Autor Thema: Mikrometeorite/Mikrometeore  (Gelesen 36537 mal)

Offline Hungriger Wolf

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #165 am: November 21, 2017, 20:23:32 Nachmittag »

Offline DCOM

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #166 am: November 21, 2017, 21:35:17 Nachmittag »
Ich mach die Schriftart mal kleiner, denn das wird im Foren-Jargon als lautes Schreien empfunden:

Danke für Dein Feedback und besonders diesen Satz:

Immer wieder betont er, dass ohne chemische Analyse prima facie von einem terrestrischen Ursprung ausgegangen werden müsse.


deswegen finde ich, ohne dieses Wissen, und das fehlt den meisten Sammlern bei ihren Stücken, darf man nicht von Mikrometeoriten reden.
genau das ist der Kritikpunkt, nicht mehr und nicht weniger.

Das ist doch wohl selbstverständlich - wer macht das denn überhaupt? Larson nicht und niemand, den ich sonst kenne. Eine Elementaranlayse bzw. Speziesbestimmung ist zerstörungsfrei mittels EDX /Raman-Spektroskopie möglich und alles andere als problematisch. Man darf getrost davon ausgehen, dass Larson alles andere als ein Stümper ist, wie dies verschiedentlich zwischen den Zeilen anklingt, sondern genau weiß, was er tut.

Den verschiedentlich hier um sich greifenden, hier nun insbesondere von Mettmännlein initiierten, Kritizismus finde ich doch ziemlich unangebracht. In Abwandlung des o. g. Tucholsky-Zitats würde ich doch eher den Grundsatz empfehlen: "Ich bin so skeptisch wie nötig, aber nicht kritischer als Menschen, die sich gründlicher mit der Materie befasst haben als ich selber."

Nix für ungut, D.U.  :prostbier:

Offline Mettmann

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #167 am: November 21, 2017, 21:43:43 Nachmittag »
Hui Aggro-Mirko,

schad, fast hätt ich im letzten Post geschrieben, man sölle sich besser an Mirko- als an Mikrometeorite halten,
- Du mißverstehst mich, mir tuts in der Hauptsache um die vergebene Liebesmüh leid (abgesehen davon wäre es ein besonders hirnrissiger Tod, müßte ich in der Zeitung lesen: Hunriger Wolf bei Jagd auf vermeintliche Mikrometeorite vom Dach gestürzt)...

So wie bei Flammarion der mittelalterliche Mensch sein Kopf aus seinem Kosmos in die Neuzeit reckt, müssen wir mit unserem Schädel nur ein bisserl die Filter- und vor allem die Suchblase im Web durchstoßen, um zu finden, daß die ganze Welt voll Kugerln, Dendriten und Zähnschensphärullen ist.

Klosterschwestern, Tacheles:
Solcherlei eisernen Kugerln entstehen in unserer Welt immer und allüberall wo Stahl auf Stahl trifft, wo es knirscht und wo es heiß wird. Wo man reibt, wo man  bremst, wo man schweißt, wo man sägt, wo man schleift, wo man beschichtet und wo man verbrennt.

Heut nur ganz gschwind gschaut, ein paar Bspe:

In unserem liebsten Hochglanzmagazin Anlagenschmierung
berichten Fitch&Gebarin, daß Kügelchen und Spherulen in Schmiermitteln und Ölen allfällig sind und sich anreichern, was noch keine Nachricht ist - wie sie entstehen, durch Reibung, in Kugellagern, Materialermüdung, eine Schweißperle, wie in dem Thread oben gezeigt, hat er auch usw.
und als Neuigkeit - daß man aus der Größe der Kügelchen im Schmiermittel den Abnutzungsgrad der betroffenen Komponenten ermitteln kann.
http://www.machinerylubrication.com/Read/719/spherical-particles-lubricants

(Und Mirko, alter Motorenfexx, findest im Web auch schöne Mikrometeorite die in Dieselmotoren anfallen, ob intern oder als Aerosol, die den Ingenieures arge Probleme bereiten).

Anderes Bsp. hier diverse Schwebstäube in dem Artikel, wo uns nicht mal die Rumballerei interessieren braucht, nur mal gschwind Bild 33,
da haben wir schöne Kügerln und Dendriten - nicht vom Laster gefallen - sondern durch einen vorbeifahrenden Eisenbahnwagon
(Die Eisenbahn ist ja erfunden worden, weil deren Räder im Vergleich zum Dampfwagen eine so geringe Auflagenfläche haben, daß selbst so ein Hänfling wie ich einen Eisenbahnwagon ohne Weiteres in Bewegung versetzen kann und man früher zum abrupten Bremsen und bei steileren Steigungen Sandbehälter mitführen mußte um ggfs. die Reibung der Räder zu erhöhen. Oje bei uns zu Minga herrscht grad U-Bahn-Chaos weil die Gleise ausgewechselt werden müssen, da sie in den letzten 10 Jahren um bis zu 7mm abgefahren worden sind. Keine Ahnung wie breit die sind, 6cm? mal 7mm mal 4 Stränge mal hundert km bei Dichte von 8g/cm - da kommen sicher etlich Tonnen zerstäubter Stahl zusammen, der irgendwo hin muß!)
https://www.intechopen.com/books/atmospheric-aerosols-regional-characteristics-chemistry-and-physics/experiences-with-anthropogenic-aerosol-spread-in-the-environment

