Autor Thema: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint  (Gelesen 25380 mal)

wotto

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metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« am: Oktober 05, 2012, 12:46:51 Nachmittag »
Hallo

nach einem Abschlag an meinem Feuerstein ergab sich folgendes

Metallische Einsprengsel: rosten nicht, glänzend und hart

Schalenreste? wenn ja - sind aber salzsäurefest

Fossiel? auf dem Bild unten - mittig, fischähnlich (Lupe), Länge 12 mm, oder Laune der Natur

Das Bild zeigt einen Querschnitt durch meinen Stein nach dem frischen Abschlag

Gruß

Offline schwarzwaldmineraloge

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #1 am: Oktober 05, 2012, 14:32:03 Nachmittag »
Hallo,

Die Fossilien sind, soweit man das erkennen kann, ziemlich zerquetschte Steinkerne von Seeigeln, ist im Flint nix seltenes.

Das metallische kann durchaus Pyrit/Markasit sein, den habe ich auch schon öfter in Flint gefunden, es gibt in Norddeutschland und Dänemark sogar schöne pyritisierte Fossilien. Leider ist er häufig nicht stabil und beginnt mit der Zeit zu rosten. Können aber durchaus auch Hammerabschläge sein. Gerade der harte und zähe Flint neigt gerne dazu, den Hammer abzunützen, Da bleiben dann manchmal Metallteile am Stein kleben.

Glück Auf!
Sebastian
Diplom-Mineraloge

wotto

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #2 am: Oktober 05, 2012, 18:58:55 Nachmittag »
Hallo Sebastian

Danke für Deine Antwort. Möchte Dir einen stark vergrößerten Ausschnitt von dem eventuellen fischartigen Fossiel zeigen.
Vielleicht kennst Du so etwas schon und weißt es einzuordnen.

Gruß

Suevit

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #3 am: Oktober 07, 2012, 11:33:49 Vormittag »
Hallo,

Sebastian hat eigentlich schon alles gesagt.
Auch das "fischartige Fossil" ist nur ein Schalenquerschnitt eines Invertebraten. Ob Muschel, Brachiopode oder Seeigelfragment sei dahingestellt.

Gruß,
Rainer

wotto

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #4 am: Oktober 07, 2012, 13:11:37 Nachmittag »
Hallo Rainer

Danke für Deine Antwort. Es wäre ein guter Abschluß. Nimm das bitte jetzt nicht als Widerspruch sondern als Frage eines Laien.
Ich habe die Schalenreste aus meinem Abschlag am Stein einer Salzsäureprüfung (30%) unterzogen. Kein aufschäumen.
Hat sich der Kalk in den Schalen nach millionen von Jahren umgewandelt oder verflüchtigt?

Gruß

Suevit

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #5 am: Oktober 07, 2012, 16:12:21 Nachmittag »
Hallo,

Ich habe die Schalenreste aus meinem Abschlag am Stein einer Salzsäureprüfung (30%) unterzogen. Kein aufschäumen.
Hat sich der Kalk in den Schalen nach millionen von Jahren umgewandelt oder verflüchtigt?
Die Schale ist ebenfalls verkieselt. Deswegen ist im Querbruch auch kaum ein Material-, sondern nur ein Farbunterschied zu erkennen. Es gibt auch kalkschalige Erhaltung im Flint, die zeigt aber eben einen ausgeprägt sichtbaren Materialunterschied.
Weil man Flint nicht mit den üblichen paläontologischen Methoden präparieren kann, um die Oberfläche der enthaltenen Fossilien zwecks Bestimmung freizulegen, nutzt man im Gegenteil kalkschalig erhaltene Fossilien dahingehend, dass man sie mit Säure auflöst und von dem resultierenden Hohlraum einen Ausguss anfertigt, den man leichter extrahieren kann. In Sammlungen findet man daher nur untergeordnet originale kalkschalige Flintfossilien.

Gruß,
Rainer

wotto

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #6 am: Oktober 08, 2012, 12:24:49 Nachmittag »
Hallo Rainer

Danke für Deine Antwort. Gut und ausführlich. Deinem Bericht entnehme ich, daß der Kalk in den Muschelschalen erhalten bleibt.
Habe weitere säuretests an der Außenhaut meines Flints vorgenommen. Es schäumt nichts. Kann ja auch an der Verkieselung
der Schalenreste liegen
Etwas später werde ich noch 2 Bilder einstellen, die mich das Thema noch nicht abscließen lassen.

Gruß

 

Mark77

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #7 am: Oktober 08, 2012, 14:23:28 Nachmittag »
Hallo wotto,

das Stück Feuerstein das du da gefunden hast ist ein Baltischen Feuerstein aus den Geschieben Norddeutschlands/Skandinaviens. Für diesen Feuerstein (Kreide oder Tertiär) ist die große Ansammlung an verkieselten Mikro- und Makrofossilien oft typisch. Man bezeichnet eine Variante auch als Bryozoenflint, auf Grund des massenhaften Auftretens der kleinen Moostierchen.
Näheres findest du im Mineralieatlas oder hier.

Viele Grüße
Markus

wotto

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #8 am: Oktober 08, 2012, 19:56:16 Nachmittag »
Danke Markus
Der Flint ist nicht so wichtig für mich. Aber über das Fischlein würde ich gerne mehr erfahren. Ist es ein Moostierchen?
Zur besseren Ekennung noch 2 Bilder.
Das erste Bild zeigt deutlich den fischähnlichen Winzling. Sein Maul läuft spitz zu. Ist am Originalstein deutlich zu erkennen.

