Autor Thema: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?  (Gelesen 31653 mal)

Offline APE

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #120 am: Mai 09, 2007, 17:47:58 nachm. »
Ah-Ja!
Ein Fragment eines OriMets keine Frage. Aber der wirkliche Wert dieses Fragments liegt eindeutig nicht in der Orientierung ... :belehr:

Die Orientierung ist schwach und betrifft nur die allerletzte Flugphase, wo Schmelze radial abgelaufen ist und erstarrte. Ich schätze bei der Größenklasse des originalen Meteoriten, als dieser noch ein "Gänzling" war (ca.15g), ist es auch nichts besonderes, das diese kleinen Meteorite flugorientiert fallen. Ein orientierter Knopf halt, kennt man ja. Aber es ist schon was außergewöhnliches, wenn es Marsmaterial ist!

Dem Meteorit fehlt wohl scheinbar nur rückseitig (dafür aber komplett) etwas Material inkl. Kruste ...

Gruß Thomas

Grau ist alle Theorie ...

Mettmann

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #121 am: Mai 09, 2007, 19:45:49 nachm. »
Besprechung:
Man erkennt an der Wölbung des Schmelzkrustenrandes und daran daß, im zweiten Bild sieht man es, sich an manchen Stellen die Kruste zurückgesetzt unter dem Wulst und dünner noch ein bisschenfortsetzt, daß es sich um ein unbeschädigtes Individual handelt.  Zudem ist diese aus der Rückseite hervortretende Stelle - im letzten Bild rechts, noch ganz leicht angeschmolzen. Die Schmelzkruste selbst auf der Vorderseite ist ungewöhnlich dick ausgebildet, wesentlich dicker als bei allen anderen gepairten Steinen dieses Shergottiten, wie auch die radialen Flowlines ungewöhnlich breit und tief ausgeprägt sind. Dieses stark orientierte Exemplar sehen wir daher wie gefallen.
Es handelt sich neben dem Stein von Lafayette um den einzigen orientierten unter den Marsmeteoriten und einen zweiten in dieser Größe sucht man vergebens.
Bei diesem welteinzigartigen Stück ist ein Schätzwert von ca. 25.000$ anzusetzen.

Mettmann

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #122 am: Mai 10, 2007, 01:13:35 vorm. »
Auch so ein wenig bemerkenswertes Stück:
http://www.minerals.si.edu/images/gallery/34.jpg

 :nixweiss:

Offline APE

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #123 am: Mai 10, 2007, 15:39:14 nachm. »
Hmmm? Der kleine Lafayette Met.   :gruebel:

Naja, er scheit schon mal frischer und ziemlich ganz zu sein ... äh war er mal ...
Ich habe diesen Stein übrigens noch nie von hinten gesehen!    :crying:
Das jenes Bild nicht den ganzen OriMet zeigt, hat einen simplen Grund. Er wurde zerschnitten! Super Sache, da muß man schon gratulieren ...
Oder ist dieser Meteorit als orientierter doch nicht so wertvoll, sondern eher sein Material ...  :einaugeblinzel:

Früher hat man noch wert auf die Morphologie gelegt, heute sind eben die Mineralogen dran und die interessieren sich scheinbar nur noch für die inneren Werte.

Was man bei diesem OriMet gut sehen kann, ist die Tatsache, daß die Spitze jedes Orientierten die letzte Zone ist, wo Material aufgeschmolzen und abgetragen wird. Deshalb sieht man immer jene radialen Flußstrukturen und ein immer flacher werdender Apex ... (jedenfalls sehr gut zu sehen bei dieser Klasse von OriMets) ... Was ich damit sagen will, schaut genau hin, an der Flanke des Mets entsteht gar keine Schmelze mehr! Dort fließt das flüssige Material nur noch ab und erstarrt, genau wie bei einer Kerze das Wachs.   :fluester:

Dadurch kann man eine tolle Aussage machen: Nur dort, wo noch Schmelze entstand, befand sich der entstehende Meteorit noch in der Schockfront. Die Seiten sind schon im "Niedrig-Energiebereich". Das geht nur im Überschallflug, bei eher kleiner Mach-Zahl ... Denn je schneller der Körper fliegt, um so spitzer ist die Schockfront. Oder eben bei Mach 1 ist die Schockfront eine fast senkrechte Mauer zur Flugrichtung ... wo eben große Impulse bzw. Kräfte das Material beanspruchen und erwärmen. (siehe Abb.)

