Autor Thema: Meteoritenverschandelung  (Gelesen 14857 mal)

Offline Haschr Aswad

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #15 am: August 28, 2009, 10:17:44 Vormittag »
Das sind ja Zustände hier wie in China nach der Kulturrevulution. Dann könnt ihr auch ein Luther Porträt von Lucas Cranach nehmen und damit Eure Wurststulle einwickeln ...

Haschr (murrend)

MilliesBilly

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #16 am: August 28, 2009, 11:06:22 Vormittag »
Das sind ja Zustände hier wie in China nach der Kulturrevulution. Dann könnt ihr auch ein Luther Porträt von Lucas Cranach nehmen und damit Eure Wurststulle einwickeln ...

Haschr (murrend)

Ich muss doch sehr bitten, was für ein verschwenderischer Umgang mit kostbaren Ressourcen. Als alles andere denn als Dartscheibe für UNSEREN Papst wäre das Bild nun wahrlich verschwendet.

Und damit gebe ich back to meteorites.


H5P6

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #17 am: August 28, 2009, 11:13:04 Vormittag »
Hallo,

was der Haschr hier schreibt,kann ich nur zustimmen.
Aber denkt daran,daß das endlose zerkleinern von Meteoriten auch eine Formgebung ist.
Bei der einen Formgebung ist das Ziel,aus möglichst wenig Masse eine größtmögliche Fläche zu bekommen.
Bei den Anderen,aus möglichst wenig Material eine bestimmte Form zu erreichen.
Beides bedient die Nachfrage.

Gruß Jürgen

Offline Mettmann

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #18 am: August 28, 2009, 17:28:47 Nachmittag »
Genau Sikhotes zu Schwertern und Muonionas zu Pflugscharen.

Ehm Unterschied ist, für einen Cranach würden sofort die Museen oder private Stiftungen Milliohnen hinblättern.

Die Meteoriten-Louvres der Welt sagen aber, was Zwohundert Mark das Stück?  Unerschwinglich!!!

Oder die sagen, nja 1000 Dollar, das Ding vom Maas - feinfein böt our policy is, daß mer für den Krempel lieber 20.000 zahlen, damit es nicht aus der Wüste kommt, wo wir in der Zeitung gelesen haben, daß das illegal sei.   

Oder die sagen, ja nett 100 im Kilo, aber wir haben uns doch grad einen solchen Klotz für 1.6 Millionen uns aus der Arktis herankarren lassen.

 Oderse sagen, pfff Mond, einzigartig, 10.000 das Stück? Geht grad nicht, koa Goid, denn Hintze schafft uns just an für 1.600.000.000 Eurer zum Mond zu fliegen, weil das der Koreaner auch will, um genau an so einen Stein ein kleines bisschen hinriechen zu können.

Und solang das so ist, werden die Leut eben geschmacklosen Tand aus den Schlüsseln zur Erkenntnis über uns und die Welt zwirbeln.
Denn von irgendetwas, müssense auch leben.

Und ich nehme an, würde sich jemand ins Farbfernsehen begeben und eine Mondhauptmasse mit der Pistole bedrohen,
niemand würde das Lösegeld entrichten wollen.

So isses eben.  Vor 10 oder 20 Jahren wär das nich passiert.

 :nixweiss:
 :prostbier:



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astro112233

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #19 am: August 28, 2009, 18:24:27 Nachmittag »
Hallo Uwe,

danke, ich muß allerdings gestehen, daß das ein ganz normaler Billig-Flaschenöffner ist und sich mein Grafikprogramm die Widmannstätten von einem Meteoriten auf Mirkos's Website www.meteorite-mirko.de "ausgeliehen" hat!  :einaugeblinzel:

 :weissefahne:   MetGold

Hallo Peter,

so ist das also mit dem ominösen Flaschenöffner. Allerdings verlange ich zur Untermauerung deiner „Schutzbehauptung“ ein Originalfoto des Flaschenöffners.