Gruß



wotto

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #9 am: Oktober 08, 2012, 20:04:33 Nachmittag »

Das Blld zeigt meiner Meinung nach unterhalb des Fisches das Maul eines Fischfossils oder eine winzige Muschel.

Gruß

Suevit

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #10 am: Oktober 08, 2012, 21:36:01 Nachmittag »
Hallo,

dass es kein Fisch ist wurde ja schon dargestellt, diesen Terminus können wir also fürderhin weglassen.

Die Aufnahmen liefern imho zu wenig Details, um den Querbruch eindeutig zuzuordnen.

Es bringt auch wenig, jeden Fossilquerbruch in dem Flint gesondert zu diskutieren. Lieber noch mal losziehen und Flintfossilien mit bestimmbaren Merkmalen sammeln, das macht mehr Laune.

Gruß,
Rainer

Offline lithoraptor

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #11 am: Oktober 09, 2012, 00:21:10 Vormittag »
 :troll:

Mark77

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #12 am: Oktober 10, 2012, 11:56:27 Vormittag »
Stimme Rainer zu,

weiter sammeln! Macht tierisch spatz!!
Das was du da an weißen Stellen hast ist alles fossiles Material wie Muschelschalen o.a. aber verkieselt.
Fische im Flint wäre etwas schwieriger zu verkieseln. Hat schonmal jemand was von Fischen in Feuerstein gesehen/gehört/gelesen?

Mfg, Markus

Suevit

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #13 am: Oktober 10, 2012, 13:11:06 Nachmittag »
Hallo Markus,

Fische im Flint wäre etwas schwieriger zu verkieseln.
Sehr schwierig. Das Hydroxylapatit der Knochen/Zähne/Schuppen will sich einfach nicht permineralisieren lassen. Spezielle Ausnahmen sind die opalisierten Knochen aus den australischen Opalfeldern und aus Kanada. In den üblichen Flintlagerstätten finden die Prozesse so aber nicht statt.

Zitat
Hat schonmal jemand was von Fischen in Feuerstein gesehen/gehört/gelesen?
Nein. Von einzelnen Knöchelchen und Schüppchen abgesehen, und die gehören schon zu den bemerkenswerten Ausnahmefunden. Sie liegen dann jeweils in Originalsubstanz vor. Das Milieu, in dem sich Flint bildete, schließt aufgrund seiner Dynamik und Diagenese üblicherweise per se die Erhaltung von Skeletten im Verband aus.

Gruß,
Rainer

Offline schwarzwaldmineraloge

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Re: metallische Einsprengsel,Schalenreste?,Fossiel? im Flint
« Antwort #14 am: Oktober 10, 2012, 14:16:48 Nachmittag »
Hallo,

Fische in Flint sind mir bisher nicht untergekommen. Meist sind es Wirbellose mit kalkigem Skelett, die in Flint erhalten bleiben. Zu den häufigsten gehören Schwämme (Kieselschwämme häufig nur als Negative/Steinkerne des zentralen Hohlraums), Muscheln, Brachiopoden, Seeigel und Seelilien sowie Bryozoen (sehen aus wie kleine Zweige oder Flechten oder halt Moos, daher der Name Moostierchen). Seltener sind Ammoniten und Seesterne.

Liegt halt auch in dem Ablagerungsmilieu begründet. Wir sprechen hier im Wesentlichen von warmen Flachmeeren, etwa wie am heutigen Persischen Golf, wo hohe Produktion organischn Materials herrschte und der Boden gut mit Sauerstoff versorgt war (reiches Bodenleben wie Seeigel, Muscheln, Seelilien und -sterne usw.). Solche Bedingungen sind für die Erhaltung von organischer Substanz kaum geeignet. Auch Knochen o.ä. konnten leicht zersetzt werden, Zersetzung erfolgte schneller als Einbettung. Es gibt überlieferte Wirbeltiere aus der Kreide, aber diese finden sich überwiegend entweder in Schwarzschiefern und Tonen mit typischer anaerober Sedimentation (unter Sauerstoffabschluss), wo Fossilien entweder als Pyrit oder Phosphorit versteinern. Oder bei großen Saurierfriedhöfen durch rasche Bedeckung mit Sediment (Sturzfluten, Sandstürme o.ä.). In der Oberkreide, von der wir hier reden, sind solche Ablagerungen seltener.

All das war jedoch im Bereich des Kreidemeeres kaum gegeben, Sedimentation erfolgte langsam (mm/Jahr) in Form eines Kreideschlammes, der aus winzigen Schalenplatten von Kalkalgen (sog. Coccolithen) besteht. Lediglich im Falle eines überschießenden Wachstums dieser Algen kann kurzfristig eine plötzlicher Anstieg der Sedimentation zu verzeichnen sein (Massenabsterben der Kalkalgen nach "Algenblüte", auch "Rote Flut" genannt). Das wäre die einzige Möglichkeit, im Kreidemeer eine kurzfristige Gelegenheit zur Überlieferung empfindlicherer Fossilien zu geben.

Die Bildung des Flints erfolgte ert während der Diagenese, unter stärkerer Gesteinsauflast und erhöhter Temperatur durch Auflösung biogenen Opals, aus dem die feinen Skelettnadeln (Skleren) von Kieselschwämmen bestehen. Fällung erfolgt nach heutiger Ansicht vor allem dadurch, dass organische Substanz (z.B. verwesende Tiere oder Algenreste) den pH-Wert lokal erniedrigt, wodurch Opal aus dem Wasser ausfällt. In diesem Zuge kann Pyrit ausfallen, dabei spielt v.a. die Reduktion von Schwefel aus Eiweißverbindungen durch Bakterien zu Schwefelwasserstoff eine Rolle.

Glück Auf!
Sebastian
Diplom-Mineraloge

 

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