Autor Thema: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden  (Gelesen 4476 mal)

Offline Wunderkammerad

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Re: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden
« Antwort #45 am: Februar 24, 2021, 15:01:26 Nachmittag »
Über die MML wurde heute ein Link mitgeteilt, über den der Sound der fallenden Eisenmasse hörbar ist:

And the sound of the meteorite, the "projectile sound" (falling pitch)
sometimes reported can be heard here, recorded only a few km away:

https://www.youtube.com/watch?v=XwY1Wib5d5U

Offline Nordnugget

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Re: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden
« Antwort #46 am: Februar 24, 2021, 15:56:06 Nachmittag »
Sehr interessant. Ganz anders als ich erwartet habe.  :hut:

Offline karmaka

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Re: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden
« Antwort #47 am: April 26, 2021, 16:19:45 Nachmittag »
Ein Konflikt über die Besitzrechte am Meteoriten ist ausgebrochen.

Der Eigentümer des Grundes, auf dem der Meteorit fiel, Johan Benzelstierna von Engeström, erhebt Ansprüche.
Die Finder, Anders Zetterqvist und Andreas Forsberg, glauben auf der Grundlage des schwedischen Jedermannsrechts (Allemansrätten) auch die Eigentümer des gefundenen Meteoriten zu sein, da es dem Gesetz nach auch erlaubt sei, Beeren, Pilze, bestimmte Wildblumen, Kräuter sowie Tannen- und Fichtenzapfen zu entfernen. Das Jedermannsrecht (Allemansrätten) soll garantieren, dass jeder das 'Recht auf öffentlichen Zugang zur Natur habe'. Das Umweltgesetzbuch fasst das Recht auf 'öffentlichen Zugang' mit den Worten "Inte störa - inte förstöra" [Nicht stören - nicht zerstören] zusammen.
Problematisch sei es z.B. aber, wenn das übermäßige Entfernen von z.B. Rentierflechten (Cladonia stellaris) dem betroffenen Landbesitzer "förfång eller olägenhet", also 'Schaden oder Unannehmlichkeiten' verursache. Eine konkrete Gesetzgebung zu Meteoriten gebe es in Schweden nicht.
Nun wird es wohl zu einem Gerichtsverfahren kommen. Ein Anwalt von 'Lantbrukarnas Riksförbund (LRF), dem Verband schwedischer Landwirte, glaubt, der Grundbesitzer habe gute Chancen, da das Landesgesetzbuch besagt, dass Steine, Kies und Torf dem Grundstückseigentümer gehören.

LINK

Det kommer som det kommer.  :einaugeblinzel:

Offline Wunderkammerad

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Re: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden
« Antwort #48 am: April 26, 2021, 17:37:33 Nachmittag »
Ah, eine Rechtsfrage um gefundene Himmelssteine mal wieder.

Dafür gibts den Forumsexperten. Darf ich vorstellen ... ... ... *Tusch* ...

Offline hugojun

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Re: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden
« Antwort #49 am: April 26, 2021, 19:35:07 Nachmittag »
Hallo Martin,
und ich habe mich schon gewundert, warum das alles so lange dauert, bis da mal was an wissenschaftlichen
Ergebnissen bei rum kommt?

LG
Jürgen

Offline Mettmann

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Re: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden
« Antwort #50 am: April 27, 2021, 14:01:55 Nachmittag »
Recht? Kleinmut, Habgier und Niedertracht?
So etwas All-Erhabenes wie ein Meteorit, ein Weltenstein, darf nicht durch profanes Recht beschmutzt werden.

Ich bin unschlüssig, manche sagen der Meteoritenfall ist kein Elementarschaden und daher nicht durch Hausrat- und Wohngebäudeversicherung abgedeckt.
Letztere aber wirkt, wenn der Fall einen Brand verursacht. Bei Verletzung zahlt die Unfallversicherung immer. Bei Sturz direkt auf Auto die Vollkaskoversicherung,
bei keinem direkten Treffer aber Druckwellenschäden die Teilkasko....

Für mich bleibt ein Meteorit das, was er ist und was m.W. noch nie bei einer rechtl. Würdigung in Betracht gezogen wurde:

Ein natürlicher Niederschlag.

(und man fange gar nicht erst an....in den Tropen schneits auch fast nie).

Ansunsten verfahre man nach Stresemann:

„Es gibt ein unfehlbares Rezept, eine Sache gerecht unter zwei Menschen aufzuteilen: Einer von ihnen darf die Portionen bestimmen, und der andere hat die Wahl.“


 :prostbier:
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Offline locastan

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Re: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden
« Antwort #51 am: April 27, 2021, 16:04:08 Nachmittag »
Hi,

ja teilen wär schon fair, aber hier sinds ja schon Dreie die sich balgen, die beiden Finder und der Graf von und zu dem das Land gehört.

Wer macht jetzt die Portionen und wer türmt damit?  :einaugeblinzel:

Gruß Mario.