Nun sind die unmagnetischen Achondrite eh schon fast ohne Regmaglypte zu finden, weil an diesen Materialien scheinbar keine gut sichtbaren Vertiefungen so richtig entstehen wollen. Aber die Frage steht auch im Raum, sind diese vielleicht wieder weggeschmolzen? Regmaglypte können ja nur in der Feuerkugelphase entstehen - im Flug mit Plasma! Wenn der Meteoroide aber noch ein Weilchen im Überschallflug oberflächlich abgeschmolzen wird, könnten dadurch diese auffälligen Abdrücke wieder vollkommen verschwinden? Eine Gute Frage nicht?!  :confused:

Solange wie das unklar bleibt, ist auch dieser Lafayette Met hier nur ein Überschall-OriMet, wie viele andere auch und eben kein Plasma-OriMet, jene wirklich ausgeprägten Flugorientierten, welche kaum zu finden sind, weil sie eben schon so früh wie nur möglich die Orientierung bekommen müssen ...

Beste Grüße aus Bernau
Thomas Grau
Grau ist alle Theorie ...

Mettmann

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #124 am: Mai 10, 2007, 20:44:40 nachm. »
Zitat
Nun sind die unmagnetischen Achondrite eh schon fast ohne Regmaglypte zu finden, weil an diesen Materialien scheinbar keine gut sichtbaren Vertiefungen so richtig entstehen wollen. Aber die Frage steht auch im Raum, sind diese vielleicht wieder weggeschmolzen? Regmaglypte können ja nur in der Feuerkugelphase entstehen - im Flug mit Plasma! Wenn der Meteoroide aber noch ein Weilchen im Überschallflug oberflächlich abgeschmolzen wird, könnten dadurch diese auffälligen Abdrücke wieder vollkommen verschwinden? Eine Gute Frage nicht?!

Eher nicht. Ist ein Wahrnehmungsproblem.

Achondrite können sehr wohl Regmaglypte haben und orientiert sein, nur sindse eben viiiiiiiiiel seltener als Chondrite - was weiß ich nur 7,5% der Fälle oder so sind Achondrite, bei den Funden wirds noch schmaler, weilmerse ned so gut erkennt
(man lasse sich nicht durch den NWA-Nummernsalad irritieren, nur in Achondriten steckt für einen Händler Geld drin, daher die zahlosen Pairings).

Ferner fehlen bei den Achondriten die großen Schauer - wie es bei den Chondriten ja eigentlich auch nur eine Handvoll derer gibt - Millbillillie ist da schon das höchste der Gefühle.
Kurz um, die siehste eben nicht so oft im Web und in den Büchern, mußt schon in die Museen gehen undse dort knipsen. So einfach ist das.

Wie Du im Übrigen auch die Häufigkeit der orientierten (tschulligung, daß ich Deine Privatterminologie, solange sie nicht etabliert ist, nicht teile), der orientierten Knöppe m a ß l o s überschätzt.
Wo kommen die Dir nämlich unter? Eben, bei Gao, bei Juancheng, bei Sikhote, manchmal auch bei Bensour.  Das sind Riesenschauer, die kleine Individuals produziert haben, Sikhote 100t plus, Gao sicher auch ne Tonne, Juancheng ne halbe Tonne+, solcher Schauer sind extrem selten. Und beilieibe nicht alle Schauer produzieren in der Menge kleene orientierte Knöppe. Bei Allende, bei Pultusk, bei Holbrook, bei NWA 869 usw. da sieht es äußerst mager aus.
So und von den abertausenden kleiner Einzelstücke dieser obigen Schauer, von denen Du die Orientierten Knöppe kennst, da ist dann vielleicht jedes 200ste bis 300ste, 400ste sone Knopp.
Und warum siehste die überhaupt?  Richtig. Weil Gao, Juancheng, Bensour zu den billigsten Fällen zählen und leicht zugänglich sind für die Händler ohne größere Investitionen
und sie daher eben sehr häufig angeboten werden und die natürlich die orientierte Knöppe aussortieren, weilse begehrt sind.
Dann kriegste noch auf den Messen hie und da einen Orientierten aus der Wüste vorgesetzt, diese Dinger sind aus abertausender andere Steine aussortiert und der Vogelschiß auf dem Gipfelkreuz der Spitze des Eisberges - tschuldigung, daß ich das Bild erweitern mußt, sonst hätten vielleicht noch einige gemeint, daß jedes siebte Ei ein orientierter Schlumpf sei.

