Autor Thema: Laie bittet um Hilfe  (Gelesen 5374 mal)

elessar

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Laie bittet um Hilfe
« am: April 28, 2011, 16:44:11 nachm. »
Ein freundliches Hallo in die Expertenrunde - von einem absoluten Laien, der Hilfe sucht  :hut:

Nach dem österlichen Schnuppen"regen" habe ich Anfang dieser Woche auf der Rasenfläche im Seminarhausgarten die auf dem Bild gezeigten Bröckchen gefunden. Da ich diesen Garten seit Jahren selber bearbeite und in- und auswendig kenne und wir hier in Paderborn auch solche Steine definitiv nicht im Boden haben, komme ich leicht ins Grübeln ...

Ich würde mich freuen, wenn mir jemand helfen könnte, über die Herkunft der Fundstücke Klarheit zu bekommen - besten Dank im Voraus dafür!

Offline lithoraptor

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #1 am: April 28, 2011, 16:57:38 nachm. »
Moin elessar!

Bei deinen Funden handelt es sich definitiv um Schlacke!

Bei einem Schnuppenschauer erreicht auch NICHTS den Boden zumindest nix, was man so mit bloßem Auge sehen könnte. Das Material, welches eine Sternschnuppe erzeugt ist nur etwa so groß wie ein Sandkorn. Es verglüht vollständig - daher dann die Leuchterscheinung.

Gruß

Ingo

elessar

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #2 am: April 28, 2011, 17:03:02 nachm. »
Danke für Deine schnelle Antwort. Nur: woher kommt das Zeugs? Ich bin sehr sicher, dass auf diesem Gelände bislang nichts dergleichen gelegen hat. Baustellen oder Industrie, die Schlacken erzeugt, gibt es nicht in der Nähe. Fühle mich etwas ratlos ...  :gruebel:

Offline lithoraptor

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #3 am: April 28, 2011, 17:42:06 nachm. »
Moin!

Schlacken können auch kulturhistorische Ursachen haben - unsere Vorfahren haben stetig versucht jeden Rohstoff zu nutzen. Eine weitere Möglichkeit ist eine nachträgliche Auffüllung. Schlacke wird in der heutigen Zeit sehr viel produziert und dann etwa in Mischwerken auch einfachem Kies untergemischt. Das ist letztlich sehr schwer einzuschätzen, wenn man die Fundlokalität nicht selbst gesehen hat.
Schlacke ist es aber 100%ig. Du kannst ja mal eine Google-Bildersuche machen und vergleichen. Es mag Dich ggf. auch sehr überraschen, wie viele unterschiedliche Schlacke-Typen es gibt. Das ist ja immer abhängig vom Verhüttungsprozess und vom Ausgangsmaterial.
Wir hatten hier im Forum schon sehr viele Leute, die hier Schlacke präsentiert haben. Es mag also auch sehr informativ für Dich sein, wenn Du die Suche hier im Forum einfach mal mit dem Wort Schlacke fütterst.

Gruß

Ingo

P.S. In der Regel wird so ein Thema hier schnell unter "unbekannte Gesteine" verschoben. Wenn Du es hier nicht mehr finden solltest, dann hat der Admin oder ein Mod hier interveniert und Du findest es dort.

Offline pallasit

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #4 am: April 28, 2011, 18:19:04 nachm. »
Hallo,

Auch von mir: Eindeutig Schlacke!

Nur: woher kommt das Zeugs? Ich bin sehr sicher, dass auf diesem Gelände bislang nichts dergleichen gelegen hat. Baustellen oder Industrie, die Schlacken erzeugt, gibt es nicht in der Nähe. Fühle mich etwas ratlos ...  :gruebel:

Frag doch mal bei der "Paderborner Siedlungsforschung" nach:
http://www.debach.de/projpad.htm

Die schreiben dort z.B. dass es "auf dem östlichen Almeufer bei Paderborn von der Zeit um Christi Geburt bis in das Mittelalter" Eisenverhüttung gegeben hat. Eisenverhüttung führt immer auch zu Schlacken.

Grüsse Willi  :prostbier:

Offline ironsforever

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #5 am: April 28, 2011, 21:11:02 nachm. »
Hallo ellessar,

ich schließe mich den Aussagen von Willi und Ingo vollumfänglich an: Das ist Schlacke! Oder auch anders gesagt: So sieht mit absoluter Sicherheit kein frisch gefallender Meteorit aus.

