Autor Thema: Fund eines Eisenmeteoriten nahe Innsbruck, Tirol, in Österreich ???  (Gelesen 1890 mal)

Offline Mettmann

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Re: Fund eines Eisenmeteoriten nahe Innsbruck, Tirol, in Österreich ???
« Antwort #45 am: Mai 13, 2021, 16:13:05 Nachmittag »
Aber Flo,

bist Du da nicht viel zu streng?

Meteoritenklassifikateure und/oder -kuratoren sind keine Denkmal- oder Heimatpfleger.
Sie analysieren das Material, leiten daraus wissenschaftl. Schlußfolgerungen und Hypothesen ab, veröffentlichen alles in Papers,
kümmern sich ggfs. noch um Erhalt, Erweiterung, Präsentation einer Sammlung, sind in Lehre tätig, schreiben Fach- und populärwiss. Bücher usw.

Was können Sie also dafür, wenn ihnen in unlauterer Absicht ein Kuckucksei untergeschoben wird?

Schließlich sind sie ja bspw. keine Kunstgutachter, die am Marktgeschehen teilnehmen.

Es ist schlicht nicht ihre Aufgabe.

Zudem sinds anders als im 20.Jhdt. in der Vorwüstenrauschzeit, als Mettwiss. und -custodes noch einiges unternehmen mußten, um an ihren Stoff zu kommen,
in der Regel längst nicht mehr so gut der Sammler- und Händlermettweltszene verhaftet.

Vielfach mag daher auch das Auge für Dinge fehlen, die dem Sammler selbstverständlich sind, z.B. der Blick aufs Handstück.
(Mich hatte es immer gewundert, daß in der Boomzeit der Nullerjahre auf den zwo europ. Meteoritenleitmessen sich so wenige Fachforscher blicken liessen,
um den marokkanischen Kollegen aus den Unklassifizierten, die potentiell wirklich außergewöhnlichen Kandidaten für absolute Novitäten aus den Händen zu reißen,
zumal das für, gemessen an den Stücken, die sie aus den 200 Jahren davor beforschten, fürn Appel und Ei möglich war.
Ihre Vorgänger mußten da viel risikofreudiger handeln und hatten es nicht so bequem.)

Die Verantwortung für die Untat haben sie m.M. nach absolut nicht zu teilen.
Das ist eher ein Feld, wo die Sammler- und Amateurszene äußerst hilfreich sein kann,
(wie das Forum ja nun auch schon mehrfach bewiesen).

 :prostbier:
Mettmann




 
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Offline Flo

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Re: Fund eines Eisenmeteoriten nahe Innsbruck, Tirol, in Österreich ???
« Antwort #46 am: Mai 13, 2021, 19:14:42 Nachmittag »
Nun, in dem Sinne hatte ich das auch nicht so gemeint!  :winke:

Sicherlich können sie nichts dafür, wenn ihnen so ein Meteofake untergeschoben wird!
Allerdings sollten Sie dann gerade aus diesem Grund besonders umsichtig bzw. vorsichtig sein und sich (wie offensichtlich in diesem Fall) nicht zu pressetechnischen Schnellschüssen verleiten lassen!
Besser wäre es gewesen, hier noch entsprechende genauere Analysen abzuwarten und zu vergleichen, Fachleute mit der entsprechenden Expertise heranzuziehen, wenn man sich selbst nicht sicher ist!

Aus eigener (schmerzhafter) Erfahrung weiß ich, dass man bei voreiligen Veröffentlichungen sehr schnell eine Bauchlandung hinlegen kann!
Man muss dann ziemlich rudern, um das wieder auszugleichen!

In seinem eigenen Interesse sollte ein Wissenschaftler vor einer Veröffentlichung akribisch recherchieren und alles hinterfragen. Besser, er enttarnt einen Meteofake oder Meteowrong selber! Sollte sich ein Meteorit im Nachhinein dann trotz aller Akribie als nicht authentisch herausstellen, dann wird man ihm dies aufgrund der offensichtlich schwierigen Erkennung sicher eher verzeihen!
Umgekehrt gilt das natürlich genauso: Eine Experte, der einen echten Meteoriten als Fake klassifiziert, der würde ab da auch belächelt werden!

Ich bin mir in diesem Fall fast sicher: Sollte der hier diskutierte Meteorit nicht authentisch sein, so sind die Lacher nicht nur auf Seiten des "Finders", sondern sicher auch auf Seiten des Wissenschaftlers, der ihn voreilig bestätigt hat. Dabei wird es für die Diskussionsgemeinde und die Presse kaum eine Rolle spielen, ob er ihn fahrlässigerweise voreilig bestätigt hat oder auch nur aus Unerfahrenheit.