In Kopenhagen warst du nicht mal zufällig?

Gruß Konrad  :hut:

Offline Allende

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #20 am: August 28, 2009, 23:46:22 Nachmittag »
Anbei ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1991 – schon lange her, aber ich finde es immer noch sehr schlimm.

Habe sogar eine sehr persönliche Erinnerung daran. Eine der Zagami-Uhren hatte ich im gleichen Jahr in einem Juweliergeschäft in der Zürcher Bahnhofsstrasse gesehen und einfach so gefragt, ob ich die mal kurz anlegen darf. Ich durfte, aber es standen sofort zwei kräftige Securitas-Leute neben mir. Fotografieren durfte ich nicht, ich war damals Bartträger und die Haare waren noch etwas länger als heute…

Kurz noch für alle, die in den 80er und 90er Jahren noch nicht mit der Met-Sammelei am Hut hatten: Der US-Grosshändler Bob Haag hatte die Zagami-Hauptmasse aus Nigeria geholt. Das Preisniveau für Zagami lag in der zweiten Hälfte der 80er Jahre bei – je nach Stückgrösse – 75 bis 100 Mark pro Gramm!  :gruebel:  Aus heutiger Sicht unglaublich billig, aber damals war Zagami mit Abstand das teuerste Material, das für Privatpersonen erreichbar war. In den 90er Jahren zog der Preis dann rasch an und heute noch bezahlbares Zagami zu finden ist leider kaum mehr möglich.

Gruss, Allende  :winke:

Offline Mettmann

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #21 am: August 29, 2009, 02:21:43 Vormittag »
Nun..

...was daran lag, daß sich erst ab Mitte der 80iger Jahre zu etablieren begann, daß die Shergottite vom Mars stammen.
Zuvor wurde Zagami als anormaler Eukrit angesehen. Daher war sein Preis schon auf einen Rahmen vorfixiert, man hätte ihn ja schlecht von einem Jahr aufs andere im Preis verzehnfachen können.
100 Mark 1987 waren 55$, entsprechend der Kaufkraft von ca. 100$ um 2007,  2006-2007 war es keine Schwierigkeit, Zagami für 250$ zubekommen, im ebay gingen kleine Portionen häufiger auch nur bei 150$ weg.

Zur jüngeren Geschichte, Zagami trieb es bis zur Saison 2000/2001 auf durchschnittlich über 1750$/g (Inflationsbereinigt).
Meine Preiskompilation von 86 Anbietern listet 13 Zagami Anbieter.
Der billigste war jener Pyramidenspieler Casper, der stets alle unterbot und am Ende seine Lieferanten auf geplatzten Rechnungen sitzen ließ, mit 450$ entsprechend heutigen 560$/g.

Danach wurde Zagami im Strudel der Wüstenverbilligung mitgerissen, samt seiner älteren Kollegen, der DaG 476-Gruppe, die zuvor nur wenig billiger als Zagami gewesen waren. Die SaU Märse starteten dann schon zum halben Preis derselben,
und sehr bald hatte sich ein Standardpreisminimumniveau von 250$/g für die Märse etabliert - im Ebay gings dann gar eine Zeitlang, insbesondere wemmer uns an den DHo 019 erinnern mögen, als er noch von den Russkis verramscht wurde, häufig bei 150$/g ab.

In den letzten ca. 3 Jahren, haben die Märse von allen Meteoriten im Preis am stärksten angezogen* und sich verdoppelt bis vervierfacht im Schnitt.
Was zum einen daran liegt, daß weniger gefunden wird, zum anderen durch die stark gestiegene Nachfrage durch die neueren Sammler, die dazugekommen sind und zum dritten, dadurch, daß Mars durch die Sonden- und Landerserien wieder in das öffentliche Bewußtsein gerückt ist.

