Autor Thema: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt  (Gelesen 10700 mal)

Pittiplatsch

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Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« am: Mai 02, 2009, 14:17:07 Nachmittag »
Hallo Metfreunde,

anbei möchte ich Euch gern ein paar hochinteressante Stücke des Tamdaght-Meteoriten zeigen und zur Diskussion stellen. Ähnliche Stücke geisterten hin und wieder mal als Tamdaght "impact glass" o.ä.  im Internet herum. Wobei mir diese Stücke hier wirklich Kopfzerbrechen machen, weil ich keine genaue Idee habe, wie diese entstanden sein könnten. Bei einem von diesen Stücken kann man deutlich eine Fusionskruste erkennen, deshalb ist es für mich mit dem Impakt-Glas etwas zweifelhaft. Ich würde vielleicht eher vermuten, dass es Fragmente einer sehr dicken Fusionskruste ist, die sich vielleicht auf der Rückseite eines sehr grossen orientierten Individuals gebildet haben könnten, und dann beim Einschlag des Stückes abgebrochen sind. Eines dieser seltsamen Stücke besteht aus lauter kleinen Meteoritenfragmenten, die recht lose mit einer glasigen Schmelze zusammengebacken sind. Auch hier kann man nur Vermutungen anstellen über die Entstehung. Kleine Fragmente, die sich auf den Rückseiten von orientierten Meteoriten sammeln gibts es durchaus in sehr seltenen Fällen, wie auch der kleine orientierte Bassikonou auf einem der nachfolgenden Fotos beweist. Bei den Tamdaght-Stücken wäre es vielleicht ja auch denkbar, dass sich da zwei grössere Fragmente während des Athmosphären-Flugs ins Gehege gekommen sind. Das Ganze ist auf jeden Fall sehr merkwürdig und gehört mit Sicherheit zu den absoluten Kuriositäten was die Meteoriten betrifft. Bin gespannt auf Eure Ideen, Theorien, Kommentare..

Grüsse,
Stefan

Pittiplatsch

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #1 am: Mai 02, 2009, 14:18:26 Nachmittag »
 :gruebel:

Pittiplatsch

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #2 am: Mai 02, 2009, 14:19:45 Nachmittag »
 :eek:

Pittiplatsch

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #3 am: Mai 02, 2009, 14:23:38 Nachmittag »
Last but not least, ein orientierter Bassi mit kleineren Fragmenten, die auf der Rückseite festgebacken sind.

ironmet

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #4 am: Mai 02, 2009, 15:30:45 Nachmittag »
Hallo Stefan,

ja,in der Tat ist es sehr interessantes Material.
Vor etwa zwei Monaten hatte ich auch in einer Lieferung nur ein einziges dieser Art dabei.
Sah aus,wie ein kleines "Saurier-Gelege".
Als ich das sah,mußte ich sofort an den orientierten Villalbeto #25 denken.
Dieser hatte ja auch auf der Rückseite diese anhaftenden Schmelzkugeln,die sich aus ablaufender Schmelzkruste gebildet
hatten.
Das Stück schenkte ich dann am Stammtisch dem Thomas,weil es für ihn sicher am interessantesten ist,
sowas zu besitzen und ein kleiner Trost für den Villalbeto #25 ist,der inzwischen nicht mehr in seinem Besitz ist.