Schau, wenn ich Mikrometeorite will, bestell ich mir ein Pfund bei Castolin Eutectic, weil die sich rühmen, besonders gleichmäßige Kügelchen erfunden zu haben, die haben nicht nur dendritische Strukturen auf der Oberfläche, sondern die gehen im Lab auch als Meteorit durch, weil sie aus einer Nickellegierung bestehen. - Man nimmt das Zeug zur Pulverbeschichtung her:
https://www.castolin.com/en-CA/article/new-line-xuper-high-deposition-xhd-powdered-alloys

Selbst Verschwörungstheorien kann man widerlegen - hops im Fabfenzi heißt das neuerdings "abräumen":
Das World Trade Center ist nicht von finsteren Spekulantensekten oder von der CIA gesprengt worden,
sondern Mikrometeorite haben es zu Fall gebracht:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:World_Trade_Center_9-11_Iron-rich_sphere.jpg

Das geht endlos so weiter im Netz, denn der Eintrag an Schwebstoffen und Stäuben in die Umwelt ist endlos, aus so vielen Quellen und so vielfältig, daß was Form, Eigenschaften, Größen angeht, für jeden Geschmack etwas dabei ist. Seis obst Holz verbrennst, Alkali, Schiffsdiesel usw. usf. magst bspw. silikatische Mikrometeorite begibst Dich halt in die Nähe eines Zementwerks.
Endlose Artikel, wo Du z.B. lernen kannst, wie sich Aerosole mit Fe-Kern und Oxidschicht bilden, über Verweildauer, Abregnen von Stäuben und Entfernungen von der Quelle, Spherulen allein von der Verschüttung von Roheisen, von der Entschwefelung desselben, vom Schmelzen..vom Abrieb durch den Verkehr,gar Anleitungen zum Sammeln von Kugerln aus dem Rauch beim Schweißen..usw. usf..

weil das durch das Erkennen der Umweltproblematik in den letzten 3 Jahrzehnten ein großes Thema ist und man Bestrebegungen hat, diese Kugerln, Stäube, Partikel, die bei der Produktion, bei der Energieerzeugung usw. möglichst abgefiltert und abgeschieden werden sollen.
Und das ist ja nur das menschengemachte - über natürliche Quellen, wie Vulkanausbrüche, Busch- uns Waldbrände, schwelende Torfmoore und Kohleflöze - da hab ich noch gar nicht nachgeschaut - weil das andere Überflogene schon so staubtrocken ist...

Jetzt brauch ich erst mal einen Kaffee...
dann zu Larsen..




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Offline Mettmann

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #168 am: November 21, 2017, 22:44:51 Nachmittag »
..hmmmm gekarlsbadeter honey processed Costa Rica mit der Gesto Junior gemahlen, wo mit wir zwubbelodiewupp bei den Staubeinträgen aus der Landwirtschaft.... nein kein Angst..

In meiner hömblen Opinion scheint es mir nur, daß Larsen irgendwie gleich drei Pferde von hinten aufzäumt.

Zuerst..bräuchten wir nicht eigentlich 20 Regalmeter Bildbände von anthropogenen Partikeln, Stäuben, Aerosolen und von natürlichen terrestrischen? Wir haben ja keine solche Zusammenschau zum Abgleichen, grad wenn wir optisch aussortieren wollen und wer sagt, je nach dem was wir im Labor messen, ob es nicht eben auch irdische Partikel mit den ähnlichen zwei, drei Eigenschaften, die wir ausgemessen haben, gibt?
Daran besteht ja der ganze Witz bei der Sammlung der Mikrometeorite aus antarktischem fossilen Wasser (und früher auch bei weniger Verkehr beim Sammeln mit Stratosphärenfliegern). Da haben wir nicht nur noch keine menschengemachte Partikel drin, sodaß man aussortieren muß,
sondern und vor allem muß man sich keine Gedanken machen, ob mans mit anthropogenen Partikeln verwechseln könnt, deren Eigenschaften man gar nicht kennt!