Kurzum, Du mußt mehr Zeit für die Recherche aufwenden; die gehört auch dazu!

 :super:

Offline gsac

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #125 am: Mai 10, 2007, 21:03:52 nachm. »
der Vogelschiß auf dem Gipfelkreuz der Spitze des Eisberges

...spottet jeder Beschreibung!  :einaugeblinzel:

Ansonsten muß ich argumentativ meinem Neffen
Sir Mettmann im wesentlichen beipflichten!

:winke: gsac aka Alex

Offline APE

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #126 am: Mai 11, 2007, 02:54:03 vorm. »
Ja Martin, deine Argumente sind alle nachvollziehbar und ich sehe das recht ähnlich.  :prostbier:

Nun, was das Recherchieren an geht da bin ich nun schon ein Weilchen dabei, um dieses Thema in den Griff zu bekommen. Nicht um sonst habe ich eine neue Terminologie entwickeln müssen, um eben alle physikalischen Möglichkeiten und die morphologischen IST-Werten unter einen Hut zu bekommen. Mag sein, das es zur Zeit so aussieht, als wenn das meine private Taxonomie für OriMets ist ... als einer von "Chladnis-heirs" ist Dir ja auch bewußt, daß irgendeiner mit einer Sache mal anfangen muß ... aber mal sehen, wohin es damit geht, noch ist diese Einteilung jedenfalls im Fluß und ich bin für jeden Hinweis dankbar, solange ich den nachvollziehen kann!!!

Zur Zeit gehe ich davon aus, daß es in erster Annäherung an die Wirklichkeit etwa 1000 KLEINE OriMets gibt, die mehr oder minder geprägt wurden. Hier habe ich bescheidene 182 dokumentiert und langsam habe ich keinen Bock mehr alle aufzulisten und muß zugeben, das ich mir zur Zeit um diese Klasse sehr wenig kümmere. Jene sollte etwa 1% bis 2% aller Meteorite ausmachen. Untergruppen sind die „Knopfartigen“ OriMets  dann  Orientierte Eisenfragmente  auch  Orientierte Steinfragmente  und  die schwach geprägten „Kleinen Meteorite“ ...

Bis her habe ich gerade mal 28 GEPRÄGTE OriMets gelistet, welche ein höheres Level von Orientiertheit zeigen. Das hat auch damit was zu tun, wie schnell eine solche Masse in eine flugorientierte Phase kommt und was dann mit ihr noch geschehen kann. So befinden sich in dieser Gruppe die formschönen  OriMets mit starken Fließstrukturen     und  OriMets mit gerundeter Brustseite     aber auch die eher unauffälligen   Schwach geprägte „Große OriMets“. Der Lafayette Met gehört trotz nur ca. 800g zu den OriMets mit starken Fließstrukturen. In dieser Untergruppe sind außer zwei Murchison Stücke (CM2) nur Achondrite zu finden! Ich muß allerdings auch erwähnen, das hier bestimmt noch einige weitere Meteorite für mich unentdeckt geblieben sind, da sie eben nicht immer publiziert wurden und ich unbedingt zum Erkennen wenigstens Abbildungen brauche.

So, die spektakulärsten Meteorite sind auf jeden Fall die AUSGEPRÄGTEN OriMets , von denen ich gerade mal 26 gefunden habe. Ich gehe davon aus, das weltweit keine 50 Meteorite dieser Klasse vorhanden sind, da jene außergewöhnlichen Himmelssteine gern publiziert und abgebildet werden. Diese extrem seltene Klasse unterteile ich in fünf Untergruppen Die Kegelförmigen -> Rückseite (1)flach oder (2)fragmentiert    dann    Die Schildartigen -> (1)Eisenmassen bzw. (2)Steine   und   Die stark geprägten Fragmente. Jene Meteorite müssen zwingend auch schon orientiert als Einzelmeteorit in der Feuerkugelphase geflogen sein! Dies ist für schwere kompakte Massen ein großes Problem und bedeutet sehr viele günstige bzw. einschränkende Voraussetzungen von Beginn an, was halt sehr unwahrscheinlich ist ...