Ich will ja nicht unken und Ihr müßt mir ja nich glauben, daß auch bei den anderen Klassen die Fundmengen ähnlich stark zurükgehen, zumindest ist Mars ein Bsp, wie schnell es bei den Meteoriten gehen kann und sie binnen weniger einzelner Jahre im Preis explodieren können.

 :prostbier:
Martin

(* mit Ausnahmer einiger weniger neuer Fälle, dieselben im Vergleich zu Neufällen früherer Zeiten. Insbesondere Cali, LaPice, Almahata, West, teilweise Carancas, Moss - das waren im vergleich zu früheren Neufällen teilweise schon ziemlich geisteskranke Preise, die da bezahlt wurden).
« Letzte Änderung: August 29, 2009, 02:38:09 Vormittag von Mettmann »
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Offline herbraab

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #22 am: August 30, 2009, 00:51:18 Vormittag »
...was daran lag, daß sich erst ab Mitte der 80iger Jahre zu etablieren begann, daß die Shergottite vom Mars stammen.
Zuvor wurde Zagami als anormaler Eukrit angesehen. Daher war sein Preis schon auf einen Rahmen vorfixiert, man hätte ihn ja schlecht von einem Jahr aufs andere im Preis verzehnfachen können.

Also, Mettmann, in meiner Erinnerung ist das anders abgelegt - aber vielleicht täuscht mich meine Erinnerung auch.  :dizzy: :platt: Soll in meinem Alter schon vorkommen...  :baetsch:

Sicher ist, dass ich bei den Münchner Mineralientagen 1995 für ein 4,3g schweres Stück mit reichlich glänzender Schmelzkruste US$ 550,-- bezahlt habe. Zwei oder drei Jahre davor habe ich für eine 4g Scheibe ohne Kruste US$ 350,-- bezahlt. Der Preis war damals also relativ stabil. (Unser Allende hat natürlich Recht, noch ein paar Jahre davor gabe es Zagami auch für US$50/g...) Und damals zweifelte auch schon kaum jemand daran, dass die SNCs vom Mars kommen. (Immerhin hatte McSween sein Paper "SNC Meteorites: Clues to a Martian Petrologic Evolution?" schon 1985, also gut zehn Jahre zuvor, veröffentlicht.)

Dann, 1996, kam McKay mit seinem Science-Artikel "Search for past life on Mars: Possible relic biogenic activity in martian meteorite ALH 84001", alle redeten von Marsmeteoriten, und der Preis für Zagami hatte sich schlagartig verzehnfacht: Statt um $100/g verkaufte Bob Haag seine Zagami-Stücke um $1000/g. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage hat gnadenlos zugeschlagen. Ich kann mich sogar erinnern, dass Bob Haag die Situation in einem Interview geschildert hat: Nach dem Medien-Hype um 84001 riefen die Leute bei ihm an und wollten auch so einen Mars-Rock. Also hat er $500 verlangt, und die Leute zahlten das auch. Beim nächsten Anrufer hat er dann $1000 verlangt. Und zu seiner Überraschung zahlten die Leute auch das noch. (Ich hab gewühlt, aber ich kann den Artikel mit dem Interview nicht finden - oder hat er's doch nur beim Stammtisch in München erzählt...?)

Also, wenn mich meiner Erinnerung nicht ganz im Stich lässt, dann heisst das, dass Preise nicht binnen weniger einzelner Jahre, sondern buchstäblich über Nacht explodieren können.

Grüße, Herbert
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

Offline Mettmann

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #23 am: August 30, 2009, 01:05:56 Vormittag »
Ich redete von den 80igern.
Wo noch lange "Eucrite" auf den Zagami-Zetterln stand.
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Peter5

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #24 am: August 30, 2009, 08:39:37 Vormittag »
.. noch mal zurück zum Thema Meteoritenverschandelung .. :smile:

Also für mich sind die gezeigten - noch vorsichtig ausgedrückt - "Grob-Kitsch-Produkte" eine Vergewaltigung aller Meteoriten und Meteoritenfreunde! :bid:

Insbesondere die Alienfratze aber auch der "Plätzchenausstecher" (ham mehr schon Advent?, weil noch kein Lichtlein bei mir brennt..) :gruebel: ..und dann noch die "Grobe Met-Perlenkette".. nicht mit grober Mettwurst zu verwechseln!  :laughing:..