Naja und wenn ich selber Sammeln würd,
dann doch lieber nach der altväterlichen Methode, wie sie berühmt dargestellt ist in
Max Liebermanns. "Staubfänger"
https://kuerzer.de/Staubolausus

Man könnte auch ein Widderfell in den Fluss hängen..

Aber der Larsen geht dahin, wos grad recht schmutzig ist, läßt sich auf einem Tankstellendach photographieren,
wodrunter die Bremsscheiben glühen und in der Werkstatt grad recht gschliffen, und poliert und geflext und geschweißt und gedreht und lackiert wird. Warum macht er das, denk ich mir? Insbesondere wenn er im Netz frohlockt: 41 Mikrometeorite in nur 2 Minuten!
(und ein Blitzauge/-objektträgerwechsler?).
Fast hätt ich gschrieben, er solle mal die alten Schornsteinfeger von Copsa Mica zu Mikrometeoriten befragen, die würden ihm was husten
(aber die sind alle vor der Zeit unter der Erde und ich müßte greisisch ausholen, von den Gründungsmythen der Grünen, daß wir uns noch vor Wackersdorf und noch vor dem Waldsterben vor dem seltsamen englischen Kontraktionswort aus fog und smoke wirklich sehr gefürchtet haben, nebst allerterstem Ökofernsehspiel in der Dreikanalzeit).

Bleibt noch der dritte Gaul - wäre es nicht gescheiter zuerst der Reihe nach mit der Einschätzung so vorzugehen, daß man befragt die Materialwissenschaftler, Handwerker, Ingenieure, Anlagenbauer, Umwelttechniker, Meteorologen, Friktiologen und Aerosolisten und erst ganz am End den Geologen und den zunächst über Vulkane, Flöze, Brände, Blitze usw. und ganz zu allerletzt den meteoritischen Geologen?

Also Mirko und D.U. mir geht's weder um Kritizismus noch um den Larsen,
sondern um den Sinn (und ein paar gute Punkt hab ich schon, find ich) und um die reiiiiine Weltempathie!
Denn was wird man uffem Dach finden, jede Menge Dreckpartikel und es werden so viele sein, daß man die Mikrometeorite gar nicht rauskennt.
Und wenn mans dann nach dem Buch raussortiert, kann man von den Ausgesuchten auch nicht sagen, obs welche sind,
weil der Larsen an grad ungünstigen Stellen gesammelt und vor allem gar nicht den Kosmos an menschlichen und irdischen Partikeln kennt und kein Vorwurf ja auch gar nicht kennen kann,
was im Übrigen dann auch für die Überprüfung im Labor, wobei man ja auch keins findet, was es machen tät, gelten kann.
Sodaß letzlich bei einem solchen Unterfangen übrigbliebe, eine Sammlung von,
von...naja von Larsenkugerln.

Also, nie offense gedacht.

Wir aber, genderlio, meine Herren, nehmen aus der anregenden Diskussion mit:

Eine ausgezeichnete Ausrede dafür, daß wir nach dem Schneuzen fasziniert in unsere Taschentücher schauen.

 :weissefahne:
Mettmann
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Offline DCOM

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #169 am: November 21, 2017, 22:48:48 Nachmittag »
Mettmann! (Herrgott, wer soll das alles lesen)...  :einaugeblinzel:

Selbstverständlich ist kein einziges der o. g. Kriterien hinreichend für die Identifikation von Mikrometeoriten. Die Summe der Kriterien ist doch hier entscheidend und fast so aussagekräftig wie ein Fingerabdruck.

Beim Schweißen von Edelstahl entstehen nickelhaltige Perlen. Und es mag sogar vorkommen, dass sich bei Verbrennungsprozessen sphärische Kügelchen mit Magnetitkruste bilden. Aber Edelstähle enthalten kaum Phosphor und Schwefel. Umgekehrt findet sich in vergüteten Stählen reichlich Mangan; Konzentrationen >0,2% sind für Meteoriten aber eher ein Ausschlusskriterium. Hier lässt sich also schon über die entsprechende Elementar- und Mineralzusammensetzung eine Vorentscheidung treffen.

Entsprechende Metallperlen, eingebettet in erkaltete Silikatschmelzen, deren Zusammensetzung chondritischem Material ähnelt und die mitunter radiale Flowlines aufweisen, dürften bei Schweiß-, Schleif-, Drechsel-, Polier-, Zerspanungs- und Verbrennungsvorgängen nicht ohne Weiteres entstehen (bzw. nur mit transastronomisch kleiner Wahrscheinlichkeit). Selbst wenn solche Gebilde mitunter zufällig entstehen sollten, fände man sie nicht dutzendfach auf Hausdächern, und schon gar nicht in abgelegenen Gebieten wie den Hochalpen.

Wenn Du die weiteren der o. g. Kriterien dazurechnest, lässt sich meist ziemlich sicher beurteilen, ob es sich bei den betrachteten Sphärulen um irdisch entstandenes oder um außerirdisches Material handelt.