Dann gibt es noch mehrfach geprägte Meteorite, wobei die Eisenmeteorite eine größere Untergruppe bilden. Sehr interessant aber auch furchtbar selten, sind die OriMets, die zum Schluß hin nochmals fragmentiert sind und wieder orientiert flogen. Ich kenne drei Meteorite dieser Prägungsart. Oft werden auch orientierte Meteorite dargestellt, die entweder stark verwittert sind oder die nur ein Fragment eines tollen OriMets darstellen oder eben beide Bewertungen in Kombination zeigen. Diese Stücke sind nicht informativ und uninteressant ...

So, noch Fragen?!  :user:
Ach ja, ob ich die Anzahl der Orientierten Knöpfe überschätze?! Nun, diese kleinen Meteoroidensplitter haben es jedenfalls physikalisch gesehen am leichtesten zum OriMet zu werden, folglich sollte ihre Gruppe sehr groß sein. Ob man sie dann allerdings auch immer findet, ist schon wieder eine andere Frage ...
Doch diese Frage stellt sich auch bei den kleinen Meteoriten im Allgemeinen. Wer sammelt die noch alle auf und kontrolliert diese auf Orientiertheit? Wie lange werde diese Kleinen aber auch die Großen schwachen OriMets so unverwittert bleiben, das man sie noch klassifizieren kann? Es gibt viel Möglichkeiten das eine gewisse Unschärfe zustande kommt. Aber ich kenne keine Studie, die sich jener Fragen, wie ich sie stelle, je angenommen hätte.

Schon die Frage nach der Anzahl der gefallenen Meteorite ist natürlich unklar. Bei Pultusk sollen angeblich 100.000 Mets gefallen sein. Wieviele hat man nun gefunden und wieviele gelistet ... ? Wieviele Wüstenfunde sind solche, wo es eigentlich mehrere Meteoriote gibt, die aber nur Fragmente eines einzigen heruntergekommenen Meteoritenstücks darstellen, das verwittert und zerfallen ist?

Euer Flugbegleiter
Grau ist alle Theorie ...

Mettmann

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #127 am: Mai 11, 2007, 10:44:39 vorm. »
Nu, ich hab einen Vorschlag, der Dir vielleicht hilfreich bei der Recherche und allen frommt:

Stell doch die Bilder der Stücke, diede schon hast, vielleicht nach Deinem neuen System sortiert, ins Web
und die Forumsmitglieder können Dir sodann, wennse auf was orientiertes stoßen, die Bilders schicken bzw. schaun, obsde sie schon hast.
400 Augen sehen mehr als 2.

Pling

Offline Haschr Aswad

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #128 am: Mai 14, 2007, 10:46:28 vorm. »
ohne Euch bremsen zu wollen, verstehe ich die beiden Standpunkte nicht. Wie hier schon gesagt wurde ist ein Vergleich Mengenverhältnis orientierte Meteoriten Achondrite vs. Chondrite müßig, so lange keine Aussagen über die statistische Basis einer solchen Untersuchung gemacht wurde. Hier wahllos Einzelstücke oder einzelne Fälle herauszugreifen ist zwar unterhaltsam, führt jedoch zu keinen belastbaren Aussagen. Ein sinnvolles Vorgehen wäre, die Frage einmal auf Basis vorhandener taxonomischer Meteoritenkataloge zu untersuchen. Solche Kataloge gibt es für L'Aigle, Hessle, Stannern, Pultusk, Kainsaz, Thuathe und sicher noch für eine ganze Menge weiterer Fälle. Exemplarisches Bildmaterial ist ebenfalls in hinreichenden Mengen vorhanden. Ansonsten empfehle ich zum Thema Orientierung Haidingers "Leitform der Meteoriten" von 1860. Darin wird nicht nur bereits alles gesagt, was hier zum Thema geschrieben wurde, sondern noch eine ganze Reihe hochinteressanter Quellen gennant, die ich jedem Interessierten wärmstens empfehlen kann. Anbei etwas Initiationsmaterial:
« Letzte Änderung: Mai 14, 2007, 11:25:04 vorm. von Haschr Aswad »