Und das wäre sehr schade, weil so eine Blamage hat kein Wissenschaftler verdient, der sich eigentlich nur um die Wahrheit bemüht!
Ich kann nur hoffen, dass hier die Authentizität bestätigt wird, auch wenn ich aufgrund der Bilder und der Hintergrundgeschichte nicht so recht daran glauben mag...  :nixweiss:

Offline Mettmann

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Re: Fund eines Eisenmeteoriten nahe Innsbruck, Tirol, in Österreich ???
« Antwort #47 am: Mai 13, 2021, 20:09:01 Nachmittag »
Nuju,

die Presse vergißt aber schnell.
Wenn ein zuvor berichteter vermeintl. Meteorit sich als Fake oder von irdischer Natur entpuppt,
dann ist es den Medien keine Zeile mehr wert.

Man erinnere sich doch nur an die unerhörten Begebenheiten, die  besonders weit posauniert wurden:
wie die durch angeblichen Meteoriteneinschlag abgebrannte Gartenlaube in NRW, die es immerhin in die Prime-Time-News
des Ersten heiligen deutschen Rundfunks geschafft
und unvergessen, des Schölers Gerrit Erbse, über die in den weltweiten Fabfenzis berichtet ward.

Niemals nicht gab es später ein Dementi und schon gar nicht an gleicher Stelle.

Und so als Außenstehender denk ich, Fehler, Irrtümer, Fehlschlüsse gehören im Wiss.betrieb ganz normal dazu, sind sogar notwendig.
Peinlich wirds erst, wenn man seine Fehler wiederholt,
richtig blamabel eigentlich nur, wenn man auf seinen Fehlern besteht,
wie etwa, wenn man bei jedem Loch, daß tiefer als einen Meter gleich ein neues Kraterfeld konstatiert oder bei jedem beobachteten Fall Begleitviren aus dem All fordert...
Knickknack...

 :prostbier:

Bei vermeintl. neuen mitteleuropäischen Funden (Nichtfällen) dürft es eigentlich reichen,
wenn der Forscher hellhörig wird, so es ein Eisen ist.
So gut wie immer greift der unkundige Unhold zu solchem, verbindet er doch mit dem Begriff Meteorit die Eisen, da sie ob der Massenfunde völlig überrepräsentiert sind im Web und zwotens am Billigsten - der Laienschurke ist geizig.
So es aber ein Stein, so prüfe man auf Wüstenranzigkeit.
(Ein frisches Exemplar, das ist dann schon ein fortgeschrittenerer Täuscher, da müßt man die allkundigen Billigfälle abklappern).


 
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Offline Flo

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Re: Fund eines Eisenmeteoriten nahe Innsbruck, Tirol, in Österreich ???
« Antwort #48 am: Mai 13, 2021, 21:07:34 Nachmittag »
Und so als Außenstehender denk ich, Fehler, Irrtümer, Fehlschlüsse gehören im Wiss.betrieb ganz normal dazu, sind sogar notwendig.

Das ist eine sehr wichtige Aussage, der ich hundertprozentig zustimme!  :hut:
Nur sollte man gerade im Hinblick darauf keinen Leichtsinn walten lassen. Fehler kommen leider meist von ganz alleine rein...

Aus meinen eigenen (bitteren) Rückschlägen im wissenschaftlichen Betrieb habe ich persönlich gelernt, alles mit einem gewissen Mindestaufwand zu hinterfragen und zu überprüfen, bevor ich es mir zu eigen mache: Jede Quelle, jede Datenangabe, jedes Bild, jeder Algorithmus, jede Formel.... Selbst wenn sie aus seriösen und für gewöhnlich zuverlässigen Quellen wie Landesvermessungsämtern, internationalen Wetterdienstbehörden oder auch der NASA höchstpersönlich stammen! Dabei habe ich schon viele Irrtümer und Fehler aufdecken können, wobei sich auch immer die Gegenseite als dankbar erwies!

Ja, das mag Zeit kosten! Aber die muss man sich nehmen! Ich persönlich hätte in diesem Fall lieber ein paar Wochen auf ein zusätzliches externes Gutachten gewartet, um die letzten Zweifel auszuräumen. Und wenn ich an die in der jüngsten Vergangenheit entdeckten deutschen Meteorite denke: Hier haben sich die beteiligten Wissenschaftler wirklich die Zeit genommen, alles genau zu untersuchen und sich abzusichern, bevor sie auch nur den Hauch einer Andeutung an die Presse oder die Fachgemeinde durchgestochen haben. Der strengen Geheimhaltung wird man sich immer erst hinterher so richtig bewusst. Aber so schlecht denke ich, ist dieser Weg nicht!

Offline Mettmann

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Re: Fund eines Eisenmeteoriten nahe Innsbruck, Tirol, in Österreich ???
« Antwort #49 am: Mai 13, 2021, 23:33:42 Nachmittag »
Das stimmt natürlich.

Immerhin haben wir in der BRD einen zuverlässigen Indikator:

Erscheint unser Dieter auf den Empfangsgeräten in unseren Stuben,
dann wissen wir: Es gibt einen neuen deutschen Meteoriten!

 :prostbier:
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