Was aussieht wie eine Ente, quakt wie eine Ente und watschelt wie eine Ente, das ist - eingedenk einer gewissen Irrtumswahrscheinlichkeit - landläufig immer noch eine Ente... oder der Mettmann, der sich zu Fasenacht in das Kostüm des traurigen Entleins zwängt  :prostbier:
« Letzte Änderung: November 21, 2017, 23:13:42 Nachmittag von darwin upheaval »

Offline Mettmann

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #170 am: November 21, 2017, 23:35:08 Nachmittag »
Hi D.U.,
mei, jetzt wo's langsam dem Ende zugeht schlochz, lohnt sichs nimmer meinen Schreibstil kurz zu takten
(und muss mir auch keine Bernauer Animositäten mehr antun, weswegen ich mich brav wieder für Jahre aussem Forum schleich..)


Brauchst mich nicht auf die gebrachten Bsp. festzunageln,-- die waren willkürlich aus der Lamäng ausgewählt, um hptsl. zu zeigen,
was man für einen Berg an Enten aus ganz unterschiedlichen Teichen mittlerweile kennt, die eben auch wie Enten aussehen und die man mitbedenken muß, selbst wenn man gar nicht dran gedacht hätte, sie schnattern zu hören.

Ums klar zu sagen,
ich betrachte die Sache (wie so häufig) ergebnisoffen.

Nuuur halt ich es eben für verfrüht, jedes zehnte Kügelchen als Mikrometeorit anzusehen.
Die schiere Menge und Vielfalt an Einträgen von derlei Material scheint mir derart groß,
daß man sie noch gar nicht überschaut.
Daher find ich eben, daß man Methoden anwenden sollte, die die Proben weniger stören

und vor allem, daß noch viel Forschung vonnöten ist,
bis sich der Staub lichtet.

 :hut:
Mettmann

 
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Offline Hungriger Wolf

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #171 am: November 21, 2017, 23:47:44 Nachmittag »
Hallo Mettmann!

Zitat
Daher find ich eben, daß man Methoden anwenden sollte, die die Proben weniger stören

und vor allem, daß noch viel Forschung vonnöten ist,
bis sich der Staub lichtet.

 :pro: Da bin ich der selben Meinung!

Es bleibt interessant und vieles ist aktuell noch unbekannt!
aber das ist ja auch das spannende dabei.... :super:

Grüsse  :prostbier:
Achim

Offline DCOM

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #172 am: November 21, 2017, 23:52:11 Nachmittag »
Ums klar zu sagen,
ich betrachte die Sache (wie so häufig) ergebnisoffen.
 :hut:
Mettmann

Jepp. Darauf können wir uns einigen!

Grüße, D.U.  :prostbier:

Offline MetAur

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #173 am: November 21, 2017, 23:59:09 Nachmittag »
Zunächst dachte ich, dass es bei den Mikrometeoriten "nur" das Problem sei, die Stecknadel im Heuhaufen zu finden. Hier ist es ja eine gute Methode, den Heuhaufen abzubrennen und zu schauen, was übrig bleibt.
Ähnliches macht ja wohl auch Larsen, wenn er versucht, möglichst viele nicht-meteoritische Partikel zu beschreiben und auszuklammern.
Das weitergehende Problem scheint aber zu sein, dass sich die Stecknadeln nicht eindeutig vom Heu unterscheiden.
Was nun?
Auch aus eigenen Partikelmessungen weiß ich leidlich, dass diese in verschiedenen Größen, Formen und Zusammensetzungen sowohl in natürlichen wie auch in technischen Prozessen sich bilden, transportiert werden und sich verändern. Auch hier ist es nicht immer einfach, z.B. Dieselabgaspartikel von Reifenabrieb, Straßenstaub u.v.a.m. eindeutig zu unterscheiden.
In einer solchen Situation ist es hilfsweise möglich und wissenschaftlich durchaus zulässig, statistische Plausibilitäten heranzuziehen. Fernab der Zivilisation habe ich durch Ausbreitung auch, aber deutlich weniger technisch produzierte Teilchen. Dazu brauche ich nicht unbedingt in menschenleere Polarregionen zu gehen, schon wenige Kilometer von Straßen u.a. habe ich eine andere Situation.
Mikrometeoriten sollten den besonderen Vorteil bieten, dass sie vermutlich nahezu gleichmäßig über die Welt niedergehen. Sie müssten daher ein Grundrauschen bilden, zu dem alle anderen Quellen hinzukommen. Auch die zeitliche Verteilung sollte man nicht ausklammern. (Übrigens habe ich vor Jahrzehnten erstmals von Mikrometeoriten gelesen, als Schüler für den Wettbewerb "Jugend forscht" - wenn auch mit rudimentären Mitteln und vermutlich nicht stringent - untersucht haben, ob Sternschnuppen-Regen zu einer Häufung führen.)
Also ich meine, dass die Lage schwierig, aber nicht hoffnungslos ist.
Möglicherweise muss man aber auch die Erwartungen an die Ergebnisse auf statistische Häufungen beschränken. In die Makrowelt übertragen würde dies bedeuten, dass ich in einer Kiste einmal nur 100 Steine gesammelt habe, ein anderes Mal dazwischen (nur, aber auch immerhin) zwei, drei Meteorite vermuten darf, ohne stets zu wissen, welche Individuen dies sind. Für Sammler unbefriedigend, für manche Studien aber deutlich besser als nichts.
« Letzte Änderung: November 22, 2017, 00:24:24 Vormittag von MetAur »