Mettmann

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #129 am: Mai 14, 2007, 14:40:04 nachm. »
Hadschi,

das ist ja nu gerade mein Standpunkt. Dem Thomas ists um die Morphologie der Orientierten bestellt, allein scheinen seine Vorstellung über die Häufigkeit bislang reine Spekulation, die noch mit keiner Grundlage gefüttert sind. - für meine Begriffe schien es, als er das Marsbömbchen vollkommen verkannt hatte, daß er die Anzahl oder den Anteil der kleen Knöppe an den Gesamtfunden und -fällen stark überschätzt, und aus seiner anschließenden Mail, daß er die Anzahl derjenigen, die für seinen Geschmack für orientiert hält, unterschätzt. ("Meine Begriffe" bedeutet hier nicht veröffentlichte Zahlen gelesen zu haben, sondern was man halt so mitkriegt über die Jahrzehnte, mümmel).
Und da wir ja sein Bestes wollen, hab ich ihm nahegelegt, daß erst einmal eine tüchtige Recherchearbeit nötig wär, damit er überhaupt einmal Hypothesen aufstellen könne bzw. sich nicht in vermeidbar abwegige versteigt.
Sicherlich ist das ein mühsames Unterfangen, aber wir kennen ja den Enthusiasmus unseres Thomasses, wenn er mal ins Reden kommt, naja auch wenn ichs prinzipiell nicht für möglich halte, zu tatsächlich relevanten Aussagen über die Häufigkeiten zu kommen, mangels geeigneter Daten - solche Kataloge wie Du ansprichst, haben das Problem zeitnah sein zu müssen, d.h. bei weitem nicht alles Material kann erfaßt werden (und vordringlich geht es um die Kartierung und die Lage der Stücke im Streufeld), man siehts ja an den teilweise gewaltig abweichenden Schätzungen, zudem wenns ned grad in unzugängl. Gebieten runtergeht, sacken ja die Aborigines tüchtig ein, huhu Prügeleien in Park Forest und schließlich kann man von diesen wenigen Katalogen nicht generalisieren, da jeder Schauer unterschiedliche Individuals produziert. Kleines Bsp Allende vs Gao vs Bensour vs. Jilin vs Tatahouine

Weiters ists dem Thomas um die Morphologie bestellt, daher schadets nix, wenn er an Bild-Material sammelt, was er grad nur kriegen kann.
Nu ist das ein Sisyphos-Unterfangen, doch glücklicherweis ists ja hier ein Meteoritenforum mit Interessierten und einigen sehr Engagierten,
sodaß ich angeregt habe, dasse sich an dieser Sammelarbeit beteiligen, was ja Spaß machen kann und lehrreich ist und Bücher und das Web plüdern,
wozu der Thomas eine Form und Webspace zur Verfügung stellen kann,
sodaß ein stetig wachsendes online-Pendant zu was weiß ich, Niningers Photographic Studies, Oriented Shapes, entstehen kann.
(natürlich bittschön vorher fragen wegen copyright).
Dytt wär doch mal was Nettes, dem Thomas hilfreich, den andern plaisierlich.

 :prostbier:
Mettmann

Zitat
Martin: Du hast doch alle Internetseiten weltweit im Kopf parat: Zeig was! - ansonsten würde ich mich wundern...
Wundere Dich nicht Bernd, Zeitmangel...schiebe grad wiedermal 100-Std-Wochen - wie gut daß es keine IG Met&All gibt.[/size]



Offline APE

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #130 am: Mai 15, 2007, 01:03:59 vorm. »
Hi Martin - so wie Du sagst machen wir das   :super:

Laß uns einen "Katalog" zusammentragen!  :user:

Was ist aber mit den Bildrechten? Teilweise weiß ich ja auch nicht, wem was gehört?  :traurig:

Gruß Thomas
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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #131 am: Mai 15, 2007, 01:59:28 vorm. »
Hallo,

Ensisheim scheint seine Schatten vorauszuwerfen:

  :laughing:

Thomas,

ich will ja kein Spielverderber sein, aber ich wäre mit den Urheberrechten und den Pflichtangaben (Hallo Mirko!) vorsichtig. Wenn das Kind einmal in den Brunnen gefallen ist, sprich wenn der Veröffentlicher ein anwaltliches Abmahnschreiben des Urhebers bekommt, hilft Dir Deine Einlassung "Ich wußte ja nicht, wem was gehört!" keinen cm weiter: Sowohl Anwaltskosten, als auch Veröffentlichungshonorar müssten dann gezahlt werden. Verrückt! Aber ist eindeutig so! Also im Zeitalter der Digi-Cams selber fotografieren oder Erlaubnis der Urheber vorher einholen. Schaut bei Wikipedia, wie die das handhaben! Das machen die nicht aus langeweile! Und trotzdem kann sich Wikipedia auch nicht sicher sein!

