, daß es bei ihnen Auerhähne nie nicht gegeben hätte.

.....
« Letzte Änderung: Dezember 19, 2020, 00:38:39 Vormittag von Mettmann »
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Offline Mettmann

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #14 am: Dezember 19, 2020, 00:30:34 Vormittag »
Und hier schließt sich nun der Kreis.
Es wurde der Nachweis erbracht, daß die Impaktkatastrophe in Tschechien stattgefunden hat und die Wanderungsbewegung der Bayuwaren auf ihr heutiges Gebiet ausgelöst hat. Und umgekehrt erlaubt uns die Ankunft der Bajuwaren im Chiemgau eine zeitliche Einordnung des Bohemian Impact Events in historische Zeit, in einem Zeitrahmen weniger Jahrhunderte nach dem Chiemgau-Ereignis.

Mit dem Saarland-, dem Chiemgau- und dem tschechischen Kraterfeld sehen wir eine räumliche Dichte solcher ausgedehnten Impaktstrukturenkontexte auf einem schmalen geographischen Streifen als auch eine zeitliche so eng begrenzte Eintrittshäufigkeit, wie beides für sich genommen auf der Welt einzigartig ist.

Diese beiden besonderen Gegebenheiten, wie auch der besondere Umstand, daß in allen drei Impaktfeldern weder Meteoriten/Impaktoren, noch planare Deformationen, noch shatter cones nachzuweisen sind, konnten erklärt werden.

Es wurde gezeigt und überzeugend belegt, daß diese periodischen eintretenden Katstrophen überhaupt nur durch einen kurzperiodischen Kometen eintreffen konnten.
Dies wird insbesondere durch den Nachweis des Impaktminerals Chiemit sowohl erstlich im Chiemgau, als auch im Saarland bestätigt.

Ausblick:
Ein Nachweis ebenfalls von Chiemit im böhmischen Feld wäre nicht überraschend. Sollte er wider Erwarten nicht gelingen,
mögen die Krater durch Airbursts des flüchtigen, wenig stabilen Kometenmeterials erklärt werden.

Nach der gelungenen zeitlichen Einordnung des Chiemgau- und des böhmischen Impaktevents, steht gleiches noch fürs Saarland aus.
Die im Impakthorizont geborgenenen archäologischen Artefakte ergeben noch kein abschließendes Bild.
Ich sehe es jedoch als letztes der drei Ereignisse, auf jeden Fall vorkarolingisch, aber nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches.
Die ansässigen gallo-keltischen Einheimischen waren mindestens so kunstfertig in der Stahlerzeugung wie die Chiemgaukelten, offensichtlich aber konnte das untergehende Imperium diese Ressource nicht mehr nutzen. Daß die Technik und das Chiemit vorhanden war, sieht man an der ungebrochnenen Tradition der Eisenverhüttung im Saarland bis zu ihrem Ende in der allerjüngsten postindustriellen Zeit.

Fönde man aber im Chiemgau mediomatrisch beeinflußte Eisenartefakte, wäre von einem regen Austauch der Kelten des Saarlands und des Chiemgaus auszugehen, das böhmische Feld wäre somit das letzte.
Die Airburst-Theorie für letzteres wäre u.U. zu belegen durch bislang als anthropogene Glasschlacken mißdeutete Funde,
es sei ausdrücklich auf das Libysche Wüstenglas verwiesen und den Umstand, daß das böhmische Glas seit Jahrhunderten einen ähnlichen Weltruf genaß wie die Chiemgauer Keltenklingen zur Römerzeit.

Schließlich sei noch auf den oberitalischen Impaktkrater hingewiesen, der das Resultat jenes Meteors ist, der Constaninus zum Christentum bekehrt hatte.
Still ist es um ihn die letzten Jahre geworden, doch lohnenswert wäre eine Neuüberprüfung hinsichtlich der jüngst gewonnenen sensationellen Erkenntnisse aus den drei neuen zentraleuropäischen Impaktfeldern. Die Aussicht ist gut,
ihn in diesen Kontext stellen zu können, der nicht nur die Weltgeschichte auf den Kopf gestellt hat, sondern dank der hier lobend erwähnten Autoren auch die komplette Impaktforschung zu neuen Ufern befördert hat.
Es gibt also noch viel zu tun.

Disclaimer, es handelt sich um keine wissenschaftl. Veröffentlichung; der vorurteilsfreie Leser bedenke, daß es sich um einen rein informellen Beitrag handelt.

Schnell zusammengezimmert, denn das stellt jeden Weihnachtsbetelgeuze in den Schatten,
eine Große Konjunktion zum Wintersolistiz!!!   :wow:

- d.h. ich muß schauen, ob Myrrhe zu den Gütern des tägl. Bedarfs gehört und ich morgen noch gschwind einen shutopenen Laden find!

(Außerdem beschäftigt mich die Frage:   Wenn ich zur kathol. Christmette geh und mich dort mit Covid infizier und hernach dran versterb –
bin ich dann ein Märtyrer und werd automatisch heilig auch ohne verifizierte Wunderheilungen nach postumer Anrufung?)

Derweil!
Euer Spekulatius.
 x-09
Mettmann

PS: Ich gestatte Buchner, Schmieder et al. und dem gesamten CIRT die obigen nahrhaften Früchte meiner Forschung für ihr Opus Magnus zu verwenden, unter einer einzigen Bedingung:  Meine Co-autorenschaft muß unter allen Umständen und auf alle Zeit verheimlicht bleiben.


« Letzte Änderung: Dezember 19, 2020, 00:50:53 Vormittag von Mettmann »
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