Offline ironmet

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #174 am: November 22, 2017, 00:11:49 Vormittag »
Tja mein liebes Mettmännchen,

der darwin upheaval hat es eben auf den Punkt gebracht.
Sein Beitrag z.B. zeigt mir, dass er sich schon gut und nicht nur oberflächlich mit der Materie befasst hat.
Bei Dir hingegen habe ich den Eindruck, dass Du zwar viel von und über Larsen schreibst, Dir aber die Seite
relativ unbekannt zu sein scheint.
Du bist doch auch bei Facebook!
Zumindest sehe ich da noch Dein Face in diesem Book.
Schau doch einfach mal die letzten Beiträge durch.
Wer bitte sucht irgendwelche Eisenkügelchen..... :nixweiss: ?? .....kein Mensch!  :fluester:
Dir wird ja sicherlich auffallen, dass Du dann sehr markante Stücke präsentiert bekommst,
welche sich alle sehr ähneln.
Und das wären diese, die D.U. selbstredend auch meint:

Entsprechende Metallperlen, eingebettet in erkaltete Silikatschmelzen, deren Zusammensetzung chondritischem Material ähnelt und die mitunter radiale Flowlines aufweisen, dürften bei Schweiß-, Schleif-, Drechsel-, Polier-, Zerspanungs- und Verbrennungsvorgängen nicht ohne Weiteres entstehen (bzw. nur mit transastronomisch kleiner Wahrscheinlichkeit). Selbst wenn solche Gebilde mitunter zufällig entstehen sollten, fände man sie nicht dutzendfach auf Hausdächern, und schon gar nicht in abgelegenen Gebieten wie den Hochalpen.

Richtig !! Und das ist der springende Punkt!

Zudem hat Larsen von der ganz anderen Seite angefangen zu suchen.
Erst hat er sich dem ganzen irdischen Müll gewidmet....logisch, woher sollte er auch Wissen schöpfen zum Anfang.
Sicherlich gab es auch einige Tiefschläge, dass eben vieles nicht meteorisch war, was er zur Untersuchung einreichte.

Du beklagst doch selbst immer, wenn Leute ihre Fundstücke hier präsentieren.
Das sind meist die, die sich mit irdischen Steinen nicht auskennen.
Und was ihnen dann so sehr unbekannt vorkommt, muss dann natürlich meteorisch sein.
Hätten diese Leute sich aber zuerst mit den irdischen Steinen auseinandergesetzt, wüssten sie, dass das, was sie da
haben, eben ein Porphyr, ein Basalt oder ein Granit ist.
Und bräuchten nicht endlos viele irdische Steine zeigen.

Genauso bei Larsen, er hat sich zuerst dem ganzen Dreck gewidmet und selbst diesen in der Foto Datenbank abgelegt.
dafür sowieso Hut ab.
Mich persönlich interessiert der Dreck nicht.
Man kann sich das im Buch mal anschauen......aber ich ertappe mich, dass ich dabei völlig emotionslos bin.
Daher schaue ich mir die Dinge an, die belegte Mikrometeoriten sind.
Und da auch nur diese, welche von chondritischem Material stammt.
Also keine Eisenkügelchen....nein, die will ich nicht finden.
Sondern das, was nach Larsen´s Wissen eindeutig und immer wiederkehrend als echte Mikrometeoriten bestätigt werden.
Und diese scheinen sich nun mal optisch von dem ganzen anderen Müll gut unterscheiden zu lassen.

Vergleichen kann man das sehr gut mit einem Oktaedrit.
Findet einer einen Eisenklumpen....hat er einen Eisenklumpen gefunden.
Mit dem Wissen, welches irgendein Pioniergeist mal weitergereicht hat, sind
wir in der Lage zu sagen.....komm säg mal ein Stück ab und ätze es.
Zeigt sich jetzt ein Oktaedritisches Gefüge, wissen wir, es ist ein echter Meteorit.
Ohne Klassifizierung dürfen wir diesen natürlich auch nur "wahrscheinlicher Meteorit" nennen....obwohl
wir insgeheim sicher sind, dass es ein echter ist.

