Autor Thema: Unbekannte Geschiebe  (Gelesen 23432 mal)

Offline Met1998

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Re: Unbekannte Geschiebe
« Antwort #90 am: August 23, 2018, 11:43:21 vorm. »
Moin karlov,
heute letzter Schwitztag!

Da hier schon schöne Abhandlungen über Bestimmbarkeit und genaue Herkunft vorliegen,
siehe Pinchacus Antwort #62 , Antwort #65  (vieles nicht bestimmbar, bezüglich seiner "genauen" Herkunft) packe ich es mal hier rein.

1.: Zu deinen Anmerkungen Västervik-Fleckengestein:
Zitat Matthias Bräunlich : Solche Gesteinstypen, die unverwechselbare Merkmale haben und in Skandinavien nur in einer Gegend vorkommen, nennt man „Leitgeschiebe".
karlov:
- gibt es mögliche Doppelgänger bei der Stavsjö Station und in Norrköping recht ähnliche Geschiebe.
- Västervik-Fleckengesteine: sind es nur dann, wenn schöne homogene Granofelse mit gleichmässiger Verteilung der Flecken vorliegen.

Ist der allgemeine Begriff Västervik-Fleckengestein dann überhaupt noch als „Leitgeschiebe“ verwendbar?

2.: Deiner Meinung nach kommt mein Stück dort, aber auch anderswo vor.
Wie müßte ich es dann benennen? Nur einfach Granofelds aus Süd-Schweden? Herkunftsort unbestimmt?  :nixweiss:

3.: Hildegard Wilske schreibt dazu:
https://strand-und-steine.de/gesteine/leitgeschiebe/fleckengestein/fleckengestein.htm
- Unter tektonischer Druckeinwirkung erfolgt eine Deformation des massigen Gefüges.
- Die schwarzen Aggregate werden ausgelängt bis hin zu gneisartigen Gefügen.
Genau so sieht mein Stück aus!
Müßte man dann Ihre Stücke nicht auch als echte Västervik-Fleckengesteine anzweifeln?   :gruebel:
(siehe Ihre Überschrift Link)

Für den begeisterten schöne Gesteine-Sammler alles ganz schön kompliziert!
Nach diesen nicht sehr wissenschaftlich Abhandlungen gehe ich mich jetzt erst mal im SFB-See abkühlen.
Hier nochmal mein besagtes Stück.

Der verzweifelte „Steinfried“
 :hut:
Der Mensch hat die Fähigkeit zur Vorahnung und er reift mit Geduld, wie Whisky, Käse und Wein!

Offline JFJ

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Re: Unbekannte Geschiebe
« Antwort #91 am: August 25, 2018, 19:42:55 nachm. »
Geologie hat wie jede Wissenschaft, auch etwas mit dem Erkenntnisstand der Dinge zu tun.
Hat man früher ein Gestein nur an einer isolierten Lokalität anstehend gefunden, ist es ein Leitgeschiebe.
Mit heutiger Erkenntnis, dass dieses Gestein auch an anderen Lokalitäten auftritt, ist es in meinem Verständnis noch immer ein Leitgeschiebe, wenn die Lokalitäten auf ein Gebiet begrenzt sind.
Ich persönlich würde das gezeigte Gestein weiterhin als Västervik-Fleckengestein bezeichnen.

Gruß in die Runde
Jörg
Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

Offline karlov

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Re: Unbekannte Geschiebe
« Antwort #92 am: August 25, 2018, 22:28:19 nachm. »
Moin!
@Jörg: Ich glaube mittlerweile, dass bei so mancher Beschreibung von "Leitgeschieben" nur das Besondere an dem Gesteinsvorkommen an sich gesehen wurde, aber nicht überprüft wurde, ob es wirklich einzigartig in seinem Vorkommen ist. Zumal an ganz unterschiedlichen Ecken auf dem Baltischen Schild ähnliche geologische Verhältnisse existieren. Manchmal wußte man es in der Vergangenheit auch nicht. Hinzu kommt, das bei einigen Gesteinen wie dem Västervik-Fleckengestein die Beschreibungen für eine makroskopische Bestimmung wesentlich enger gefasst werden müssen. (Was eigenlich gar nicht geht, ist Geschiebe zu beschreiben und als Referenz zu verwenden, wie es oftmals im sonst so schönen Geschiebeatlas von Zandstra der Fall ist). Und es ist ein immerwährender Lernprozeß. Mancher fährt ins Anstehende und guckt sich zum ersten Mal oder sogar als erster bestimmte Gesteine oder ein Gebiet genauer an - mit speziellen Blick auf die Geschiebekunde und die Möglichkeit des Wiedererkennens hier bei uns im glazialen Schutt. Warum sollten die Schweden das tun...?  :einaugeblinzel:

@Ehrfried:
Zu 1.: zu beantwortest doch die Frage doch schon selbst. Nicht alles, was Orange/rot mit schwarzen Flecken ist, kommt aus Västervik. Insbesondere die deformierten schwarzen Flecken sind problematisch, weil sie sowohl in Västervik als auch in Norrköping vorkommen. Auch zu körnige Quarz-Feldspat-Massen sind kritisch.
Zu 2: ja, damit sprichst u das Gestein petrographisch an ohne Festlegung auf eine Herkunft.
Zu 3: das ist doch kein Alleinstellungsmerkmal, das kommt im metamorphen Grundgebirge alle naselang vor.
Alle bei Hildegard abgebildeten Fleckengesteine würde ich auch als Västervik-Fleckengesteine bezeichnen. Bei kleinen Geschieben wie dem 4. Bild wird es aber denke ich im Einzelfall schwierig.

Nicht verzweifeln Ehrfried  :hut: Was fehlt, sind oftmals gute, einfache und klare Beschreibungen, die möglichst jedermann nachvollziehen kann. Aber in der Geologie wird es im Detail leider immer kompliziert.

Offline karlov

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Re: Unbekannte Geschiebe
« Antwort #93 am: August 25, 2018, 22:36:01 nachm. »
Eigentlich könnte man einen neuen Thread für die Fleckengesteine aufmachen, aber egal. Hier ein paar Bilder zur Illustration.
Das erste Bild ist eine Anstehendprobe von Casimirsborg, nettes Handstückchen.
Das zweite ist ein Geschiebe aus Potsdam, meiner Meinung nach super leitgeschiebetauglich.

Offline karlov

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Re: Unbekannte Geschiebe
« Antwort #94 am: August 25, 2018, 22:38:43 nachm. »
Bisher dachte ich immer, das ich so etwas wie auf dem ersten Bild (Geschiebe Hohenfelde) auch als V´vik-Fleckengestein bezeichnen kann. Man erkennt sogar ein bisschen bläulichen (mutmasslichen) Cordierit in den schwarzen Flecken. Bis ich so etwas Ähnliches in Norrköping fand (2. Bild, Nahgeschiebe Kolmarden).

Offline karlov

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Re: Unbekannte Geschiebe
« Antwort #95 am: August 25, 2018, 22:42:53 nachm. »
Man beachte, dass die Flecken einbettende Matrix beide Male ein Gneis ist. Das sollte bei den Västervik-Fleckengesteinen nicht der Fall sein.
Zu allem Überdruß gibt es hin und wieder auch Fleckengesteine in Norrköping, die Flecken ganz ähnlich den Västervik-Gesteinen besitzen, aber allermeist VEREINZELT. Und nicht reichlich davon mehr oder weniger regelhaft verteilt. Hier auch iwder mit Gneis-Matrix.

Es sind doch trotzdem alles hübsche und interessante Gesteine, egal ob man sie immer einer Herkunft zuordnen kann oder nicht.  :smile:

Offline JFJ

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Re: Unbekannte Geschiebe
« Antwort #96 am: August 26, 2018, 19:13:59 nachm. »
Moin Karlov,

danke für den sehr interessanten Post  :hut:
Norrköping ist von Västervik doch ein wenig zu weit entfernt.
Aber spannend, wie doch rel. weit von den bekannten Anstehenden doch gleiche Voraussetzungen bestanden, welche zu dem Gesteinstyp geführt haben.

Beste Grüße
Jörg
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