Der Flaschenöffner von unserem Peter1 ist da ja wenigstens noch stilvoll aber Vergewaltigung bleibts trotzdem.

Gleiches kennen wir auch alle aus der Mineralien-"ESO"-"KITSCH"-Szene..ich sag daher immer: Es fehlen jetzt nur noch die "Gartenzwerge aus Rosenquarz auf Alabaster-Aschenbecher" montiert! Die gabs - glaube ich - bisher noch nit! :lacher:..aber die Chinesen kommen nicht nur - die sind schon da und wenns nicht die VR China ist, dann ists die Kronkolonie Hongkong - ganz bestimmt!  :prostbier:

Gruß Peter5  :winke:

Offline ben.g

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #25 am: August 30, 2009, 09:05:54 Vormittag »
Hallo.  :winke:

Dann, 1996, kam McKay mit seinem Science-Artikel "Search for past life on Mars: Possible relic biogenic activity in martian meteorite ALH 84001", alle redeten von Marsmeteoriten, und der Preis für Zagami hatte sich schlagartig verzehnfacht: Statt um $100/g verkaufte Bob Haag seine Zagami-Stücke um $1000/g. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage hat gnadenlos zugeschlagen. Ich kann mich sogar erinnern, dass Bob Haag die Situation in einem Interview geschildert hat: Nach dem Medien-Hype um 84001 riefen die Leute bei ihm an und wollten auch so einen Mars-Rock. Also hat er $500 verlangt, und die Leute zahlten das auch. Beim nächsten Anrufer hat er dann $1000 verlangt. Und zu seiner Überraschung zahlten die Leute auch das noch.

Dazu mal eine kleine Anekdote von Kevin Kichinka, wie er damals Zagami von Bob Haag gekauft hat:

“Hello, ‘bro!” was the way Bob greeted me when I dialed him up. Grateful for the positive vibe, I told him that I wanted to buy some Zagami, “if he had any left.”

Only the main mass.

“Did you hear about the auction? Zagami brought $500 a gram. I’m rich!”

Bob enthusiastically went on, “You, too, are a lucky man today. I’ve got a fresh-cut, seven-gram slice sitting right in front of me. Wow! It’s got shiny, black fusion crust on one edge. Look at that vein of shock melt down the middle. Killer, man! You’ll love it!”

“Sounds good, Bob. How much?”

“Well I told you that it’s your lucky day, dude.  You’re the last person I’m selling it to for the low price of $200 a gram. Whoopee!”

I felt very lucky……and worried. To whom exactly was I sending $1,400?

Quelle: http://www.meteorite-times.com/Back_Links/2005/October/Meteorite_People.htm

Gruß
Ben

Offline Andreas Gren

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #26 am: September 01, 2009, 13:39:44 Nachmittag »
Den Meteoriten ist es total egal ob se in der Wüste vergammeln, im Museum stehen oder verarbeitet werden.
"Without deviation from the norm, progress is not possible."
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Offline lithoraptor

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #27 am: September 01, 2009, 13:53:22 Nachmittag »
Das Grauen hat viele Gesichter ähhh Erscheinungsformen! :contra: :abgelehnt: :unfassbar:

Offline Andreas Gren

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #28 am: September 01, 2009, 14:19:32 Nachmittag »
Gib mal bei Googel Bildersuche "Krieg" ein, das ist Grauen.  Inflation der Begriffe
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MilliesBilly

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #29 am: September 01, 2009, 14:41:04 Nachmittag »
Den Meteoriten ist es total egal ob se in der Wüste vergammeln, im Museum stehen oder verarbeitet werden.

Mir, in aller Vorläufigkeit, nicht.

 

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