Gruß

Bernd

Offline APE

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #132 am: Mai 15, 2007, 02:36:44 vorm. »
Hallo Svend!

Immer wenn ich ein wenig festgefahren bin, wünsche ich mir so einen Ideengeber, wie jetzt dein Beitrag. Dafür muß ich mich (wir uns) bedanken!!!  :danke:

Du hast recht, die Datengrundlage ist lausig, aber was soll´s, denn am Anfang stand nur ein interessantes Listen von außergewöhnlichen Steinen. Später konnte man schon beim Vergleichen erkennen, das man verschiedene Gruppen mit eigenen Merkmalen vor sich hatte. Ein wissenschaftlichen Hintergrund gab es nicht und zum Durchstöbern in einer alten Museumsbibo bin ich bei diesem Thema noch nicht gekommen. Naja, das soll sich ja ändern ...

Ansonsten, Deine Empfehlung zum Thema Orientierung (Haidingers "Leitform der Meteoriten" von 1860) - woher kennst Du diese Schrift? Scheint ein Buch zu sein? Wer ist Haidinger? Sag mal was dazu ... :pro:

Taxonomische Meteoritenkataloge habe ich persönlich noch nie gesehen. Das müssen alles alte Werke sein, schätze ich, ich rechne mit keiner aktuellen Doku. Noch ein Grund eine "richtige" Bibo aufzusuchen.

Das mit dem Mengenverhältnis von OriMets zwischen den einzelnen MetKlassen selbst, dieses Thema ist für mich sekundär. Trotz alle dem habe ich schon einige verschiedene Hinweise gefunden, die nicht nur in der Form der Beispiel-Meteorite zu finden sind, welche mir mehr oder minder gut fototechnisch dokumentiert vorliegen, so daß ICH sage: manche Materialien neigen zu ganz bestimmte OriMet-Gruppen.  :user:

Doch für mich stellt sich viel mehr die Frage, welche Meteoritenformen (WIE und WANN) im allgemeinen entstehen können, wie werden diese dann fallen und was passiert mit diesen im Fluge. Klar, ganz allgemein könnte man auch die Frage stellen, nach der Größeverteilung bei einem MetFall. Wieviele Kleine Mets zu Mittler zu Große usw. Doch setzt ich in erster Annäherung voraus, das es zahlenmäßig immer viel mehr kleinere Mets geben wird als Mittlere oder Große - bei einem Meteoritenschauer. Wenn man dann noch die Tatsache einkalkuliert, das die Kleinsten viel schneller und leichter beeinflußt und somit orientiert werden können, sind die wahrscheinlichen OriMetverteilungen klar vorauszusehen. Da bleibt nur noch die Frage zu klären, wieviele davon gefunden wurden und in Sammlungen stecken.  :confused:

Deine drei herrlichen Beispiele entsprechen voll und ganz meinen Vorstellungen vom Ganzen, auch wenn ich dem Herrn Haidinger noch nicht "zugehört" habe, denn Stannern ist ein Eukrit, aber Hessle und Gross-Divina sind H5 Meteoriten, was man ihnen allen auch ansehen kann ... Svend, Du hast recht, sie sind unheimlich motivierend!  :fluester:

Gruß Thomas

PS: Sehen wir uns in Ensisheim?
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Offline Haschr Aswad

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #133 am: Mai 15, 2007, 10:50:50 vorm. »
Hofrath und Ritter Wilhem Haidinger ist einer der wichtigsten Meteoritenforscher des 19. Jhs. Bei seiner „Leitform der Meteoriten“ handelt es sich um eine kleine Vortragsschrift über die Orientierung von Steinmeteoriten, die eine Vielzahl von Quellen zu diesem Thema nennt.