Zudem habe ich vor kurzem auch Thomas noch ein großes Stück vermittelt,was Deinen sehr ähnelt.
In der Tat handelt sich es bei den Stücken fast ausschließlich um richtig fette Kruste eines großen orientierten
Tamdakht Meteoriten.
Nur auf den orientierten können sich solche Schmelzkugeln auf der Rückseite bilden!
Zum Teil ist die Schmelzkruste,die wie Luftschokolade aussieht,mehrere Zentimeter dick!
Nur selten ist noch etwas von dem ursprünglichen H5 Material vorhanden und an der dicken Kruste zu entdecken.
Inzwischen müsste auch Thomas sein großes Fragment dieser Art bekommen haben.
Vielleicht kann er ja dann auch mal ergänzend dazu sein Stück hier vorstellen.
Das einzige was mir jetzt noch Kopfschmezen bereitet,wie kommen die kleinen Fragmente an die gegenüberliegende Seite der Kruste,wo sich die Schmelzkugeln befinden?
Wäre ja möglich,das sich der große orientierte Meteorit noch in der Luft zerlegt hat und die noch weiche Kruste,ähnlich wie Stardust,das ganze kleine abfallende Material wie ein Klebestreifen aufgesammelt hat.
Das wäre für mich die einzige Erklärung.
Das die dicke Kruste beim Aufprall auf den Boden noch weich gewesen ist,kann ich mir eigendlich nicht vorstellen.
Ganz ausschließen kann man es aber vielleicht auch nicht.
Jedenfalls ist es schon sehr beeindruckendes Material!!

Viele Grüße Mirko

Offline Dave

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #5 am: Mai 02, 2009, 17:49:33 Nachmittag »
Hi,

ja ich habe auch einen Sikhote Alin mit so einem Stück abgeschmolzenem Meterial auf der Rückseite.
Link:http://www.jgr-apolda.eu/index.php?topic=3646.0(8.Beitrag von oben)
Ich hatte mich schon immer gefragt was das ist. Toll jetzt weiß ichs und selten ist es auch noch.

Aber mal zu deinem Stück.Wenn ihr sagt es kommt von einem großen orientierten Meteoriten, dann weiß ich nicht so recht.
Ich meine Stefan hat ja gesagt, das diese Fragmente auf der Rückseite sehr selten sind. So nun wurde aber auch gesagt, das Mirko auch schon solch ein Stück hatte. Ich weiß nicht ob überhaupt schon orientierte Stücken von Tamdaght, die auch relativ groß sind, gefunden wurden??? Sonst könnte das aber stimmen.

Bin auf weitere Ideen gespannt.

Offline Dave

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #6 am: Mai 02, 2009, 17:51:56 Nachmittag »
Ach so noch eine Frage, sind es denn alles Meteoritenstücke? Zum Beispiel Bild 3, oder könnte es sich auch um einzelne Steine von der Erde handeln?

Pittiplatsch

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #7 am: Mai 02, 2009, 17:55:10 Nachmittag »
Hallo Mirko,

ich würde mal vermuten, dass das nicht immer Schmelzkugeln sind, sondern auch kleine Fragmente, die im Flug von der Vorderseite oder der Seite abgesprengt wurden und sich auf der Rückseite teilweise sammeln. Bei dem Bassi auf dem Foto würde ich auch meinen, dass diese kleinen Fragmente innen so hell sind wie der Meteorit selbst, es also kleine bekrustete Bruchstücke sind.
Das könnte auch dieses merkwürdige "Konglomerat" auf Bild 3 und 4 erklären. Obwohl es mir bei diesen Tamdaght Stücken vielleicht plausibler erscheint, dass da vielleicht doch grössere Stücke in der Luft zusammengestossen sind, wobei sich dann diese Impact-Melt-artige "Luftschokolade" gebildet hat, worin dann auch sofort die kleinen Fragmente eingebettet wurden. Denn diese blasige Matrix und die Fliesstrukturen sehen schon sehr nach einem Impakt aus. Das sind aber wie gesagt nur Vermutungen. Denkbar wäre natürlich auch Deine Vermutung, dass sich ein grosses Stück mit fetter Kruste zerlegt hat und sich dann kleine Fragmente darin eingebettet haben. Die Frage wäre nur, ob tatsächlich eine Kruste so dermassen dick werden kann. Das muss dann schon ein gewaltiger orientierter Brocken gewesen sein mit zentimeterdicker flüssiger Kruste auf der Rückseite - irgendwie schwer vorstellbar, aber nicht auszuschliessen. Dass die Kruste, wenn es denn überhaupt Kruste ist, beim Aufprall auf die Erde noch weich war, kann ich mir auch überhaupt nicht vorstellen.