Und genauso denke ich, verhält es sich bei Larsen´s Funden.
Zumindest denen, die eben optisch so markant und offensichtlich gut zu separieren sind.
Ich bin relativ sicher, dass alles was eben diese markante Struktur zeigt, auch im Labor bestätigt wurde.
Und genau deshalb ist es jedem, der ein halbwegs gutes Mikroskop besitzt möglich, genau solche Funde zu machen!

Gruß von der Bernauer Animosität :hut:

Offline Wunderkammerad

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #175 am: November 22, 2017, 00:22:46 Vormittag »
Mit Enten ist es ja auch so eine Sache, manchen hat es nur draamt sie wären welche, und beim Aufwachen stellt Karl Valentin fest, dass er es ist, selber, obwohl - grad eben hat er den fetten Wurm noch unbedingt fressen wollen. Was ist nun? Mer waaß es net.

Irgendwie geht es hier ja schon um eine Art Staub, dazu also noch'n Gedicht. Von Christof Stählin. Und wenn's auch größerenteils OT oder allenfalls peripher thematisch ist, mag es dadurch entschuldigt sein, dass ich gerade von seinem Tod erfahren habe. Ein stiller, feiner, messerscharfer, sehr nobler Liedermacher. Ob sich extraterrestrische Partikel da eingenistet haben?

Der Staub

Der Staub ist leicht, der Staub ist weich
und wärmet nur gar wenig.
Kommt, folgt mir in des Staubes Reich,
des Staubs, der Stäubchen König.
Was immer rauh, er schlichtet's glatt
zu seiner Stäubchen Weise,
und das, was glänzet, färbt er matt
mit seinem grauen Kleide.

Die Sonn' durchscheint des Weltalls Nacht,
ein Stäublein selbst vom Ganzen.
Sie schickt durchs Fenster einen Schacht,
darin die Stäublein tanzen.
Sie tanzen sacht und ohne Laut,
so ist's des Staubes Wille;
still hat er seine Welt gebaut,
drum hält die Welt ihm stille.

Komm Staub, Staub komm, komm mir zur Hilf
und laß dich kommandieren,
so will ich dich wohl zum Triumph
wider die Feinde führen.
Es ist zwar nichts an dir und mir,
was einen Feind erschrecket,
doch ist am Ende, dir zur Zier,
jed' Feind mit Staub bedeckt.

Wenn alles Feuer dieser Erd'
sich wider ihn vereinte:
sein' Asche nur den Staub vermehrt -
so dienen ihm die Feinde.
Ertränkst du ihn in Wasser gut,
so scheint er gar verschwunden,
doch ist vertrocknet erst die Flut,
wird wiederum Staub gefunden.

Das Beil, das ihn zerbrechen will -
dem Staub wird es zum Sitze.
Dem Spieß, der ihn erstechen will,
macht staubig er die Spitze.
Die Erd', des Himmels Wunderzier,
die schenk ich ihm zum Fraße,
der Höllen Schlund wird für und für
dem Staube eine Vase.

Ach, ach, zerfällt der Welten Glut,
so wächst daraus ein Tempel,
darin aus Staub die Erde ruht,
sich selber zum Exempel.
So singe ich und fahr' dahin,
nur zu des Staubes Feier.
Wenn ich zu Staub geworden bin,
fällt Staub auf meine Leier.

(Christof Stählin, Findelkinder. Nomen+Omen, Tübingen 1981)


Offline speul

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #176 am: November 22, 2017, 15:40:24 Nachmittag »
Moin,

„Ich bin relativ sicher, dass alles was eben diese markante Struktur zeigt, auch im Labor bestätigt wurde.“

Woraus resultiert diese Sicherheit? Sind die Analysedaten von allen untersuchten Objekten zusammen mit der Beschreibung ihrer Struktur publiziert wurden, oder schreibts der Larsen wenigsten irgendwo. Schon ein einziges Teilchen, was so ausschaut wie Du es als Mikrometeorit gern hättest macht diese schöne Annahme kaputt.

„Ich mach die Schriftart mal kleiner, denn das wird im Foren-Jargon als lautes Schreien empfunden“

Ja, genau deshalb schrieb ich es so, denn leise scheint die Warheit ja unterzugehen.

„Das ist doch wohl selbstverständlich - wer macht das denn überhaupt? Larson nicht und niemand, den ich sonst kenne. Eine Elementaranlayse bzw. Speziesbestimmung ist zerstörungsfrei mittels EDX /Raman-Spektroskopie“

Ich kenne wenige Leute im Amateurbereich, denen die Technik mittels EDX Analysen zu machen zur Verfügung steht.
Aber aller Orten lese ich von Mikrometeoritenfunden.