Kurzer Lebenslauf:
1795 Geboren am 5.2. in Wien. Bis 1822 studiert Haidinger bei dem berühmten Mineralogen F. Mohs am Grazer Joanneum und begleitet diesen in der Folge bis nach Freiberg. 1823 lernt auf einer Reise in Edinburgh den Bankier T. Allan kennen, der ihn einlädt seine Sammlungen zu bearbeiten. Bis 1827 Aufenthalt in England, wo er staunend das hohe Ansehen der wissenschaftlichen Kreise in der Gesellschaft zur Kenntnis nimmt und nicht weniger als 40 Arbeiten veröffentlicht. 1827 zurück in Wien ist Haidinger frustriert von den hier immer noch herrschenden wissenschaftlichen Möglichkeiten und beteiligt sich in Böhmen an der Leitung der Porzellanfabrik seiner Brüder. 1840, nach dem Tod Mohs kehrt Haidinger nach Wien zurück um dessen Werk fortzusetzen, 1849 gründet er als Krönung seiner wissenschaftlichen Arbeit am 15.11. die Geologische Reichsanstalt. 1866 Ruhestand nach 17-Jähriger Tätigkeit als deren Direktor. 1871 stirbt er am 19.3. in Wien.

Kleine Auswahl seiner Schriften:
•  Haidinger, M.W - Eine Leitform der Meteoriten., Wien, Gerold, 1860
•  Haidinger, M.W - Die Calcutta-Meteoriten von Shalka, Futtehpore, Pegu, Assam und Segowlee im k.k. Hof-Mineralien-Cabinete., Wien, Gerold, 1860
•  Haidinger, M.W - Der Meteoreisenfall von Hraschina bei Agram am 26. Mai 1751., Wien, Gerold, 1859
•  Haidinger, v - Der Meteorsteinfall am 9.Juni 1866 bei Knyahinya nächst Nagy Berezna im Ungher Comitate., Wien, Gerold, 1866
•  Haidinger, von - Der Meteorsteinfall am 9.Juni 1866 bei Knyahinya. 2.Bericht., Wien, Gerold, 1867
•  Haidinger, von - Licht, Wärme und Schall bei Meteoritenfällen., Wien, Gerold, 1868
•  Haidinger, W - 4 Berichte zu Meteorsteine und Meteoriten., Wien, Gerold, 1859 
•  Haidinger, W - 1. Neuere Untersuchungen über die Bestandtheile des Meteorsteines vom Capland. 2. Einige neuere Nachrichten über Meteoriten, namentlich die von Bokkeveld, New Concord, Trenzano, die Meteoreisen von Nebraska, vom Brazos, von Oregon., Wien, Gerold, 1860

Ein gutes Beispiel für einen neueren taxonomischen Katalog ist jener von Ambrose zum Thuathe Fall. Taucht hin und wieder bei ebay auf und ist auch im antiquarischen Buchhandel noch zu bekommen. Ansonsten hat die Bibliothek der Humboldt Uni eine ganze Menge Haidinger Schriften im Bestand, alles andere ist über Fernleihe zu beziehen.



Mettmann

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Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #134 am: Mai 16, 2007, 02:00:42 vorm. »
Ähm Bernd,

Ich leb ja noch in einer Elfen- und Zwergenwelt. Spricht denn rechtlich etwas dagegen, bei dem Urheber der Bildquelle die Genehmigung einzuholen, das jeweilige Bild zu verwenden? Ich mein, wennst eben die Autoren oder Webmeister der betreffenden Seiten einfach anmailst und artig fragst, huhu guxx, bauen da grad eine nichtkommerzielle Orimet-Bildergalerie, dürfmer Dein Bild verwenden unter Nennung der Quelle zu diesem Behufe, dann werden schätzungsweise 99,998% der Angeschriebenen antworten: Na klar, bedien Dich! Und die restlichen 0,002% Grantler, die fragt man dann eben, ob man zu ihrem Situs velinken derf und die zwo Hanseln, die darauf krähen: Nääääh, gib mir Tausend Westmaak, die sollen eben ihr Bildchen behalten und damit glücklich werden. So einfach ist das, wenn sich Justitia im Leben nicht einmischt, sondern brav für sich weiter Blinde-Kuh spielt und uns in Ruh läßt.

Urheberrecht mußt uns allerdings noch erzählen. Da kenn ich mich gar nicht aus, es heißt ja öfters, dasset erlischt 70 Jahre nach dem Dahinscheiden des Autors. Stimmt des?

Mettmann
PS: Ensisheim ist Erholung und Ferien!



 

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