Grüsse,
Stefan

Pittiplatsch

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #8 am: Mai 02, 2009, 18:13:31 Nachmittag »
Hallo Dave,

solches abgeschmolzene oder abgesprengte Material ist sicher sehr selten. Zumindest habe es ich bisher nur sehr selten gesehen bei Meteoritenstücken.

Orientierte Stücke von Tamdaght habe ich bisher auch nocht nicht gesehen, auch keine Fragmente von eindeutig orientierten Stücken. Vielleicht jemand von Euch? Was ich bisher gesehen habe, sind Tamdaght-Fragmente mit auffällig dicker Kruste (ca. um 3 mm dick). In der Tat ist es eine spannende Frage, ob diese zentimeterdicke "Luftschokolade" in der Tat Kruste ist. Wenn es Kruste ist, dann kann es wirklich nur die rückseitige Kruste eine sehr grossen Orientierten gewesen sein, wie Mirko ja auch vermutete. Aber wie gesagt, die zweite Vermutung geht in Richtung Impakt.
Was die kleinen Fragmente betrifft, klar, irgendwie sieht das Ganze wie zusammengebackenes irdisches Zeugs aus. Stellt Euch mal vor, wenn uns das hier im Forum ein Anfänger als neuesten Meteoritenfund präsentieren würde, den würden wir doch.. :auslachl:
Aber ich glaube mittlerweile, das da nichts Irdisches drin ist, sondern dass das wirklich alles Meteoritenfragmente sind. Man sieht auch, dass die Fragmente leicht Rost angesetzt haben.

Grüsse,
Stefan

ironmet

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #9 am: Mai 02, 2009, 18:25:02 Nachmittag »
Hallo Dave,

ich hatte das Stück nur durch Zufall in meiner Lieferung entdeckt.
So einem marokkanischen Händler fällt das nicht unbedingt auf!
Ansonsten ist das gezeigte Material schon recht selten.
Nur weil Stefan und ich jetzt davon was haben,täuscht das natürlich gleich eine Menge vor.
Ich schätze aus dem Forum hat sonst keiner was.
Vielleicht noch 1 oder 2 Mitglieder,die sich davon auch was geordert haben!
Möglicherweise sind sogar alle Stücke,die es so gab,von ein und dem selben orientierten Meteoriten!


@Stefan: ja,möglicherweise sind es auch abgeschmolzene Fragmente.
             Bei Deinem Bassi z.B. würde ich auf jeden Fall sagen,es sind angebackene Fragmente.
             Bei dem Tamdakht Material,speziell Bild 1 und Bild 5 von Dir,würde ich aber behaupten wollen,das sind echte
             Schmelztropfen,die sich mit der zähflüssigen Rückseitenkruste verbunden hat.
             Würde man durch solch eine Schmelzkugel von Bild 1 schneiden,würde ich schwer vermuten,das nur diese
             "Luftschokolade" zu sehen wäre.
             Ich kann ja mal suchen.
             Irgendwo hatte ich noch solch eine Kugel einzeln zu liegen.
             Vielleicht sollte man die mal anschneiden.

@Dave:Diese Schmelzfragmente können sich nur auf der Rückseite von orientierten Meteoriten absetzen.
          Sonst gibt es leider keine weitere Möglichkeit,wo die sich halten könnten.
          Daher wird man auch nie solch ein angebackenes Fragment auf einer Vorderseite und auch nicht auf einer normalen Seite
          einer "normalen" H5 Kruste finden.

Viele Grüße Mirko 

Pittiplatsch

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #10 am: Mai 03, 2009, 00:03:33 Vormittag »
Ja irgendwie würde es mich natürlich auch jucken, mal so eine Murmel durchzusägen. Aber bei dem Stück von Foto#1 wär es einfach zu schade. Was die Menge betrifft, kann ich auch bestätigen, was Mirko geschrieben hat. Es scheint davon bisher keine grossen Massen zu geben.

Wie das mit den Orientierten und den Schmelztropfen funktioniert kann man an folgendem Stück auch ganz gut erkennen. Foto 1 zeigt die Brustseite mit deutlichen Fliesstrukturen, Foto2 die Rückseite mit Schmelztropfen.