Auch dieses Jahr 2009 (2008 Erstbeobachtung), nach dem Perseidenschauer!, finde ich magnetische Mikrokugeln/Mikrometeoriten, auf einer vorher gereinigten Flachdachflache!

Jugend forscht" - wenn auch mit rudimentären Mitteln und vermutlich nicht stringent - untersucht haben, ob Sternschnuppen-Regen zu einer Häufung führen.)

Um nur mal zwei aus eben diesen Faden zu zitieren, und auch das Netz ist voll davon wo Leute die gerade ihre Dachrinne gesäubert haben schreien:“ Ja es funktioniert, ich habe einen.“
Aber in der heutigen Zeit wird die Sensation halt gesucht und auch gefunden und erst später nachgedacht.

Was mir auch bisher noch nicht erschließt, warum man unbedingt aufs Dach muß. Wenn die MM ubiquitär sind, woran kein Zweifel besteht, warum nicht mal den Inhaltbeiner Strassenkehrmachine durchsuchen. Oder -Retorikmodus an- ist es, weil man dann dem Himmel näher ist.

Gehabt Euch wohl
Speil


Lächle einfach - denn du kannst sie nicht alle töten

Offline ironmet

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #177 am: November 22, 2017, 16:35:48 Nachmittag »
Hallo speul,


„Ich bin relativ sicher, dass alles was eben diese markante Struktur zeigt, auch im Labor bestätigt wurde.“

Woraus resultiert diese Sicherheit? Sind die Analysedaten von allen untersuchten Objekten zusammen mit der Beschreibung ihrer Struktur publiziert wurden, oder schreibts der Larsen wenigsten irgendwo. Schon ein einziges Teilchen, was so ausschaut wie Du es als Mikrometeorit gern hättest macht diese schöne Annahme kaputt.


Diese Sicherheit resultiert nur auf meiner Wahrnehmung.
Ich kann immer wieder erneut auf Facebook verweisen !!!!!!!!!!
Ich weiß, viele sind dort nicht angemeldet oder mögen Facebook nicht.
Leider verpasst man dann die wirklich fast täglichen News, die Jon Larsen dort gibt.
Und diese sind immer überaus interessant.
Analysedaten, REM-Fotos von den Stücken in erstklassiger Qualität, untermauert von interessanten Texten.
Zugegeben, wäre ich nicht bei Facebook, hätte ich das nicht schon jahrelang verfolgen können.

Gestern z.B. zeigte er einige Fotos, eines Studenten bzw. angehenden Wissenschaftlers, wie er mit einer
Unmenge an Staub vor seinem Auflichtmikroskop sitzt und optisch aussortiert. (optisch !!  :belehr: )
Er hatte tatsächlich ein Stück, welches eben diese Tannenbaumstruktur zeigt, wovon auch Larsen immer wiederkehrend spricht,
rein augenscheinlich aussortiert.
Dieses Stück wurde im Stack-Verfahren dann unter einem Auflichtmikroskop fotografiert.
Zusätzlich gibt es dann immer noch dazu das Rasterelektronenmikroksop-Foto.
Und diesen Abbildungen stehen auch immer Analysediagramme zur Verfügung.

Tja, und wenn man das über eine sehr lange Zeit verfolgt, weiß man einfach schon, wie das nächste Fundstück aussieht,
bzw. auszusehen hat.
Und diese markanten Stücke gibt es sonst nirgends.
Jedenfalls habe ich davon noch nichts in seinen Berichten gelesen.
Und so wie man es rausliest, müssen diese optischen Gegebenheiten vorhanden sein (Tannenbaum-Struktur bzw. dendritische Struktur)!
Klar, würde er solch ein Stück finden und die Analyse ergäbe ein Ergebnis, was auf irdisches Material hindeutet, wäre diese Theorie
sofort im Eimer.
Gab es aber scheinbar wohl bisher nicht.
Man müsste Jon mal fragen diesbezüglich.



Was mir auch bisher noch nicht erschließt, warum man unbedingt aufs Dach muß. Wenn die MM ubiquitär sind, woran kein Zweifel besteht, warum nicht mal den Inhaltbeiner Strassenkehrmachine durchsuchen. Oder -Retorikmodus an- ist es, weil man dann dem Himmel näher ist.




Diese Erklärung hierfür ist ganz einfach.
Natürlich könnte man mit einem Magneten auch über die Wiese laufen, über einen Parkplatz, über einen Gehweg
oder Reitplatz.
Nur sind dort eben die Chancen nicht ganz so groß.
Warum?
Zum einen hat man in Bodennähe viel mehr Müll, der auch magnetisch ist, welchen man ersteinmal mitnehmen muss
und schlußendlich ja auch in mühsamer Kleinarbeit unterm Mikroskop durchsehen muss.