Offline Mettmann

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Re: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden
« Antwort #52 am: April 27, 2021, 16:16:07 Nachmittag »
Bei dreien oder mehr,


kriegts natürlich der Stresemann. :baetsch:
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Offline Suevit

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Re: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden
« Antwort #53 am: April 28, 2021, 22:11:49 Nachmittag »
Hallo,

ich habe eine Weile in Schweden gelebt und durfte dank des allemansrätten viele schöne Erlebnisse in der Natur haben. Historisch zielt das Recht darauf ab, dass Menschen ihre elementaren Bedürfnisse - schlafen, essen, trinken - in der Wildnis (nicht auf kultiviertem oder umfriedetem Land) stillen dürfen mit dem, was dort "überflüssigerweise" vorhanden ist. Hintergrund ist die über Jahrhunderte verbreitete bittere Armut der schwedischen Bevölkerung und die Schwierigkeiten des Reisens in dem großen, dünn besiedelten Land. Überall wo ich mich mit geologischen und paläontologischen Themen in Schweden beschäftigt habe kam sogleich der Hinweis, dass Mineralien, Fossilien und Steine im Allgemeinen nicht unter das allemansrätten fallen, weil es sich nicht um regelmäßig nachwachsende und für Menschen existenzielle Dinge handelt (ich weiß, einige von euch mögen sowohl das eine als auch das andere anders sehen  :laughing:). Um diese Dinge zu sammeln oder gar auszugraben muss man dann anderweitige ausdrückliche Genehmigungen bei den Grundbesitzern einholen.
Insofern wundere ich mich, dass die beiden Finder, Schweden, anders argumentieren. Andererseits, auch hierzulande wird derzeit in manchen Rechtsthemen auch seltsam argumentiert...

Grüße,
Rainer

Offline erich

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Re: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden
« Antwort #54 am: April 30, 2021, 12:46:32 Nachmittag »
Rainer! Ja, dem kann man wenig hinzufügen, obgleich dieses Fakt gemeinhin wenig bekannt ist. Die Annahme, dass in diesem skandinav. mehr oder weniger Sumpfland das Aufsammeln von Geröllsteinen erlaubt sei, während es z.B. in der Osmanenrepublik verboten ist, könnte verkehrter nicht sein. Mein Nachbar in der Isarstadt, übrigens ein Namensvetter von Dir, der so wie ich seit Jahrzehnten rein auf seltene terrestrische Mineralien für Schul- und erzieherischen Zwecke spezialisiert ist, kam diese Einsicht vor ca. 10 Jahren bitter zu stehen. Die Grundbesitzer - ein schwedischer Hotel-Großbetrieb, ließ den leiden-schaft-lichen Steineklopfer, einige hier werden ihn auch kennen, festnehmen, worauf dieser schwedische Gardinen (nomen est omen) von innen kennen lernen musste. Laut seinen Aussagen, wenn ich mich recht erinnere, folgte eine Hausdurchsuchung seitens der deutschen Behörden, ob nicht etwa schwedische Gesteine bei ihm gefunden werden, obgleich der kommerzielle Wert derselben, wer seine Sachen kennt, abgesehen von einem möglichen, geringen Liebhaberwert, sicherlich völlig belanglos ist. Der sympathische Finder der Masse vom 07nov2020 entstammt einer sehr angesehenen Stockholmer Familie. Soweit mir bekannt ist, war (oder ist) der Vater des Finders, der ebenfalls einigen von uns bekannt ist, namhafter Berater der schwedischen Langzeit-Regierung in juridischen Fragen. Daher nehme ich an, dass auch dieser über seine Ansprüche Bescheid weiß. Das sind meine bescheidenen zwei Cents zu dem Thema, die Deinen Eingangskommentar voll bestätigen.
<B>Impactites; Rare minerals and rock samples from beyond earth's gravity</B>

Offline Mettmann

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Re: Bolide 7.11. ~21:27 UT nahe Uppsala, Schweden
« Antwort #55 am: Mai 01, 2021, 13:35:19 Nachmittag »
Dem sei gegenübergestellt,
daß Schweden beneidenswerterweis bei Muonionalusta über ein äußerst ergiebiges Streufeld verfügt,
aus dem seit 20 Jahren teils beachtliche Massen geborgen und diese auch öffentlich kundgegeben werden,
ohne daß m.W. (aber ich bin seit Jahren nicht mehr gut informiert, hat sich da in der Rechtspraxis etwas geändert?)
daran Anstoß genommen oder der Vorwurf der illegalen Aneignung von irgendeiner Seite erhoben oder verfolgt worden wäre.

(Psst, wenn ein Meteoroid es geographisch geschickt anstellt, kann er noch während des Durchqueren des Luftraums seine Eigentümer wechseln..
...eine possierliche Vorstellung. Ich barme ja in internationale Rechtshändel verwickelt zu werden, weil die Gartengrasmücke, die in meinem Baum nisten wird,
dieser Tage pünktlich aus den Tropen zurückgekehrt ist und dabei Länder überflogen hat, die möglicherweise einen rechtlichen Besitzanspruch an ihr gelten machen könnten.).

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Mettmann
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