Gruß,
Andi :prostbier:
Es ist sehr einfach, prinzipiell gegen jede Norm zu sein. Das wirklich Geniale ist hingegen nicht so einfach, wie manch Einfacher denkt.  :einaugeblinzel: (Bekannt)

elessar

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #6 am: April 29, 2011, 15:45:53 nachm. »
Herzlichen Dank an Euch alle.

Und doch bleibe ich ratlos, irgend wo her muss das Zeugs gekommen sein, denn die meisten Brocken lagen auf den Rasenflächen. Da ich die kleine Parkanlage in den letzen Jahren selber angelegt habe und alle paar Tage "pflegend" dort unterwegs bin, kann ich sicher sein, dass dort bislang nichts Dergleichen gelegen hat. Baustellen gibt es im angrenzenden Bereich auch nicht, die nächste Straße liegt auf der anderen Hausseite. Und vorhin sagt mir meine Frau, dass auf einem nagelneuen Holztisch, den ich am letzen Wochende erstmals draussen hingestellt habe, viele kleine schwarze Stellen wären, so wie leicht "angekokelt".

Wie gesagt: ich bleibe ratlos ...  :confused:

fossi47

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #7 am: April 29, 2011, 16:00:33 nachm. »
HI ,
die leicht angekokelten Stellen mit warmer Seifenlauge abwaschen,wermutlich die Entleerungsrückstände von diversen Insekten.Die Schlackestücke auf dem Rasen können von einem ruheliebenden Nachbarneider geflogen sein.Hast Du eigene Sprößlinge,die schon werfen können?
Gruß Günter

elessar

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #8 am: April 29, 2011, 17:03:30 nachm. »
Danke für den Hinweis, allerdings nützt die Seifenlauge nicht mal ansatzweise, die Stellen sehen tatsächlich wie kleinste Brandspuren aus und weichen nicht von der Stelle. Die Themen Nachbarneider und Sprösslinge scheiden definitiv aus. Mittlerweile habe ich rund 50 dieser Bröckchen gefunden, und bei der Verteilung auf dem Gelände scheiden Über-den-Zaun-Würfe absolut aus. Werde jetzt mal regional nachfragen, ob es irgendwo ähnliche Funde gegeben hat. Rat-, aber nicht hoffnungslos verabschiede ich mich ins Wochenende und wünsche allen eine gute Zeit  :winke:

Offline ironsforever

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #9 am: April 29, 2011, 17:46:28 nachm. »
Danke für den Hinweis, allerdings nützt die Seifenlauge nicht mal ansatzweise, die Stellen sehen tatsächlich wie kleinste Brandspuren aus und weichen nicht von der Stelle. Die Themen Nachbarneider und Sprösslinge scheiden definitiv aus. Mittlerweile habe ich rund 50 dieser Bröckchen gefunden, und bei der Verteilung auf dem Gelände scheiden Über-den-Zaun-Würfe absolut aus. Werde jetzt mal regional nachfragen, ob es irgendwo ähnliche Funde gegeben hat. Rat-, aber nicht hoffnungslos verabschiede ich mich ins Wochenende und wünsche allen eine gute Zeit  :winke:

Hallo elessar,

Brandflecken sind noch ein ein Indiz, dass es sich hierbei nicht um Meteoriten handelt! Kleine Meteoritenstücke in der von Dir gezeigten Größe fallen nicht mehr glühend herab. Sie sind beim Aufschlag bereits kalt, weil sie in der Atmosphäre abgebremst werden auf normale Fallgeschwindigkeit. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass die Schmelzkruste auf fallfrischen Meteoriten(-Stücken) selten dicker als 1 mm ist und das innere Material durch den Fall nie angeschmolzen ist.

Bei größeren Ereignissen, wo glühendes Material tatsächlich die Erde erreicht, würden Brandflecken auf Gartenmöbeln das kleinere Problem darstellen. Fraglich, ob der Garten überhaupt noch zu finden wäre :einaugeblinzel:.

Gruß,
Andi :prostbier:
Es ist sehr einfach, prinzipiell gegen jede Norm zu sein. Das wirklich Geniale ist hingegen nicht so einfach, wie manch Einfacher denkt.  :einaugeblinzel: (Bekannt)

elessar

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #10 am: April 29, 2011, 19:22:21 nachm. »
Tja, das leuchtet mir ein. Allerdings bleibt für mich immer noch die Frage nach der Herkunft offen, denn eben beim Rasenmähen habe ich noch rund 3 Hände voll von dem Zeugs gefunden, jeweils an Orten, wo es bislang nicht gelegen haben kann. Auch auf einer Mauer, die ich erst kürzlich gesetzt habe, allerdings aus völlig anderen Steinen. Sicher scheint nur, dass der Segen von oben gekommen ist, und ich bin gespannt, ob ich Licht in die Angelegenheit bringen kann. Ich lege nicht unbedingt Wert auf Dinge, die nicht von dieser Welt sind - es dürfen ja gern richtige Schlacken sein - aber verstehen möchte ich das Ganze schon ...  :smile:

Auf jeden Fall finde ich es sehr bemerkenswert, dass die Resonanz auf meine kleine Anfrage so flott und engagiert war - besten Dank allen Beteiligten und die besten Wünsche für ein rundum schönes Wochenende!