Deshalb sucht er sich große Flachdächer, von Gebäuden welche eine Dachfläche von 1000qm und mehr.
Dazu sollten die Gebäude nicht vor kurzem gebaut sein.
Soll heißen, optimalerweise wäre ein großes Dach mit einem Alter von 50 Jahren.
Jetzt könnte man die Statistik befragen, wie viele Mikrometeoriten dort statistisch gefallen sein könnten.
Tja, und wenn auf dem Dach wirklich schon lange nicht mehr sauber gemacht wurde, fließt dort eben alles Gute
zusammen.
Und einige Dächer sehen wirklich gigantisch aus, da könnte man sich Eimerweise Material mit nach Hause nehmen.
Daher wird schon vorher mit einem Magneten separiert und eben ein Tütchen von 100g mit nach Hause genommen.
Das dann unterm Mikroskop durchzusehen ist immer noch eine Schweinearbeit, welche sich aber lohnt, wie man sieht.
Also kurz und knapp....auf einem Dach dieser Art, ist die Wahrscheinlichkeit einen Mikrometeoriten zu finden einfach am
höchsten.
Sozusagen bestes Konzentrat in kürzester Zeit.

Wenn ich das richtig verfolgt habe, ist Jon Larsen inzwischen bei 1162 bestätigten Funden, welches echte Mikrometeorite sind.
Für diese Anzahl bräuchte man auf dem Erdboden durch die höhere Verschmutzung sicherlich ein mehrfaches an Jahren.

Meine Empfehlung - FACEBOOK " Project Stardust - Jon Larsen" !!!!!!!!!!!!!!!!!!
Mehr Infos und tägliche neue News gibt es nirgends zu diesem Thema.

Viele Grüße Mirko
 

Offline ironsforever

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #178 am: November 22, 2017, 17:45:39 Nachmittag »
Zitat
Diese Sicherheit resultiert nur auf meiner Wahrnehmung.
Ich kann immer wieder erneut auf Facebook verweisen !!!!!!!!!!

Zitat
Tja, und wenn man das über eine sehr lange Zeit verfolgt, weiß man einfach schon, wie das nächste Fundstück aussieht,
bzw. auszusehen hat.

Hallo Mirko,

verstehe ich das jetzt richtig? Werden die Dachfunde hier nun rein nach Augenschein als Meteoriten klassifiziert?
Das ist m. E. ein absolutes "Nogo"!

Daran ändert es auch nichts, wenn ich mir auf FB haufenweise Bildchen von irgendwelchen Kügelchen ansehe. Damaszenerstahl ist schließlich auch kein Meteoriteneisen, nur weil es ähnlich aussieht.

Gruß,
Andi




Offline MetAur

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Re: Mikrometeorite/Mikrometeore
« Antwort #179 am: November 22, 2017, 18:03:48 Nachmittag »
Als Wissenschaftler bin ich zunächst einmal offen gegenüber Thesen. Ich möchte sie weder euphorisch vorschnell als Sensation hochjubeln (wer macht das hier?), noch mit mal mehr, mal weniger gelungenem Witz sarkastisch niederbügeln. Ich erinnere nur einmal an die lange praktizierte "überlegene" Haltung der Französischen Akademie der Wissenschaften zur Herkunft der Meteoriten. Dies ist in Sache und Ausmaß gewiss nicht vergleichbar, aber wir alle sollten uns immer wieder vor dem damals gepflegten Stil hüten. Nun ist jedoch das ständige Entgegnen abstruser Behauptungen anstrengend, ermüdend, nervend. Auch ich lehne daher die Prüfung von Sachverhalten ab, die den Naturgesetzen widersprechen. Wenn dies, wie hier, nicht der Fall ist, schadet als nächster Schritt eine Plausibiltätsbetrachtung nicht - schließlich ist Zeit kostbar und man kann sich nicht jeder möglichen, aber höchst unwahrscheinlichen Behauptung auseinandersetzen.
Das und nur das meinte ich mit meinem vorangehenden Beitrag. Leider gelingt es nicht immer, mit vertretbarem Aufwand einen eindeutigen wahr-falsch-Beweis zu führen. Aber auch Mediziner können selten beweisen, dass ein Mensch durch eine bestimmte Ursache (z.B. Rauchen, Trinken, Lärm oder meinetwegen dem Einatmen von Meteoritenstaub) erkrankt ist - hier geht es nur mit Statistik und Wahrscheinlichkeiten.
Im Falle der Mikrometeoriten hatte ich ein ähnliches Vorgehen angeregt - nicht mehr und nicht weniger.
Und solange behaupte ich weder "dass" noch "dass nicht".

 

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