Grüsse,
Stefan

Offline APE

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #11 am: Mai 03, 2009, 00:31:59 Vormittag »
Nur schnell zur Info ...

ich habe heute ein Stück Tamdaght-Krusten-Met bekommen, 32g ist es genau schwer ...

Diese Seite lag im Dreck. Die muß ja wohl die Frontseite sein, denn alle anderen Seiten sind sauber!
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Offline APE

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #12 am: Mai 03, 2009, 00:42:02 Vormittag »
Ja und diese hier ist dann wohl die Rückseite!?

Alle Minni-Fragmente sind tatsächlich kleinste Fragmente vom Meteoriten selbst, die wohl beim Gewaltbruch in der Luft entstanden sind. Ich schätze mal, genau diese Fragmente machen eine recht eindrucksvolle Meteoritenwolke aus, die bei einem Meteoritenfall oft zu sehen ist. Die Frage ist nur wie kommen sie an dieses Krustenstück?!

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Offline APE

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #13 am: Mai 03, 2009, 02:02:12 Vormittag »
Ach und von der Seite betrachtet ist mein Stück hier ziemlich flach. Letztlich ist meine Probe hier aber auch nur ein Bruchstück eines viel größeren "Krusten-Mets", der wohl im Gesamten gebrochen ist, ob nun in der Luft oder am Boden beim Einschlag ...

Grundsätzlich habe ich aber ein Objekt vor mir, was einmal eine zentimeterdicke, schaumige Schmelzkruste war. Womöglich sogar nur noch recht zähflüssige Schmelze, die gekocht hat und noch weich war, als diese über den Rand des noch im entstehen begriffen Meteoriten rutschte. Doch dieser wird wohl just in diesem Moment gebrochen sein. Der "Schmelzüberstand" wurde abgeschüttelt und sammelte auf der einen Seite - ich sach mal salopp - "Mikrometeoritene" ein! Diese trommelten in die noch formbare Schmelze hinein, so daß sogar die Schmelze zwischen den Fragmenten hervor gequollen kam. Ich sehe Splitter senkrecht in der Schmelze stecken. Es sind sogar Schmelztropfen auf die Fragmente getropft. Wo kamen die noch her?! Man muß hier aber schon direkt erklären, daß zum Zeitpunkt des Splitterbombardements auch jene Seite mit den kleinen Fragmenten dran nur die Frontseite sein konnte, denn die Splitter waren bestimmt stehend K.O. und der Schmelzkrusten-Brocken schoß durch diese Splitterwolke hindurch - schätze ich mal. Möglicherweise war deshalb die Schmelze an dieser Frontseite noch weich, als die Splitter kamen. Und vielleicht ist deshalb der nun belegt und bestreuselte Schmelzklumpen gebrochen oder umgekippt ...

Es sind aber auch alle Fragmente irgend wie nicht mehr im Originalzustand und mit dem unveränderten H5 Material von Tamdaght zu vergleichen. Ich will sagen, viele Fragmentchen sind schon angeschmolzen worden und man kann das Inner nicht wirklich gut sehen. Andere sind gar schon stark angerostet ...

Wichtig ist aber, falls jemand denkt: Das ist doch alles bestimmt Betrug! Der Schwarze "Kleber" ist steinhart und magnetisch und ich sage deshalb: Die Stücke sind echt! Und sie entstanden in der Luft! Nicht am Erdboden oder so ...

Morphologisch gesehen sind diese Stücke einmalig und sehr interessant, denn sie sind ein Dokument dafür, was bei einem Meteoritenfall ablaufen kann und schon oft abgelaufen ist. Nur dieser Moment konnte nie, so wie hier für alle sichtbar, gespeichert oder sollte ich besser sagen "in Stein gemeißelt" vor uns hingelegt werden. Was für ein Zufall!

 :user:
Thomas
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Offline APE

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Re: Rätselhafte Tamdaght-Stücke - Detektivarbeit gefragt
« Antwort #14 am: Mai 03, 2009, 02:14:53 Vormittag »
Marcin zeigte mal so etwas im geschnittenen Zustand ...
Grau ist alle Theorie ...

 

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