Andreas

Offline Suevit

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #11 am: April 30, 2011, 13:32:46 nachm. »
Hallo Andreas,

als Gartenliebhaber ist Dir sicher auch der Effekt bekannt, dass Steine sowohl durch wechselnde Frost- und Tauphasen als auch durch niederschlagsbedingtes Aufquellen des Bodens und Wurzeltätigkeit frühlingssprießender Pflanzen "nach oben" kommen können und dann sozusagen "über Nacht" an der Oberfläche erscheinen. Wäre eine Erklärungsmöglichkeit, ob sie zutreffen kann kannst Du selbst am besten beurteilen, da ich die Gegegebenheiten Deines Gartens nicht kenne.

Da es sich aber eindeutig nicht um Meteoriten handelt, würde ich das "Geheimnis" als lösbar einstufen. Wenn Du das Gefühl hast, es kommen täglich neue Steine hinzu, wo am Vortag noch keine waren, dann beobachte die Sache doch mal nachts. Wenn nichts von oben fällt und kein steinewerfender Nachbar in den Büschen zu entdecken ist, kommt eine endogene Ursache in Frage. Zu überlegen ist auch, ob es sich um einen subjektiven Effekt handelt, d. h. ob Du jetzt durch die erstmalige Entdeckung so weit sensibilisiert bist, um die Steine da zu entdecken, wo Du bisher einfach nicht darauf geachtet hast, aber wo sie nichts desto trotz bisher schon immer gelegen haben. Viele Sammler von Steinen kennen diesen Effekt, wenn sie ewig lange nach etwas Bestimmten Ausschau halten, es aber trotz intensiver Suche nicht entdecken können - bis ihnen dann der erste Fund glückt, sie endlich wissen worauf sie konkret achten müssen, und dann ist der Knoten geplatzt und sie machen in Zukunft häufiger solche Funde.

Gruß,
Rainer

elessar

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #12 am: April 30, 2011, 17:30:34 nachm. »
Ja, Rainer, dieser Effekt ist mir wohl bekannt, erklärt aber nicht das Auftauchen an Stellen wie Gartenmöbeln, Mauern, Terrassen und dem Komposthaufen (oben auf der letzten "Beigabe").

Auch den "subjektiven Effekt" kenne ich gut, nutze ihn selbst manchmal bei meiner Arbeit, kann ihn aber in diesem Fall wohl ausschließen. Der Grund: seit heute weiß ich, dass es auf mehreren Nachbargrundstücken auch solche Funde gibt in ähnlicher Verteilung wie bei uns. Da die betroffenen Grundstücke alle zwischen 1.000 und 1.500 m² groß sind, betrifft es eine Fläche, die ein einsamer Werfer wohl kaum noch "versorgen" kann - von einigen Zugangsproblemen mal ganz abgesehen.

Wir werden nun vor Ort recherchieren, wer uns des Rätsels Lösung liefern kann und sind sehr gespannt auf das Ergebnis. Falls jemand von vulkanischen Ereignissen in oder um Paderborn gehört haben sollte, abin ich an einer Nachricht interessiert ...  :einaugeblinzel:

Herzliche Grüße
und einen rundum flotten 1. Mai!
Andreas

Peter5

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #13 am: April 30, 2011, 18:16:07 nachm. »
Leute, ich habe die Lösung!   :hut: :super:

Dann können es nur die Gartenzwerge, Heinzelmännchen, Gnome oder Kobolde sein, die nachts die Steine auf die Terrasse und den Rasen werfen!  :laughing:


Beste Grüße
Peter - ein Heinzelmann  :winke:

Peter5

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Re: Laie bittet um Hilfe
« Antwort #14 am: Mai 01, 2011, 08:47:54 vorm. »
Hallo Andreas,

ich hoffe Du verstehst auch ein wenig Spaß.  :laughing: .. :weissefahne: :weissefahne: :weissefahne:

Gruß Peter

 

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